Antisemitismus und Rebarbarisierung

Für Juden und Jüdinnen ist es nicht besonders wichtig, ob der Antisemit ein Rechter oder ein Linker, ein Muslim oder ein Christ, eine Migrantin oder eine Autochthone, vom Mars oder von der Venus ist. Juden möchten von Antisemitismus, von wem auch immer der ausgeht, nach Möglichkeit verschont bleiben. Dies zu garantieren wäre die Aufgabe zivilisierter Staaten und Gesellschaften, doch die gibt es auf diesem Planeten nicht. Unmittelbar nach der Shoah, dem Völkermord an sechs Millionen jüdischen Frauen, Männern und Kindern, wurde sich die Welt dieses beklagenswerten Umstandes kurz bewusst und ließ die Gründung des Staates Israel zu. Es war ein Augenblick der Selbsterkenntnis, in dem die Weltgemeinschaft zugab, nicht nur bei der Verhinderung des Holocaust versagt zu haben, sondern auch nicht versprechen zu können, dass sich ähnliches nicht wiederhole. Die Gründung des Staates Israel war gleicheitig großartig und einer der traurigsten Momente der Geschichte. Großartig, weil die Sicherheit des jüdischen Volkes nun nicht mehr von der Großherzigkeit und den Stimmungsschwankungen anderer abhing und tief traurig, weil es das Eingeständnis der Welt war, Juden nicht ausreichend beschützen zu können oder zu wollen. Die Welt sagte: „Ja, wir sind Barbaren, wir können die Sicherheit der Juden nicht garantieren, aber zumindest sorgen wir dafür, dass die Juden beim nächsten Versuch, sie auszurotten, nicht wehrlos sein werden“. Und so wurde Israel die Steinschleuder, die David in die Hand nahm, nachdem sein Volk von den Goliaths dieser Erde fast ausgelöscht worden wäre.

Der Antizionist, der die Staatlichkeit israels ablehnt, ist zwingend auch Antisemit, da er die vernichtungsantisemitische Geschichte, die zur Gründung Israels hinführte, ebenso ignoriert wie das Weiterbestehen des Antisemitismus. Im freundlichsten Fall ist der Antiztionist naiv und träumt von einer Welt ohne Staaten, vom sozialistischen Utopia, aber auch diese Freundlichkeit ändert nichts am realen Antisemitismus, der sich darin äußert, die Entstaatlichung der Welt ausgerechnet mit jenem Land beginnen zu wollen, das das Land der Juden ist. Dass antiisraelische Stömungen derzeit weltweit die Oberhand gewinnen, ist weder ein Zufall noch liegt das an der Politik der israelischen Regierung. Die macht zwar viele Fehler und darf und sollte für diese Fehler auch kritisiert werden, doch allein mit Siedlungsbau und ähnlichem Firlefanz lässt sich nicht erklären, warum derzeit ein europäisches Parlament nach dem anderen einseitig und gegen die Warnungen von Expertinnen einen „Staat Palästina“ anerkennt und warum die akademische Elite, vor allem die junge, in Europa und den USA so antiisraelisch und damit antisemitisch eingestellt ist wie nie zuvor.

Wollen wir verstehen, was da vor sich geht, müssen wir zunächst eines festhalten: Antisemitismus war in seiner langen, blutigen Geschichte stets ein Gradmesser für den jeweiligen Stand im Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei. Wo immer Juden verfolgt wurden, war die Gesellschaft rückständiger als dort, wo diese Verfolgung milder ausfiel oder zeitweise kaum stattfand. Und wo immer Juden verfolgt wurden, wurden auch andere verfolgt und unterdrückt. Antisemitismus war ohne Frauenunterdrückung, Homophobie, Behindertendiskriminierung, Intellektuellenfeindlichkeit und Antiziganismus nie zu haben. Wo viel Antisemtismus war, gab es stets einen Zug zum autoritären Staat, zu monarchischer Verkrustung, zu Faschismus. Antisemitismus gedieh umso besser, je weniger Freiheit war. Und all das das gilt uneingeschränkt auch heute. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem wachsenden Antisemitismus im modernen Europa und dem anschwellenden, sich ideologisch strukturierenden und formierenden antifeministischen Backlash, dem salonfähig gewordenen Fremdenhass, der Verachtung von Roma, der wachsenden Ausgrenzung von Kranken und Behinderten und der Wiederkehr der Euthanasie in immer mehr Staaten. Dabei ist es völlig unerheblich, ob sich diese Symptome der Barbarei ein progressives Mäntelchen umhängen oder nicht. Wer zum Beispiel den Mord an Kranken legalisieren will, mag noch so sehr beteuern, es ginge ihm um reinste Nächstenliebe und die Linderung von Leid, in Wahrheit will er nichts anderes, als statt der Krankheit die Kranken zu eliminieren. Wenn die Stadtregierung von Marseille beschließt, dass Obdachlose ein gelbes Dreieck auf der Kleidung zu tragen hätten, hat das nichts mit der behaupteten „Hilfe“ für diese Menschen zu tun, sondern alles mit deren Stigmatisierung und Demütigung. Und wenn Österreich, Deutschland und die Schweiz sich weigern, Sonderstrafgesetze für psychisch Kranke und Sonderschulen für Behinderte abzuschaffen, liegt das nicht an den vorgeschobenen Motiven der Hilfe, sondern an einer zurückgekehrten bzw. nie überwundenen faschistischen Antimoral, die den „gesunden Volkskörper“ vor den „Kranken schützen“ will, in Wahrheit also an der Lust, Menschen für deren Persönlichkeitsmerkmale auszugrenzen und zu bestrafen, letztlich zu vernichten.

Wenn die europäischen Parlamente und Regierungen immer antiisraelischer werden und gleichzeitig auf Europas Straßen ungestraft Hitlergrüße gezeigt werden und Sprechchöre „Juden ins Gas“ brüllen können, wie das bei den israelfeindlichen Ausschreitungen im Sommer 2014 geschah, sind das keine unglücklichen Zufälle, sondern Anzeichen einer Rebarbarisierung Europas, die umso rascher voranschreitet, je heftigere soziale Verwüstungen die Wirtschaftskrise anrichtet, die wirklich zu bekämpfen den derzeit aktiven Politkerinnen Wille, Mut und Ideen mangelt.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

12 Gedanken zu „Antisemitismus und Rebarbarisierung“

  1. und russland !!!!! nicht vergessen…….unter stalin wurden xig millionen juden in die gulags verbannt und kamen dort ums leben.

  2. Du hast ja mit allen diesen Dingen die du aufzählst recht,lieber Bernhard,doch das Hauptproblem ist der Kapitalismus mit allen seinen Auswirkungen. Gäbe es nicht eben diejenigen, die aus der Spaltung der Gesellschaft Kapital ziehen wollen, wäre die Welt vielleicht besser.Der Mensch ist von seinem Wesen jedoch so das er immer die Schuld von sich auf Andere schiebt. Das haben die Eliten schon sehr Früh begriffen, und so mit diesem Spiel des ewigen Desasters begonnen. ob 1. Weltkrieg, 2. Weltkrieg usw….Fakt ist,,wenn zwei sich streiten freut sich der dritte,,Und zufällig sprach Rothschild vor den Kriegen::::Wir Finanzieren beide Seiten, dadurch sind wir immer Gewinner…egal wer Verliert. Meine Meinung ist,,Die ganze Menschheit ist Verlierer,durch die Machenschaften der gesamten Geld-Eliten Weltweit,,,Ob Juden,Christen,Moslems,und anderen Gruppierungen,,,Alle sind dem Tanz ums Goldene Kalb verfallen,,,Das ist das Problem…..

  3. Danke für den Artikel, es wäre großartig, wenn es davon eine englische Variante gäbe. Gerade jetzt wo die europäische Linke mit Unverständnis auf die lang ausstehende Aufarbeitung des Antisemitismus der „Die Linke“ reagiert. Großes Bedauern, die Deutschen kämen aus ihrer Schuldhaltung nicht raus und koppelten sich damit vom allgemeinen Pro-Pali Trend ab. Wie auch immer, einen Punkt finde ich problematisch an deinem Artikel: Besondere Rechtsanwendung für psych. „Kranke“ ist doch gerade ein Schritt dahin, auf die Verschiedenheit der Menschen einzugehen und eben gerade solche Menschen nicht beinhart in den Knast zu stecken sondern besondere Betreuung zu Gute zu halten. Fällt mir grad die Scott Panetti Exekution in Texas ein. Das kannst du einfach nicht mit Sonderschulen gleichsetzen. Außer du willst Bildung und Strafe vergleichen..

  4. @anonym
    „unter Stalin wurden xig millionen (zig millionen) juden in die gulags verbannt und kamen dort ums leben.“

    Wie leicht es doch fällt, mit so einem Satz, die deutschen Verbrechen und ihrer willigen Vasallen im Osten Europas an den Juden zu relativieren.

    Falls es nicht bekannt ist: Die italienischen Faschisten konnten der Idee der Vernichtung von Juden gar nichts abgewinnen. Der grossdeutsche Führer war deshalb persönlich bei Moussolini vorstellig, um ihn zu drängen, bei der Endlösung der „Judenfrage“ endlich zu handeln. Der hat ihn aber abblitzen lassen.

    Wobei ich nicht abstreiten will, dass der Antisemitismus ein weitverbreitetes Phänomen ist, welches in allen Ländern und in allen politischen Lagern sehr ausgeprägt in Erscheinung treten kann, der aber nicht zwingend sein muss , wenn nicht bereits besondere historisch und kulturelle Voraussetzungen vorhanden sind, die sich in ökonomischen Krisen wieder leicht aktivieren lassen. Dazu braucht es nur einige wenige Schlagworte, wie von Heuschrecken und Parasiten

    Die Linken müssen sich da wahrlich nicht verstecken, wenn es darum geht, den strukturell vorhandenen Antisemitismus neu zu beleben. Was da unter dem Motto an „berechtigter Kritik“ an Israel daherkommt, verträgt sich dann so gar nicht mit denen, für die man Partei ergreift , in der Einseitigkeit des Blickwinkels und auch nicht mit der Agressivität wie diese Kritik vorgetragen wird.

    @ Lindwurm
    Danke für diesen Beitrag! Sehr lesenswert und sonst kaum noch zu finden.

  5. Was für einen Schmarrn läßt du hier wieder ab, als ob sich die Welt nur um a Jud, a Antisemitismusle und a Zionisterl drehen würde!
    Nichts von deiner Einschätzung ist so, daß es „der Welt“ angelastet werden könnte, zumal wenn die Relationen bis ins Unkenntliche verschoben werden.
    Die Leute, die heute „Antisemitismus“ bejammern, habe ich nicht ein einziges mal ebenso laut jammern hören über von Weißen Polizisten in Reihe umgebrachten Schwarzen in den USA, deren Täter auch noch von Weißen dominierten sogenannten Grandjury anstelle anhand von juristisch belegten Beweisen willkürlich vor einer Strafverfolgung bewahrt werden, über massenhaft ohne Gerichtsurteil in Willkür einzelner Mächtiger per gamer-Joystick und Drohne in fremden Ländern umgenbrachte Menschen und das mehrmals im Monat im gelobten Land USA.
    Dieselben Leute habe ich bisher nur sprachlos erlebt, wenn die UNO und die dreiviertel Welt den von rechten Nationalisten gesteuerten Staat Israel (Nicht: DIE JUDEN!!!) des völkerrechtswidrigen und menschenfeindlichen Krieges gegen Gaza usw. bezichtigen und das über den internationalen Gerichtshof klären lassen wollen.
    Und dann deine spärliche Vorstellung von Zionismus, laut internationaler Kategorisierung (z.B. in Wikipedia) ein ausgeprägter (hier jüdischer) Nationalismus, der sich in der Steuerung Israels festgesetzt hat und nun gerade dabei ist, seine letzte internationale Reputation vollends aufs Spiel zu setzen, indem er die noch-Demokratie Isreael in einen Gottesstaat extremster nationalistischer Prägung im Geiste von Apartheid gegen alles Nichtjüdische „umbauen“ möchte, den hältst du für einen Weg, den Staat Israel zu sichern – es ist Israels Abgang aus der Vernunft und gefährlich für die Region und den Frieden in der Welt.
    Zionismus heute ist auch die hahnebüchene Verkehrung dessen, was sein „Erfinder“ an humanistischen Werten verbreitete, ja selbst nocht Theodor Herzl davon vertrat.
    Es steht fest: Nationalisten können gut miteinander, gleich, woher sie kommen und wohin sie gehen – und das bleibt übrig von dir beim Lesen dieses Textes.
    Wenn du die Früchte echter moderner „Rebarbarisierung“ erleben willst,
    geh nach Gaza oder Jerusalem und schau dir an, was Rebarbarisierung übrig gelassen hat.
    Und immer wieder holst du den Begriff hervor, den die Hitler-Schergen als nationalsozialistische Staatsdoktrin zur Vernichtung der Juden zwecks Finanzierung ihres Welteroberungskrieges konstruiert haben, samt der Basis, daß die Juden, eine kleine Gruppe aus der riesigen Sprachfamilie der Semiten, alleine „die Semiten“ und damit eine RASSE seien, also samt der zugehörigen faschistischen Rassentheorie, ohne deren Anerkennung der Begriff Antisemitismus nicht verwendbar ist.
    Bist du ernsthaft der Meinung, die Juden seien eine Rasse? Dann hältst du sie wohl auch gar für minderwertig im Verständnis dieses hitlerschen Antisemitimus?
    Mach dich kundig: Es gab und gibt nie menschliche Rassen, auch nicht die Juden.
    Texte der Art wie dieser hier sind zu nichts anderem Nutze, als zu hetzen, egal wofür und wogegen.
    Gebraucht werden jedoch Aktivitäten, die nicht das Feuer schüren sondern die Kohle UND die Funken entfernen, damit kannst du gegen Fremdenhass, besonderes den gegen Juden, etwas unternehmen – jedoch nicht mit eigener nationalistischer Gesinnung und Rhetorik gegen Denkgebäude und Begriffe gegen Nationalismus vorgehen, da du dich damit lächerlich machst und das Gegenteil erreichst, nämlich eine neue Rebarbarisierung des Wortes, des Gedankens, eine Folgschaft der nationalistischen Methoden.
    Willst du das?

  6. @Anonym Dezember 5, 2014 um 12:52 nachmittags
    Ja, und du armseeliges Anonymchen, offensichtlich hat dir in deiner Erziehung niemand darüber hinaus beigebracht, daß dieses Russland, von dem du hier sprichst, über 20 Millionen Menschen opferte, um den Holocaust ein endgültiges Ende zu bescheren.
    Geschichtsklitterung ist Blamage. Schäm dich.

  7. Wider die reale Einäugigkeit und Blindheit im eigenen Laden des großen demokratisch bezeichneten Vorbilds für die Welt.

    Die REALE REBARBARISIERUNG und Rassismus im Alltag –
    Proteste der US-Bürger gegen tödliche staatliche Rassen-Willkür, unkommentiert!

    Viele Tausende in Städten in ganz Amerika (gemeint ist wohl nur die USA, „ganz Amerika“ macht den Müll, die alltägliche polizeiliche tödliche Hatz auf Farbige, nicht mit) aus Protest auf die Straße:

    – laut „New York Post“ rund 7000 Menschen vor dem Hauptrevier der Polizei
    – Demonstranten blockierten unter anderem die Brooklyn Bridge und die wichtige Umgehungsstraße West Side Highway.
    – 1500 Leute beteiligten sich an einem Marsch in Harlem
    – Am Union Square, …, an dem auch die „Occupy Wallstreet“-Proteste begonnen hatten, versammelten sich ebenfalls Hunderte
    – Im New Yorker Bezirk Brooklyn inszenierten Demonstranten ein „Die-In“ mit Papp-Särgen, auf denen Namen von Opfern der Polizeigewalt standen.
    – aus der Hauptstadt Washington, aus Chicago, Boston, Baltimore, Atlanta und Seattle an der Westküste wurden Demonstrationen und Straßenblockaden gemeldet
    – In Washington inszenierten rund 100 Menschen in der Nähe des Weißen Hauses ebenfalls ein „Die-In“.
    – In Boston wurden laut Polizei zehn Demonstranten festgenommen. Tausende hatten dort Straßen und die U-Bahn blockiert.
    – Auch in Chicago Demonstranten festgesetzt

    = „New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio versprach, eine Polizeireform durchzusetzen. Die „New York Times“ berichtete, dass rund 22 000 Polizisten der Stadt in Kursen lernen sollen, wie sie Krisenlagen entschärfen können, bevor sie zur Waffe greifen“ –
    und die Millionen anderen US-Waffenträger in der gesamten Welt?
    und die Millionen verbalen Scharfmacher, wie Rassisten, organisierte Neonazis, Journal-Propagandisten und Kriegsbefürworter und deren „arme Opfer“, die darauf reinfallen und noch persönlich ihre scharfmachende Kohle beisteuern, wer „belernt“ die endlich?

    Quelle:
    http://web.de/magazine/politik/proteste-usa-polizeigewalt-30257894
    Aktualisiert am 05. Dezember 2014, 17:21 Uhr:

    „Washington (dpa) – Nach einem weiteren Fall tödlicher Gewalt eines weißen Polizisten gegen einen Schwarzen hat eine landesweite Protestwelle die USA erfasst. Im Staat Arizona wurde ein vierfacher Familienvater, der seine Hand nicht aus der Hosentasche nehmen wollte, nach einer Polizeikontrolle erschossen.
    In der Nacht zum Freitag (Ortszeit) gingen Menschen in Phoenix sowie Tausende in Städten in ganz Amerika aus Protest auf die Straße.
    Der 34-jährige Rumain Brisbon hatte seinen Kindern am Dienstag lediglich Essen bringen wollen, berichtete der TV-Sender NBC am Freitag. Laut „Arizona Republic“ verfolgte der Polizist Brisbon, bis es vor dessen Wohnung zu einem Handgemenge gekommen sei.
    Der Polizist habe vermutet, dass Brisbon eine Waffe habe, und zweimal geschossen. Tatsächlich hatte der Familienvater Schmerztabletten in der Tasche. Der Fall sei zwar „schlecht geendet“, doch der Polizist habe genau gehandelt, wie er sollte, sagte Polizeisprecher Trent Crump laut NBC.

    In New York und anderen Städten kam es die zweite Nacht in Folge zu massiven Protesten. Allein in der Millionenmetropole demonstrierten laut „New York Post“ rund 7000 Menschen vor dem Hauptrevier der Polizei. Etwa 1500 Leute beteiligten sich an einem Marsch in Harlem. Die Demonstranten blockierten unter anderem die Brooklyn Bridge und die wichtige Umgehungsstraße West Side Highway.

    Am Union Square, einem zentralen Platz der Stadt, an dem auch die „Occupy Wallstreet“-Proteste begonnen hatten, versammelten sich ebenfalls Hunderte. Im New Yorker Bezirk Brooklyn inszenierten Demonstranten ein „Die-In“ mit Papp-Särgen, auf denen Namen von Opfern der Polizeigewalt standen. Die „New York Post“ berichtete von rund 100 Festnahmen, vor allem wegen Verkehrsblockaden.

    Auch aus der Hauptstadt Washington, aus Chicago, Boston, Baltimore, Atlanta und Seattle an der Westküste wurden Demonstrationen und Straßenblockaden gemeldet. In Washington inszenierten rund 100 Menschen in der Nähe des Weißen Hauses ebenfalls ein „Die-In“. In Boston wurden laut Polizei zehn Demonstranten festgenommen. Tausende hatten dort Straßen und die U-Bahn blockiert. Auch in Chicago wurden Demonstranten festgesetzt.

    Anlass der Proteste war neben dem neuen Fall aus Phoenix der Beschluss von Geschworenen am Mittwoch, einen weißen Polizisten für den Tod des schwarzen Eric Garner im New Yorker Bezirk Staten Island nicht zur Rechenschaft zu ziehen.

    Der Polizist hatte Garner bei der Festnahme wegen angeblich illegalen Zigarettenhandels in den Würgegriff genommen. Dessen Hilferufe, er bekomme keine Luft mehr, ignorierte er. Der asthmakranke Schwarze, ein sechsfacher Familienvater, starb wenig später.

    Hintergrund waren außerdem Entscheidungen von Geschworenen in Ferguson (Missouri) und Cleveland (Ohio), auf eine Anklage weißer Polizisten zu verzichten, die unbewaffnete Bürger erschossen hatten. In Ferguson war der Schwarze Michael Brown durch die Schüsse eines Polizisten gestorben. In Cleveland wurde ein zwölfjähriger Schwarzer erschossen, der eine Pistolenattrappe in der Hand hielt.

    New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio versprach, eine Polizeireform durchzusetzen. Die „New York Times“ berichtete, dass rund 22 000 Polizisten der Stadt in Kursen lernen sollen, wie sie Krisenlagen entschärfen können, bevor sie zur Waffe greifen. © dpa 2014″

  8. @Troptard Dezember 5, 2014 um 8:39 nachmittags
    „@anonym – “unter Stalin wurden xig millionen (zig millionen) juden in die gulags verbannt und kamen dort ums leben.”
    „Wie leicht es doch fällt, mit so einem Satz, die deutschen Verbrechen und ihrer willigen Vasallen im Osten Europas an den Juden zu relativieren.
    Falls es nicht bekannt ist: Die italienischen Faschisten konnten der Idee der Vernichtung von Juden gar nichts abgewinnen. Der grossdeutsche Führer war deshalb persönlich bei Moussolini vorstellig, um ihn zu drängen, bei der Endlösung der “Judenfrage” endlich zu handeln. Der hat ihn aber abblitzen lassen.“

    Ja, @Troptard , die italienischen Faschisten Und Nationalisten wären wohl die besseren, wenn nicht die besten Freunde gewesen:
    Ein Faschismus und Nationalismus ohne die (etwas später erst von Hitler durchgesetzte Staatsdoktrin) „Antisemitismus“, ohne Judenhass …

    Oder wie soll man deine Worte sonst verstehen – die nebenbei bemerkt, ein völlig falsches Bild vermitteln, das historisch nicht belegbar ist?
    Und:
    Kannst du belegen, wer diese „Linken“ sein sollen, dioe sich für „strukturellen Fremdenhass nicht verstecken müssen? Meinst du damit die selbst linker als links sich gebenden Antideutschen, die dem Rassismus reziprok verfallen sind und allen Deutschen das „Hitler-Gen“ andichten wollen?
    Wenn du die meinen solltest, dann sage das auch, und vertrullere dich nicht in anonymen Anschuldigungen.

  9. Schon wieder – neueste NY-News zur REBARBARISIERUNG:
    New York kommt nicht zur Ruhe
    PROTESTE GEGEN POLIZEIGEWALT
    „Dritte Nacht der Proteste: New Yorker ziehen auf die Straßen
    New York (dpa) – Im Protest gegen Polizeigewalt sind zahlreiche New Yorker die dritte Nacht in Folge auf die Straße gegangen. Demonstranten versuchten erneut, Straßen und Brücken zu blockieren, um das Weihnachtsgeschäft zu stören.
    Etwa 100 Menschen stürmten einen Laden des iPhone-Herstellers in New York und legten sich dort flach auf den Boden. Protestaktionen gab es auch in Washington, Boston und Chicago. © Reuters
    Tausende aufgebrachter Amerikaner verlangten auch in Washington, Baltimore und anderen US-Städten Gerechtigkeit. Im Raum Boston konzentrierte sich der Protest auf die renommierte Harvard-Universität, in Chicago waren Demonstranten trotz eisiger Temperaturen stundenlang in der Innenstadt. Im Fernsehsender CNN sprachen einige von ihnen von einer neuen „Bürgerrechtsbewegung“ zugunsten von Afroamerikanern….@dpa“

  10. Ich behaupte mal: Solange Nationen existieren, das Kapital international agiert, und das nicht erst seit heute, solange Menschen ihren bedingten Schutz nur in dem Gefängnis der Nation finden, das Kapital dort seine Pfründe sichert, solange wird das alles weiterleben, was wir unter Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus und, nicht zu vernachlässigen, das Treten gegen diejenigen, die einem vor Augen führen, wie schnell man im Kapitalismus vom „glücklichen Lohnarbeiter“ zum schikanierten Sozialhilfeemfänger abrutschen kann.

    In ökonomischen Krisen wird all das wieder möglich, was unter dem Mantel der gesellschaftlichen Prosperität nur verschüttet war. Plötzlich steigen sie wieder auf, die Geister der Vergangenheit. Die Nazienkel drängen an die Front, sehen ihre Volksgemeinschaft bedroht, von Menschen die sich nicht integrieren wollen, sehen sich von fremden Menschen überrollt, der Bankmensch der ihnen Kredit gewährt hat ist der Parasit, den es zu entsorgen gilt. Raffendes gegen schaffendes Kapital!

    In Deutschland dürfte es mit den Juden eigentlich kein Problem geben! Leben da eigentlich noch welche ? Viele dürften es wohl nicht mehr sein.
    Die Nazis haben da ja gründliche Arbeit geleistet.

    Und es gibt viele Juden in Europa, die Europa verlassen, weil sie physisch bedroht werden, besonders auch in Frankreich.

    Ich bin unbedingt für das Existenzrecht Israels, solange am Existenzrecht von Nationen festgehalten wird. Und ich werde mich niemals mit denen gemein machen, die den Staat Israel von der Landkarte löschen wollen.

    Aber das sog. Völkerrecht ist ja inzwischen auch nur die Tinte für welches das Papier nicht mehr taugt.

    Also wenn Kritik, dann bitte eine solche, die sich nicht mit Unterstellungen voranarbeitet und wenn etwas vom anderen abverlangt wird, dann bitte auch mal einen eigenen Vorschlag einbringen.

    Ansonsten verbleibt das in rhetorischen Luftblasen.

  11. Großartiger Beitrag.

    Es ist so schade, und gleichzeitig so bezeichnend für den Stand der Dinge, dass Du nicht für eine große Zeitung schreibst und jenen Grad an Bekanntheit hast, den Du wie kaum jemand anderer verdienst.

    Trotzdem: der Artikel ist großartig geschrieben und dass wir beide bei dem Thema d’accord gehen, muss ich eh nicht betonen.

  12. Was die Stigmatisierung von Obdachlosen in Marseille angeht, so wäre das Argument der „Hilfe“ nur dann überzeugend, wenn es sich um eine Art Sozialversicherungs-Ausweis handelte, der jedem Betroffenen auf freiwilliger Basis zustehen würde. Man könnte diese Leute (vielleicht per Flugblatt) darüber informieren, wo er zu erhalten wäre und welche Vorteile er mit sich brächte.

    Jemanden allerdings zu zwingen, solch ein Dokument gut sichtbar wie eine Hundemarke um den Hals zu tragen, halte ich für sehr bedenklich.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s