Halloween, yay

Es ist Halloween, die Zeit, um sich Horrorfilme anzusehen, Kinderstreiche locker zu nehmen und den üblichen Verdächtigen dabei zuzuhören, wie sie über den „amerikanischen Brauch“ und den „Kommerz“ schimpfen, als wären Bräuche immer und überall etwas Statisches, als wollte niemand mit irgendwelchen anderen Feiertagen ein Geschäft machen und als sei das Geschäftemachen per se schlecht. „Blöde Amis“, murmeln die Euro-Griesgräme und gehen auf die Friedhöfe, wo sie zu Allerheiligen, dem Tag nach Halloween, mit abertausenden Kerzen, mit denen jemand ein super Geschäft gemacht hat, ein magisches Lichtspektakel inszenieren und sich dabei ganz toll christlich fühlen. Das sei ihnen auch gegönnt, so wie es auch jedem Kind vergönnt sei, an neuem Brauchtum Spaß zu haben. Und so ganz blitzblank neu und amerikanisch ist Halloween vielleicht gar nicht. Dass es ursprünglich eine irische Veranstaltung war, ist bekannt. Aber auch am Kontinent gibt es da was. In vielen österreichischen Regionen treiben sich Kinder am 5. Dezember nachts umher und spielen den Erwachsenen allerlei Streiche. Und am 28. Dezember gibt es die Tradition des „Schappen“, in Kärnten bekannt als „Frisch und Gsund Wichsen“ (nicht das, was ihr Ferkel meint). Kinder gehen mit Ruten von Haus zu Haus, sagen ein Gedichtlein auf, verhauen symbolisch die Erwachsenen und bekommen dafür Süßigkeiten oder Bargeld. Klingt verdächtig nach „Trick or Treat“ (eingedeutscht als „Süßes oder Saures“). Ich will gar nicht behaupten, Halloween sei was Keltisches, dazu ist wohl auch die historische Faktenlage zu dünn, aber man muss kein Religionswissenschaftler sein um zu begreifen, dass viele Religionen und viele Kulturen Feste kennen, an denen die Kinder sozusagen von der Leine gelassen werden und sich die strikten Machtverhältnisse ein wenig auflösen. Und nicht nur für Kinder. Schon die alten Römer kannten mit den Saturnalien eine Art Vorgänger des Karneval, eine Festzeit, in der die Standesunterschiede aufgehoben waren, die Herren die Sklaven bedienten und die Menschen einander vermutlich allerlei Streiche spielten. Aber ich schwafle schon wieder, darum geht es mir ja gar nicht, sondern um das eklig-verbitterte Halloween-Bashing von Grantscherben, die sich dabei auch noch überlegen wähnen, da sie den Brauch ja als „US-Kommerz“ enttarnt zu haben meinen. Nachplapperer ohne Hirn halt. Ich sage: Habt Spaß, Kinder jeden Alters, und deckt die Häuser der antiamerikanischen Halloweenhasser mit Klopapier ein!

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

5 Gedanken zu „Halloween, yay“

  1. …und allen, die unter dem Vorwand „das kulturell hochstehende Abendland vor der bösen, bösen Amerikanisierung zu bewahren“ ihren Frust an Kindern auslassen, wünsche ich, dass sie bald der Kramperl holt.

  2. Ich halte das in erster Linie für einen klassischen Generationenkonflikt. Kinder und Jugendliche wachsen mit amerikanischen Fernsehserien auf, in denen sie natürlich mit vielen kulturellen Traditionen aus den USA vertraut gemacht werden – darunter auch Halloween. Und Halloween schaut nun mal nach sehr viel Spaß aus.

    Vielen älteren Semestern fehlt mangels entsprechendem Medienkonsum einfach die Vertrautheit mit diesen Kulturimporten. Für die ist es einfach irritierend, wenn vor Allerheiligen plötzlich als Monster verkleidete Kinder vor ihrer Türe stehen und ‚Süßes oder Saures‘ verlangen. Die wissen darüber oft nur, dass Halloween etwas ist, das aus Amerika kommt – aber mehr auch nicht. Und ich vermute, aus der Perspektive vieler älterer Menschen wird dadurch einfach nur der Eindruck verstärkt, dass durch das Vordringen amerikanischer Kulturimporte die Kultur und die Traditionen, in die sie noch hineinsozialisiert worden sind, sukzessive verdrängt und abgeräumt werden. Mitunter führt diese Amerikanisierung der Kultur ja auch im Alltag zu ganz realen Problemen. Mein Vater zB hat noch 8 Jahre die Volksschule besucht und als Folge dessen (wie viele andere seiner Generation) nie Englisch gelernt. Ihn stellen die immer stärker um sich greifenden Anglizismen sehr häufig vor echte Verständnisprobleme. Und ihn erärgert es dann natürlich auch, wenn aus ihm auf diese Weise fast ein funktionaler Analphabet gemacht wird, nur um dem heute gängigen ‚Je amerikanischer, desto cooler‘- Paradigma Genüge zu tun.

    Ich persönlich bin ein großer Freund der amerikanischen Kultur – insbesondere der Literatur und Unterhaltungsindustrie. Aber ich kann auch nachvollziehen, warum manche Leute gereizt reagieren, wenn ihnen von der jüngeren Generation ein – an sich ja ganz sympathischer – Brauch wie Halloween auf’s Auge gedrückt wird.

  3. Danke für diesen Post. Als Amerikaner und ehemaliger Wahl-Klagenfurter finde ich es super, dass nicht alle unisono einen unserer schönsten Bräuche (vor allem für Kinder!) pauschal als kommerzialisierten Blödsinn abtun. Aber Grantler gibt’s überall, auch außerhalb von Kärnten…

  4. Hurra! Als Untoter durch die Stadt spazieren! Die Bude mit Kürbissen und falschen Spinnweben verzieren! Massenweise Zuckerln verzehren und verschenken!
    Und der nächste Tag ist immer ein Österreichischer Feiertag! Spaß haben ohne Reue!
    Ich mein ich kann auch saufen ohne Spaß zu haben, aber wenn sich so ein Fest bietet, dann mach ich mit!

  5. Nun Dan, ob es einer der „schönsten“ Kinderbräuche ist, weiß ich nicht recht, und fest steht allerdings, daß der Kommerz es als „ZwischenKonsum-Action“ vor Weihnachten erfunden und in den Ring geworfen hat, jedoch ebenso fest dürfte stehen, daß der Kommerz heute nur noch „dabei“ ist und nicht mehr die Feder am Lustigsein führt.
    Un deshalb –
    halte ich es es mit Dan, kurz und bündig, soviel man auch über Kulturaustausch plappern kann.
    Denn spätestens ab der zweiten Nummer ist der Kommerz sowieso dabei, was gibt es da zu stöhnen?
    Das ist bei „nichtamerikanischen“ Bräuchen wie dem sogenannten (!) „Wiesen“ noch weit schlimmer – also vergessen wir es – Solange der gesamte Kulturtausch nicht nur oder dominant aus Kommerz besteht.

    Aber, lieber Lindwurm, du benutzt selber gern „unbedacht Nachgeplappertes“, denn: Dan ist zwar (ein) „Amerikaner“, doch das was du mit „antiamerikanisch“ säuselst, ist etwas anderes, das wäre ja dann gerichtet gegen Mexiko, Kuba, Kanada, Belize, Honduras, USA und zig andere „amerikanische“ Staaten, deren Bewohner unbestreitbar auch alle „Amerikaner“ sind, sollen wir also ernsthaft glauben, daß du das mit „antiamerikanisch“ auch so meinst?
    Es ist das gleiche grobe sperrig nachlässige und daher rein aggitatorische Denkgestänge wie bei „Semiten“, wenn man nur, weil Hitlers das so wollten und deshalb ver- und angeordnet haben, noch 70 Jahre später immer noch nur Juden darunter verstehen will, obwohl man längst weiß, daß es weder Rassen noch eine „semitische Rasse Juden“ gab und gibt sondern Semiten weder ethische noch biologische Verwandte sondern eine große viele Hunderte Millionen umfassende SPRACHFAMILIE sind, zu denen NUR AUCH die kleinere Anzahl der Juden gehören.
    Das führt bekanntlich aus rein sturer Gewohnheit inzwischen zu unvernünftigsten Beleidigungen mit der Benutzung des schon immer falschen Begriffres „Antisemitismus“ bei der anderen nichtjüdischen Semitenmehrzahl.

    Was würdeswt du eigentlich sagen, wenn ich, um Europäer gegenüber der USA zu bezeichnen, pausenlos von den Dänen, oder noch verfänglicher: von den Deutschen sprechen würde?
    Was meinst du wohl, was in der Welt los wäre ….
    (das ginge sofort in die Unterstellung: Deutschland über alles …. – ?)
    Und du nun hier: „Amerika über alles?“ – welches?

    Und:
    Kaum einem „antiamerikanisch“ (wie du es sagst) tickenden Menschen käme wohl die Idee, damit die MENSCHEN in den USA zu schmähen – es sei denn, es handelt sich um einen (nichtamerikanischen) Nationalisten, der dann in Richtung nazi-Fremdenhass herumgeikelt.

    Wer führt nur solche unsinnigen Verkürzungsparolen ein, die die Konturen verwischen und unbrauchbar für Verständigung machen.
    Das ist schon kein halloween, und auch kein Kulturaustausch, das ist mindestens Denkschlamperei – solange keine andere Absicht damit verfolgt wird, die dann selber nur eine nationalistische sein könnte …

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