Zweifrontenkrieg um die Freiheit

Ich traue mich zu wetten, dass heute bei nicht wenigen Mitläufern von Pegida große Freude herrscht, denn islamistische Terroristen haben mit dem Massaker in Paris den rechten Islamfeinden nicht nur neue Argumentationsmunition geliefert, sondern dabei auch noch ein paar jener Leute erledigt, die auch viele Rechte gerne erledigen würden. Pegida und Al Quaida vereint ja mehr als sie trennt. Zum Einenden gehört der Hass auf Intellektuelle, freche Satiriker und Journalistinnen, die das eigene beschränkte Weltbild nicht nur zum Wanken bringen, sondern es jener Lächerlichtkeit preisgeben, die einem frühmittelalterlichen Fanatikerglauben und dem nach Bieratem stinkenden Gelalle rechtsdrehender Verschwörungsdioten naturgemäß innewohnt. In der Tat führen muslimische Extremisten und rechte Abendlandverteidiger zwar verbal heftig Krieg gegeneinander, ihre Opfer suchen sie sich aber zumindest auf dem Schlachtfeld Europa zumeist unter ihren gemeinsamen Feinden aus. Der norwegische Islamhasser Anders Breivik schoss nicht etwa in einer Moschee um sich, sondern ermordete 77 junge Sozialdmokratinnen, deren Eintreten für Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte bei Breiviks vorgeblichen Feinden von der Mohammed & Co KG mindestens ebenso schlecht ankommt wie beim blonden Massenmörder selbst. Und heute massakrierten Islamisten in Frankreich nicht etwa Kader des Front National, sondern Autoren und Karikaturisten eines Blattes, das die Neofaschisten um Le Pen immer wieder heftig durch den Kakao gezogen hatte. Faktisch wütet da eine braun-grüne Querfront, die nicht nur die tolerante liberale Demokratie hasst, sondern noch etwas anderes gemein hat, nämlich den Antisemitismus. Der Blogger „Egoteaist“ ging mit einer israelfahne zu einer Pegida-Kundgebung und wurde nach einer Reihe wüster antisemitischer Beschimpfungen von den Ordnern verjagt.

Es passiert derzeit genau das, wovor ich immer gewarnt habe. Die ignoranz weiter Teile der Linken gegenüber den Gefahren des islamischen Fundamentalismus ließ zu, dass sich ausgerechnet sehr Rechte und Rechtsextreme als Verteidiger jener Werte aufspielen können, die sie selber in Wahrheit hassen und die zu verteidigen sie nur vorgeben, um ihren Rassismus transportieren zu können, und die Blindheit der nicht rechtsextremen Islamkritiker gegenüber der politischen Bräune von vielen Islamhassern machte es möglich, dass diese den ohnehin schwachen Cordon sanitaire durchbrechen konnten. Und jetzt stehen wir, die wir an Menschenrechte und Fortschritt und Demokratie glauben, in einem Zweifrontenkrieg und drohen zwischen den illiberalen Blöcken zerrieben zu werden. Es steht alles auf dem Spiel, was in den vergangenen 200 Jahren gegen die Kirchen und alle anderne Reaktionäre erkämpft wurde.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

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