Mitfühlende Mörder

Der Abstieg in die Barbarei geht schneller voran, als ich es befürchtet habe. Rund um Allerheiligen sind die Zeitungen wieder voll von Artikeln und Kommentaren zum Thema „Sterbehilfe“ und fast jeder Text befürwortet die Euthanasie. Die liberale deutsche „Zeit“ bringt einen wahren Jubelartikel über den staatlich legitimierten Tod von Kranken im US-Bundesstaat Oregon und nennt das „ein Modell für Deutschland“. Und in genau diesem Artikel steht auch drin, worum es abseits des Heuchelns von Mitgefühl wirklich geht: „Diese Patienten haben keine Angst, qualvoll allein zu sterben. Es ist umgekehrt: Sie haben Angst, dass andere sich zu viel um sie kümmern müssen. Es sind Menschen, die ihren Suizid nicht als Selbstzerstörung, sondern als Selbsterhalt sehen. Die ihrer Familie unter keinen Umständen zur Last fallen wollen, selbst wenn diese Familie bereit wäre, jede denkbare Last auf sich zu nehmen.“

Die Sprache des Unmenschen ist wieder da. Diese Sprache sieht im Tod, in der finalen Auslöschung des menschlichen Lebens keine Zerstörung, sondern bedächtige Rücksichtnahme auf die armen Gesunden, denen man nicht zumuten könne, sich um überflüssige Kranke zu kümmern. Wer so schreibt, der findet es auch nicht nötig darüber zu berichten, was im Vorbildsstaat Oregon seit Einführung des staatlich legitimierten Vergiftens von Menschen noch alles passiert ist. Zum Beispiel die Fälle von Barbara Wagner und Randy Stroub. Diesen beiden Krebskranken hat die Krankenversicherung „Oregon Medicaid“ eine Chemotherapie verweigert, nicht ohne in einem Schreiben darauf hinzuweisen, dass es die Möglichkeit des legalen und außerdem kostengünstigen Selbstmordes gäbe.

Es geht beim Thema Sterbhilfe nicht um Leiden. Die Schmerzmedizin hat große Fortschritte gemacht in den vergangenen Jahrzehnten und es gibt kaum noch Fälle, in denen Menschen tatsächlich unkontrollierbare Schmerzen erleiden müssten. Eine entsprechende medizinische Versorgung der Bevölkerung vorausgesetzt können Menschen heutzutage tatsächlich ohne unerträgliche Pein ihre letzten Monate verbringen. Aber genau das, diese Versorgung mit guter Palliativmedizin, kostet einen Haufen Geld, den unsere ach so zivilisierten Gesellschaften offenbar gerne für andere Sachen ausgeben möchten. Es kommt die barbarischste Art, mit Leiden umzugehen, die Art der Nazis nämlich, wieder zurück: Man beseitigt nicht das Leid, sondern die Leidenden. Es ist Mord, begangen von den Gesunden und Starken an den Kranken und Schwachen. Getarnt als Mitgefühl.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

7 Gedanken zu „Mitfühlende Mörder“

  1. Ein sehr guter Text, dessen Lektüre man allen Bejublern der verharmlosend so genannten „Sterbehilfe“ ans Herz legen sollte. Die Propaganda der Befürworter suggeriert ja immer wieder, dass ausschließlich konservative Katholiken (oder andere Christen) gegen die „Sterbehilfe“ seien – dabei gibt es auch viele orthodoxe Juden (und sicherlich ebenso Moslems), die dieses Übel entschieden ablehnen.

  2. @Lindwurm und andere
    „und fast jeder Text befürwortet die Euthanasie“
    Welche „Euthanasie“ meinst DU HIER?
    Es gibt mindestens sechs Verständlichkeiten dazu, meist sehr widersprüchlich zueinander, mit der einzigen „Gemeinsamkeit“, daß beim Tod eines Menschen ein anderer anwesend und / oder daran beteiligt ist, einige davon auf Verlangen des Betroffenen, andere auf Verlangen von „Dritten“, worunter auch „von Amtswegen“ zu verstehen ist.
    Mord gehört nicht dazu, es sei denn, letzteres ist dort einzuordnen.
    Also. wovon redest du hier, wenn du glaubst zu erkennen, daß “ fast jeder Text befürwortet die Euthanasie“?

    „Die Sprache des Unmenschen ist wieder da“ -?
    Welche? Welches Unmenschen? Ich kenne keinen Unmenschen, in meinem Verständnis gibt es nur Menschen, und die haben ihre Rechte, sind zu achten und nicht zu schmähen, auch nicht bei abweichenden Einstellungen oder Handlungen, die andere schädigen.
    Das Reden vom „Unmenschen“ entspringt der gleichen Gedankengirlande wie die Vorstellung, die dem „Unmenschen“ selber unterstellt wird.

    Auch ich sehe nicht, daß es sich bei deinem Thema nur um „kranke“ Menschen handelt, es betrifft mindestens im gleichen Maße Menschen, bei denen weder eine Krankheit indiziert wurde noch der Mensch sich selber so fühlt oder sieht.

    Falls du nun in diesen Richtungen deine Überlegungen erweiterst, bist du weit besser als Diskutant zu diesem Thema beraten, als polternd und pauschalisierend mit einem Balken auf der Schulter zum Weltretten rammeln zu wollen.

    So wäre es mir auch völlig neu, daß es beim „Leiden“ immer und / oder nur um „Schmerzen“ zu gehen hat, ich kenne da allein aus der Weltliteratur wie aus der Tagespresse und aus der eigenen Familie ganz andere Leiden, die mit „moderner Schmerzmedizin“ entweder nie behandelbar sind (die beschäftigt sich mit Schmerzen, nicht mit Leiden), oder durch diese sogar erst hervorgerufen wurden, abgesehen davon, daß bereits jetzt jeder Mensch das Recht hat, über sich frei entscheiden zu dürfen.

    Dann scheinst du auch etwas zu verwechseln:
    „Es kommt die barbarischste Art, mit Leiden umzugehen, die Art der Nazis nämlich, wieder zurück: Man beseitigt nicht das Leid, sondern die Leidenden.“
    Nein, die Nazis haben niemals „Leiden(de)“ sondern „Störendes“ und „Unwertes“ beseitigen wollen, für Leid in dieser Sphäre haben die sich doktrinär – und das meinst du ja wohl – nicht interessiert, dein Vergleich ist definitiv falsch und Müll.
    Damit auch deine versimpelte Schlußfolgerung:
    „Es ist Mord, begangen von den Gesunden und Starken an den Kranken und Schwachen. Getarnt als Mitgefühl.“ – das kann es zwar sein, bei Mißbrauch, es ist das jedoch nicht dadurch, daß es mißbraucht werden kann. Du machst die Potenz des Misbrauches, die in jeder Handlung enthalten ist, zum Ziel der Sterbehilfe auf Verlangen – das halte ich für schlechte und unzulässige Argumentation, für Populistik, für Zweckpropaganda, die sachlich weder erklärbar noch anders untermauerbar ist.

  3. „Die Sprache des Unmenschen ist wieder da. Diese Sprache sieht im Tod, in der finalen Auslöschung des menschlichen Lebens keine Zerstörung, sondern bedächtige Rücksichtnahme auf die armen Gesunden, denen man nicht zumuten könne, sich um überflüssige Kranke zu kümmern.“

    Sie war nie weg. Paar Schuldgefühlchen nach Worldwar II waren bisl da, nicht aus Einsicht, sondern weil ein paar Häusle und paar Germs draufgegangen sind, aber das is ja jetz wurscht. Opa wär ja jetzt eh tot, und der Jud ja auch. Neues Spiel, neues Unglück. – außerdem machen ja jetzt die „Batschaken“ die Drecksarbeit. Supi, nicht? Und gleich bevors weiter geht noch schnell in den Bioladen, Tofu kaufen, Nachhaltigkeit ist nicht nur Islamisten wichtig!

  4. @Rough NinJa November 17, 2014 um 6:37 nachmittags
    Aus welchem Jahrhundert kommst denn du mit deinen „Batschaken“?
    Entweder bist du steinalt und pikiert, daß dir niemand hilft ….
    Oder du kommst aus der Küche „Unmensch“ von janz wait wech draußen hinter der Mitfühlerei und kannst nur unmenschisch, z.B. „batschakisch“ ….
    ich geh erst mal in den Bioladen, den von den Batschaken, da weiß ich, daß wo Bio drauf steht, auch Bio drin ist, oder wie?

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