Maidan: It all sucks

Jubel, Trubel, Heiterkeit auf fast allen Kanälen und in allen westeuropäischen Medien. Die Maidan-Proteste in der Ukraine scheinen gesiegt zu haben. Präsident Yanukowitsch wurde vom Parlament abgesetzt Demonstrantinnen schleifen kamerawirksam die letzten Lenin-Denkmäler und Julia Timoschenko, die Prinzessin Leia der angeblich pro-westlichen, pro-europäischen Bewegung, kommt aus dem Gefängnis. Jetzt wird bestimmt alles gut, denn Timoschenko ist zwar eine Oligarchin, aber sie hat diese neckische Bund-Deutscher-Mädel-Frisur und hat Europa ganz doll lieb, also ist sie eine gute Oligarchin.

Unterdessen, zwischen all dem Revolutionsjubel, rät ein Kiever Rabbiner Juden, die Stadt und falls möglich auch das Land zu verlassen.

Schauen wir uns mal an, wer da gerade nach der Diktion westeurpäischer Medien und Politikerinnen „westliche Werte verteidigt“. Im Jahr 2003 publiziert die ukrainische Zeitung „Silski visti “ einen Artikel mit der Überschrift „Juden in der Ukraine heute: Die Wirklichkeit ohne Mythen“. Darin wird die irrsinnige Behauptung aufgestellt, 400.000 Juden hätten 1941 an der Seite Hitlers die Ukraine überfallen. Der Herausgeber der Zeitung, Vasily Gruzin, legte in einem Interview mit der Jewish Telegraphic Agency nach und sagte, er hätte nichts gegen Juden an sich, aber gegen die „jüdischen Oligarchen“, die das Land regierten, und gegen die „Zionisten, die die Welt kontrollieren wollen“. Alexander Shlayen vom Antifaschistischen Komitee der Ukraine zeigte die Zeitung wegen Verhetzung an. Julia Timoschenko veröffentlichte daraufhin gemeinsam mit dem „pro-westlichen“ Präsidentschaftskandidaten Viktor Yushchenko einen Aufruf mit dem Titel „Hände weg von Silski visti“2012 schloss Timoschenkos Vaterlandspaertei einen Wahlpakt mit der nationalfaschistischen, antisemitischen Swoboda-Partei. In dieser bezaubernden Gruppierung gibt es Leute wie Yuri Mikhalchishin, der seiner Partei riet, die „Taktik der Hamas zu kopieren“ und der den Holocaust als „helle Periode der europäischen Geschichte“ bezeichnete. Swoboda-Parteichef Oleg Tjagnibok fiel dadurch auf, dass er die Ukraine als von „Juden und Russen besetztes Land“ beschrieb. 2013 stimmte Timoschenkos Partei gegen eine Gesetzesinitiative, die antisemitische Hassreden verbieten sollte. Und nun, im Zuge der „Maidan-Revolution“, paktiert der vor allem von Deutschland gepushte „Hoffnungsträger“ Vitali Klitschko ungeniert mit dem Swoboda-Nazi Oleg Tjagnibok und lacht mit ihm von etlichen Fotos.

Ich bin kein Fan des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, aber man gestatte mir, bei dieser Opposition nicht ins Schwärmen zu geraten. Natürlich ist bzw. war die amtierende Regierung eine von pro-russischen Oligarchen-Marionetten. Die Opposition besteht aus pro-westlichen Oligarchen-Marionetten und aus Nazis. Und ob einer nun pro-russisch ist oder für die EU geht mir, ehrlich gesagt, mittlerweile am Arsch vorbei. „Pro-europäisch“ ist in Zeiten, in denen die EU auf Flüchtlinge schießt, diese im Mittelmeer ersaufen lässt und ansonsten dafür Sorge trägt, den Lebensstandard der EU-Bürgerinnen der „Wettbewerbsfähigkeit“ wegen auf Drittwelt-Niveau zu reduzieren, ein ebenso unattraktives Movens wie es Sympathie für Putins autoritäre gelenkte Pseudodemokratie ist. Da springt bei mir kein revolutionärer Funke über, da fällt mir nur ein: Alles scheiße, it all sucks.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

8 Gedanken zu „Maidan: It all sucks“

  1. Jo, Lindwurm, sieht wohl so aus: all sucks.
    Aber halt:
    Ist doch alles (!) nur Kapitalismus, ein Mus-muß aus Kapitaleignern, -Interessen und das im privaten wie im staatlichen Rahmen – ?
    Eine Gurkentruppe hast du übrigens vergessen: google mal, welcher Coleur die sogenannte „gewaltbereite“ und mit Schußwaffen ausgerüstete „Opposition“ auf dem Maidan ist – Das soll nach der US-amerikanischen Farbenlehre eines Sorro (damals orange, in Nordafrika grüne Revolution, und nun … – alles das identische Strikmuster) nun evtl. die „schwarze“ sein? Leute, die sich nichteinmal zur „oppositionellen Vereinigungszustimmung“ demaskieren und die neben frappierenden Ausbildungen, vielen Dollars und guten Schutzmitteln auch sich gern an „die Deutschen“ erinnern, die doch mal die „Ukraine befreit hatten“…

    Dieses Spiel „Maidan“ ist nicht zuende, es beginnt gerade erst, nicht in „Kapitälchen“ sondern als kapitales Schauspiel der Interessen des Weltkapitals: Was für ein hervorragendes tolles unerschlossenes Absatzgebiet: Ukraine, Produktion (da „marode“) mal fix einstellen oder verscherbeln und den „Westen liefern lassen“, der versorgt das Entwicklungsgebiet mit links mit – und verdient sogar „noch etwa“, um so mit Ukraines Freiheit aus der europäischen Krise etwas entwischen zu können …
    Irgendwie kennen wir das doch irgendwoher?

  2. Und nicht vergessen:
    Die Ukraine ist das Entstehungsgebiet Russlands, damit sein eigentliches Kernland seit der Kiewer Russ …
    Was wohl USA machen würde, wenn sie ihr Entstehungsgebiet / Kernland abtreten müßte, oder Austria, oder Deutschland

  3. Well, it sucks big time.

    „Es ist das Schicksal aller Revolutionen, dass dies Bündnis verschiedener Klassen, das bis zu einem gewissen Grad immer die Voraussetzung jeder Revolution ist, nicht von langer Dauer sein kann.
    Kaum ist der Sieg über den gemeinsamen Feind errungen, da beginnen sich die Sieger in verschiedene Lager zu scheiden und die Waffen gegeneinander zu kehren“ Friedrich Engels

  4. @Sledgehammer Februar 23, 2014 um 2:09 nachmittags
    Korrekt bemerkt und formuliert:
    „Kaum ist der Sieg über den gemeinsamen Feind errungen, da beginnen sich die Sieger in verschiedene Lager zu scheiden und die Waffen gegeneinander zu kehren” (F.E.)
    Nur dazu mußt du nicht bis auf Engels zurückgreifen, das haben Jahrtausende zuvor auch die Griechen gewußt und dafür die DEMOKRATIE erfunden:
    DAS Regularium, wie revolutionäre (und andere) Absichten, Ansinnen und Ekenntnisse und deren GEwaltansprüche in die dazu erforderlichen BÜNDNISSE auf (Themen)Zeit gehändelt werden können, also als die Methode, wie zeitweilige Bündnisse für Durchsetzung bestimmter Interessen einschließlich deren Beendigung und Neukonstellation.

    Somit ist festzustellen, daß die Demokratie nicht nur die Voraussetzung und das Instrument erfolgreicher REvolution sondern sogar Revolution selber nichts anderes als gelebte Demokratie ist.
    Man möge dies ernsthaft abwägen, bevor versucht wird, die Revolution krümelkackerisch aus der DEmokratie herauszurechnen: Ja das ist schmerzhaft, Revolution als Demokratie und DEmokratie als permanente Revolution zu begreifen, das BINDENDE und Geheimnids eines Erfolges sind immer:
    DIE WECHSELNDEN MACHTVERHÄLTNISSE
    durch Wechsel der Bündnisse.
    Ja, weder das eine noch das andere hat „Ideal“-Qualitäten und und muß deshalb (!) in diesem Sinne als unvollkommene Erscheinung darauf achten, daß „die Vollkommenheit“ nie erreicht wird ….

  5. hallo, danke für die Recherche und’s schreiben! Hätt das sonst so nicht mitbekommen… Thanks🙂

  6. zufällig auf dieses blog gestoßen und muss sagen: ich schließe mich jedem einzelnen wort an (gilt auch für den beitrag „krim-krieg reloaded“).

    ich hatte aber schon das gefühl dass die oppositionellen bewegungen zu großen teilen demokratisch gesinnt sind.

    erbärmlich waren hingegen hiesige medien die wirklich jedes anzeichen dafür, dass frontex-europa sich da hinter rechte putschisten stellt, geschafft haben runterzuspielen oder komplett auszuschweigen.

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