Rechts kommt wenn links versagt

Wenn die Sozialdemokratien versagen, schlägt die Stunde der Rechtsextremen. Konnte man bei den Europawahlen schon gut beobachten, hat jeder mit ein bisserl Hirn vorhergesagt, war auch hier schon mehrmals zu lesen. Wer der liberal-konservativen Austeritätspolitik nichts entgegenzusetzen hat oder ihr nichts entgegensetzen will, wird diejenigen, die unter dieser Politik leiden, als Wählerinnen verlieren. Font National, FPÖ, UKIP usw wurden nicht vorwiegend deswegen so sehr gestärkt, weil sie rechts sind, sondern weil Verzweiflung umgeht in einem Europa, in dem die konservativen Parteien ohne Gegenwehr, ja mit Kollaboration der Sozialdemokratien  stur wie ein Panzer eine immer himmelschreiendere Ungleichheit und die immer schlimmere Verelendung weiter Bevölkerungsschichten aktiv betreiben. Wo linksliberale Parteien beim Krieg gegen die Unterschicht mitmachen oder ihn zumindest dulden, klafft eine politische Lücke, in die die Rechten dann schlüpfen können. Beispielhaft das Interview der  FN-Chefin Marine Le Pen mit dem „Spiegel“, in dem sie ein Ende der Sparpolitik in Europa fordert. Eine Forderung, die von den Sozialdemokratien und den Grünen kommen müsste, nicht von den Rechtsaußenparteien. Aber die sozialdemokratischen und anderen im weiteren Sinne linksliberalen Parteien sind verrottet und politisch fast schon tot, Ansammlungen und Interessenvertretungen von Besserverdienenden, die entkoppelt sind von der Lebensrealität der an den Rand gedrängten Millionen, die nicht nur nicht profitieren von Freihandel und Liberalisierung, sondern darunter konkret leiden und ihrer Zukunft beraubt werden. Die neoliberalen Taktvorgeber der Politik haben sich verrechnet. Sie meinten, sie könnten aus Europa eine zweite USA machen, einen Superstaat ohne nennenswerte Sozialpolitik, dafür aber mit viel Militär und Knast. Man dachte, die Europäer würden diese Transformation ebenso widerstandslos hinnehmen wie die Amerikaner. Dass das so nicht klappen würde, konnte jeder wissen, der Geschichte und Mentalitäten Europas kennt. Wenn Konservative und Sozialdemokraten rufen, es gäbe leider keine Alternative zur Umverteilung von unten nach oben, kommen halt andere und sagen, dass es diese Alternative sehr wohl gäbe. Die heißt dann halt Nationalismus und Protektionismus und Auflösung der EU und vielleicht auch Krieg.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

5 Gedanken zu „Rechts kommt wenn links versagt“

  1. Gut auf den Punkt gebracht!
    Die parlamentarische Linke als Vorlagen-Geber für die Rechten.

    Und wenn sie sich dann ein Lob von den Rechten einholt, für ihre Einsicht das kommunale Wahlrecht für Immigranten zurückzustellen, weil es dafür keinen Rückhalt in der Bevölkerung gibt, dann darf man sich schon die Frage stellen, wer treibt hier was voran.

    Ist noch nicht solange her, das sozialistische Greifbagger die Wohnwagen von Romas zusammengefaltet haben.

  2. Ja! Sauerei!

    Bei diesen sozialistischen Greifbaggern ist es kein Wunder, dass die von himmelschreiender Ungleichheit und immer schlimmerer Verelendung betroffenen Bevölkerungsschichten in Österreich (!) zu ca. 30 % der FPÖ nachrennen.
    Die Sozis sind schuld – und die sind ja nicht einmal richtige Sozis!
    Also wer hat uns verraten?

    Bleibt nur zu hoffen, dass Troptard -falls es nicht schon zu spät ist- und Lindwurm eine linke, wählbare Alternative auf die Beine stellen.

  3. Die Stoßrichtung des Textes teile ich, sehe die Sache allerdings nicht ganz so düster. Bei uns in der BRD habe ich den Eindruck, daß bei den politisch Verantwortlichen zumindest die Möglichkeit diskutiert wird, dass die neoliberale Politik der ganz großen Koalition von schwarz-rot-gelb-grün der letzten zwanzig Jahre gescheitert sein könnte (sie ist es ja ganz offensichtlich). Grüne und Sozen sprechen es lauter aus, bei der CDU arbeitet man noch mit dem Konjunktiv. Im Großen und Ganzen werden aber auf breiter Ebene Themen diskutiert wie z.B. Mindestlohn, Mietpreisbremse, Quotenregelungen etc., die vor einigen Jahren noch als linksextremistisches Gedankengut galten.
    Hinzu kommt, dass die neoliberale FDP nun wohl endgültig beerdigt ist und ob die AfD an ihren Platz wird treten können, muß sich erst noch zeigen. Ich denke aber, diese Jungs demontieren sich gerade selber und outen sich öffentlich als jene Idioten, die sie ja auch sind und das mag der Wähler hierzulande gar nicht. Das kann man also m.E. nach erst einmal ganz gelassen sehen. Und besonders erfreulich: die NPD spielt keine große Rolle mehr bei uns (die hat sich bereits weitgehend selbst demontiert).
    Natürlich sieht es in anderen EU-Ländern wesentlich finsterer aus als hierzulande. Die Wahlsiege z.B. des FN in Frankreich oder der FPÖ bei den Ösis sind nicht schön und sehr bedenklich. Aber vielleicht sollte man auch hier erst mal abwarten, ob es sich dabei um eine Momentaufnahme handelt oder um sich verfestigende Tendezen. Letzteres wäre schlimm und Ersteres auch nicht gut aber zumindest in seinen Folgen überblickbar. Ich plädiere nicht dafür, mögliche Gefahren klein zu reden, aber dafür, kühlen Kopf zu bewahren. Vielleicht haben ja doch die führenden Politiker der demokratischen Parteien Europas nun verstanden, dass es so nicht weitergeht. Warten wir es ab.

  4. „Rechts kommt wenn links versagt“ – und was ist mit den anderen 70%??
    Die zählen weder für noch gegen?
    Wieso also „wenn links“ versagt? Es könnte doch vauch die „Mitte“ gewesen sein?
    Es gab auch „Rechts“, wo es nie „links“ gab, also auch „links“ nie versagen konnte. (Argentinien u.a.)
    Stumpfsinn wäre dies:
    und wenn „rechts“ versagt hat, kommt – na? Dann kommt natürlich links, wie 1945 z.B. …
    So einfach ist das nicht, besonders seit der große Mittelstandsbauch (jeder Unreiche will Mittelstand sein, und nicht etwa „Klasse“, welche auch immer).
    Die Klassentheorie funktioniert nur mit Klassen, und wo die Arbeiterklasse abhanden kam (oder die alten Klassengrenzen als Nichtschwimmer „schwimmen“ gegangen sind), kann sie auch nichts ausrichten, und wer Mittelstand sein will, sträubt sich, links zu sein, und wer gut betucht ist, will keinesfalls „rechts“ sein uwsusw.
    Lindwurm, du hättest bestens in die DDR gepaßt, dort wurde mit genau deinen Worten und Vorstellungen das Volk von den Parteibonzen bedient, dort hatte die Arbeiterklasse die Macht in der Hand (ein Dachdecker Honecker usw.)- Es besteht die Befürchtung, daß du dein Wissen aus den Unterlagen des Parteilehrjahres der SED entnimmst, heute, nachdem diese Partei seit 25 Jahren samt Arbeitermacht und -Klasse kläglich bankrot ging, weil sie – übrigens wie du z.B. hier – keine Farben mehr unterscheiden konnte, nichtmal mehr Grautöne: Es gab im Zweifel nur ja oder Nein, nur schwarz oder weiß, nur Klassenfreund oder Klassengegner – alles völlig an der bunten Natur vorbei, das muß – wo es auch entsteht – grundsätzlich in die Hose gehen – oder eben in die „Wiedervereinigung“, bei der „wieder“ nichts mit „Vereinigung“ zu tun hatte, denn die Vereinigung gab es zuvor noch nie, also muß „wieder“ etwas anderes Zurückkommendes meinen.
    He Lindwurm, auf wieviel konkrete erwachsene Menschen schätzt du denn die „Arbeiterklasse“ in Österreich, wenn du willst auch in %?
    Und was meinst du, wieviele davon „links“ sind? (sein wollen).
    Und wieviele sind von den „linken“ religiös gebunden?
    Und was bleibt dann an REST?
    Und damit, mit diesem spärlichen Rest willst du rechts-links – Diskussionen führen? Das haben sich die DDR-Politiker und manch ein Westler nach 1945 auch gedacht: Den neuen Menschen industriell züchten …
    So läuft das nicht. das ist wie Wassersuppe – falls du die schon mal kosten mußtest.
    Wenn du von deinen Wünschen auch nur 5 % bewirken willst, mußt du 60 % der Menschen hinter dich bringen, und das kannst du mit deinem Aggitationsscheiß an fetter Ideologie voll vergessen.
    Erwachsene Menschen, gutwillige, wollen angeregt und nicht für blöd hingestellt werden.
    Welche irreale nichtexistierende scheinbar „linke“ Vorstellung der zig bekannten Varianten möchtest du denn mit deinen radikalen Polarisierungen hinter dich bringen, doch nicht etwa die, die schon im vorigen Jahrhundert baden gingen als untaugliche?
    „Rechts“ kommt nicht, „wenn links versagt“, sondern dann, wenn sich keine Sau mehr für „Linkes“ interessiert, weil solcher wie dein untauglicher Schmarrn versehentlich für links gehalten wird und damit die Leute verschreckt, weil auch sogar einfach gestrickte Gemüter die Schwarzweißmalerei als Traumtänzerei erkennen und ablehnen?
    Es gibt kein „links“ mehr, weil rechts davon und links davon irgendwann immer „rechts“ kommt – und umgekehrt. Und bitte was möchtest du mit Rechten machen, das Gleiche, was solche mal mit Linken machten? Und was möchtest du mit den „Kapitalisten“ und den Neokons machen, das Gleiche, was die dir gegenüber an Empathie entgegenbringen, oder wo soll dein Zug hinfahren mit wem?
    Ein gewisser Adenauer sagte mal sinngemäß, man müsse das Material nehmen, was da ist (und nicht das, was man sich erträumt), und das meinte er ernsthaft, als er auf die vielen ehemaligen Nazigrößen angesprochen wurde, mit denen ER SICH umgab damals …
    Ja, das mit dem Material, da gibt es wohl Situationen, wo das so gesehen werden könnte, aber eben auch umgekehrt und bei Linken …

    So kommt also „Rechts“ nur, wenn es nicht rundum engstens ein- wie abgebunden und so begrenzt wird, und das ist Aufgabe von Allen, nicht nur von Linken.
    Vergiß deinen albernen Propagandaspruch, er ist nicht einmal Satire wert.

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