Lebensrecht

Vom Menschen gehaltene Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Goldfische, die Tiere im Zoo – sie alle dürfen leben, ohne dass nach einem ökonomischen Sinn dieses Lebens gefragt wird. Auch für Wildtiere gilt das, wie unzählige Tierfilme und engagierte Tierschutzvereine beweisen. Man gesteht jenen Tieren, die man nicht zu verspeisen gedenkt, ein Lebensrecht zu, weil sie existieren und weil man das gut findet. Nur für den Menschen selbst soll es das unbedingte Existenzrecht nicht geben, das gönnt der Mensch dem anderen Menschen nicht. Der Mensch muss nachweisen, dass er ökonomisch nützlich ist, muss arbeiten oder zumindest verzweifelt nach Arbeit suchen, sonst streicht ihm das Arbeits- oder das Sozialamt die mageren Bezüge, nennt das „Sanktion“ und lässt den Menschen hungern, nimmt ihm sein Obdach. Wo aber der Mensch nicht bedingungslos das Recht auf Leben hat, und ein solches muss ein Mindestmaß an finanziellen Mitteln und eine Unterkunft beinhalten, ist nicht Zivilisation, sondern Barbarei, ganz egal übrigens, wo die Herrschenden über diese Barbarei von sich behaupten, politisch zu stehen.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

2 Gedanken zu „Lebensrecht“

  1. So sehr ich das Ziel teile, die Begründung verfängt nicht. Zootiere, Haustiere und weiteres Getier existiert, dem Menschen zu gefallen. Stimmt, es gibt Tierschützer, die agieren weil ihnen die Tierwelt ein Wert an sich ist. Sofern Sie aber keine Tierrechtler sind werden sie auch dafür sein dem Menschen einen Wert an sich zu zu erkennen. Menschen, die die Position vertreten der Mensch habe seinen Lebenswert durch Arbeit unter Beweis zu stellen werden oft genug auch den Tier- und weiteren Naturschutz seiner ökonomischen Sinnlosigkeit zeihen. Zudem ist Tierschutz eben nicht so staatlich institutionalisiert, wie es das menschliche Recht auf Leben sein sollte. Der Staat schreibt dem Löwen nicht vor, wie er mit der Gazelle zu verfahren hat, durchaus mir aber, dass ich nicht meines Nachbarn Löwe sein darf. Tierschutz ist im besten Fall analog zur großbürgerlichen Charity (und zum Glück, sonst sind wir wieder bei den Tierrechten).

    Ideal wäre es sicherlich ein recht nicht nur auf den Kampf ums Dasein, sondern auch aufs Leben in den Köpfen aller Menschen zu verankern. Ob eine Argumentation, die ökonomische Überlegungen an sich zurückweist heute noch irgend eine Chance hat wage ich aber zu bezweifeln (leider). Das einzige was mich jemals praktisch andere hat überzeugen lassen war es die lange Frist gegen die kurze auszuspielen. Etwa: hätte Goethe das ökonomisch sinnvolle (kurzfristig) getan, und wäre Jurist geworden, hätte das langfristig nicht auch ökonomisch einen Verlust bedeutet? Und dann: es ist der Vorteil einer Gesellschaft die das Leben aller absichert, dass sie solche Experimente ermöglicht. Ähnlich kann man etwa für Grundlagenforschung in allen Bereichen argumentieren. Was darüber hinausgeht, insbesondere wenn es fragwürdig begründet wird, führt meines Erachtens nirgendwohin. So richtig es sein mag. Schöne neue Welt..

  2. Lindwurm,
    beim Lesen Deines Beitrags musste ich mit dem Kopf schuetteln:
    Keinem Menschen wird das Lebenrecht abgesprochen, wenn er nicht arbeitet, Der „unnuetze Esser“ wird ja nicht totgeschlagen.

    Dir geht es nicht um ein Lebensrecht, sondern um ein Unterhaltsrecht.

    Wer ein Haustier haelt, hat freiwillig die Verantwortung uebernommen, fuer dessen Unterhalt zu sorgen. Wildtiere haben kein garantiertes Lebensrecht und ganz bestimmt kein Recht auf Unterhalt.

    Dem Recht auf Unterhalt, das Du forderst, steht der Zwang gegenueber, dass andere Menschen mehr und/oder schwerer arbeiten muessen, um diesen Unterhalt zu finanzieren.

    In der westlichen Gesellschaft, steht denjenigen auch ein Mindestunterhalt zu, die nicht arbeiten koennen.

    Dieses Recht auf einen Mindestunterhalt auch auf diejenigen auszudehnen, die nicht arbeiten wollen, ist unmoeglich. Die wenigsten Menschen wollen naemlich arbeiten.

    Unser Beispiel aus Israel: Mein Mann und ich arbeiten beide ca. 50 Stunden in der Woche, daneben ziehen wir zwei Kinder gross. Unseren gemeinsamen Einkommen werden an Steuern und Sozialabgaben fast. 50% abgezogen. (Bei mir knapp 40%, weil die Kinder auf die Mutter angerechnet werden, bei meinem Mann ueber 50%). Die gesamten Abzuege sind etwa soviel wie zwei Mindesteinkommen plus Sozial- und Krankenversicherung. Glaub‘ mir, wenn die Steuerlast noch weiter ansteigen sollte, dann wird es fuer mich sehr attraktiv, dafuer zu sorgen, dass ich entlassen werde. In meinem Alter waere es nicht leicht, eine andere Arbeit zu finden und damit koennte ich die Jahre bis zur Rente (in Israel erst mit 67) mit Sozialhilfe ueberbruecken. Ein paar Jahre koennte ich noch Hausfrau und Mutter sein, danach vermutlich Hausfrau und Grossmutter. Nebenher koennte ich schwarz noch Kinder betreuen oder andere Gelegenheitsarbeiten uebernehmen. Mit nur einem Gehalt kaemen wir auch in den Genuss von vielen Nachlaessen: bei der Stadtsteuer, bei den oeffentlichen Verkehrsmitteln usw.

    War das ein sehr emotionaler Text, oder sind solche basis-oekonomischen Ueberlegungen wirklich schon nicht mehr verbreitet?

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