Die letzten Tage

In Israel stechen Araber wahllos Menschen ab, die sie als Juden identifizieren, und in deutschen Städten gehen ein paar besonders seltsame Menschen auf die Straße und finden das gut. Was anderes als ein Ja zum Judenabstechen konnte man von der „Palästina“-solidarischen Fraktion zwar nicht erwarten, es entsetzt einen dennoch. Die Pegida-Nazis drohen derweil Gabriel und Merkel mit dem Galgen und auf der Anti-TTIP-Demo wurde eine Guillotine herumgeschleppt, deren Aufschrift verriet, dass sie für den deutschen Vizekanzler reserviert sei. Letzteres wird in rechten Kreisen derzeit anklagengend herumgereicht als Totalitarismus-Theorie für Deppen und mit dem Gejammer unterlegt: „Bei den Rechten kritisiert ihr es, bei den Linken nicht“. Angesichts der fleißigen Teilnahme rechter Gruppen am Marsch gegen TTIP ist es zwar alles andere als sicher, dass Linke mit dem Schafott gedroht haben, aber das spielt ohnehin nur für die Dummen mit ihren Schwarzweißgehirnen eine größere Rolle.

Beunruhigen müssen einen die Galgen und Henkersbeile freilich schon, völlig gleichgültig, ob sich die, die sie gerne zum Einssatz brächten, sich für links, rechts oder sonstwas halten, denn es sind Mobs, die offen zeigen, womit sie den bürgerlichen Rechtsstaat gerne ersetzen würden. Es ist auch gleichgültig, welche Verbrechen Merkel, Gabriel und die anderen Spitzenangestellten des Kapitals verüben und ob darauf eine Strafe, vielleicht sogar eine kapitale, stehen sollte. Es existiert schlicht niemand, der entsprechendes Recht schaffen und exekutieren könnte. Alles, was es gibt, sind Nazis, faschistoide Haufen und dumm gewordene Linke, die zwischen Kapital und Kapitalisten nicht mehr unterscheiden und nicht einmal einen Begriff von dem haben, was sie zu kritisieren meinen und daher zur Personalisierung von Systemen übergehen. Zusätzlich gibt es immer mehr völlig Ausgezonkte, die gerne für ihren Allah morden würden.

In den Zeltlagern frieren Flüchtlinge und diejenigen, die noch nicht völlig verrückt geworden sind, versuchen, nach Kräften zu helfen. Immer lauter und in Folge dessen immer mehr werden diejenigen, die die ersten Toten in diesen Lagern öffentlich feiern werden. Die Galgenträger und Schafott-Schlepper werden ihr Mordgerät nie gegen diejenigen zum Einsatz bringen, die derlei vielleicht nach einer Revolution verdient hätten, sondern gegen all jene, die sie für schwächer als sie und damit nicht lebenswert halten. In Mitteleuropa ziehen die letzten Tage eines Kapitalismus mit teilweise menschlichem Gesicht ins Land. Ein Gesicht, das immer nur denen zulächelte, die in den Zentren des Kapitals geboren worden zu sein das Glück hatten. Aber auch für die läuft die Schonfrist ab.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

Ein Gedanke zu „Die letzten Tage“

  1. sers! würde das ja gerne nachdrucken, aber: „und in deutschen Städten gehen ein paar besonders seltsame Menschen auf die Straße und finden das gut“ – ich les nicht jeden aufreger in deutschen zeitungen, worauf beziehst du dich da?

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