Ich bin ein Gutmensch

In den 80ern und frühen 90ern war es einmal für eine kurze Zeit lang okay, sich über die Auswüchse der politischen Korrektheit lustig zu machen und diejenigen, die zwar vom Guten nichts wussten, es aber auf Biegen und Brechen erreichen wollten, als „Gutmensch“ lächerlich zu machen. Heute, fast 30 jahre später, fällt auf, dass nur mehr echte Arschlöcher den Begriff verwenden. Es sind so gut wie immer Rechtsradikale, Hassprediger, boshafte Spießbürger, sadistische Psychopathen und Nazis, die damit diejenigen punzieren wollen, die nicht so verkommen und amoralisch sind wie sie. Es sind die, die das Schlechte und Böse als Normalität darstellen wollen.

Daher sage ich es laut: Ich bin ein Gutmensch.

Wenn ein Gutmensch ist, wer gegen Folter, Mord, Krieg und Unrecht ist, dann bin ich einer. Wenn ein Gutmensch ist, wer für die Gleichberechtigung der Geschlechter und gegen die Unterdrückung von Frauen, Kindern und Homosexuellen eintritt, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer Rassismus ablehnt, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer will, dass es möglicht vielen besser gehe statt schlechter, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer anderen Menschen möglichst wenig Leid zufügen will und nicht auf die Schwachen hinschlägt, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer Menschen in Not helfen will statt sie ihrem Schicksal zu überlassen, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer Kinder nicht schlägt oder missbraucht, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer soziale Gerechtigkeit für besser und sinnvoller hält als das Recht des Stärkeren, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wen Tierquälerei empört, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer für Umweltschutz und damit Menschenschutz ist, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer gegen Intoleranz ist, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer für mehr Freiheit ist statt für weniger, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer gegen Todesstrafe und Misshandlung im Gefängnis ist, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer gegen Diktatur und autoritäre Systeme ist, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer gegen Antisemitismus und Antiziganismus ist, dann bin ich einer. Wenn Gutmensch ist, wer von rechten Hohlköpfen als solcher bezeichnet wird, dann bin ich einer.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

6 Gedanken zu „Ich bin ein Gutmensch“

  1. So ist es. Ich sehe den Grund dafür, dass die Bezeichnung des guten Menschen zu einer Beschimpfung verkommen ist, vor allem in den unterschiedlichen Formen des grassierenden Egoismus, der direkt aus der Mitte der Gesellschaft mit immer längeren Armen um sich greift.

  2. Schön geschrieben. Lindwurm, wer könnte denn gegen deine Aufzählung sein…

    Aber :
    „Wenn Gutmensch ist, wer soziale Gerechtigkeit für besser und sinnvoller hält als das Recht des Stärkeren, dann bin ich einer.“
    und
    „Wenn Gutmensch ist, wer für mehr Freiheit ist statt für weniger, dann bin ich einer.“
    sind nur bedingt kompatibel….

    „Wenn Gutmensch ist, wer gegen Intoleranz ist, dann bin ich einer.“
    Ja, das sind mir die liebsten, diese Gutmenschen, die Islamversteher, die jeden Islamkritiker am liebsten zum NSDAP-Mitglied abstempeln würden. Keine Ahnung vom Koran (die meisten wären mit dem Lesen schon überfordert), aber Sprüche von Toleranz (oft und gerne mit zwei „l“ geschrieben) raushauen, dass es einem schlecht wird.
    Der Islam fordert Toleranz ein, die er selbst nicht bereit ist zu geben…
    Daher bin ich dabei (und nur da) gerne kein Gutmensch…

    Herzlichst, Desillusionierter

  3. Und es hilft, wenn man weiß, daß das Gegenteil von Gutmensch ein Bösmensch ist. Schlechtmensch ist, glaube ich, nicht ganz logisch korrekt.

  4. Du bist kein guter Mensch.
    Als richtig guter Mensch muß man schon wählerisch sein. Man muß für Frieden sein, aber nur wenn man die Amis oder den Westen als Kriegstreiber darstellen kann.
    Wenn irgendwo ein Krieg ohne westliche Beteiligung stattfindet dann regen sich alle guten Menschen darüber nicht auf.

    Als guter Mensch muß man auch gegen Unterdrückung sein, und da nur ein Volk unterdrückt wird – nämlich die Palästinenser in Israel – kritisiert man nur Israel.
    Die anderen arabischen Staaten in denen die Palästinenser als Menschen zweiter Klasse leben müssen kritisiert man deswegen nicht.

    Als richtig guter Mensch muß man auch Solidarität zeigen. Z.B. mit Kuba, Venezuela oder dem Iran, Gesellschaften die alle weit fortschrittlicher und sozialer sind als unsere.

    Wer diese drei wichtigen Punkte nicht beachtet ist kein guter Mensch, maximal ein böser Neocon.
    Und wer will das schon sein ?

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