Brieflein an die Regierung

Liebe österreichische Bundesregierung

Du hast ja beschlossen, dass ich ab 2014 keine Invaliditätspension mehr bekomme, da ich unter 50 Jahre alt bin. Ich würde es aber total nett finden wenn du mir sagen könntest, was dann aus mir werden soll. Denn der Arbeitsmarkt ist nicht nur generell im Arsch, liebe Regierung, du weißt auch ganz genau, dass kein Arbeitgeber jemanden mit meiner Krankengeschichte einstellen wird. Ein Jahr mit Krebs im Krankenhaus, ständige Nachuntersuchungen, seit 20 Jahren depressiv, seit 13 Jahren Angstzustände, einmal Zwangspsychiatrierung durch die Polizei – um so einen werden sich die Personalchefs prügeln und Oben-Ohne-Kämpfe im Schlamm liefern. Was also erwartet einen wie mich? Ja sicher, du sagst, du wirst mich „rehabilitieren“. Du wirst schaffen, was die Ärzte bislang nicht geschafft haben, du wirst mich heilen. Wie wird das ablaufen? Sechs Wochen Reha-Klinik und danach ärztliche Kontrolle darauf, ob die Depris und die Angst eh verschwunden sind? Und falls die nicht verschwinden, wieder zwangsweise in die Psychiatrie? Und danach die Frage: „Sind sie jetzt gesund oder müssen wir sie weiter hier festhalten“? Genau so wird das doch laufen, oder? Und für meinen „Fall“ wird ein AMS-Beamter, pardon, AMS-Kundenbetreuer zuständig sein, der nicht die geringste Ahnung von seelischen Erkrankungen hat und grundsätzlich darauf trainiert ist, Arbeitssuchende als zu bestrafende faule Schweine zu sehen, nicht wahr? Und das AMS wird mich dann in Kurse schicken. Kurse wie diese: „Wie bewerbe ich mich richtig“, „Deutsch für Anfänger“, „der Computer – das fremde Wesen“, „elektronische Post, ein Wunder“. Und dann wird man versuchen, mich an Arbeitgeber zu vermitteln, die nicht mal genug Jobs für Gesunde anbieten können oder wollen. Und wenn das nix wird, was ja abzusehen ist, wie geht es weiter? Zuerst mal Arbeitslosengeld, dann die „Mindestsicherung“? Ja doch, genau das willst du ja, Regierung. Menschen wie ich sollen nicht 14 mal eine kleine IV-Pension bekommen, sondern zwölf mal die noch viel geringere „Mindestsicherung“. Aber zuvor willst du diese Menschen noch quälen und in Panik versetzen und in furchtbare Existenzangst stürzen. So macht das eine Regierung, die aus Sozialdemokraten und Christsozialen besteht. Und Menschen wie ich müssen wohl auch noch froh sein, dass man uns nicht gleich erschießt oder in Arbeitshäuser sperrt, gell?

Liebe Grüße

Ein von eurer Menschenliebe begeisteter Bürger

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

Ein Gedanke zu „Brieflein an die Regierung“

  1. Besser kann man die Situation wahrlich (kaum) darstellen!
    Nach Rücksprache mit einigen Psychosozialen Zentren wird auch dort bemerkt, dass sich die Fälle von psychisch Kranken häufen, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt wurden (von der Weitergewährung der Pension). Ein besonders krasser Fall: http://mobbing-konkret.jimdo.com/pva-ablehnung-ip-1/ der sehr gut die allgemeine Tendenz zeigt, wie Gutachter mit psychisch Erkrankten umgehen.
    Derjenige wurde auch NICHT zum Case-Management zugeteilt, sondern gänzlich abgeleht – Existenzgrundlagenentzug par excellence – und meiner Meinung nach völlig zu Unrecht!
    Zur Befangenheitsproblematik zu PVA und Gutachtern bzw. gerichtlich beeideten Sachverständigen siehe: http://www.selbsthilfegruppe-mobbing-graz.at/pva/
    Auch betreffend GKK und Casemanagement wurden bereits einige Schilderungen bekannt. Bis dato (Juli 2014) gibt es KEINE Infofolder in der StGKK zum Casemanagement für Versicherte! Man fragt sich wirklich schon, ob diese Desinformation System hat? Zu einigen Fragen haben wir eine offene Anfrage an die StGKK gestellt, insbesondere zum Psychopharmaka-Zwang (?):
    http://www.selbsthilfegruppe-mobbing-graz.at/gkk/
    http://mobbing-konkret.jimdo.com/gkk-beantw-01/

    Bei Fragen kann sich jeder aus ganz Ö an uns wenden (gerne auch anonym)!
    shg-mobbing-graz@gmx.at, Eva Pichler
    http://www.selbsthilfegruppe-mobbing-graz.at

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