I don´t want no peace

Die Pazifistenfront, die Krieg immer nur dann führen will, wenn er dem deutschen Kapital nützt, hat Verstärkung bekommen. Die „Alternative für Deutschland“, der letzte Schrei auf dem Markt dummer deutscher Parteien,  ein Verein homophober Islamhasser, barmt auf Facebook darum, doch bitte keine wertvollen deutschen Übermenschen dorthin zu schicken, wo sich Untermenschen gegenseitig meucheln.

afd

 Andere Friedensfreunde, die sich irgendwie links fühlen, greifen auf die üblichen Parolen zurück, die man in dem Milieu seit Jahrzehnten und lange unter sowjetischer Patronanz eingeübt hat:

krieg 

Putzig an solchen Plakaten und Slogans ist, dass hier unterstellt wird, in Syrien, wo Zehntausende abgeschlachtet werden, herrsche tiefer Frieden, der erst dann zum Krieg würde, wenn westliche Mächte eingreifen, und dass ein militärisches Eingreifen niemals positive Veränderungen bringen könne. Auch hier liegt dem vermeintlich hehren Ansinnen der Friedfertigkeit derselbe Rassismus zugrunde wie bei den deutschtümelnden, aber wenigstens ehrlichen Rechten: So lange sich die „Wilden“ gegenseitig totschießen, ist alles in Butter, aber sobald westliche Soldaten ins Spiel kommen, ist das ganz schlecht und man muss dagegen demonstrieren gehen. Dass „Bomben keinen Frieden schaffen“ würden, kann übrigens nur jemand meinen, in dem die deutsche Grundlüge, Krieg kenne weder Gut noch Böse, sondern nur Opfer, weiter wirkt. Eine Lüge, die sich die Tätergeneration des Holocaust ausdachte und die deren Kinder und Enkel ebenfalls verinnerlichten. Es ist kein Zufall, dass sich Linke und Rechte ausgerechnet in Deutschland, dieser Staat gewordenen verfolgenden Unschuld, so einig darüber sind, dass Krieg „keine Lösung“ sei (außer natürlich, es sind die Nachschubwege der deutschen Industrie in Gefahr oder ein Staat stellt sich gegen Umbaupläne in der deutschen Machtperipherie, dann geht es hurtig und ohne großen Protest auf zur Terroristen- oder Piratenjagd und die Tornados der Luftwaffe fliegen Bombenangriffe auf Belgrad). Nachdem man mit dem Holocaust und den Angriffskriegen gerade die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu verantworten hatte, war man trotzdem wieder einmal davon gekommen und durfte erneut zur Wirtschaftsgroßmacht aufsteigen. Gegen das blöde Gefühl, dass diese Sachen, die man zwischen 33 und 45 gemacht hatte, vielleicht doch so fein nicht gewesen waren, verabreichte die Populärkulturproduktion wirksame Impfungen. Konsalik schrieb schmandige Bestseller über das Leid der armen deutschen Kriegsgefangenen, Freddy Quinn attestierte per Schlagergesülze, dass man doch keine Wahl gehabt hätte, weil „100 Mann und ein Befehl“ und so, Landserhefte waren Bestseller und bald schon folgten Kino und Fernsehen mit allerlei Verständnisgeheische für die armen „Vertriebenen“, die „Bombenopfer“ und gar Führers treueste Helfer, die im Bunker den „Untergang“ erleben mussten und sich vor den barbarischen Russen fürchteten. Wir sehen, dass genau das Gegenteil von dem stattgefunden hat, was die Rechten immer bejammern: Keine breite Re-Education, kein ständiges Erinnern an die Schwere der Schuld, stattdessen eine Massenschiefheilung der kranken Volksseele durch Schuldabwehr („hat alles der böse Adolf gemacht“), Opferhaltung („wir haben auch gelitten“) und Relativierung („war halt Krieg, und Krieg ist was ganz Furchtbares“).

In diesem Umfeld entstand diese typisch deutsche Friedensbewegung, die zu Beginn noch als das erkenntlich war, was sie wirklich sein wollte, nämlich einerseits eine in der Systemauseinandersetzung klar Partei ergreifende pro-sowjetische Bewegung, anderseits ein Projekt zur moralischen Weißwaschung des militärisch langsam wieder aufrüstenden NS-Nachfolgestaats. In den Erben dieser Bewegung, also bei jenen, die heute faschistische Regimes wie jene in Damaskus und Teheran unterstützen, indem sie jede militärische Gefährdung dieses Faschismus durch die Streitkräfte demokratischer Staaten ablehnen, wirkt das alles teils unbewusst nach. Viele wissen gar nicht mehr, warum sie denn unbedingt Frieden um jeden Preis haben wollen, und wenn man nachfragt, bekommt man kindliche Antworten zu hören, die gerne mit Schlagworten und Phrasen unterfüttert sind. Forscht man konkret nach, warum man einen Bürgerkrieg, dem schon zehntausende Menschen zum Opfer gefallen sind, nicht gewaltsam beenden solle, warnen diese Pazifisten oft vor „Chaos“ und „Anarchie“. Einmal abgesehen davon, dass das nicht grundsätzlich immer negative Zustände sein müssen, ist zu klären, weshalb ausgerechnet selbst ernannte Linke für die Niederhaltung von Menschen durch brutale Diktatoren sind, bloß weil sie beim Sturz des Diktators unruhige Zeiten fürchten. Wer die Friedhofsruhe liebt, muss ein Zombie sein, innerlich schon tot und nur mehr eine leere Hülle, die noch so tut, als wär sie ein lebendiger Mensch.

Ich bin weder Hellseher, noch naiv. Ich denke nicht, dass die wohl geplanten militärischen Nadelstiche, die der Westen der syrischen Staatsmacht zu verabreichen gedenkt, viel bewirken werden. Ich denke auch nicht, dass für den Fall, dass Assad abtritt oder abgetreten wird, sofort Frieden und Liebe Einzug halten werden. Ich weiß aber dass der, der einen Diktator stürzen will, das Recht hat, das mit allen Mitteln zu versuchen, und dass man ihm dabei nach Möglichkeit helfen sollte. Herr Assad ist ein Schlächter, der einer Familie von Schlächtern entsprang. Er und sein Clan unterhalten Folterkeller, politische Gegner werden ermordet und selbst vor dem Töten Zehntausender im Zuge von Sippenhaftung wurde und wird nicht zurückgeschreckt. Es ist ein Mörderregime, wie es jenes von Saddam Huessein war, und wenn so ein Regime fällt, macht man als Mensch mit einem Rest von Anstand eine Flasche Sekt auf, statt den Killern hinterher zu weinen. Und zwar ganz unabhängig davon, dass die Gegner der Mörder selber welche sind. Müssen sie ja auch sein, wie sonst sollen sie denn eine Herrscherclique, die ihre extreme Brutalität schon allzu oft unter Beweis gestellt hat, vertreiben? Da läuft nichts mit friedlichen Demonstrationen und Sitzstreiks und Protestsongs. Natürlich ist es ein verführerischer Gedanke, Assad mit einem Konstantin-Wecker-Mixtape mürbe zu machen und ihm mit einer Lesung von Erich-Fried-Gedichten den Rest zu geben, nur funktioniert das leider nicht. Es ist kaum aushaltbar bigott, an Menschen, die gegen eine extreme Gewaltherrschaft kämpfen, aus dem sicheren Mitteleuropa aus Haltungsnoten zu vergeben. Und es ist einfach nur inhuman und rassistisch, Menschen vorschreiben zu wollen, sie sollten halt weiterhin in einer Diktatur leben, weil man sie als unreif verleumdet und ihnen unterstellt, sie wären kulturell bedingt inkompatibel zur Demokratie, als sei Kultur eine Sache der Gene.  

Man möchte all den Peace-Wankers und Diktatoren-Fans das entgegenschleudern, was ein sehr kluger Jamaikaner namens Peter Tosh einst so treffend gesungen hatte: „I don´t want no peace, I want equal rights and justice“. 

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

18 Gedanken zu „I don´t want no peace“

  1. Hallo LindenTorstenWürmchen, du selbsternannter antilinker Linkenhasser wenn es um Linke geht, die nicht mit dümmlich ANTIDEUTSCH tröten, was erzählst du für einen Müll!
    Wiederholt haben Leute dir erklärt, daß nicht Antideutsch und nicht antilinks sondern JEDES KAPITAL antilinks ist, da es sonst nicht existieren kann. Ob das Kapital deutsch ist oder nicht ist so Plempe, darum kümmert sich nur der, der immer noch nicht begriffen hat, daß sowohl der 1. wie der 2. und der Kalte Krieg vorbei ist und es in unserem globalen Weltdorf NUR NOCH INTERNATIONALE KAPITALE gibt, will heißen: Es gibt das nicht, was du da beschreist: Deutsches Kapital – oder jkennst du eins?
    Um so beschränkter ist dein Wunsch, die „linke Pazifistenfront möge das deutsch Kapital schützen“ Wie beschimmelt bist du denn, hast du etwa mit Herrn Broder eine Cabrio-Tour gemacht ohne anzuhalten zum Pipi?
    Merke: Antideutsch war gestern (alles aufgeflogen, nix läuft mehr), nun mußt du dir was anderes einfallen lassen, um rechtschaffene Bewegungen zu diskreditieren, nur weil sie den GROSSISRAELSCHAFFEN Krieg nicht wollen, oder um was geht es da gerade jetzt gehen soll, nicht um Giftgas, nicht um Assad und Bürgerkrieg, sondern wohl eher um das hier:

    Ein Kommentar von madeleine— 28. August 2013 #
    >Wir stehen kurz vor Jom Terua und wenn ich Jesaja 17 lese wird mir ganz anders.<
    Meine Antwort darauf:
    (Kommentar von Lusru— 28. August 2013 #
    Meinst du das:@madeleine, dann nicht nur (selber) lesen, auch aussprechen, beim Namen nennen, was du meinst mit
    "Jesaja 17" :
    "1 Dies ist die Last über Damaskus: Siehe, Damaskus wird keine Stadt mehr sein, sondern ein zerfallener Steinhaufe. (Jeremia 49.23) (Amos 1.3)
    2 Die Städte Aroer werden verlassen sein, daß Herden daselbst weiden, die niemand scheuche.
    3 Und es wird aus sein mit der Feste Ephraims; und das Königreich zu Damaskus und das übrige Syrien wird sein wie die Herrlichkeit der Kinder Israel, spricht der HERR Zebaoth. (Jesaja 7.1) (Jesaja 7.8)"

    Übrigens:
    Der von madeleine gemeinte Zeitpunkt "Jom Terua" ist schon bedrohlich nahe gerückt, so wird die an etlichen Stellen entfachte Eile, schnellstens mit "Militär in Syrien zu zu schlagen" schon verständlich, jedoch wohl weniger für "deutsches Kapital" sondern wohl eher für Kapitalträger einiger anderer eiliger Länder (wir haben alles vorbereitet …), die, aus dem unlegitimierten Iraküberfall lernend, verniedlichen bis zum Unterhosengummi indem sie von "militärischen Nadelstichen, die kaum viel bewirken" sprechen, wozu sollen die dann gut sein, als Tarnung für den großen Sprung über den Golan? Das wäre die einzigste Funktion, die möglich ist, zumal der Giftgasschurke trotz vieler Stammeleien wie beim Irakabenteuer nicht ausgemacht sondern erklärt werden soll.

    Ist schon schwierig geworden, son bissel Herumantideutschen im Net, besonders wenn die versteckte Absicht ständig verschämt durchschimmert. Da bist du arm dran, mußt du wohl noch lange beim Broder in die Lehre gehen

  2. Nachschlag:
    Es ist schon armseelig, wenn ständig abgebremste ultrarechte großisraelisch Träumende Nationalisten (wozu du dich nun wohl endgültig selber eingeordnet hast) sich keinen anderen Rat mehr wissen, als Rechte und Linke wie gleichartige Erben der monopolkapitalistischen Nazis zum Eintopf zu erklären, merke auf: Es gibt so viele Arten von Enkeln, alle leben nur heute, auch du bist nur einer davon, nur welcher bist wohl du, daß du dich gegen den Rest der in der Welt gestandenen Vernunft in dieser jämmerlichen Art etablieren willst?
    Was hat man mit dir gemacht, wer hat dir als Enkel diese auf Konflikt statt auf ausgleichende Lösung programmierten Schwachsinnigkeiten hinterlassen? Am Ende glaubst noch ernsthaft, DU seist der wahre Linke für das Kapital …
    Du darfst sicher sein: nur im Ausgleich der Interessen werden die Konflikte dieser Welt gelöst, und das ist immer dann schmerzhaft, wenn einem vorher etwas anderes vorgegaukelt wurde
    Überprüfe daher deine Einflüsterer

  3. Bevor Du die AFD, wie jeder zutiefst verdammst, hat die AFD im Gegensatz zur Linkspartei immerhin einen Einsatz nicht kategorisch ausgeschlossen, sondern in einer Sonder-Meldung auch geschrieben, dass im Falle eines erwiesenen Chemiewaffeneinsatzes auch ein Einsatz deutscher Truppen möglich wäre.

  4. „Ich bin weder Hellseher, noch naiv.“

    Doch, mein Lieber, Du bist sogar extrem naiv.

    Du siehst nicht um was es hier geht, einen Religionskrieg reinsten Wassers…und den kriegst Du nicht von aussen resp. Europa geregelt. Und der Faschismus -aka Regelungswut des täglichen Lebens- ist dem Islam systemimmanent…und der relative Laizismus von Assad den Saudis ein Dorn im Auge…darum geht es.
    Den ganzen Nazischeiss, den Du anführst, o mei, typisch Österreicher halt, tut mir leid, da war „Tu felix Austria“ schon immer recht gut dabei…
    Bloss zur Info, ich hab Kriegsdienst verweigert, da hast Du noch in die Windeln geschissen 

    Ciao, Desillusionierter

  5. Kann ja sein, daß die Inspektoren so lange suchen, bis sie endlich einen von Assad handsignierten Giftgasbehälter gefunden haben….. Auf die Deutschen haust Du ja gerne hin – aber diesmal solltest Du sie dafür kritisieren, daß der BND für die „Rebellen“ die Orte ausspioniert, wo sie unbeschadet zuschlagen können. Und wieso wunderte sich so mancher ‚Arzt ohne Grenzen‘, daß bei den Verletzten „Kämpfern für Demokratie“ soviele Franzosen waren? Wie blöd muß man sein, wenn man den ganzen „Arabischen Frühling“ als eine Demokratiebewegung sieht? Voll die verordnete Mainstream-Denke! Doch die Leute im Westen lassen sich auch nicht ewig verarschen. Mit Religionen hat es auch weniger zu tun als mit Geostrategie. Religionen lassen sich nur so trefflich benützen von den global denkenden Strategen.

  6. Danke für diesen tollen Kommentar. Wenn man die Standardforen liest, wird man ja fast krank vor lauter Antiamerikanismus, Verschwörungstheorien, Assadjünger und weltfremden Pazifismus. Es gibt leider immer mehr Menschen, die das Eintreten für Frieden mit Feigheit verwechseln.

  7. Wahnsinn, was sich hier in den Kommentaren für Irre rumtreiben. Wirre Verschwörungstheoretiker, Menschenfeinde vom allerübelsten Schlag, die ihren Wahnsinn auch noch wagen, als „links“ zu bezeichnen…

  8. @tom93 August 30, 2013 um 8:47 vormittags –
    offenbar bist du nicht ganz auf dem Laufenden:
    Erstens geht es hier nicht um Unterstützung für einen Assad ja oder nein (diese Sicht ist Kindermeirei der begrenzten Sichten von Unmündigen), sondern ob mal ein bischen der gesamte Nahe Osten samt Israel angezündelt wird oder nicht, das müßt von einem Erwachsenen doch zu verstehen sein
    Zweitens sind diese Leute, die den Überfall eines mandatslosen selbsternannten Weltpolizisten ablehnen, der nach eigenem aktuellen Bekenntnis sich bei einem Militärschlag auf Syrien „Nur von den eigenen Interessen der USA leiten läßt“ (wörtlich!) und damit wohl nicht von Giftgas oder Menschenrechten (eher wohl Kapitalinteressen der US-Monopole), nicht „wenigstens hier“ am Wort, sondern ein gesamtes britisches Parlament sowie der gesamte deutsche Bundestag und viele viele andere Staaten und Parlamentarier lehnen solches Großkotzverhalten ohne stichhaltige Beweise (immer noch Rumeierei wie beim Irakkrieg und vielen anderen) als gefährliches Spiel mit dem Weltfrieden ab, noch nicht bemerkt?
    Und drittens ist es schon ein strammes Ding, daß man das alles einem Erwachsenen hier noch sagen muß, als ob der, wenn er hier kommentiert, nicht selber lesen, schau8en und hören kann, was sich tut.
    Guten Morgen tom93 und aufgewacht!
    Und zum Mitschreiben für NSA und „Partner“:
    Falls Obama allein Syrien angreift und weitere Menschen ohne Gerichtsurteil selbstherrlich tötet, wird er zum einen seinen Friedensnobelpreis zurückgeben müssen und zum anderen in der Geschichte der USA als der eingehen, der den Zerfall der Demokratie USA und dieser als Weltmacht eingeleitet hat, weil er sich über den Bund der Völker dieser Welt schnodderig hinwegsetzt – wenn er den Krieg einleitet, denn Krieg für die USA wird das dann wohl in jedem Fall, ein äußerst teurer.
    Obama könnte aber auch sop tun, als ob er der Präsident der USA (und nicht der Welt) ist, denn man munkelt, daß es in den USA genügend zu tun gäbe für einen Präsidenten und seine (!) Bürger:
    Es gilt immer wieder:
    Zuviel zerreißt den Sack, das bestätigte heute nun auch sogar das britische Parlament, und soetwas soll es ja auch in den USA geben …

  9. Interessanter Kommentar, aber etwas zu einfach, da er gewisse Leute außer Acht läßt.
    Leute, wie mich, die eine Bedrohung durch das iranische Terrorregime sehen, aber dennoch keine El-Kaida-Terroristen in Syrien per Militärintervention unterstützen wollen, die schon zahlreiche Massaker angerichtet haben.
    Jeder normal denkende Mensch hat den Sturz der Taliban und Saddam Husseins gefeiert. Während ich im Irak-Krieg skeptisch war, obwohl ich den Sturz Husseins unterstützte, habe ich den Sturz der Taliban und die Tötung BinLadens voll unterstützt. Dieses mörderische Regime, das seit 1996 Afghanistan in eine jungsteinzeitliche Hölle verwandelt hat, Frauen massenweise ermordete und alte buddhistische Kulturschätze vernichtete, mußte verschwinden. Es mußte auch verschwinden, weil es diejenigen ausbildete, die für den 11. September verantwortlich waren und diese trotz mehrerer Auslieferungsgesuche der USA weiter schützte und beherbergte.
    Der Krieg in Libyen, der Terroristen an die Macht brachte und zur rassistischen Lynchung von schwarzen Söldnern führte, war meiner Meinung nach ein Fehler. Die Briten hätten Gaddafi schon 1988 stürzen müssen, damals gab es durch den Lockerbie-Anschlag eine direkte Rechtfertigung. Danach hätte man möglicherweise auch schnell eine demokratische Regierung gehabt, da zu der Zeit der politische Islam noch nicht so stark war. Die Luftunterstützung für die Rebellen in Libyen hat aber Leute an die Macht gebracht, die nicht besser sind als Gaddafi und die eben nicht morden, weil sie sich wehren müssen, sondern wahllos Menschen töten, die sie für Söldner Gaddafis halten, auch wenn diese unschuldig sind.
    Die französische Militärhilfe für Mali, das durch Islamisten bedroht wurde, war nötig, vor allem weil die malische Regierung die Franzosen um Hilfe rief. Die Islamisten hatten sich schon in Mali ausgetobt, Kirchen zerstört und Christen verfolgt und ermordet, sodaß ihre Heraustreibung aus Mali überfällig war. Somit wurden die Franzosen von den Bürgern auch als Befreier begrüßt.

    Man sieht also: Abseits von einer generellen Anti-Kriegs-Position und einer simplen Pro-Interventions-Haltung gibt es durchaus Menschen, die Kriege gegen Tyranneien für nötig halten, ohne gleich bedenkenlos in jeden Krieg rauschen zu wollen.
    Syrien ist deutlich komplizierter als die genannten Fälle: In einem Bürgerkrieg stehen sich zwei üble Gruppen gegenüber, wie sie schlimmer kaum sein könnten. Auf der einen Seite steht Assad, der zweifellos ein Schlächter und Diktator ist sowie der Iran und die Hezbollah, die ihn aus geopolitischen Gründen unterstützten, obwohl er im Gegensatz zu ihnen eher säkular ist. Auf der anderen Seite stehen größtenteils islamistische Rebellen, in denen El-Kaida-Kämpfer und die extremistische Al-Nusra-Front eine wichtige Rolle speilen. Diese Seite wird von Saudi-Arabien und anderen reaktionären Golfstaaten gestützt, in denen Frauen nichtmal Auto fahren dürfen und in denen es sogar noch Hexenverbrennungen gibt.
    Wir haben es also mit zwei Übel zu tun, von denen es kein eindeutig „kleineres Übel“ gibt. Beide haben unsagbare Kriegsverbrechen begangen. Assads Soldaten haben in Dörfen zahlreiche Massaker begangen und möglicherweise Giftgas eingesetzt. Zudem haben sie den Terrorstaat Iran erlaubt, der Hezbollah Waffen zu liefern. Die islamistischen Rebellen haben ebenso Kriegsverbrechen begangen. Dazu gehören vor allem Morde an Christen: Kürzlich wurden mehrere orthodoxe Priester von Mitgliedern der Al-Nusrah-Front hingerichtet, ihnen wurde vor versammelten Dorfleuten der Kopf abetrennt.
    Bei den Taten beider Seiten handelt es sich nicht um Verbrechen, die nötig sind, weil die andere Seite brutal ist. Im Gegenteil: Beide Seiten greifen oftmals gezielt Zivilisten an. Daher ist folgende Zeile von dir völlig falsch:
    „Und zwar ganz unabhängig davon, dass die Gegner der Mörder selber welche sind. Müssen sie ja auch sein, wie sonst sollen sie denn eine Herrscherclique, die ihre extreme Brutalität schon allzu oft unter Beweis gestellt hat, vertreiben? “
    Die islamistisch-wahabitischen Mörder unter den Assad-Gegnern bräuchten um Assad zu bekämpfen keine christlichen Priester abzuschlachten. Sie bräuchten um Assad zu bekämpfen keine Kirchen zerstören und christliche Viertel attackieren. All das spielt doch dem Assad-Regime in die Hände, das sich damit als anti-terroristische Kraft aufspielen kann.

    Ein Angriff auf Syrien auf Seiten der Rebellen könnte ein islamistisches Terrorregime an die Macht bringen, das nur einen einzigen Unterschied zum jetzigen Assad-Regime hat: Es wird die Reste religiöser Toleranz aus Syrien hinwegfegen und Christen gnadenlos verfolgen. Anstatt mit iranisch-schiitischen Antisemiten wird es mit sunnitisch-wahabistischen Antisemiten kooperieren. Ist das eine Verbesserung? Keiner erwartet nach Assad Sturz eine Umwandlung Syriens in eine Musterdemokratie wie die Schweiz, aber wenn wie im Irahn 1979 wie blutrünstige säkulare Terrorherrschaft durch eine blutrünstige kleirkale Terrorherrschaft abgelöst wird, kann man von keiner Verbesserung sprechen.

    In dieser Situation gibt es keine guten, einfachen Lösungen. Dennoch wäre es wohl das Beste, starken Druck auf den Iran auszuüben, damit Assad einen wichtigen Partner verliert. Gleichzeitig könnte Saudi-Arabien ebenso unter Druck gesetzt werden, damit es aufhört, die Islamisten der Al-Nusra-Front zu bewaffnen. Vielleicht kann so eine demokratische Opposition gegen Assad gestärkt werden.
    Eine Militärintervention ist meiner Meinung nach gegen den Iran nicht ganz unberechtigt. Der Iran hat schon in den 1990ern mehrere Terroranschläge in Südamerika gegen jüdische Einrichtungen durchgeführt und kidnappte 2009 mehrere britische Soldaten. Auf all das hat der Westen nur mit Appeasement reagiert, was die Mullahs in ihrem Kurs bestärkte. Eine Schwächung des iranischen Regimes durch den Westen und eine Schwächung des saudischen Regimes durch Rußland kann ein Schlüssel zur Lösung des Syrien-Konfliktes sein, da so die Verbrecher beider Seiten an den Rand gedrängt werden.
    Wäre das eine Überlegung wert, abseits simpler Lösungsversuche?

  10. Es ist zu spät, wird jedoch immer schlimmer. Gleich zu Beginn einzugreifen hätte vielleicht den Wahnsinnigen, die jetzt Fixgrößen sind, den Platz genommen, sie aus dem Spiel zu nehmen ist mit einem Aufwand verbunden, den die westlichen Länder eher nicht aufbringen werden. Frankreich und England halten das auf Dauer nicht durch, Deutschland ist ohnehin nicht zurechnungsfähig und für die USA gibt es noch andere Fronten, an denen sich noch gefährlichere Typen über eine Schwächung der Supermacht bestimmt freuen würden.
    Europa und die Nato hätten endlich mal zeigen können, dass sie auch bereit sind Verantwortung zu übernehmen, stattdessen haben sie aber einen langen Eiertanz aufgeführt, wahrscheinlich weil sie ohnehin gewohnt sind, dass die USA die Drecksarbeit übernehmen. Schlimmer noch, Europa lässt ja sogar Frankreich allein, siehe Mali. (Dass auch die Amis außer ein paar netten Worten kaum Unterstützung für die französische Mission übrig hatten, hat mich hingegen eher amüsiert, weil es irgendwie so gewirkt hat: „Schaut mal liebe Franzosen, so ist es, wenn man von Freunden im Stich gelassen wird.“)
    Zurück zu Syrien: Dass dort die einen und die anderen eine ziemliche Bedrohung darstellen, weiß niemand besser als die Israelis, aber bei den Freunden, die das Land hat, sehen seine Feinde wohl eine zumindest gelbe Ampel.

    Jedenfalls brennt´s und zwar so, dass das kein Bundesfischer mit Reden und Tätscheln besänftigen wird. Partei ergreifen geht (siehe Daniels Beitrag) auch nicht, als Westen selbst Partei zu sein wird verdammt mühsam und langfristig sicher scheitern, wenn der nächste Eiertanz folgt.

    p.s.: Die rote Linie mit den Chemiewaffen war doch nicht mehr als ein politischer Aufhänger. Gerade Europa weiß, was sie anrichten können, die verheerende Wirkung manch heutiger Waffen kennt Europa zum Glück nicht mehr.

  11. „I don´t want no peace, I want equal rights and justice”.

    – Okay, und was genau hat den Lindwurm nun zur Ansicht gebracht, dass die Rebellen in Syrien auch das Gleiche wollen, und es in diesem Bürgerkrieg nicht bloß um einen Machtkampf unter Mörderbanden geht?

    Es gibt inzwischen viele Berichte über unglaubliche Grausamkeiten und Kriegsverbrechen seitens der Rebellen. Und es gibt wenig, was darauf hindeutet, dass es denen um Freiheit und Demokratie geht.

    Aber sogar wenn dem so wäre: was gibt denn eigentlich dem Westen das Recht dazu, Weltpolizei zu spielen, und auf ein ein nahöstliches Land nach dem anderen Bomben und Raketen zu werfen?

    Die Desaster im Irak und Afghanistan hätten doch eigentlich ausreichen sollen, um zu zeigen, dass dabei nichts gutes herauskommen kann. Das hat nicht einmal etwas mit Pazifismus zu tun, sondern einfach nur mit einer halbwegs realistischen Einschätzung der ethischen, sozialen, kulturellen und politischen Verhältnisse in diesen Regionen. Aber manche Leute scheinen leider lernresistent zu sein.

    Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich in meiner Schulzeit den Geschichtelehrer mal gefragt habe, aus welchem Grund die Amerikaner, nachdem sie die irakischen Truppen aus Kuwait vertrieben hatten, nicht weiter bis nach Bagdad marschiert sind, um Saddam Hussein zu stürzen. In meiner Unbedarftheit konnte ich einfach nicht verstehen, warum es diesem Bösewicht und Schurken nach einem verlorenen Krieg erlaubt wurde, weiterhin an der Macht zu bleiben. Der Lehrer erklärte mir daraufhin, dass sein Sturz ein Machtvakuum hinterlassen und das ganz Land destabilisert hätte, und das nicht im Interesse des Westens gewesen wäre. Intelligenter Mann, muss ich rückblickend sagen. Und eine intelligente Politik der damaligen amerikanischen Regierung.

    George Bush junior und seine Neokons waren leider nicht so intelligent. Und der zweite Golfkrieg hat dann ein paar Jahre später genau zu jenen Folgen geführt, die mein Geschichtelehrer – ohne damals zu ahnen, dass es tatsächlich jemals so weit kommen würde – prophezeit hat.

    Nun, nehmen wir mal an, das Regime Bashar al Assad würde gestürzt. Was würde denn dann in Syrien passieren? Wer würde die Macht übernehmen? Und wie würden sich die neuen Machthaber dann gegenüber jenem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung verhalten, der Assad unterstützt hat (also vor allem Alawiten und Christen)? Und wer sagt, dass das Blutvergießen dann nicht erst richtig los geht?

    Hat der Lindwurm eine Antwort auf diese Fragen? Hat er sie sich überhaupt gestellt?

    Ich denke nicht. Mein Eindruck ist eher der, dass ihm seine Gewissheit ausreicht, dass Assad ein böser Diktator ist, und dass man alleine aus diesem Grund erst mal ordentlich dreinhauen soll, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wer oder was nach ihm kommen soll. Realpolitische Konsequenzen sind uninteressant. Moralische Rechtschaffenheit ist wichtiger. Fiat iustitia et pereat mundus.

  12. Lern lesen! Dann würdest du vielleicht kapieren, dass es mir nicht um das Spielchen geht, ob Assad gut oder böse ist und wie gut oder böse seine Feinde sind, sondern darum, dass das massenhafte Töten aufhört.

  13. @Daniel August 31, 2013 um 3:17 vormittags
    @ap September 1, 2013 um 3:27 vormittags
    @lindwurm September 1, 2013 um 2:49 nachmittags
    Alle zusammengefaßt sollen wir etwa so verstehen:
    „Dann würdest du vielleicht kapieren, dass es mir nicht um das Spielchen geht, ob Assad gut oder böse ist und wie gut oder böse seine Feinde sind, sondern darum, dass das massenhafte Töten aufhört.“

    Das ist im besten Fall eine (Ver)Bildung, eine EIN Bildung.
    Begründung:
    Eure Texte führen direkt zum Verlangen, ein von euch gesehenes Übel massiv auf ausschließlich totalitärem Wege zu beenden, und dies mit Brachialgewalt des Militärs, das eine überbordende Maschinerie einsetzen soll, die nichts anderes kann, als zu TÖTEN, Menschen, Unschuldige, Frauen und Kinder die selber nicht töten und Männer, bei denen das nicht gwewiß ist.
    Das alles ZUSÄTZLICH zu der Abschlachterei, die stattfindet, ohne zu fragen, WER hat das WARUM und mit WESSEN Hilfe begonnen und militärisch eskaliert, Welchen Sinngebungen folgen dort die gegen das Assad-Regime Kämpfenden.
    Ohne zu fragen, ob dieser „kurze Akt der militärischen Bestrafung“ durch die Obama-US-Militärs eine Lunte ist, die an ein Subkontinent voller Pulverfässer gelegt würde – Oder ist das etwa, genau das erwünscht?? Unter dem Mäntelchen der Nächstenliebe mit den armen Syrern und den Tausenden Legionären der Al Qaida und der anderen Söldnervereinigungen (neben einigen „Revolutionären“, die nichts in der Opposition zu melden haben), von denen die meisten aus saudischen und benachbarten Quellen zum innerislamischen Streit gerüstet werden, und das mit Waffen und USA und Deutschland?

    Kein einziger totalitär weil illegal und illegitim gegen die mühsam erstellten Völkerregeln eingeleiteter „Schlag“ hat in der Geschichte sein Ziel erbracht oder Tote vermindert oder DEmokratie geschaffen, stets entstand zwangslÄufiG DAS Gegenteil und das in größerem Leid und Umfang als zuvor bekämpft werden sollte, gleich auf welcher Seite.
    WARUM das nicht geht mit TOTALITÄREM VERHALTEN und WIE Totalitäres VErhalten entsteht und eskalieren muß, aus jedem Ruder laufen muß, könnt ihr bei Hannah Ahrend ausführlich nachlesen, sie ist bis heute die weltweit erste Spezialistin auf diesenm Gebiet.
    Schenkt ihr Hauptwerk doch einfach per EXPRESS dem Obama, besser noch: Seiner Frau – und ihr bkönnt Unmengen von Toten und Fortsetzung des Tötens um Syrien herum verhiindern helfen, so ihr ihn bewegt, darin nachzuschlagen, falls das eure tatsächliche ehrliche Absicht ist.
    Die Welt sieht das so oder ähnlich, sogar Frankreich will nun aufeinmal nicht mehr allein „dreinschlagen“ und niemand von ernst zu nehmenden Persönlichkeiten erkennt auch nur den kleinsten Nachweis, daß nhier ein Assad sich angeblich vor der Welt selbst militärisch und moralisch versekt, obwohl er rundum obsiegt und das nicht nötig hat, Gift zu schmeißen – nur die Bedrängnis der falschen „Revolutionäre“ spricht auch ihre durchsichtige Sprache.
    Bestraft wird durch den bestellten Bestrafer, und nicht durch selbsternannte Totalitär Agierende, und bestraft wird nur der offiziel Überführte, wer das nicht einhält, leitet das Ende der Demokratie in seinem (!) Land hin zu einem neuen gewaltigen Totalitarismus ein und zerstört den Völkerbund – so er gelassen wird.
    Ist das so schwer zu verstehen?
    Nur pubertierenden Jugendlichen ist der Wunsch nach Totalitärhandlungen nachsehbar, alles andere ist böswillige interessengeleitet Rücksichtslosigkeit gegenüber Mandatsregelungen, die die meisten selber anerkannt haben.
    Obama meint wörtlich:
    “ Ich lasse mich in Bezug auf einen Militärschlag in Syrien nur VON DEN INTERESSEN DER USA leiten, von nichts anderem“ – DAS ist seine ECHTE ROTE LINIE, um die es ihm zu gehen scheint, NOCH …

  14. Nachschlag:
    Welche „Interessen der USA“ das sein sollen, sagt weder Obama noch andere US-Politiker …
    Allerdings einige höchste Militärs haben ihm bereits vorgerechnet, Was von der Begründung unglaubwürdig ist, WAS NICHT DIE INTERESSEN DER USA sein DÜRFEN , und DIESE kann man nachlesen, wer wann wovor warum als Militärexperte warnt und auf zwangsläufige Eskalation oder riesige Nutzlosigkeit solcher „militärischen Nadelstiche zur Bestrafung“ zu Lasten der USA-Bürger verweist, sollkte das stattfinden …

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