Produkttest: IKEA-Drehsessel „Markus“

Es gibt unzählige Witze über das schwedische Möbelhaus IKEA. Manche sind gut, viele haben aber einen langen Bart, da sie noch aus den 70er Jahren stammen, als das Unternehmen tatsächlich manchmal mit Qualitätsproblemen zu kämpfen hatte und zum Beispiel unvollständige Bausätze auslieferte, die bei Kunden oft Wutanfälle auslösten und die Reklamationshotlienes zum Glühen brachten. Aber ob die Witze nun gut oder schlecht sind, eines haben sie alle gemeinsam: Am Schluss lacht Ingvar Kamprad, denn der IKEA-Boss machte aus einem kleinen Universalhandel die größte Möbelkette der Welt und wurde damit zu einem der reichsten Menschen des Planeten.

Mir ist der Reichtum des Herrn Kamprad aber ebenso schnuppe wie seine Biografie. Er hat sich auf das konzentriert, was er zweifellos kann, nämlich Möbel zu leistbaren Preisen zu verkaufen. Und das allein interessierte mich, als vor kurzem mein Bürosessel endgültig sein Leben aushauchte, das geprägt war von viel schwerer Arbeit unter meinem breiten Hintern. Ein neuer musste her, und nach einiger Recherche im Internet lachte mich der Drehsessel „Markus“ an, ein Produkt von IKEA, das angeblich gleich viel kann wie wesentlich teurere Sessel der Konkurrenz. Also ab zu den Schweden und 149 Euro investiert.

Am I living in a box? Am I living in a cardboard box?

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Das Paket ist problemlos auch im Kleinwagen zu transportieren und nicht besonders schwer. Um es, wie bei mir der Fall, in den dritten Stock zu schleppen, ist ein Helfer aber von Vorteil, wenn man ohne Rückenschäden davonkommen will. Dann geht es zur Sache: Karton geöffnet und zunächst erfreut festgestellt, dass da alles sehr übersichtlich eingeschlichtet ist. Es liegt eine Bedienungsanleitung bei, die man aber, falls man die verschustert, auch von der Ikea-Website runterladen kann. In der Packung finden wir den fünfbeinigen Fuß, ein Säckchen mit den Rollen, das Standbein, die Hydraulikvorrichtung, zwei Armlehnen sowie sechs lange Schrauben, fünf kurze und einen Imbusschlüssel, unter Fachidioten auch als „Innensechskant“ genannt. Alles ist vorhanden.

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Zu sagen, ich sei handwerklich nicht sonderlich begabt, wäre ein Understatement. Basteln war nie meine Sache und schon in der Schule habe ich den Werkunterricht gehasst. Das System und die Anleitung sind aber dermaßen deppensicher, dass ich es tatsächlich in nur fünf Minuten schaffte, den Stuhl zusammenzubauen. Man steckt die Rollen mit etwas Nachdruck in den Fuß des Sessels, stellt das Standbein einfach in die Öffnung des Fußes, schraubt die Hydraulikvorrichtung an der Sitzfläche fest, verschraubt die Sitzfläche mit der Lehne, stellt dann den Sessel auf das Standbein und schraubt schließlich noch die Armlehnen dran. Fertig. Man kann das ganz alleine schaffen, doch ein Helfer schadet natürlich nicht. Bei mehr als zwei Leuten wird daraus aber eine Art Glühbirnen-Einschraub-Witz.

Nach 5 Minuten: Fertig isser

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Einmal zusammengesetzt kann man mit der einer Wippe problemlos die Sitzhöhe einstellen und mit dem hinter einer hübschen Kappe versteckten Stellrad die Strenge des Wippmechanismus festlegen. Beides funktioniert problemlos und wirkt vertrauenswerweckend stabil. Vor allem die Wippfunktion lässt alles zwischen „Genickwatsche“ und „Opas Schaukelstuhl“ zu.

Nach einigen Tagen Testsitzen kann ich nun auch was über Bequemlichkeit und Qualitätsanmutung sagen. Kollege „Markus“ ist ungeheuer angenehm und wurde offensichtlich von Leuten konstruiert, die was von Büroarbeit verstehen. Die Sitzfläche ist weich, aber keinesfalls schwammig, und sie hat genau die richtige Länge und Breite, damit die Beine gut aufliegen und exakt rechtwinkelig mit dem Sitz abschließen. Als nahezu perfekt würde ich die Rückenlehne beschreiben. Hat man die für sich ideale Einstellung des Wippmechanismus gefunden, wird man mit einer wunderbar entlastenden Unterstützung der Wirbelsäule und des Nackens belohnt. Das luftdurchlässige Gewebe dürfte auch an heißen Sommertagen dafür sorgen, dass einen der Sessel nicht zusätzlich ins Schwitzen bringt. Die Armlehnen sind genau richtig positioniert. Nichts knarrt oder quietscht.

Pro: Ein hervorragender Bürosessel, unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis, kinderleicht zu montieren, hohe Qualitätsanmutung, sehr gutes Sitzgefühl.

Contra: Es ist halt ein Sessel aus einigen Einzelteilen, die vermutlich nach einigen Jahren Spiel kriegen und nicht mehr so bombenfest wirken wie zu Beginn. Das macht die oft viel teurere Konkurrenz aber auch nicht anders. Erst ab der Preisklasse von 800 Euro aufwärts kriegt man Bürosessel, die quasi für die Ewigkeit gemacht sind.

Zusammenfassung: Ikea bietet mit dem derzeit 149 Euro kostenenden Modell „Markus“ ein überaus fair kakuliertes Angebot. Der einfach  zu montierende Drehsessel eignet sich bestens zum stundenlangen Sitzen, ob für den Büroeinsatz oder für Gamer. Sehr gute Ergonomie.

Link: Ikea.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

2 Gedanken zu „Produkttest: IKEA-Drehsessel „Markus““

  1. Ich glaub’ es ja nicht. Da berichtet einer was über einen Ikea-Bausatz und beschwert sich nicht nur nicht über die angeblich immer fehlende eine Schraube, nein, er gleitet noch nicht mal in die ewig-platte, immer gleiche Ikea-Witzelei ab. Ich dachte schon, ich sei der Einzige, der noch nie zu wenig im Karton gefunden hat …

    Aber auch davon ganz abgesehen: Danke für diesen Bericht. Dieser Stuhl gefällt mir nämlich schon länger. Dummerweise will und will der 50€ billigere Ikea-Drehstuhl, auf dem ich gerade sitze (Ivars, iirc), nicht kaputtgehen, während ich bei dem 850€-Teil am anderen Schreibtisch aus dem (namhaften) Fachhandel gerade mal wieder die 10-Jahres-Garantie strapazieren muss – zum vierten oder fünften Mal in weniger als 6 Jahren. Mal sehen, wann der mich genug genervt hat … 😉

  2. Ich kann jeden einzelnen Satz Deines Beitrages bestätigen – wir haben, in einem wahrscheinlich größerenh Haushalt, mittlerweile drei von diesen Stühlen.

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