An die Nachwuchslinken

Der Mensch hat es nicht leicht als junger Linker, daher habe ich einen kurzen Ratgeber zusammengestellt, mit dem auch der/die dümmste Linke halbwegs durch diese schwierigen Jahre der politischen Rebellion kommen sollte.

1. Sei ein Großmaul! Linke Zusammenhänge, Splittergruppen und Kleinstparteien sind ideal, um in beinahe realistischer Umgebung deine Führungsqualitäten unter Beweis zu stellen. Das wissen auch Personalchefs zu schätzen, und der Eintrag „Ortsvorsitzender der revolutionären maotrotzkistischen WLAN-Intiative“ im Lebenslauf ist längst kein Makel mehr, sondern zeigt deinem zukünftigen Arbeitgeber, dass du ehrgeizig bist und bereit, noch den größten Schwachsinn mit Inbrunst zu vertreten. In deiner kurzen Zeit als radikaler Linker lernst du, dass die Größe der Klappe wichtiger ist als die des Gehirns, dass der Lautere und Gröbere stets gewinnt und dass der Chef die schönsten Frauen bumst (bzw die Chefin die schärfsten Kerle abkriegt). Halte dir immer das Vorbild der deutschen Grünen und teilweise auch Sozialdemokraten vor Augen, wo einstmals super radikale Linke später zu bestens verdienenden Stützen des bürgerlichen Staates wurden und dank ihrer früh gelernten Rücksichtslosigkeit auch kein Problem damit hatten, Hartz IV einzuführen und Jugoslawien zu bombardieren. Vergiss auch nicht einen weiteren wichtigen Teilaspekt des Großmaultums, die Schwafelitis! Nur wer die Dinge so lange zerreden kann, bis um ihn herum alles in tödliche Müdigkeit verfällt, hat das Zeug zum linken Sektenchef, aus dem mal ein richtiger Politiker wird.

2. Sei paranoid! Überall lauern Spitzel des Staates, Agenten von Mossad und CIA und andere Büttel des Kapitals. Benutze im Internet Anonymisierungsdienste wie „Tor“, die jedem, der wirklich an dir interessiert sein könnte, laut zubrüllen, dass du was zu verbergen hast! Vertritt jemand eine andere Meinung als du, ist der mit Sicherheit einer, der dir ans Leder will, vermutlich ein Nazi oder gar ein Antideutscher.

3. Verachte das Proletariat und das Subproletariat! Klar, du willst diese Leute schon irgendwie befreien und ins sozialistische Paradies führen, aber die sind halt wirklich ein bisserl dumm. Du willst sie in Gesprächen vor der Fabrik aufklären über Privilegien, Support, Awareness, sensibles Miteinander, Gender- (queer) Feminismen, Weiß Sein, Rassismus, Adultismus und so weiter, und was machen die? Sie lachen dich aus, diese Fleisch fressenden heteronormativen Rassistenschweine. „Sollen sie doch die FPÖ wählen, sie werden schon sehen, was sie davon haben“, denkst du gekränkt, während du in deine WG zurück schleichst, wo man dich wenigstens versteht. Erfahrungen wie diese lehren dich, so elitär wie möglich zu empfinden und dich den wirklich wichtigen Dingen zu widmen, zum Beispiel den wöchentlichen Plenarsitzungen deiner WG, deiner Katze und der anstehenden Wahl zum Häupling deiner aktuellen Polit-Sekte.

4. Hasse die „Antideutschen“! Keine wie auch immer geartete linke Bewegung wollte je auf Dissidenten, die man so richtig dissen kann, verzichten. Schon Marx und Engels verbrachten mehr Zeit mit dem Lächerlichmachen und dem Widerlegen von Anarchistinnen und anderer linker Konkurrenz als mit dem Klassenkampf, von Lenin, Trotzki und Stalin ganz zu schweigen. Häresie ist Todsünde, und Häretiker ist 1. immer der andere und 2. ist Häresie mit Eispickel und Erschießungskommando und, wenn ganz extreme Maßnahmen nötig sind, mit Entfreundung auf Facebook zu bestrafen. Du weißt zwar nicht genau, was Antideutsche eigentlich sind, aber es reicht doch, dass die keiner so richtig mag mit ihren komischen, von der Mehrheitsmeinung in deiner WG abweichenden Ansichten. Irgendwo hast du gehört, das seien Rechtsextreme, die einen Atomkrieg anfangen wollen, und die „junge welt“ schreibt auch nix Gutes über die. Wie aber identifizierst du einen Antideutschen? Ganz einfach: Antideutsche meinen, auch Zionistinnen hätten ein Existenzrecht, und sie verstehen das Konzept des kulturellen Rassismus nicht, da sie nicht einsehen, warum die Todesstrafe für Homosexualität mal was Schlechtes ist und dann wieder ganz okay. Diese Narren!

5. Misstraue Menschen über 40, die immer noch so links sind wie du! Du spürst in deinem Inneren, dass die nicht ganz richtig im Kopf sein können, denn du wirst in deren Alter längst Chefredakteur einer bürgerlichen Zeitung, Werbeagenturinhaber oder Pressesprecher eines namhaften Konzerns geworden sein und die Grünen oder eine liberalkonservative Kleinpartei zu deiner politischen Heimat gemacht haben. Allenfalls wirst du Mitglied der Sozialdemokratischen Partei sein, aber du wirst keinesfalls etwas machen, das verhindern könnte, dass du deiner Familie, die zu betreuen und groß zu ziehen Aufgabe deiner ebenfalls früher mal ganz links gewesenen Frau ist, die natürlich jetzt und seit Jahren nur deswegen Hausfrau und Mutter ist, weil ihr euch basisdemokratisch drauf verständigt habt, den jährlichen Dritturlaub bezahlst. Wärst du mit 40 noch so links wie mit 20, würdest du nicht in der Eigentumswohnung mit Dachterassse im angesagten Viertel wohnen, sondern einsam und verbittert in einer Sozialbude am Stadtrand und wütende Pamphlete bloggen.

6. Ehre die Antifa! Sie ist der letzte verblieben Rest linker Militanz, was österreichische Staatsanwälte nicht davon abhält zu denken, es handle sich um eine gigantische Untergrundarmee, die jederzeit die Regierung stützen könnte. Natürlich macht auch die Antifa mal Fehler, zum Beispiel wenn sie Linke für Rechte hält und dann verprügelt, aber hey: Wo gehobelt wird und so, nicht wahr? Frage dich nie, warum in Zeiten europaweiten massiven Sozialabbaus die Antifa die einzige Militanz ist, zu der ein ganz kleiner Teil der Linken fähig ist, denn dann müsstest du ja hinterfragen, was mit der Linken generell falsch läuft in diesen Tagen.

7. Sieh ein, dass du gar nicht links bist!  Eigentlich willst du ja nur vegan containern und die Frau/den Mann fürs Leben kennen lernen, und weil das eine/einer sein soll, mit dem/der man Pferde stehlen kann, treibst du dich halt in linken Zusammenhängen herum, weil du das irgendwie total rebellisch findest. Eigentlich sind dir die Arbeiterinnen und die Widersprüche des kapitalistischen Systems ja wurscht, du findest bloß den Style der Linken schick und den der Rechten scheiße.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

4 Gedanken zu „An die Nachwuchslinken“

  1. 8. Wichtig ! Vergesse nicht beizeiten mit der Szene abzurechnen, denn Du weißt, daß nur du Alle und Alles durchschaust. Sowieso gehört es zum guten Ton die Genossen der Sektiererei und des Antisemitismus anzuklagen. Das zieht immer und hilft die eigene Sekte auf der „richtigen“ Seite zu wissen, falls es mal wirklich brenzlig wird.

    9. Antideutsche sind Dissidenten – Immer.

  2. @piet August 7, 2014 um 1:09 nachmittags
    wir haben das mal aufgehoben, wer weiß. wozu es nochmal gut ist, Sektiererei kommt bei jedem TOTALITARISMUS alle Nase lang auf den Tisch, zumal Sekten nur Sekten sind, wenn sie dem eigenen TOTALITARISMUS treu bleiben.

  3. Kennen Sie den schon: Wenn man unter Linken aufgrund seines Alters als (vermeintlicher) „Zivilfahnder enttarnt“ wird? Say no more!

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