Wursteln gegen den Dschihad

Die österreichische Bundesregierung hat unter der Führung der ÖVP ihr nicht allzu großes Gehirn angeworfen und ein „Maßnamenpaket gegen IS-Terror und andere Organisationen“ vorgestellt. Das sieht so aus, wie man es von konservativen Politikerinnen erwarten darf: Der Verhetzungsparagraf soll verschärft werden und schon dann greifen, wenn vor weniger als 150 Menschen gehetzt wird, allerlei Fahnen und Symbole sollen verboten werden, die Polizei kriegt mehr Geld und Befugnisse und Jugendliche sollen nicht mehr ohne schriftliche Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten ausreisen dürfen. Weniger Freiheit und mehr Polizeistaat ist alles, was ihnen einfällt, was ihnen einfallen kann, denn echte Antworten haben sie nicht, dürfen sie nicht haben, da diese wohl der eigenen Ideologie widersprächen.

Verbote und Drohungen werden keinen jungen Menschen davon abhalten, den Dschihad toll zu finden, wenn der ihm etwas bietet, das die westlichen Gesellschaften ihm nicht bieten wollen, die Perspektive auf eine echte Veränderung nämlich und auf einen Sinn im Leben. Wer bestenfalls darauf hoffen darf, durch viel (Aus)Bildung und artiges Wohlverhalten einen Job als Manager einer Burgerbude, als Versicherungsverkäufer oder PR-Schreihals zu kriegen, meist aber eine Karriere als  Putzfrau, Handyzusammenbauer und Taxifahrer vor sich hat, der kriegt große Ohren wenn ihm einer was vorredet von einer ganz anderen Welt, vom Umsturz aller Dinge und von einem Leben in Harmonie mit dem lieben Gott. Außer radikalen Islamisten hat ja keiner mehr etwas Vergleichbares im Angebot, es ist ja alles nur mehr ein weltanschaulicher Ramschladen, in dem ein Produkt dem anderen gleicht. Konservative, Sozialdemokraten, Grüne, bürgerliche Rechte und Liberale – sie alle vertreten die Alternativlosigkeit dieser Realität. Außer winzigen linken und rechten Sekten sind sich alle darin einig, dass es nun mal die natürliche Ordnung der Dinge sei, dass die einen immer reicher und die anderen immer ärmer werden müssen, dass es keinen Sinn im Leben gibt, außer Geld zu verdienen und sich jedes Jahr ein neues Smartphone zu leisten. Wenn in so einer Realität einer kommt und Sinn verkauft, hat er bald viele Kunden.

Die bürgerlich-liberalen Parteien setzen alle aufs Weiterwursteln. Keine großen Würfe sind geplant, keine Perspektiven, keine anderen Angebote außer vielleicht noch drei Abendkurse und zwei halbärschige Bildungsreformen. Sie haben keine Antworten auf die Krise der Ökonomie und der Gesellschaft. Alles, was ihnen noch einfällt, ist, Gefängnisse zu bauen und die Strafgesetze zu verschärfen und auszuweiten. Ähnliches hatten wir schon einmal, im Europa der späten 20er und frühen 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Als eine Wirtschaftskrise die Leben von Millionen zerstörte, tat man in Europa nichts und setzte auf eine rigide Austeritätspolitik. In den USA kam der New Deal, ein gewaltiges Programm zur Förderung von Nachfrage und der sozialen Sicherheit. Europa wurde faschistisch, die USA nicht. Heute sehen wir Vergleichbares. Statt die Lebensbedinungen zu verbessern und den Menschen vor allem eine Perspektive und einen Sinn zu geben, wird „gespart“. Man verschärft Gesetze aus Angst vor der Radikalität, deren Attraktivität man selber mit zu verantworten hat.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

5 Gedanken zu „Wursteln gegen den Dschihad“

  1. „In den USA kam der New Deal, ein gewaltiges Programm zur Förderung von Nachfrage und der sozialen Sicherheit.“
    Ach ja, wessen Sicherheit war doch das gleich? Die des KKK?

    „Europa wurde faschistisch, die USA nicht.“, „brauchten“ auch nicht: die war schon rassistisch und blieb das als offizielle „demokratische Staatsdoktrin“ noch jahrzehntelang und hat sich bis heute davon noch nicht innerlich durchgängig befreit, wie die tägliche Nachrichtenlage zeigt.
    Offenbar bist du kein dunkelhäutiger Mensch, da du das weder beachtest noch erwähnst.
    „Heute sehen wir Vergleichbares.“ ??? Hä? schon wieder offizielle Rassentrennung? Wo denn bitte das?

    „Statt die Lebensbedinungen zu verbessern und den Menschen vor allem eine Perspektive und einen Sinn zu geben, wird “gespart”.“
    Ja, wobei ich nicht annehme, daß du etwa meinst, daran sei in den USA auch nur ein i-Tüpfelchen anders, oder wie?
    Betrifft auch das hier:
    „Man verschärft Gesetze aus Angst vor der Radikalität, deren Attraktivität man selber mit zu verantworten hat.“ –
    Allerdings das, und vieles was du sonst noch durch die rosa US-Brille betrachtet geschrieben hast, ist wohl leider so.
    Damit kommst du allerdings stets recht einäugig daher, als ob dir jemand in deinem Leben eine bestimmte Seite der Realität vorenthalten hat.
    Das wirft Fragen auf.
    Hättest du denn eine Idee, wie diese Mängel innerhalb einer Kapital-gelenkten Marktwirtschaft besser oder überhaupt abgebaut werden könnten??? Und WER es tun könnte, sollte?

  2. „Hättest du denn eine Idee, wie diese Mängel innerhalb einer Kapital-gelenkten Marktwirtschaft besser oder überhaupt abgebaut werden könnten??? Und WER es tun könnte, sollte?“
    Mal auf DLF nachhören, wie die „Geldvermehrung“ früher und wie sie heute funktioniert! Sdg. von heute, 16.09.14.
    (Das weltweite Verschuldungspotenzial entspricht exakt dem weltweiten Kapital der Superreichen, Innerhalb der USA ist das adäquat. Inzwischen hat das Kapital weitgehend seine Funktion zur Vermehrung von Arbeit verloren, es vermehrt sich heute fast ohne dieser nur noch nennenswert durch die massenhafte Produktion von Schuldnern, von denen Zinsen als Hauptgewinn des Kapitals eingezogen werden usw., mit der Frage, wie und wielange dies die daran siechende Weltgemeinschaft erträgt, bevor sie daran kollabiert oder Widersprüche erzeugt, die sie zerstören, die gern auch mal fälschlicherweise als angebliche Religionskämpfe dargestellt werden, und zwar von allen betroffenen Seiten. Fahnenverbote etc. verändern nichts an der falschen Zinspolitik und den damit geschürten Konflikten, genau so wenig, wie die militärischen „Koalitionen von -verschuldeten- Willigen“)

  3. Gilt diese „Analyse“ auch für die Nazi-Umtriebe in Ostdeutschland in den 1990er Jahren (und zum Teil heute noch)? Waren dafür auch Gesellschaft und Wirtschaft verantwortlich, die den armen Glatzköpfen nichts anderes zu bieten hatten, so dass das Schaffen „national-befreiter Zonen“ inklusive ausländerfeindlicher Pogrome und Morde einfach attraktiver war?

  4. @Heiko Heinisch Oktober 16, 2014 um 9:42 vormittags
    Kleine Korrekturen:
    – „Nazi-Umtriebe“ sind nicht für „Ostdeutschland“ allei,n sondern für Deutschland und die gesamte EU sowie der Ukraine vorhanden, in Deutschland rech gut verteilt: Die reichen Nazis im Westen (Geldgeber), die weniger bemittelten gern als naives Fußvolk im Osten
    – „Nazi-Umtriebe“, und zwar offiziell bekannte und geduldete gibt es Anzahlmäßig in den USA und Kanada mehr als in der gesamten EU, so daß große Teile der logistischen und finanziellen Unterstützung der EU-Nazis (und der Ukraine) von den nordamerikanischen Nazivereinigungen kommt, incl. des KKK (z.B. für Polizisten als Mitglieder in Westdeutschland)
    – Drittens sind die heutigen Nazis nicht, wie vor 30 Jahren, „arme Glatzen“, sondern auf das modernste gekleidete und frisierte Gesichter wie „frisch aus der neuen bürgerlichen Mitte“
    – und nicht zuletzt kann schließlich jeder irgendwo behaqupten, er sei in einer von was auch immer „befreiten Zone“, ohne daß es so an dem sein muß
    Was sagt uns das?
    DerLindwurm hat etliches benannt, auch Ursachen, gipfelnd in dem Satz „Das Vertrauen in den Westen ist zerstört“ – nicht gelesen, Herr Heiko Heinisch?
    Einfach alles nochmal von vorn lesen, samt Kommentare und dann die Antwort selber geben.
    Meine ist:
    Ja, solche Analysen gelten für JEDE Art von Extremismus, von Totalitarismus, von Herrschaftswahn, Fremdenhass und Rassismus:
    Sinnentleertes chancenloses eigenes Dasein ist die Brutstätte solcher Übel, und – nicht zu vergessen – das gibt es auch in sogenannten „gutsituierten Kreisen“, Sinnentleerung, Chancenlosigkeit, von fehlender sozialer und politischer Bildung und Integration in Gesellschaft ganz zu schweigen, besonders, wenn ausländerfeindliche Handlungen behördlich offensichtlich nicht ausreichend „beachtet“ oder sogar „gepflegt“ werden, um vorgebliche eigene Szenenspione nicht zu „gefährden“.
    Das „ausländerfeindliche“ oder „Nazi-Gen“ wurde nicht gefunden, wie du als gut informierter Mitteleuropäer sicher vernommen hast.
    Noch Fragen, Heiko?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s