The bums lost

10.000 Euro Strafe kann es in Hinkunft kosten, wenn man in der schönen Stadt Salzburg gegen die „Campierverordnung“ verstößt, also ohne Genehmigung im Freien übernachtet, was praktisch bedeutet, dass das Verbrechen, kein Obdach zu haben, mit Gefängnis bestraft wird. In Wien hat die Polizei kürzlich Obdachlose aus dem Stadtpark vertrieben, weil sich angeblich Anrainer beschwert hätten, wobei man wissen sollte, dass zu den Anrainern dieses Parks im Ersten Bezirk fast ausschließlich Luxushotels, teure Restaurants und schicke Bars gehören. Auch Ungarn sanktioniert die bloße Existenz Obdachloser mit hohen Geldstrafen für die Obdachlosen, was unweigerlich dazu führen wird, dass die Betroffenen im Knast landen. Auch aus Deutschland und der Schweiz hört man, dass die Politik zunehmend auf Schikanen und Strafen setzt, um statt der Obdachlosigkeit die Obdachlosen zu bekämpfen. Der Krieg der Reichen gegen die Armen wird ausgeweitet und intensiviert, und während die Polizei Menschen ohne Wohnsitz drangsaliert und einsperrt, schluchzen Europas Eliten kurz wohlig, wenn sie bei der Aufführung des „Jedermann“ in Salzburg an die Endlichkeit ihrer Existenz erinnert werden. Die Millionäre und Milliardäre schlafen dennoch gut, und falls nicht, dann spenden sie halt für eine Suppenküche und das Restgewissen ist beruhigt. Angst brauchen sie keine zu haben, nicht so wie früher, als sie immer im Hinterkopf hatten, vielleicht doch noch eines Tages in einem sibirischen Gulag zu landen, von Terroristen abgeknallt zu werden oder mit Generalstreiks fertig werden zu müssen. Das kommunistische Reich des Bösen gibt es nicht mehr, die ständigen Erweiterungen polizeilicher Befugnisse ersticken jeden bewaffneten Widerstand im Keim und Gewerkschaften und Sozialdemokratien stehen auf der Gehaltsliste. Die Proleten werden gegeneinander ausgespielt, Alt gegen Jung, Arbeitsplatzbesitzer gegen Arbeitslose, Gesunde gegen Kranke, Autochthone gegen Migrantinnen, Religion gegen Religion, und die Verdummungsapparate laufen auf Hochtouren. Wie sagte der große Leboswki zum kleinen? „Your revolution is over, Mr. Lebowski! Condolences! The bums lost! My advice is, do what your parents did! Get a job, sir! The bums will always lose, do you hear me, Lebowski? The bums will always lose.“

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

3 Gedanken zu „The bums lost“

  1. Naja, zugegeben, ich war’s auch mal. 3 Jahre lang. 2009 – 2011. Obdachloser 1. Klasse, denn ich hatte noch eine winters strom- und wasserlose Gartenlaube, für die ich die Pacht geradeso aufbringen konnte. Ich weiß wie es ist, wenn selbst Wodka in der Flasche gefriert und wenn man mit ’nem Kinderrodel samt aufgeschnallter Gasflasche nach einem passenden Gashändler sucht (und der seine Preise im Verlauf der 3 Jahre verdoppelt hat) und der Rodel immer wieder auf ungeräumtem Terrain umkippt. Ich weiß, wie Armut stinkt, auch wenn ich versucht hab, mich täglich zu waschen und zu rasieren: Reihenfolge Zähne, Körper, Bart, Strümpfe und Unterhose. Gerochen hat trotzden ein jeder, dass mit mir was nicht stimmt. Behörden hatte ich nicht zum Freund. Aber einen Freund. Ohne den wäre ich verreckt. Oder in Tetrapack-Rot-/glühwein ersoffen. Dessen Preis sich ebenfalls verdopppelt hatte. Polizeibesuch hatte ich regelmäßig. Was zu Essen oder zu Trinken hatten sie nie dabei, nur einen Schäferhund. Immer denselben. Ich mochte ihn nicht. Und jetzt kommts: Mein Freund meint, er sei ein Nazi. Geworden worden. Er schlägt sich in Holland als zeitarbeitender Fassadenbauer durch. Vor 25 Jahren war er Lehrausbilder und Meister in der Metallverarbeitung. In einem treuhandplattgemachten Großbetrieb … Ich meine , er ist keiner, soll er doch denken. was er will, solange er denkt wie ich. Das macht er. Meistens.
    Die österrreich-ungarischen Verhältnisse werden hierzulande unzweifelhaft noch kommen. Mangels „Feindbild“ ist hier alles möglich. Auf meiner provisorischen Visitenkarte steht schonmal als Berufsbezeichnung „salus publicus“. Staatssklave.

  2. Nur der Genauigkeit halber: “ was praktisch bedeutet, dass das Verbrechen, kein Obdach zu haben, mit Gefängnis bestraft wird.“

    Ist das so? Oder ist das „Verbrechen“ eher, nicht kein Obdach zu haben, sondern die angebotenen Obdachmöglichkeiten nicht wahrzunehmen?
    Oder sollte es sich bei Salzburg tatsächlich um die Ausnahme bei den Städten handeln, bei denen die Zahl der öffentlichen Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose deren Zahl unterschreitet?

  3. Als es das kommunistische Reich des Bösen (oder das bessere Deutschland) noch gab hatten dessen Arbeiter die größere Angst im Sibirischen Gulag zu landen.
    An Generalstreik war da schon gar nicht zu denken, denn dann wurde man abgeknallt, nicht von Terroristen, sondern von den Verteidigern des real-existierenden Sozialismus.

    Sicher war das hart für die Arbeiter im real-existierenden Sozialismus, aber auf die Art haben sie wohl dafür gesorgt das ihre Klassenkameraden im Westen ihren Sozialstaat bekommen haben.
    (Das sich den die Arbeiter im Westen selbst erkämpft haben ist also ein Lüge…)

    Da bleibt es doch nur zu hoffen das es Nordkorea noch lange gibt, denn wenn erst mal diese Bastion des Sozialismus fällt dann haben die Reichen ja gar keinen Grund mehr soziale Wohltaten zu verteilen…😉

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