CSU und SPD blasen zur Jagd auf Depressive

Wenn jetzt der bayrische Innenminister Joachim Herrman (CSU) Berufsverbote für Depressive verhängen will, könnte man kurz auflachen und rufen: „Ach, diese Bayern mal wieder“. Solcherlei inhumanen Quatsch Kennt man ja von diesem Gebirgsvolk, dessen derzeitiger Ministerpräsident Horst Seehofer 1987 verlangt hatte, HIV-Infizierte in „speziellen Heimen zu konzentrieren“ (sic). Leider ist es mittlerweile so, dass wo zur Jagd auf Menschen geblasen wird, die SPD dringend mitblasen möchte, und so kann sich auch SPD-Vizebundestagsfraktionsvorsitzender Karl Lauterbach vorstellen, an Depression Erkrankten die Ausübung ihres Berufes zu verbieten. Bei Lauterbach klingt das noch schlimmer als beim CSUler: „Wenn etwa eine gefährliche Depression eindeutig diagnostiziert wird und sich der Patient einer Behandlung verweigert, wäre ein Berufsverbot die letzte Konsequenz“.

„Gefährliche Depression“ – da ist er wieder, der Mythos vom gefährlichen Irren, rücksichtlos geschürt von populistischen  Politikern im Wissen darum, dass eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung meint, Depressiven ihre Existenzgrundlage zu entziehen, sei eine gute Idee. Nicht weniger als 58 Prozent wollen laut einer repräsentativen Umfrage depressive Menschen durch Berufsverbote zusätzlich stigmatisieren. Früher mal lag ein Vorteil der repräsentativen Demokratie darin, dass Politikerinnen nicht jede Verfolgungslust, die sich von Boulevardmedien geschürt im Volk breitmachte, übernehmen mussten. Das ist spätestens seit den Jahren der rot-grünen Regierung in Deutschland vorbei. Unter Gerhard Schröder wurde zum Beispiel das menschenrechtswidrige „vorsorgliche“ Wegsperren psychisch Kranker massiv forciert. Rot-Grün brachte jene Verschärfungen, die den Fall Gusl Mollath erst möglich machten. Und heute redet SPD-Chef Sigmar Gabriel mit den xenophoben Schwachköpfen von Pegida und meint, es gäbe ein Recht darauf, deutschnational zu sein.

Hinter den Forderungen nach Berufsverboten für Depressive steckt aber nicht bloß die Psychopathie populistischer Politiker, die kein Mitgefühl haben und denen nichts anderes wichtig ist als der eigene Erfolg. Es geht wohl auch darum, dem epidemischen Anstieg depressiver Erkrankungen in unserer Höher-Schneller-Weiter-Gesellschaft durch repressive Maßnahmen gegen die Kranken zu begegnen. In Österreich und der Schweiz hat man hierfür die Invalidenrenten abgeschafft um zu verhindern, dass sich Depressive dem Zwang, irgendeinen Nutzen als Arbeitskraft zu haben, entziehen können. Kombiniert man dies mit der Verleumdung psychisch Kranker als gefährlich, kann man sich in etwa vorstellen, was in absehbarer Zeit auf die Betroffenen zukommen wird, nämlich entweder die Abdrängung in Obdachlosigkeit und Elend oder die Zwangsarbeit in „Betreuungseinrichtungen“ genannten Straflagern, wo sie unter der Aufsicht von Ärzten, Pflegerinnen und Wachdiensten Körbe flechten und ähnlich niedrigen Tätigkeiten nachgehen werden.

Viele Jahre lang haben Psychologen, Psychiaterinnen und Medien versucht, psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren. Kein Artikel über Depressionen kam ohne die Aufforderung auf, Betroffene sollten sich nicht schämen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nun sehen wir aber, dass eine einzige spektakuläre Untat eines einzelnen Menschen, von dem noch nicht mal sicher ist, dass Depressionen ihn dazu getrieben haben, ausreicht, um alle Versuche der Aufklärung über psychische Andersartigkeiten zunichte zu machen. Der Kranke wird wieder zum „gefährlichen Irren“, dem man Fluglizenz und Führerschein wegnehmen muss und ihn am besten wegsperrt, denn man weiß ja nie, wozu so ein Verrückter fähig ist. Unter diesen Umständen kann man Menschen, die an Depressionen leiden, nicht mehr ruhigen Gewissens raten, sich in Behandlung zu begeben. Da ja auch schon am Aufweichen der Verschwiegenheitspflicht der Ärzte gearbeitet wird, drohen psychisch Kranke bald in einem Register zu landen, auf das die Behörden Zugriff haben. Und dann kommt eines Tages ein Brief des Inhalts, dass man seinen Führerschein beim Amt abzugeben habe und sich zur Umschulung anmelden müsse, da man bedauerlicherweise nicht mehr als Taxifahrer, Sanitäter, Lehrerin, Kranführer, Chirurgin und Buschauffeur arbeiten dürfe.

Ein Berufsverbot für Politiker, die sich auf Kosten kranker Menschen als Sicherheitsapostel profilieren wollen, fordert unterdessen niemand, obwohl doch ganz klar ist, dass die mehr Schaden anrichten, als es alle psychisch Kranken zusammengenommen je könnten.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

4 Gedanken zu „CSU und SPD blasen zur Jagd auf Depressive“

  1. Also das ist ja ein echter Schmarrn. Grenzt ja an das Unmögliche. Wobei ich dem Angriff auf Pegida nicht übereinstimmen kann. Ich befolge das schon seit einiger Zeit durch die Heidi Mund die die Medien in nur drei Tagen als Nazi abgestempelt hat, von ihrer Kirche ausgestoßen wurde und ihr Mann gekündigt worden ist nur dafür daß sie einen Pegidaableger in Frankfurt gegründet hat. Und warum? Dafür daß sie richtigermaßen gegen die Islamisierung Deutschlands ist. Dafür ist sie eine tiefe Christin, ein Befürworter der Juden und Israels und ein Straßenevangelist. Ein Mensch der den Mut hat sich den Mund nicht verbieten zu lassen. Aber zwischenzeitlich wird Pegida.von den Politikern bis zu den Medien als Neonazistisch angeprangert während die Agida mit Hilfe der Linken die echten Braunhemden sind. Das ist nichts anderes als eine Hexenjagd.

  2. Falls der Hintergrund so stimmt (womit ich nicht Deine Worte in Zweifel ziehen will!), dann wünsche ich den führende Damen und Herren der CSU & SPD eine wohlentwickelte Depression. Anderen die so denken, natürlich auch, nur sollten führende Politiker mehr Verstand haben, mit Leuten reden die sich in der Sache auskennen, bevor sie den Mund aufmachen. –
    Was in () steht, bezieht sich nur darauf, daß ich über diesen sehr leicht möglichen Hintergrund anderswo noch nicht gelesen habe. Nun werde ich danach suchen.
    lg
    caruso

  3. Und ich frage mich schon die ganze Zeit, wie es im Jahr 2015 passieren kann, dass jemand, der unter Depressionen leidet (oder irgendeiner anderen psychischen Erkrankung), das Gefühl hat, seine Erkrankung geheimhalten zu müssen – das sagt doch einiges aus über unsere Gesellschaft. Und diese neuerliche Stigmatisierung wird nicht gerade helfen, das zu ändern. Fühlt sich nach Mittelalter an, gerade, als ich dachte, so langsam, langsam ändert sich da was, das Stigma schrumpft, die Aufklärung macht sich breit… Aber nein, Gegenteil. Danke an alle Hetzer (ich meine, das sind nicht mal nur Politiker).

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