Völkische Beobachter

Tagelang spielten Europas Medien ohne Hemmungen Völkischer Beobachter, schrieben vom „blonden, blauäugigen Kind“, das „bei Roma gefunden“ worden sei, und wärmten die alten Hetzmärchen von den „Kinder entführenden Zigeunern“ auf. Erwartungsgemäß ist nun klar: Alles Blödsinn. Das Mädchen wurde nicht „gestohlen“, es wurde von seiner bitter armen bulgarischen Mutter gegen eine kleine Geldleistung einem befreundeten Paar überlassen. Eine Sache, die  tausende Male pro Jahr passiert. Kinderlose Griechen fahren nach Bulgarien und „adoptieren“ dort an der Bürokratie vorbei Kinder, und niemanden hat das bislang interessiert, waren es doch in aller Regel Nicht-Roma, die das machten. Aber ein Kind, das äußerlich dem Stereotyp der Nordländerin entsprach bei „schwarzen“ Eltern? Das konnte nur Entführung sein, Kindesdiebstahl, letztlich eine Art „Rassenschande“. Als die irischen Behörden durchdrehten und aus rassistischen Motiven zwei Kinder ihren Eltern wegnahmen, weil auch diese Kinder blond waren, dröhnte es im Boulevard von „Fällen in ganz Europa“ und von „Babymafia“. DNA-Tests widerlegten das zwar, aber der Schaden war schon angerichtet. Und auch wenn all die reißerischen Schlagzeilen nun Lügen gestraft sind bedeutet das für die werten Kolleginnen in den Redaktionen nicht, dass man nicht weiterhin Stories einfach erfinden könnte…

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Der Lindwurm aus Klagenfurt

14 Gedanken zu „Völkische Beobachter“

  1. „es wurde von seiner bitter armen bulgarischen Mutter “

    Was du gar nicht erwähnst, Bernhard, diese bitterarme bulgarische Mutter wrt auch eine Roma. Das Kind war also „trotz“ seiners Aussehens ebenfalls ein Roma-Kind.

  2. @BillBrook

    Hallo Bill!

    @Lindwurm

    Sie haben größtenteils Recht. Als ob die Sache nicht schlimm genug wäre, müssen bestimmte Leute noch ihren Dreck und Spekulatius draufsetzen.

    Was allerdings bleibt, ist eine ökonomische Instrumentalisierung von Kindern durch manche Roma aus Bulgarien und Rumänien, die man nicht allein mit bitterer Armut erklären bzw. abtun kann. Mir fällt jedenfalls keine andere Gruppe von bitterarmen Wirtschaftsflüchtlingen ein, in der Kinder mitunter in dieser Weise als Humankapital eingesetzt werden.

    Ich habe hier in Berlin mehrmals miterlebt, wie bestimmte Roma ihre kleinen Kinder sehr gezielt zum Betteln einsetzen. Zumindest ein Teil dieser Eltern bekommt Unterstützung von Berliner Behörden und/oder zumeist christlichen Sozialverbänden. Eine Roma-Mutter habe ich mal darauf angesprochen, wieso sie ihre Tochter nicht zur Schule schickt. Sie tat so, als ob sie mich überhaupt nicht verstehen würde – allem Anschein nach hat sie aber schon verstanden, was ich meinte. Das lässt mit einiger Wahrscheinlichkeit darauf schließen, dass sie schon länger in Berlin lebt und ihre in etwa sechsjährige Tochter zumindest die Hälfte ihres sehr jungen Lebens in Deutschland verbracht hat.

    Auch in Dortmund und Duisburg gab es in den letzten Jahren verstärkten Zuzug von Roma aus Rumänien und Bulgarien. So viel ich weiß, sind in Dortmund bisher acht Kinder in behördliche Obhut genommen worden.

  3. Antiziganismus wird eben gesellschaftlich noch immer nicht als Problem wahrgenommen und entsprechende Strukturen können, wie dieser Fall belegt, jederzeit aktiviert werden. Europaweit.

  4. Man muss schon klar annehmen, dass zumindest die Bild exakt wusste, was sie da tat. Und dachte, naja, Antiziganismus – solange wir Roma schreiben kann uns keiner was.

  5. @realisator3000 Oktober 26, 2013 um 7:50 nachmittags
    „Antiziganismus wird eben gesellschaftlich noch immer nicht als Problem
    wahrgenommen und entsprechende Strukturen können, wie dieser Fall belegt, jederzeit aktiviert werden. Europaweit.“ –
    Ja, das ist so. Auch die schwierigen Probleme der Betroffenen, die sich aus ihrer Ausgrenzung auch durch sie selber herstellen und nicht übersehen werden dürfen.
    Die Ursachen sind gefragt.
    Besonders schwierig wird es, wenn sich neben den Medien auch alle Welt behufen fühlt, sich erregt zu dieser Sache hier zu äußern und nicht einmal das Einfachste zum „Ziganismus“, besser über Roma, Cinti, Zigeuner, Ziganics usw. weiß:
    Ja: WEISS – es gibt auch „weisse“ mit blonden Haaren und blauen Augen unter ihnen, als völlig „normale“ Erscheinung, und nicht zu wenig!
    Geht z.B. nur mal in die Slowakei, Ukraine oder nach Rumänien, dort findet ihr das sehr oft.
    Den Antiziganismus haben hier wohl die „gepflegt“, die aus der äußeren Erscheinung des Kindes die Vermutung des „Unziganischen“ entwickelten, mit einem kriminellen Klischee verbrämten und das anscheinend „anteilnehmend“ voller Unkenntnis zur Sache und vorschnell verbreiteten, was leider auch zum Teil auf dieses blog und einige Kommentatoren zutreffen dürfte ….
    Die KLischeefalle läßt rundum grüßen.

  6. „Das Mädchen wurde nicht “gestohlen”, es wurde von seiner bitter armen bulgarischen Mutter gegen eine kleine Geldleistung einem befreundeten Paar überlassen.“

    Jetzt mal ehrlich, dass muss doch weh tun, wenn man sich euphemistisch derart verrenken muss, um die Dinge nicht beim Namen zu nennen zu müssen. Sagen wir doch wie es ist: Das Mädchen wurde von seiner Mutter an das Roma-Pärchen verkauft.

    Klingt das nach einem ‚antiziganistischen‘ Klischee? So what. Es ist die Wahrheit.

  7. „Jetzt mal ehrlich, das muss doch weh tun, wenn man so voller Vorurteile ist.“
    im gegenteil, ich glaube, es fühlt sich ziemlich gut an. und ich fürchte leider auch, dass dein versuch, dem antiziganistischen ressentiment hier mit fakten zu begegnen, fruchtlos bleiben wird, da es eben ein ressentiment ist. pass auf, gleich kommt der nächste und sagt: „waaas, kein geld? da siehste mal, wie verantwortungslos die sind, die kümmern sich nur um ihre kinder, wenn sie was davon haben“.

  8. und selbst wenn Geld geflossen wäre, es ist ja nicht so dass es das Geschäftsmodell Pflegefamilie außerhalb von Romafamilien nicht gibt. Die Crux ist doch das von Anfang an Entführung unterstellt wurde, ebenso wie nun unterstellt wird es müsse ein böswilliger Verkauf und nicht ein Arrangements zum Besten oder besseren des Kindes gewesen sein.

  9. @Cyrano Oktober 28, 2013 um 7:05 vormittags
    Du bringst es auf den Punkt:
    „Die Crux ist doch das von Anfang an Entführung unterstellt wurde“ , und zwar das nur aufgrund von äußeren Wesensmerkmalen des Kindes blond, weiße Haut und blaue Augen, und das verbunden mit den internen, also vorhandenen eigenen dicken antiziganistischen Klischeevorstellungen zur Zwangserscheinung „Zigeuner“ bei den zuerst berichtenden und dies verwurstenden Nachplapperern.
    An diesen Stellen fand blanker Anti-Ziganismus statt, und es ist völlig wurst dabei, aus welchem Grund das Kind bei einer anderen bekannten Familie des eigenen Kulturkreises aufwächst, was ja wohl zu hunderttausenden Fällen in der nichtziganistischen Welt völlig normal so gehandhabt wird.

    Ob denn die die Entführung Vermutenden Halbgebildeten jemals davon gehört haben, daß evolutionsbiologisch die Augen aller (!) homosapiens ursprünglich blau waren?

  10. „Wie sich jetzt herausstellte, ist nicht mal Geld geflossen. Jetzt mal ehrlich, das muss doch weh tun, wenn man so voller Vorurteile ist.“

    Naja, in diesem Fall müsstest Du das ja eh selbst am besten wissen, lindwurm. Oder hast Du etwa nicht geschrieben, dass die kleine Maria dem Roma-Pärchen „gegen eine kleine Geldleistung überlassen“ wurde? Und „gegen eine Geldleistung überlassen“ ist nun mal ein Synonym für „verkaufen“.

    Außerdem: dass Maria verkauft wurde, war kein Vorurteil meinerseits, sondern die offizielle von Behörden und Medien berichtete, und von Dir selbst geglaubte und übernommene Version – von der Du halt geglaubt hast, sie sprachlich weichspülen zu müssen.

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