Wir Massenmörder

Das Mittelmeer ist mittlerweile das größte Massengrab der Welt. Zehntausende Menschen sind beim Versuch, es zu überqueren um nach Europa zu gelangen, gestorben. Genauer: Sie wurden ermordet. Selbstverständlich hätte Europa die Mittel, um dieses Massensterben zu beenden. Europa will aber nicht. Man lässt die Leute verrecken, um andere abzuschrecken. Das ist Mord und nichts anderes. Massenmord. Vielleicht werden uns unsere Kinder oder Enkel einst fragen, warum wir nichts dagegen unternommen hätten. Wir werden keine Antwort haben.

Das Mordhandwerk Europas beschränkt sich nicht nur auf das Ertränken von Bootsflüchtlingen. Es setzt schon viel früher an, denn Europa ist vielfach ursächlich schuld daran, dass Menschen in Massen aus ihrer Heimat fliehen, weil die Zustände dort so dermaßen elend, gefährlich und hoffnungslos sind, dass selbst das sehr wohl allgemein bekannte Risiko einer Flucht auf den Todesbooten dagegen wie eine Verheißung wirkt. In den vergangenen 20 Jahren haben europäische Mächte und die USA (und jüngst auch China und Russland) in Afrika sowie im Nahen und Mittleren Osten einen Konflikt nach dem anderen angeheizt, haben Regierungen gestürzt und Rebellengruppen unterstützt. Das ist an sich noch nicht einmal falsch, aber man hat sich jedes einzelne Mal aus der Verantwortung gestohlen statt welche zu übernehmen. Nehmen wir das Beispiel Libyen. Gaddafi zu stürzen war durchaus moralisch vertretbar. Das Land danach sich selbst zu überlassen war es nicht. Man kann doch nicht einfach eine Regierung, und sei die noch so despotisch, verjagen und dann das entstehende Machtvakuum achselzuckend ignorieren. Wer Bomben schmeißt, muss auch mit Fußsoldaten rein, und zwar mit so vielen, dass die die Sicherheit im Land garantieren können und einen demokratischen Übergang ermöglichen. Das hat Europa nicht gemacht, das haben auch die USA in Afghanistan und im Irak nicht wirklich gemacht. Alles, was der Westen tat, war Bürgerkriegsschlachtfelder zu eröffnen. Und in Syrien, das zum furchtbarsten Schlachthaus der neueren Geschichte wurde, hat das Rumeiern der westlichen Mächte für einen 15-Fronten-Bürgerkrieg gesorgt, der hunderttausende Tote und Millionen Flüchtlinge produziert.

Und noch etwas: In den vom Westen geschaffen oder zumindest mit zu verantwortenden Machtvakua morden und vergewaltigen vor allem radikal islamistische Bewegungen. Bis heute kann sich Europa nicht dazu durchringen, diese Banden als Feinde der Menschheit zu sehen und entsprechend zu behandeln. Es ist keine islamophobe Spinnerei festzustellen, dass ISIS, Boko Haram und wie sie alle heißen einen Krieg gegen alles führen, wofür der Westen zu stehen zumindest vorgibt. Menschenrechte, Demokratie, Säkularität, Vernunft, Freiheit – all das und mehr wollen diese Leute vernichten. Es sind Barbaren und das, was sie ihre Kultur nennen, ist keine. Islamischer Klerikalfaschismus ist genausowenig Kultur wie es der Nationalsozialismus war und es hat einen Grund, dass diese Leute dieselben Feindbilder haben wie einst die Nazis: Juden, Frauen, Homosexuelle, Wissenschaft, Kunst, Demokratie, Diversität usw. der erste Schitt  zur Bekämpfung dieser Leute, die zum guten Teil die aktuellen Flüchtlingswellen lostreten, muss sein, diesen Verbrechern nicht länger zuzugestehen, sie stünden halt doch irgendwie für eine legitime Meinung und für den Islam. Tun sie nicht. Sie stehen nur für Mord und Tod und Barbarei. Sie müssen bekämpft und aufgehalten werden. Aber der Westen kann sich allenfalls dazu aufraffen, hin und wieder ein paar Drohnen loszuschicken, die dann oft noch Unschuldige mit in den Tod reißen.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

6 Gedanken zu „Wir Massenmörder“

  1. Ich würde zu all dem ja und amen sagen. Und es stimmt ja auch daß Amerika diese Bürgerkriege angeprangert hat. Nur so einfach ist es nicht. Diese ganzen Despoten die man half zu stürzen hatten immer noch Stabilität in diesen Ländern gesichert. Selbst für Christen war es noch annehmbar. Was die Stürzungen verursacht haben war daß die Fundamentalisten, i.e. Al Quaida, Muslim Brotherhood die Macht übernehmen konnten. Da wurde es selbst für die Christen zuviel. Und vergessen wir mal nicht daß all diejenigen in Europa die von den einstigen Kolonien her stammen jetzt das große Problem wurden mit der Absicht Europa zu Islamisierung und unter die Knechtschaft zu bringen. Natürlich wurde das von den „Powers that be “ eingeleitet. Da geht es dann auch um ein Feindbild zu kreieren und mitunter die Massen zu verknechten. Das ändert aber nichts an der Tatsache des Dschihads in Europa das jetzt schon und in Bälde zu einem dicken Problem wird.

  2. Sag‘ mal geht’s Dir noch gut, lindwurm? Im Vergleich zu Deinen Pamphleten erscheinen ja die Neocons geradezu wie eine Gruppe grundvernünftiger Pazifisten.

    Wenn ich Dich recht verstehe, wirfst Du „Europa“ und den Amerikanern hier vor, keine großangelegten Bodeninvasionen in Libyen und Syrien gestartet zu haben, und nicht genügend Truppen in den Irak und nach Afghanistan geschickt zu haben, um die widerspenstigen Moslems zu „Menschenrechten, Demokratie, Säkularität, Vernunft, Freiheit“ umzuerziehen.

    Ich meine, mal ganz abgesehen von der Frage, wo Du die Millionen Soldaten hernehmen willst, die für die Umsetzung Deiner Forderung notwendig wären (viel Spaß dabei, in Europa genügend junge Menschen zu finden, die bereit dazu wären, für so etwas den Kopf hinzuhalten), muss man sich doch nur mal die Kosten der bisherigen – Deiner Meinung nach unzureichenden – militärischen Engagements des Westens in diesen Regionen ansehen, um zu sehen, warum das eine schlechte Idee ist.

    Alleine die amerikanischen Kriegskosten für den Irak und Afghanistan haben sich inzwischen fast auf über 2 Billionen Dollar aufsummiert. ZWEI BILLIONEN DOLLAR! Und das nur für Krieg!

    Reicht das für Deinen Geschmack noch nicht? Der Westen kann doch schon jetzt seine drückende Schuldenlast kaum noch stemmen. Und dann soll er für militärische Abenteuer im Nahen Osten noch ein paar Billionen mehr drauflegen? Wie stellst Du Dir das eigentlich vor? Woher sollen denn diese Ressourcen kommen?

    Es gibt anscheinend noch immer viele, die den Westen quasi für allmächtig halten, und meinen, er könne überall auf der Welt einfach reinmarschieren und die Verhältnisse nach seinen Vorstellungen umgestalten.

    Aber das ist schon lange nicht mehr der Fall. Europa hat seine geopolitische Macht schon vor Jahrzehnten verloren, und auch die Amerikaner haben inzwischen einsehen müssen, dass sie mit ihrer geopolitischen Machtprojektion an Grenzen gestoßen sind und ihr Imperium überdehnt haben.

    Wir sollten uns endlich einmal von der alten „White man’s burden“-Mentalität verabschieden. Die Zeiten, in denen der Westen zumindest machtpolitisch noch in einer entsprechenden Position war, sind endgültig vorbei.

    Manche haben das halt leider noch nicht begriffen.

    Was ich übrigens sehr bezeichnend finde, ist die Aussage, dass es „moralisch vertretbar“ gewesen sei, Gadaffi zu stürzen. So als würde es darauf ankommen, und als ginge es in der Außenpolitik um das Streben nach moralischer Reinheit.

    Die eigentliche Frage lautet doch, ob es intelligent war, Gadaffi zu beseitigen. Und die Antwort darauf lautet ganz eindeutig: nein. Denn es war für jeden, der auch nur die geringste Ahnung von den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in Libyen hat, von Anfang an klar, dass das Land nach Gadaffis Sturz in Chaos und Bürgerkrieg versinken würde.

    Vor dem Hintergrund dieser absehbaren Folgen, stellt sich dann natürlich auch die Frage der moralischen Vertretbarkeit auf ein ganz andere Weise.

    Deswegen ist kurzsichtiger Moralismus, der nicht in die Zukunft denkt, sondern sich in emotionalen „Der ist ein böser Schurke, der muss weg“-Hüftschüssen erschöpft, so eine gefährliche Sache. Das kann eigentlich nur nach hinten los gehen.

    Ach, und nur ein Frage noch:

    Wenn Du schreibst, dass Europa die Mittel hätte, das Sterben im Mittelmeer zu verhindern, was genau schwebt Dir denn da eigentlich vor, Lindwurm?

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