Menschlichkeit in der Defensive

Wenn die nordrhein-westfälische Stadt Schwerte nichts dabei findet, Flüchtlinge in einer ehemaligen Außenstelle des KZ Buchenwald einzuquartieren, dann kann man sich zwar breit darüber auslassen, dass so eine Geschmack-, Empathie- und Geschichtslosigkeit keinem Menschen, der eine deutsche Pflichtschule erfolgreich absolviert hat, unterlaufen dürfte, aber dahinter steckt natürlich mehr als bloß ein Bildungsproblem. Möglich und verstärkt wird solcherlei durch die umfassende Brutalisierung einer Gesellschaft, in der alles dem Prinzip des Marktes unterworfen ist, wo der Kapitalismus total wird und alles und jeder nur mehr entweder „nützlich“ oder „unnütz“ ist. Man hätte sie ja schon an ihrer Sprache erkennen können, die Freunde des Markttotalitarismus, und man hätte stutzig und widerborstig werden müssen, wenn sie über „geschützte Bereiche“ höhnten, die es endlich für den Markt zu öffnen gelte. Wer Schutz für etwas Schlechtes hält, will auch keine Menschen schützen. Flüchtlinge in ein ehemaliges KZ zu stecken und dabei nix zu finden ist auch eine direkte Folge der Verrohung, die in Deutschland seit den Harzt-IV-„Reformen“ um sich greift, die Millionen Menschen zu völlig der Willkür der Behörden ausgelieferten Bittstellern degradiert und die das Recht auf Existenz dem Gutdünken von Bürokraten ausgeliefert haben. Österreich zockelt brav hinterher, ja versucht teils, Deutschland in Sachen Grausamkeit noch zu übertrumpfen, zB durch die Abschaffung der Invalidenrente. Die Menschlichkeit verschwindet langsam, ist in der Defensive und wird überrollt von den tumben Kalkulierern und Menschenwertsberechnerinnen.

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2 Gedanken zu “Menschlichkeit in der Defensive

  1. Manche Artikel möchte man sichern, für immer und jederzeit zur Verfügung haben – die Worte rot und laut in die Welt hinausschreien – damit sie auch nicht überhört werden – und doch muss ich auch bei fb und auf meiner Seite immer wieder feststellen, dass so viele Leute gar nicht in der Lage sind – wahr zu nehmen und das macht mich so traurig . . . so unendlich traurig – weil doch das Lebendige verloren geht – das Menschliche – das eigentlich Wertvolle. . . Aber Lernen ist ein Prozess – und so können wir nur informieren und hoffen, dass Worte bewirken, was sie bewirken sollen und können. Danke für diesen Artikel wie auch für viele andere, die ich gerne weitergebe und wie einen Schatz hüte.

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