Eine Wurst gegen Intoleranz

Conchita Wursts Triumph beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen war einer dieser raren Momente in denen man spürt, dass sich etwas grundlegend verändert, dass die Welt sich ab genau diesem Zeitpunkt ein wenig anders drehen wird als bisher. Wursts Erfolg ist nicht nur für LGBT-People ein Grund zum Feiern, sondern für alle Menschen, die von der sogenannten Norm abweichen, ob freiwillig oder unfreiwillig, und die deswegen Diskriminierung erfahren. Die Jugend Europas, die hier hauptsächlich abstimmte, hat ein Zeichen gesetzt für Toleranz und Akzeptanz und gegen die Normierer und Ausgrenzer, auch eines für Vielfalt und gegen Uniformität. Es ist eine Jugend, die nicht mehr einsieht, weshalb Menschen ein Leben lang nur eine einzige Identität haben sollten und warum es schlecht sein sollte, wenn man sich auch mal für etwas anderes entscheidet als nur für das, was Biologie, der Zufall des Geburtsortes und die kulturellen Vorstellungen der Gesellschaft vorgegeben haben. Diese Jugend stimmte für die Freiheit des Individuums, abweichen zu dürfen, anders sein zu dürfen, und sie stimmte gegen den Hass und die Angst derjenigen, die das Andersartige und Fremde gerne einsperren, pathologisieren oder gar vernichten wollen. Indem die jungen Leute zwischen Hammerfest und Tel Aviv einen bärtigen Travestiekünstler zur Siegerin des Songcontest wählten, verabreichten sie dem reaktionären faschistoiden Gesindel dieser Erde, das Hass und Intoleranz verbreitet, eine saftige Ohrfeige, und die Backen reiben sich nun verwundert Wladimir Putin, die Svoboda-Partei und der Rechten Sektor in der Ukraine, Viktor Orban, Heinz Christian Strache, Marine Le Pen, Akif Pirincci und Jürgen Elsässer, die iranischen Mullahs, die Islamisten überall, etliche katholische Bischöfe sowie Faschisten und Nazis auf der ganzen Welt.

Die meisten derer, die für Wurst votierten, mögen vielleicht kein umfassendes politisches Konzept haben, ja nicht mal ein kapitalismuskritisches Bewusstsein, aber sie haben den Anmaßungen jener autoritären Herrschaften, nach deren Vorstellungen der Mensch sich bis zur geschlechtlichen Identität hin von hegemonialer Kultur und Staat kontrollieren lassen müsse, auf dass er viele zukünftige Arbeiter, Soldaten und Konsumenten produziere, eine Abfuhr erteilt. Aber hier wurde keineswegs nur gegen etwas gestimmt, hier wurde auch für Lebensfreude votiert, für ein Leben, das mehr sein kann als bl0ß eine möglichst angepasste Existenz in engen Schranken. Die, die darauf nun erneut mit Hass erfüllten Leserbriefen und Tweets reagieren, machen das auch deswegen, weil sie wissen, dass Conchita für etwas steht, das sie sich selbst versagen, nämlich für die Überwindung Geschlechts bezogener Ängste, die nach wie vor Millionen Menschen ein erfülltes (Sexual)Leben verunmöglichen. Diese Hasser sind Charaktere, die sich selbst zu Opfern ihrer eigenen moralischen Verklemmungen machen, darunter leiden und daraus nicht etwa den Schluss ziehen, das, was das Leid verursacht, zu überwinden, sondern möglichst viele andere Menschen ebenfalls leiden zu lassen. Im Zeichen von „Normalität“ und „Gesundheit“. Was ich aus dem Kopenhagen-Ereignis herauslese, ist in etwa das: „Nicht wir, die wir anders sind als die tatsächliche oder angebliche Mehrheit, sind die Kranken und die Freaks, sondern ihr seid es, die ihr das, was ihr mit eurem begrenztem Horizont als normal anseht, auf alle anderen Menschen ausdehnen wollt“.

Natürlich darf man bei aller Euphorie nicht vergessen, dass wir mitten in einem weltweitem Kampf zwischen reaktionären und fortschrittlichen Kräften stehen. LGBT-People  werden in vielen Ländern bis hin zu Freiheitsentzug und – oft auch staatlichem – Mord verfolgt und unterdrückt. Deren Rechte sind, wie auch jene der Frauen, durch die weitere Verbreitung fundamentalistischer Islamvarianten, durch eine Renaissance der politisierenden christlich-orthodoxen Kirche in Russland und Osteuropa, durch ultra-reaktionäre Gesetzgebungen in Afrika und durch die Wiederkehr extrem rechter Politik in Westeuropa in unmittelbarer Gefahr. Auch für heterosexuelle Menschen mit psychischer Andersartigkeit drohen massive Rückschritte, und zwar durch das Rentabilitäts-Dogma einer zunehmend radikaler werdenden Marktwirtschaft. Es wäre schön, wenn nach dem Feiern all jenen, die immer noch auch hier, mitten in Europa, gegen Ausgrenzung und Diskriminierung kämpfen, klar wird, dass sie am selben Strang ziehen, denn die, die LGBT-Leute hassen, sind meist dieselben, die auch Frauen unterdrücken und seelisch Beeinträchtigten die vollen Menschenrechte absprechen.

Kurzer Nachtrag: Israel vergab an Conchita Wurst die volle Punktzahl, die von der islamisch-konservativen AKP regierte Türkei zog es vor, am Eurovision Song Contest gar nicht erst teilzunehmen. Das sagt etwas darüber aus, mit welchen kulturellen Vorstellungen sich die beiden Länder identifizieren und mit welchen nicht. Die Europäische Union sollte darauf reagieren, statt Israel mit Boykottdrohungen zu ärgern. Israel will offensichtlich zu einer Wertegemeinschaft, in der andersartige sexuelle Identitäten akzeptiert werden, dazugehören, die Türkei nicht.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

13 Gedanken zu „Eine Wurst gegen Intoleranz“

  1. Ich kann dem Lindwurm bei seiner Analyse des Grand-Prix-Ergebnisses nur zustimmen. Hier wurde ein erfreuliches Zeichen für Toleranz und Lebensfreude gesetzt wozu Europa sich nur beglückwünschen kann.

    Ein wenig den Spielverderber muß ich allerdings doch geben, denn unter künstlerischer Sicht schien mir Conchitas Beitrag kaum weniger durchwachsen wie die restlichen Darbietungen. Ich finde es schon schade, daß der Grand Prix bereits seit Jahren anscheinend nicht mehr den Sinn hat, ein europäischer Wettbewerb um das schönste und qualitativ hochwertigste Lied zu sein sondern augenscheinlich zu einer überdimensionierten Revue der skurilsten Exzentritäten mutiert ist bei welcher die Musik wohl nur noch Nebensache und überhaupt zum weitgehend gleichtönenden und nervenden akustischen Einheitsbrei geworden ist. Im Vergleich zu den hopsenden Griechen auf Speed und anderen geschmacklichen Merkwürdigkeiten empfinde ich eine bärtige Travestiekünstlerin sogar noch als erfreulich unspektakulär. Musikalisch wirklich begeistert hat mich nichts davon. Sorry, wenn ich jetzt jemanden (besonders sich über Conchitas Sieg freuende Ösis) den Spaß an der Sache verdorben haben sollte aber ich war auch schon vor drei oder vier Jahren der Ansicht, daß „unsere“ Lena nicht unbedingt gleich ein Geschenk Gottes an die Menschheit ist, sie wahrscheinlich nicht übers Wasser gehen und durch Handauflegen Kranke heilen kann und daß „Satellite“ bestenfalls ein hübsches Kinderliedchen ist. Und jetzt leg ich mal wieder „Merci“ von Udo Jürgens auf. das ist nämlich gute Musik!

  2. @Ralph,

    habs nicht gesehen, aber dein Kommentar trifft es vermutlich. Dass es beim Contest um „gute Musik“ geht, stimmt schon lange nicht mehr, aber wem sag ich das. Alle wissen was läuft, keiner denkt daran etwas zu ändern. Theres no business like show business.

  3. „Die Jugend Europas, die hier hauptsächlich abstimmte, hat ein Zeichen gesetzt für Toleranz und Akzeptanz und gegen die Normierer und Ausgrenzer, auch eines für Vielfalt und gegen Uniformität.“
    Bingo!

    So war das gedacht, so stellte es sich ein. Du hast die Zusammenhänge sorgsam treffend beschrieben.
    Da kann Ralph gar nicht „ein bischen Spielverderber“ sein …
    Auch das trifft:
    „Diese Jugend stimmte für die Freiheit des Individuums, abweichen zu dürfen, anders sein zu dürfen, und sie stimmte gegen den Hass und die Angst derjenigen, die das Andersartige und Fremde gerne einsperren, pathologisieren oder gar vernichten wollen.“

    Genau genommen war und ist die öffentliche Conchita (nicht der ESC) eine mächtige Machtdemonstration, die den Gesellschaften weltweit in die Hosen und unter die Röcke und Blusen sowie in die Köpfe und Herzen gekrochen ist.
    Wollen hoffen, daß hier mal nicht im Hintergrund geschraubt wurde und es sich diesmal um eine weitgehend reale Präsentation der Meinungen von Pop-Fans handelt …

    Was mir zu kurz kommt in deinem Text ist die Musikalität.
    Du kannst ein Songfestival nicht einfach mal mit einem kultur- und sozialPolitischen Kreuzzug vergleichen und dabei das Eigentliche unterschlagen:
    Conchita gewann AUFGRUND der MUSIKALISCHEN Leistung, und DAS zu recht, und nicht, WEIL sie einen Bart trug, sie gewann TROTZ ihres Bartes! (Ralph kann sich ja nochmal alles ansehen, in Ruhe…)

    DAS ist der eigentliche musikalische UND kulturelle Effekt und Sieg – und du vergißt das einfach, was das Grandiose an diesem Sieg mächtig wieder herunter zieht, oder kam es dir darauf nicht an?

    Und vorsicht, wenn du das „reaktionäre Gesindel“, das hiermit „Ohrfeigen erhielt“, benennst und aufzählst:
    Außer den von dir typisierten Reaktionäre kenne ich noch ein paar mehr, die die friedliche Kultur der Offenheit und Toleranz aktiv beschädigen, denn sie sitzen im Schoß JEDER Gesellschaft („… der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“), etabliert und knetig und gerade weltweit auf dem Vormarsch und fühlt sich gewiß geohrfeigt.
    Bekanntlich erzeugt aber Druck Gegendruck – kennst du das? Es ist ein Naturgesetz, das auch kulturell wirkt.
    Wir sollten also nicht etwa in Conchita-Euphorie verfallen, denn sie hat mit diesem Titel gewiss die Hunde zum stärkeren Bellen und Beißen gereizt – die Gegenattacken werden also nun nicht etwa kleiner sondern deutlicher und zunehmen, da auch armseelige Würmer so aus ihren Löchern herausgetrieben werden.
    Auch das Herausstreichen als irgendetwas Besonderes wäre völlig falsch, da es nun darauf ankommt, die Normalität in der Normalität zu VERANKERN, mit Gelassenheit, die aus der Selbstverständlichkeit kommt, wie halt bei Conchita auch.
    Den guten Ansatz DAFÜR lieferte Conchita mit ihren bescheidenen und wenig auftrumpfenden Worten in ihrer Botschaft an die Welt, völlig normal gelassen gedacht und liebevoll gesprochen und frei von politischer und wütiger Aggitation.
    Danke Conchita.
    Weil:
    Der „weltweite Kampf zwischen reaktionären und fortschrittlichen Kräften“ ist nichts zwischen den Menschen und Gruppen, sondern einer IN DEN MENSCHEN, wer in dem Einen „reaktionär“ ist, kann in einer anderen Angelegenheit äußerst progressiv sein.
    Ein Entsorgungsprogramm für „Reaktionäre“ gibt es nicht und wird es nicht geben, weil wir nie wieder ein Entsorgungsprogramm für Menschen zulassen werden, auch nicht für „reaktionäre“.
    Der von dir so erwähnte „welteite Kampf“ kann also ausschließlich einer ohne Waffen und nur um die Köpfe und Herzen der Menschen sein, also sollten wir ihn auch SO FÜHREN.
    Das musikalische KÖNNEN, der Auftrit an sich UND das AUFTRETEN von Conchita in der weltweiten Öffentlichkeit dürfte auch uns den Weg gezeigt haben, nicht „einen Weg“, sonderrn „den“, es sei denn, das Anliegen von WURST ist uns doch mehr wurscht.

    In diesem Geist geht es nicht darum, ob „Länder“ sich mit welchen „kulturellen Vorstellungen identifizieren“ (Staaten), sondern es geht um Gesellschaften, um Menschen, konkrete, und dazu hatte ich oben bereits etwas zur Diversifikation von Mensch und Gesellschaft gesagt…
    Denn so wie es in der Türkei (dein Beispiel) äußerst progressive handelnde Gruppierungen gibt, gibt es in Israel (auch dein Beispiel) auch extrem und radikal reaktionär agierende Gruppierungen, das ist nicht auf „Länder“ und ein Kriterium reduzierbar.
    Die von dir (wieso eigentlich in diesen Kontext) angesprochenen „Unterdrückungen“ von Menschen (dazu gehören bei mir auch Frauen, aber auch Männer, und vor allem die Unversehrtheit unserer Kinder) sind in derart vielfältiger Weise möglich, wie sie fast nicht denkbar sind – und werden auch so praktiziert, es gibt kein einziges Land, das frei davon ist:
    Das Problem besteht – wie bei der sexuellen Orientierung – nicht zwischen den Menschen (und Staaten) sondern in den Menschen, in ihnen selbst.

    So ist der von dir erwähnte „welteite Kampf zwischen reaktionären und fortschrittlichen Kräften“ einer, der die Kräfte in uns selber betrifft.
    Er kann nur einer ohne Waffen und nur einer um die Köpfe (bitte genau: NICHT KÖPFEN, sondern um das Denken) und Herzen der Menschen sein, also sollten wir ihn auch SO FÜHREN.

    Das KÖNNEN, der Auftrit UND das bescheidene AUFTRETEN von Conchita in der so geschaffenen (!) weltweiten Öffentlichkeit dürfte auch uns den Weg gezeigt haben und zeigen, nicht „einen Weg“, sondern „den“, es sei denn, das Anliegen von WURST ist uns doch eher wurscht.
    Conchita ist nun die Wurst der Intoleranz gegen die Intoleranz!

    Ja, so rum betrachtet – und nun nicht nur für den schönen Titel:
    Danke Conchita

  4. Es gibt immer wieder Menschen, die auf einem Auge blind sein, weil sie nichts anderes gelernt haben…
    Das Dumme ist, sie werfen diesen offensichtlichen eigenen Nachteil gern und stets anderen vor.
    Damit verständlich wird, warum ich die gelassene und deutliche persönliche Haltung von Conchita so richtig wichtig empfinde und aus diesem Grunde darauf verwies, daß das Reaktionäre in uns Menschen selber zu bekämpfen ist, daß Staaten nur über ihre Menschen veränderbar sind und dazu Kopf und Herz dieser Menschen zu erobern ist – wo auchg immer!! – damit dieser Gedanke deutlich wird, hier mal als typisches Beispiel dafpür, wo „Arbeit zu leisten sein dürfte“, die deutsche Jury und ihr Votum dazu:
    „Hatten für Conchita Wurst (re.) keinen einzigen Punkt über: die deutsche ESC-Jury bestehend aus Andreas Bourani, Jennifer Weist, Sido, Madeline Juno und Konrad Sommermeyer“ …
    Da haben wohl die deutsche und die russische Wertung für Conchita etwas peinlichst gemeinsam:
    Von der Landesjury keinen Punkt und vom Telefonvotum der Menschen dieser beiden Länder ähnlich viele Punkte, die sich damit gegen die Jurys durchsetzten …
    Hingegen fast alle (wenn auch nur durchschnittlich hohe) Punkte, die der Busenballerman von Polens Beitrag erhielt, kamen ausschließlich aus den westlichen Ländern, ohne daß irgendeine wenigstens durchschnittliche musikalische Qualität im Vergleich zu den anderen zu erkennen war …
    Da sieh mal einer an, offenbar ist es so, das Problem liegt mehr in als zwischen den Menschen und Ländern
    Das „Reaktionäre“ kommt also meist im Doppelpack mit „Progressiv“ daher, mal formal, mal inhaltlich und mal als geflochtener Zopf, ob Conchita dagegen ansang?
    Jedenfalls hat sie gesungen, so, daß es mit unerhörter Deutlichkeit zum Sieg reichte – falls es noch ein paar Banausen gibt, die das zwar nicht bewerten können aber dennoch möchten

  5. Bevor sich die freudestrahlenden Österreicher allzu sehr im Eigenlob über ihre angebliche Toleranz sonnen und sich für gar weltoffene Vorreiter im Herzen Europas, wenn nicht der Welt halten, sei auf 1998 verwiesen:

    http://www.hagalil.com/musik/dana/dana.htm

    Übrigens: Im Lichte der Toleranz würden Österreich und Europa dann erscheinen, wenn Menschen, die irgendwie “anders” sind oder zu sein scheinen als völlig normal empfunden werden und somit letztlich nur noch die Musik (samt dazugehöriger Show) zählt. Diese aber ist, mit Verlaub, ein beschissener Ohrwurm. Davon abgesehen schauen sich viele Leute natürlich mal gerne “irgendwie Auffälliges” in der Glotze an und bleiben dann im Alltag doch die intoleranten Deppen, die sie immer waren.

    Bleibt noch Conchita nicht nur das Beste zu wünschen, sondern auch ausreichend Kraft und Willen, um den Erfolg in einen dauerhaften zu verwandeln.

  6. @ap Mai 12, 2014 um 10:45 nachmittags
    Was ist denn das? Aus welchem Mustopf kommst denn du nun?
    Hat da einer weder den Text von der Wurst gelesen (http://lyricstranslate.com/de/rise-phoenix-auferstehen-wie-ein-ph%C3%B6nix.html), noch ihren Appell in der Pressekonferenz, noch den AUFTRIT und IHR AUFTRETEN gesehen mit der ausdrücklichen Diversivikation gegen jeden Nationalismus „Es kibt keine schwulenfeindliche Länder, es gibt nur schwulenfeindliche Menschen, und auch in Rußland sei ein Platz für Conchita“?
    Offenbar hast du, lieber Freund, weder die Musik verstanden, noch den Geist des Textes und des gesamten Auftrittes erwischt, wenn du schon wieder nichts anderes in deiner Birne hast, als Nationalismus zu pflegen: >Israel hätte zuerst eine schwule Sängerin zum ESC gehabt, und alle anderen Länder (!) taugen eh nix?< (dein Link)

    Wenn ich frage, aus welchem Mustopf du kamst, ist das wohl falsch, pardon, ich hätte fragen sollen ob du schon raus bist, aus deinem Mustopf.
    @ap, ich halte dich weder für musik- noch balledentauglich, noch für tolerant.
    Für dich hier auch mal einige Links, darunter einer zum Mitschreiben, der dir eventuell Erleuchtung bietet, WAS es mit dem Phoenix aus der Asche und der "Conchita" usw. auf sich hat (denn: soweit ich weiß, war Conchita ebhen kein Auftritt, der das Nationalempfinden von Israelis angreifen wollte oder angriff, du bist da – im Gegensatz zu Conchita – wohl etwas sehr schräg und militant gewickelt mit deinen Hinweisen), nimm lieber die von Conchita Wurst:

    "Man kann ein Land nicht auf seine Toleranz oder Intoleranz REDUZIEREN …" – Conchita Wurst (Pressekonferenz) wertet ESC-Sieg als länderübergreifendes Signal der Toleranz …
    in: http://www.sueddeutsche.de/kultur/conchita-wurst-wertet-esc-sieg-als-laenderuebergreifendes-signal-der-toleranz-1.1959207

    und hier:
    Cher bejubelt den Triumph der bärtigen Dragqueen Conchita Wurst
    http://www.spiegel.de/panorama/leute/cher-feiert-conchita-wurst-nach-sieg-bei-esc-a-968926.html

    Und dann nschließlich
    "Conchita Wurst stürmt die iTunes-Charts in Russland:
    Dass Conchita Wurst am Samstagabend Europa im Sturm erobert hat, hängt zum Großteil mit ihrer schillernden Persönlichkeit, ihrer Ausstrahlung und der universellen Botschaft der Toleranz zusammen, die den Auftritt begleiteten.
    Der Triumph hat aber ganz sicher auch musikalische Gründe.
    Die Sängerin verfügt über eine hervorragende Stimme, und das Siegerlied "Rise like a Phoenix" war eine der großen Balladen des Abends. So erstaunt es wenig, dass der Song inzwischen in zahlreichen Ländern die Download-Charts gestürmt hat."
    in: http://www.stern.de/kultur/musik/eurovision-song-contest-conchita-wurst-stuermt-die-itunes-charts-in-russland-2110053.html

    Aber @ap meint krümelkackerisch und erbsenzählend nur
    "Übrigens: Im Lichte der Toleranz würden Österreich und Europa dann erscheinen, wenn Menschen, die irgendwie “anders” sind oder zu sein scheinen als völlig normal empfunden werden und somit letztlich nur noch die Musik (samt dazugehöriger Show) zählt. Diese aber ist, mit Verlaub, ein beschissener Ohrwurm. Davon abgesehen schauen sich viele Leute natürlich mal gerne “irgendwie Auffälliges” in der Glotze an und bleiben dann im Alltag doch die intoleranten Deppen, die sie immer waren."

    Damit dürfte geklärt sein, WER sich uns hier gerade als "ewiger intoleranter Dep" präsentierte, als Muster für renetente Verhinderung von Toleranz aus Prinzip.

  7. @Lusru: Ich habe mir Conchitas Beitrag noch einmal angehört und, sorry – mein Ding ist diese Art von Musik genauso wenig wie die der anderen Teilnehmer. Conchitas Lied war nicht wirklich schlecht, aber ich vermisse dabei (wie allerdings auch bei den anderen Teilnehmehrn) irgendwie den zwingenden, betörenden Funken. Ich erwarte bei einem Grand-Prix, oder neudeutsch „Song Contest“ jetzt keine musikalischen Offenbarungen wie Schuberts C-dur-Symphonie. Das waren ganz sicher z.B. „Waterloo“ oder „Merci Cheri“ auch nicht, aber es waren doch Lieder, die eine eigene, individuelle Note hatten, deren Melodien irgendwied haften blieben und die ich noch heute gerne höre. Bei den letzten Grand-Prixs hatte ich hingegen den Eindruck, ich höre 20 mal das selbe Lied, mal auf rockig, mal auf ethno, mal auf was-weiß-ich gestylt, aber im Grunde immer das ewig Gleiche. Vielleicht ist das alles auch nur Geschmackssache (obwohl ich der Meinung bin, daß es durchaus objektive Kriterien für „gute“ Musik gibt, auch wenn diese Musik dann nicht zwingend jedem gefallen muß), aber mich spricht es ganz einfach nicht an.

    Was anderes ist die vom Lindwurm heraus gearbeitete und von dir ja noch einmal bestätigte politische und gesellschaftliche Bedeutung des Sieges von Conchita. Ich komme gerade von der Toilette zurück, wo ich mein Mittagessen von mir gab weil ich eben am Kisosk die neueste Ausgabe von Jürgen Elsässers braunem Kampfblatt „Compact spezial“ in der Hand hatte (wissen die Leute eigentlich, was sie da verkaufen?). Auf 70 Seiten Hochglanz und im Vierfarbdruck übelste Hetze gegen Homo- und Transsexuelle und Glorifizierung der angeblich „normalen“, volksgesunden heterosexuellen Lebensweise. In einem Interview durfte sich auch der unvermeidliche Thilo Sarrazin zur Lage der Nation äußern und er mahnte an, man solle das Wesen der Homosexualität nicht falsch einschätzen: „Tunten können auch tüchtig sein.“ Da weiß man dann gar nicht mehr, weswegen man mehr kotzen soll: über diese verachtende, unwiedersprochen gebliebene Sprache oder den geradezu unmenschlichen Inhalt (Sarrazin wollte mit dem Irrtum aufräumen, daß Homosexuelle den ganzen Tag nur betrunken und vögelnd im Bett liegen und keinen Beitrag zum reichsdeutschen Bruttosozialprodukt leisten – sehr nett von ihm).
    In Anbetracht solcher Äußerungen und Publikationen war Conchitas Sieg nicht nur dringend notwendig sondern auch noch umso erfreulicher. Allerdings sollte man das schon gesondert von der musikalischen Seite der ganzen Sache sehen, womit ich ap zustimmen möchte. Wahre Akzeptanz ist erst dann erreicht, wenn wir bei einem musikalischen Wettbewerb nicht mehr über die Person und ihre sexuelle Ausrichtung sprechen, die das Lied darbietet, sondern nur über das Lied und die Qualität der Darbietung.

  8. Manchmal kleckert immer noch etwas hinterher, das ist wohl so:

    Mag der geneigte Leser selber entscheiden, welche Musik „nur ein beschissener Ohrwurm“ (wie @ap meinte zu ergründen) und welcher Text tatsächlich im Geiste der von @ap nur rigide beschwatzten Toleranz die „Avantgard“, Bahnbrechendes, ist –
    dazu hier der Songtext der bezaubernden Dana mit ihren backround-Singerle von 1998 zum Vergleich mit Conchitas „Rise Like a Phoenix“ (siehe link vorsteh. Kommentar):
    Dana International – Viva La Diva 1998 / Übersetzung
    http://lyrics-und-ubersetzungen.com/lied/zeigen/376191/dana-international/songtext-und-ubersetzung-viva-la-diva/

  9. @Ralph Mai 13, 2014 um 1:29 nachmittags
    Da schau an, Ralph, wir sind uns fast einig, was allgemein die MUSIKALITÄT dieses FEST ivals angeht, und mein „Ding“ ist auch conchitas Titel „an sich“ nicht, aber eben nur an sich, weil:
    Ich lasse mich gern ansprechen von Dingen, die nicht nur „reden“, sondern dabei auch noch etwas sagen WOLLEN, und dann auch etwas zu sagen HABEN.
    Das können Balladen (seit es diese gibt) noch immer am besten, denn nicht ohne Grund haben nicht nur in den letzten 7 Jahrzehnten die Balladen nach und nach stets ALLE und jeweils (ehemals) populären musikalischen Stilrichtungen erst infiltriert und dann die Macht darin übernommen.

    Was mich aber bei Conchita enorm anmachte, ist ihre Stimme, ihre kultivierte Stimgewaltigkeit und ihr äußerst gekonnter weil sparsame in Symbiose mit der Lyrik der Ballade und des konkreten Textes sowie mit der GESAMTSYMBOLIK erfolgender Einsatz.
    Und das, lieber Ralph, das ist auch für den Nichtfan und „Abgeklärten“ unter uns ERLEBBAR, akzeptierbar als das, was es nun mal ist:
    ein Gesamtwerk, ein großes Aha im Event der Eventels Europas.

    Und der erfolglose ehemals links-linke Elsässer, der elendiglich theoretisch eingebrochene Antideutsche schlechthin (Erfinder der „Antideutschen“), der bisher an fast jedem ideologischen Fettnäpfchen und Giftbrunnen verweilte, der ist doch weder Maß noch erwähnenswerter Fakt, hast du dir sein Elaborat etwa gekauft? Ihm sein Mittagessen bezahlt?
    Der Mann ist auf den ständigen Versuch wechselnder politischer Masturbation angewiesen, da er sonst völlig vergessen und seine soziale wie theoretische Impotenz besiegelt ist.
    Ich bin selber Mensch des Ausgleiches, da anders noch nie nachhaltig Probleme klärbar wurden, meine daher, es muß mit jedem Andersdenkenden das Gespräch möglich und führbar sein, da das der einzige Weg zu Veränderung ist.
    Nur den Herrn Elsässer würde ich erst mal 7 Wochen Schlange stehen lassen, bevor ich mit dem ein Wort wechsele, dazu hat er zuviel mit Gift um sich geworfen und Hirne einfacher Gemüter versaut. Er sitzt nun im selbsgewebten Kokon und wartet dort auf seine eigene (nächste) Häutung.
    Den anderen verkalkten dort fauchenden Schlaumeier würde ich nicht einmal beim Namen nennen, sonst wird das noch verwechselt mit anderen ehrbaren Leuten, die diesen (ihren) Namen trotzdem weiter tragen müssen.

    Ein Buddhist würde sagen „Geh weiter …“ (deinen ! Weg, vergiß das).
    Tu das einfach auch, lieber Ralph, das erspart Kotzen und Kraft zum Anhören anderer Botschaften, z.B. von musikalischen Baladen vom Handreichen und Zuwenden, vom freimütigen Akzeptieren des Anderen, das dadurch nicht mehr fremd ist …
    Du meinst
    „Wahre Akzeptanz ist erst dann erreicht, wenn wir bei einem musikalischen Wettbewerb nicht mehr über die Person und ihre sexuelle Ausrichtung sprechen, die das Lied darbietet, sondern nur über das Lied und die Qualität der Darbietung“ –
    jo jo jo, und das lieber Ralph, haben wir hier (falls noch nicht bemerkt) gerade gemacht, so wie die Millionen Zuschauer des ESC und viele seiner Jurys auch, so wie auch Cher (die sollte es eventuell etwas besser wissen und können, als wir) – s.o. –
    und weil DIESE so viel beachtete Musikalität die Interpretation geprägt hat, ist das zu transportierende Anliegen der Conchita so voll von Erfolg, Beachtung und Wirkung gekrönt – und nicht etwa umgekehrt, es sind zu viele, die hier das in Massen praktizierten, was du forderst:
    „Akzeptanz (u.a. des Bartes) nur über das Lied und die Qualität der Darbietung“, noch nicht bemerkt?
    Warum hältst ausgerechnet du mit diesem hehren Anspruch dich dann (selber? nur?) an der Exaltiertheit „der Person“ auf?

  10. So, und nun hier nochmal für artige Gemüter die Kurzfassung von Conchita Wurst oder von „Rise Like a Phoenix“:
    “ Die Fabel übt allhier
    in Demuth ihre Macht.
    Die Wahrheit wird damit
    auch Fürsten beygebracht“
    (ein gewisser Böttcher vor ca. 600 Jahren)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s