Peter Pilz und das syrische Paradies

Es ist ein unfassbares Elend mit den noch verbliebenen Linken in Österreich. Peter Pilz, Abgeordneter der Grünen im  Palament und  sowas wie ein Urgestein der Ökos, verklärt auf Facebook die Diktatur der Assads in Syrien zu einer Art Paradies auf Erden und verbeitet nebenher wüste Verschwörungstheorien.  In Syrien war demnach alles super fein, bis die Juden, pardon, “geschäftstüchtige Geheimdienste” zwinker zwinker, Al Quaida erfunden hätten, um den USA die Führung von “Ölkriegen” zu ermöglichen.

1pilz

Klar. Der Geheimdienst hat nur ein bisschen „mitgehört“. Sonst hat er nix gemacht. Nicht gefoltert, nicht vergewaltigt, keine Menschen verschwinden lassen, hat kein Massaker mit 30.000 Opfern in Hama veranstaltet – nichts davon ist Pilz je zu Ohren gekommen.

Wer mit Flüchtlingen aus Syrien spricht und sie fragt, vor wem sie fliehen, kriegt in 80 Prozent aller Fälle zu hören: „Vor Assad“. Bohrt man noch ein wenig nach und fragt, was sie für Syrien gerne hätten, sagen die meisten: „Demokratie“. Das ist meine persönliche Erfahrung und das bestätigen auch viele andere, die mit Refugees zu tun haben. Diejenigen, die aus Syrien fliehen, wollen weder die Diktatur Assads noch einen Gottesstaat der Marke IS. Aber Assad übertreffe an Grausamkeit in diesem Krieg sogar die verschiedenen islamistischen Fraktionen. Das sagen auch Menschenrechtsgruppen, die sich mit Syrien befassen. Das Regime setzt in seinem schrumpfenden Einflussbereich auf brutalste Gewalt, auf wahllose Bombardierungen, Giftgaseinsätze und Staatsterror gegen alle, die es als Feinde verdächtigt.

Die Diktatur der syrischen Baath-Partei war immer grausam, nahm aber unter Hafiz al-Asad, dem Vater des jetzigen Diktators, völkermörderische Züge an. Als 1982 in der Stadt Hama die Muslimbrüder einen Aufstand wagten, ließ das Regime 30.000 Menschen regelrecht abschlachten. Binnen weniger Tage. Im ganzen Land verteilt gab es Folterzentren des Geheimdienstes, in denen tatsächliche oder vermeintliche Gegner des Regimes gequält und, falls sie weiblich waren, vergewaltigt wurden. Die Staatsräson Syriens unter den Assads war stets und ist bis heute eine Todfeindschaft zu Israel. Dafür wurde Syrien von Iran großzügig finanziert. Mit diesen Geldern wurde zwar auch ein für arabische Verhältnisse recht gutes Schul- und Gesundheitssystem geschaffen, aber der größte Teil der Mittel floss an Armee und Geheimdienst. Viele hochrangige Nazis fanden nach dem zweiten Weltkrieg in Syrien eine neue Heimat. Unter ihnen war Alois Brunner, der für die Ermordung von mindestens 100.000 Juden persönlich verantwortlich war.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

2 Gedanken zu „Peter Pilz und das syrische Paradies“

  1. pilz zieht einen kulturellen vielfaltsvergleich zu saudi arabien und im jenen kommt syrien berechtigt als paradies davon! das ganze wird da aus dem konzext gerissen sowie die unterstellung bezüglich juden und geheimdienst ist nur das, was der verfasser dieser seite sehn möchte!
    für mich ist es wortklauberei bzw sogar unterstellung

  2. Ich bin überrascht, wie sich auch bei Ihnen, lieber Lindwurm, unabsichtlich die mainstream-Propaganda einschleichen kann…
    Für die, die sich über das Entstehen des aktuellen Bildes des Baschir al-Assad informieren möchten: http://diewirklichewirklichkeit.com/2015/08/03/baschar-al-assad-vom-freundlichen-augenarzt-zum-schlaechter-von-damaskus-in-nur-zwei-monaten
    Ein Kandidat für Menschenrechtspreise war er sicher nie – aber, für arabische Verhältnisse, auch nicht der absolute Bösewicht…
    Was allerdings die Juden aus Damaskus betrifft, die Herrn Pilz so begegnet sind, siehe:
    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/8837
    (Artikel beschreibt die Situation vor dem Bürgerkrieg)
    Entweder wurden diese Juden dem Herrn Pilz als ausländischem Gast im Assad-Freiluftkino vorgeführt (ja, was sollen sie denn dann sagen, als das sie glücklich sind und nicht nach Israel wollen), oder er leidet unter Wahrnehmungsstörungen, oder Herr Pilz ist uralt und sein Besuch war vor 60 Jahren…
    Was Israel betrifft, war Assad – senior wie junior – immerhin immer (seit 1973) ein zuverlässiger, weil berechenbarer Feind, und somit keineswegs schlimmer als der IS. Trotzdem: ja, ein Feind, was sonst.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s