Do it!

Wenn man uns etwas von angeblich unverrückbaren Gesetzmäßigkeiten erzählt, von Sach- oder Systemzwängen, handelt es sich um Ausreden Es ist ungeheuer bequem, die eigene Faulheit und die eigene Bösartigkeit auf systemische Bedingungen zu schieben. Und das machen allzu viele. Der Linke, der zuerst den Kapitalismus überwunden sehen möchte, bevor er Verbesserungen für die Menschen überhaupt erst für möglich hält, ist nicht besser als der gekaufte Politiker, der den Abbau sozialer Errungenschaften zugunsten einer kurzfristigen Profitsteigerung von Unternehmen mit der durch die Globalisierung „notwendig“ gewordenen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit begründet. Mit einer Frechheit und Penetranz, die sonst religiösen Dogmatikern eigen ist, zücken solche Figuren angesichts von Missständen ihre jeweils für heilig gehaltenen Schwarten, seien die von Marx oder Mises, und rufen: „Sehet her, so steht es geschrieben, so muss es sein“. Untertänige Feiglinge hören zu, nicken und murmeln wie hypnotisiert: „Ja, so muss es sein“. Aber nichts muss so sein, wie es ist, alles ist veränderbar, niemand ist immer nur ausgeliefert, jeder hat eine Wahl. Es gab sie immer und es gibt sie noch, Menschen, die sich nicht hinter dem System verstecken, sondern die was tun. Die Gewerkschafterin, die sich nicht  mit Vorstandsposten korrumpieren lässt. Der Politiker, der gegen die Parteilinie aufsteht, wenn er sie als falsch erkennt. Die Krankenpflegerin, die, wenn ein Patient nachts Schmerzen hat, nicht mit den Schultern zuckt und auf Morgen vertröstet, sondern sich auf die Suche nach einem Arzt macht, auch wenn das den Arzt und jene Kollegen, die Dienst nach Vorschrift machen, ärgert. Der Soldat und die Polizistin, der einen verbrecherischen Befehl nicht ausführen.  Der Psychiater, der den Zweck seines Berufes nicht darin sieht, für Konformität zu sorgen. Die Mitarbeiterin vom Arbeitsamt, die in Menschen mehr sieht als eine Nummern in einer Statistik. Jeder, der dagegen protestiert, wenn Recht zu Unrecht wird. Sie alle sind tausend Mal bessere Menschen als jeder dieser „Da-kann-man-halt-nix-machen“-Typen, die mehrheitlich die Gegend verpesten. Man kann immer was machen, egal, ob gerade Nazis, Kommunisten, Kapitalisten oder Nazikommunistenkapitalisten regieren.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

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