Weinende Flüchtlingskinder und wie wir uns selbst entmenschlichen

Ein Bus soll Flüchtlinge in eine Unterkunft im sächsischen Dorf Clausnitz  bringen. Plötzlich versperrt ein 100 Mann starker Mob dem Bus den Weg. Eineinhalb Stunden lang belagert der Trupp den Autobus und brüllt dabei unentwegt „wir sind das Volk“. Einer der Täter filmt das Geschehen. Auf dem Video sieht man, wie im Bus Kinder und Frauen vor Angst weinen. Der Mob hört nicht auf. Weinende Kinder würden jeden seelisch halbwegs intakten Menschen dazu bringen, Mitgefühl zu haben. Wenn ein Kind weint, will man es trösten, will ihm, wenn es vor Angst heult, diese Angst nehmen. So würden Menschen reagieren, die noch zu Mitgefühl fähig sind. Wir wissen, dass es Leute gibt, die keine Empathie gegenüber verängstigten Kindern empfinden. Pädophile Sexualstraftäter zum Beispiel, Kriegsverbrecher und die historischen Nazis. Spätestens seit dem Video von der Busbelagerung ist klar, dass auch die „besorgten Bürger“, die sich zu flüchtlingsfeindlichen Aufmärschen zusammenrotten, zu dieser menschlichen Grundregung nicht fähig sind. Sie haben die Menschlichkeit in sich abgetötet oder nie besessen. So ist das nämlich mit der Dehumanisierung. In Wirklichkeit wird nicht das Opfer seiner Menschlichkeit beraubt, sondern die Täter machen das mit sich selber. Nicht die Juden, die man in Viehwaggons steckte, wurden dadurch zu Tieren, sondern jene, die sie da hineinsteckten.

Die selbst gewählte Entmenschlichung hat inzwischen große Teile der europäischen Politik erreicht. Als wäre es mit Menschlichkeit vereinbar, beschließt man „Obergrenzen“, nach deren Erreichen Asylsuchende gnadenlos abgewiesen werden. Als wäre es mit Menschlichkeit vereinbar, schiebt man Familien ab, die seit 20 Jahren im Land gelebt und ihre Kinder hier zur Welt gebracht haben, weil die Länder, aus denen sie einst flohen, inzwischen als „sicher“ gelten. Wie in den finstersten Tagen der Menschheit kommt die Polizei mitten in der Nacht, um den Überraschungseffekt zu nützen. Lautes Hämmern an der Tür, dann liest ein Polizist den Abschiebungsbefehl vor und die vor Angst und Verzweiflung zitternden Menschen müssen in aller Hast ein paar Wäschestücke einpacken, bevor man sie in Gefangenentransportern in den Abschiebeknast bringt. Die Gesetze, die diese Unmenschlichkeiten erlauben, werden immer weiter verschärft. Sie machen weder vor bestens integrierten Leuten halt noch vor Kranken. Vorschrift sei Vorschrift, meinen die Behörden, und exekutieren die inhumanen Gesetze, die Politikerinnen ohne Gewissen gemacht haben. In den Abschiebegefängnissen versuchen immer mehr Verzweifelte, sich das Leben zu nehmen.

Was ist schiefgegangen? Warum baut ein europäisches Land nach dem anderen Grenzzäune und betreibt eine inhumane Politik? Wieso meint der reichste Kontinent der Welt, auf dem mehr als eine halbe Milliarde Menschen leben, er könne ein paar Millionen Schutzsuchende nicht aufnehmen und ihnen ein menschenwürdiges Leben bieten? Woher kommt all der Hass auf Menschen, die alles verloren und zurückgelassen haben? Die Wurzeln sind ausgerechnet dort zu finden, wo man sie am wenigsten vermuten würde, in der Aufklärung nämlich. Die hat zwar den Menschen aus dem Feudalismus befreit, aber gleichzeitig den Weg frei gemacht für Ideen und Praktiken, die es zuvor nicht gegeben hatte, nämlich Kapitalismus, Rassismus, Utilitarismus, Nationalismus und weitere Produktions- und Herrschaftsformen sowie technokratische Ideologien, die den Menschen zum Objekt degradierten, dem nichts Heiliges mehr innewohnte und dessen massenhafte Entmenschlichung, ja sogar Vernichtung daher moralisch vertretbar erscheint, solange diese Mittel den Zweck heiligen, und der Zweck heißt je nach Gusto: Profit, Diktatur des Proletariats, Rassenhygiene, Standortsicherung… . Der Tiefpunkt an Amoralität wurde mit dem Nationalsozialismus erreicht, der wie keine andere Ideologie die kapitalistische Scheinlogik von nützlichem und unnützem Menschenmaterial verinnerlicht hatte und seine kranken und falschen Milchmädchenrechnungen den durch Wirtschaftskrisen verängstigten Menschen als Schiefheilungsmethode anbot. „Es geht dir schlecht, weil du die parasitären Elemente mittragen musst. Wenn wir die ermorden, fällt mehr für dich ab“. Dieser Kern nationalsozialistischer Ideologie wirkt bis heute weiter und tritt uns nun in Form der xenophoben Propaganda entgegen, die ähnlich beschränkt argumentiert und wohl gerade deswegen bei den Beschränkten so gut ankommt. „Die Fremden kommen und wollen am Kuchen mitnaschen, deswegen wird dein Stück davon immer kleiner. Wenn wir sie nicht kommen lassen, wird es wieder größer“, so erzählt man es den Leuten, und weil die meisten nichts von Ökonomie verstehen, kommt das gut bei ihnen an. Tatsächlich ist beispielsweise das Gerede von den Flüchtlingen und Migrantinnen, die bloß wegen der Sozialleistungen zu uns kommen wollten, nichts anderes als ein Echo der NS-Propaganda gegen „unnütze Esser“. Es ist eine antizivilisatorische Regung, denn volkswirtschaftlich gesehen gibt es keine „unnützen“ Menschen. Sogar der Koma-Patient gibt dem Menschen, der ihn betreut, Lohn und Brot. Eben jener Koma-Patient wird erst dann zum Belastungsfaktor und somit zum potenziellen Mordopfer, wenn man die volkswirtschaftliche Betrachtung durch eine betriebswirtschaftliche ersetzt. Und das ist seit 40 Jahren die Kernbotschaft rechtsliberaler Propaganda und Praxis. „Mehr privat, weniger Staat“ lautet seit Jahrzehnten die Catchphrase jener, die alle Lebensbereiche der Kapitalverwertung unterwerfen wollen. Damit aber stoßen sie das Tor zur Barbarei auf, denn wenn sich alles und jeder rentieren muss, und zwar betriebswirtschaftlich, dann gibt es tatsächlich „unnütze“ und „überflüssige“ Menschen, deren Erhaltung den „Standort“ schwächt.

Die Anzeichen der erneuten Barbarisierung der Verhältnisse sind schon seit Jahren für jene gut sichtbar, die die Augen nicht fest verschließen. In diesem Blog wurde immer wieder darauf hingewiesen. Die Rückkehr der Euthanasie in den Benelux-Staaten, wo inzwischen eine psychiatrische Diagnose ausreicht, um sich mit offizieller Genehmigung töten zu lassen. Die um ein Vielfaches härteren Strafen, die kriminell gewordenen psychisch Kranken im Vergleich zu sogenannten gesunden drohen und die teils jahrzehntelange Freiheitsberaubung psychisch Auffälliger. Die Abspeisung von Millionen Armen durch private Charity wie die Tafeln. Die teilweise Abschaffung der Invalidenrenten. Existenzgefährdende Sanktionen für Arbeitslose. Und nun das Gerede, von Sozialhilfe abhängigen Menschen Essensmarken statt Geld zu geben und sie zur Zwangsarbeit einzuteilen. All das und mehr war das Vorglühen der neuen Bestialität, deren Fratze uns im Eingangs beschriebenen Video anstarrt, die in den hasserfüllten Gesichtern jener Mitleidslosen zu erkennen ist, die Kinder zum Weinen bringen und dabei weder Scham noch Reue empfinden.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

17 Gedanken zu „Weinende Flüchtlingskinder und wie wir uns selbst entmenschlichen“

  1. Danke für diesen Beitrag! Du hast meinen Gefühlen, nachdem ich das Video in den Nachrichten gesehen habe, die passenden Worte verliehen. Ich bin einfach nur entsetzt!

  2. Auch ich danke für diesen Beitrag. Nur hinsichtlich der Aufklärung bin ich anderer Meinung. Historisch ist damit der Beginn der Entmenschlichung schwer argumentierbar, denn auch zuvor gab es Progrome, unmenschliche und zum Gaudium des Publikums öffentliche Bestrafungen und auch die Einteilung in nützlich und unnütz war dem Mittelalter nicht fremd. Rassismus war allerdings in erster Linie religiös und nicht ethnisch bestimmt. Dem Kapitalismus würde ich hingegen zuschreiben, dass der Mensch zur Ware wird, der sich „rentieren“, d.h. das eingesetzte Kapital vermehren muss.

  3. WOW. Selten hat jemand die jetzige Situation so auf den Punkt gebracht. Sehr gerne würde ich diesen Artikel für unsere Kampagne *Mehr Herz – weniger Hass* verwenden. DANKE für diesen Artikel

  4. In Sachen Aufklärung schließe ich mich HNA an. Allerdings machen Untaten von vor der Aufklärung die seit der Aufklärung vorgekommenen und durch die Aufklärung erst ermöglichten Untaten nicht weniger schlimm. Von daher ist das für die Bewertung der gegenwärtigen Entwicklungen eher nicht so wichtig.

    Bleibt eine treffende Analyse der gegenwärtigen Lage. Habe ich gleich weiterempfohlen.

  5. @HNA – Schließe mich an, die Verteufelung der Aufklärung halte ich auch für falsch, und in Zeiten des neuen religiösen Fanatismus, der auch im Christentum um sich greift, wenn auch zunächst erst in den USA, für brandgefährlich. Übrigens, Christen waren immer schon in einem gut, die Geschichte der vermeintlichen „Sieger“ zu schreiben. Wer das nicht glaubt, dem empfehle ich die Lektüre von Karlheinz Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“, die bis dato unwidersprochen die Seite der Opfer, und „Verlierer“ – der „Heiden“ – beschreibt. Hier hat der Autor am Thema vorbeigeschossen, aber die andere Punkte teile ich.

    Übrigens, die Entmenschlichung gibt es nicht nur beim Flüchtlingsvideo, nein, man muß als sogenannter Biodeutscher nur mal in die Lage kommen selbst arm, alt oder krank zu werden, da greift dann – die manchmal auch gut gemeinte – Entmenschlichung der Pflege.

    Ich weiß von was ich rede, da ich derzeit eine pflegebedürftige, immer dementer werdene Mutter, betreue, im Verein mit meinen Geschwischern.

    Wollt ihr mal eine Reaktion eines Nachbarn lesen, als ich dem erzählte, dass meine Mutter bei Ihnen – total verwirrt weil die dachte ihre beste Freundin, die vor Jahren verstorben ist, lebt immer noch im Wohnhaus – an der Haustüre stand? Ja?

    Statt empathisch zu reagieren lachte der nur über die Not meiner Mutter….

    Soviel zum Thema Entmenschlichung, da benötigt man wirklich keine Flüchtlinge mehr, die greift sogar bei Nachbarn sollte man alt, krank und ständig pflege- und aufsichtsbedürftig – wie meine Mutter – werden….

    Zynische Grüße
    Bernie

  6. „Nicht die Juden, die man in Viehwaggons steckte, wurden dadurch zu Tieren, sondern jene, die sie da hineinsteckten.“ Mit diesem Satz habe ich ein kleines Problem – nicht, weil ich eine militante Tierrechtlerin wäre, sondern weil diese Art von Hass etwas zutiefst Menschliches ist und meiner Ansicht nach auch entsprechend benannt werden sollte. (Aber nix für ungut, das ist nur meine Meinung und soll kein Maßstab für die Allgemeinheit sein.)

  7. Dem Artikel stimme ich gern zu und ich teile die Meinung des Autor über zunehmende Entmenschlichung in dieser Gesellschaft. Die Pauschalkritik an der Aufklärung kann ich nicht teilen und bitte darum, dieses Thema etwas differenzierter zu betrachten und genauer zu untersuchen, was in der Aufklärung schief gelaufen ist. Welche Tendenzen der Aufklärung sollten heute kritischer betrachtet werden? Für diese Auseindersetzung ist die Zeit reif.

  8. … in der Aufklärung nämlich. Die hat zwar den Menschen aus dem Feudalismus befreit, aber gleichzeitig den Weg frei gemacht für Ideen und Praktiken, die es zuvor nicht gegeben hatte, nämlich Kapitalismus, Rassismus, Utilitarismus, Nationalismus und weitere Produktions- und Herrschaftsformen sowie technokratische Ideologien, die den Menschen zum Objekt degradierten, dem nichts Heiliges mehr innewohnte und dessen massenhafte Entmenschlichung, ja sogar Vernichtung daher moralisch vertretbar erscheint, solange diese Mittel den Zweck heiligen, und der Zweck heißt je nach Gusto: Profit, Diktatur des Proletariats, Rassenhygiene, Standortsicherung… .

    Die Aufklärung (s. a. https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung) hat die Menschen nicht (nur) vom Feudalismus befreit, sondern u. a. die Idee der universellen und unveräußerbaren Menschenrechte (übrigens gegen den heftigen Widerstand der Kirchen!) eingeführt.

    Wer „argumentiert“, es habe vor der Aufklärung keinen Rassismus gegeben, hat im Geschichtsunterricht offenbar nicht sonderlich aufgepasst. Die Aufklärung ist zeitlich Mitte des 17. Jahrhunderts zu verorten. Der Umgang mit den indigenen Völkern der „neuen Welt“ bereits im ausgehenden 15. und 16. Jahrhundert strotzt nur so von Rassismus in widerwärtigster Weise!

    Entmenschlichung des Gegners gab es aber auch noch weiter zuvor zur Genüge. Die rücksichtslose und vollständige „Säuberung“ Jerusalems (auch Kinder wurden nicht geschont) nach der Eroberung durch die Kreuzfahrer mit lautem „deus lo vult“, so dass die Straßen voller Blut waren, wie die Geschichtsschreiber notieren, sei hier nur als Beispiel angeführt.

    Was Utilitarismus („Diejenige Handlung bzw. Handlungsregel (Norm) ist im sittlichen bzw. moralischen Sinne gut bzw. richtig, deren Folgen für das Wohlergehen aller von der Handlung Betroffenen optimal sind.“) und Kapitalismus (das Streben nach persönlichem Gewinn und das freie Spiel der Kräfte des Marktes, ohne in der Ideologie verankerte Notwendigkeit der Rücksicht auf die Folgen für andere) mit einander zu tun haben, erschließt sich mir nicht. Vielleicht kann der Autor das ja noch erläutern.

    Rassenhygiene und z. B. nationalsozialistische Politik oder Stalinismus auf die Aufklärung zurückzuführen, ist ebenso völlig abseitig!

    Ich gebe dem Autor recht, wenn er die den rücksichtslosen Egoismus zum Kernproblem erklärt. Allerdings werden in dem Artikel zu viele Dinge zusammengerührt, die nun wirklich nichts miteinander zu tun haben. Schade…

  9. Machen wir uns in Deutschland nichts vor, nur weil Deutschland den Krieg verloren hat, war und wie man bis heute sieht und hört, die menschenverachtende Ideologie nicht weg. Dafür sind damals zu viele davon gekommen.

    Warum protestieren, diese sog. Bürgern, nicht vor den Palästen der Mächtigen? Warum nicht gegen Völkerrechtswidrige Kriege auf Grund von Lügen? Warum nicht gegen den westlichen Drohnen und Bombenterror? Warum nicht gegen Waffenexporte in alle Welt, auch an Despoten und die schlimmsten Diktaturen der Welt? Warum wird nicht gegen die Destabilisierung von Ländern mit Milliarden von Dollar protestiert, um Länder erst ins Chaos und dann in Bürgerkriege gezielt zu stürzen? Damit der Westen eine „Legitimation“ bekommt vor Ort zu intervenieren? Warum nicht gegen die einseitigen Handelsabkommen des Westens mit den ärmsten Ländern der Welt? In deren Folge Millionen von Existenzen vor Ort zerstört wurden und werden? Warum nicht dagegen, dass noch immer täglich ca. einhunderttausend Kinder auf der Welt an Hunger und deren Folgen von Hunger sterben? Während der Westen täglich Tonnenweise Lebensmittel vernichtet?
    Besser, wir befreien uns schnell von der Lebenslüge, dass unser Wohlstand im Westen nur auf unserem Fleiß beruh´. Und besser, wir gestehen uns ein, dass zu unserem schönen Leben auch Kolonialismus, Kriege, moderne Ausbeutung und Ressourcenverschwendung beigetragen haben. Dass wir also zu einem Teil jene Flüchtlinge mit erschaffen haben, gegen die wir jetzt protestieren?

    Dieser Perspektivenwechsel würde vielleicht dabei helfen, unsere Kräfte auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren.

    Wann wird endlich mit der Bekämpfung der Fluchtursachen begonnen und endlich damit zu beginnen, Reichtum gemeinsam zu erwirtschaften und fair zu verteilen. Denn ein angenehmes Leben werden wir in Deutschland und Europa auf Dauer nur führen können, wenn wir endlich begreifen, dass Menschenrechte nicht teilbar sind – Wohlstand aber sehr wohl.

  10. Wer die NS Zeit miterlebt hat, muss glauben ein Déjà-vu zu haben. Wie sagte doch ein Mitbegründer des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschlands 1949 Curd Schmid:“ Die NS Ideologie ist eine Philosophie von Viehzüchtern-angewandt am Menschen. Bei diesen Bildern, welche ja schon öfter in Deutschland zu sehen waren, weiß man auch was damit gemeint war und ist. Widerlich und Abstoßend.

  11. @omnibus56 Mir erschließt sich das schon, wenn man einmal einen Blick über den Tellerrand des Westens hinaus blickt. Wie kann es sein, dass noch immer täglich einhunderttausend Kinder an Hunger und deren Folgen von Hunger sterben, während der Westen täglich Tonnenweise Lebensmittel wegwirft? Wie kann es sein dass Milliarden von Menschen keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser haben, während der Westen mit seinen gerade einmal 10% der Weltbevölkerung, Wasser verschwendet?Jean Ziegler, der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, stellt dazu fest: „Der deutsche Faschismus brauchte sechs Kriegsjahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen – die neoliberale Wirtschaftsordnung schafft das locker in gut einem Jahr.“ Auch nennt er in seinem Buch: „Den Westen ein Imperium der Schande“ wie er Recht er doch hat. Solange der Westen mit gerade einmal 10% der Weltbevölkerung den Rest der Welt als seine Kolonien betrachtet und auch so behandelt, braucht sich kein Bürger im Westen gegen Flüchtlinge und Terroristen beschweren.

  12. Danke.
    Mit Tränen des Gleichgesinnten in den Augen.

    Seit Jahren bekommen wir „Hartz IV“. Warum? Weil wir es wagten ein öko-soziales Projekt in einer Region aufzubauen, in der das Wort „Öko“ bei vielen genauso noch ein Schimpfwort ist wie „Bio“.

    Trotzdem haben wir weiter gemacht. Und wir erkannten, dass im „Hartz IV“ dieselben Strukturen angelegt wurden, wie bei der Judenverfolgung:
    Diskreditierung, Dämonisierung, Entwertung, Entrechtung, Entmündigung.

    Doch was uns am meisten zu schaffen macht ist, dass wir erfassen, dass der Nationaslsozialsimsu keine vergangene Aera darstellt, sondern, dass er nur im Verborgenen geschlummert hat.

    Die Fratzen der empathiearmen Faschos sind immer öfter in immer größerer Anzahl zu erleben. Und das, was Adorno am meisten fürchtete ist auch heute wieder in der Kohlenstoffwelt genauso wie im Internet erlebbar: Der Faschist in der Maske des Demokraten. Sowohl in der ReGIERung, als auch in Opposition und im sogenannten Bürgertum, wie auch in den sogenannten Eliten.

    „Ich soll Rassist sein, nur weil ich diese Kanacken hasse?“ scheint mir hier die herausragende Bestätigung hierfür zu sein.

    Für uns bedeutet das: Schnellstmöglich raus aus dem Land! Zwar bin ich als Freiberufler früher einmal in der Lage gewesen mich und auch eine Familie zu ernähren. Doch heute haben entweder so viele Menschen so wenig Geld , um meine Dienste zu bezahlen oder es fehlt einfach das empathische Bewusstsein, dass Geld, für die Gesundheit, für die Heilung, für das Erwachsen des Selbstbewusstseins ausgegeben, sinnvoll angelegt ist. Aktuell durchdenken wir eine Möglichkeit unseren Abenteuerhof für Kinder in Dänemark neu aufzubauen. Dann auch vielleicht endlich so wie er von Anfang an gedacht war: Auch für Urlauber. Und auch für Jugendliche und Erwachsene. Mit Seminarhaus, dank dem Mensch erlernen kann sich selbst und andere als ein Geschenk füreinander zu erfassen; dank dem Mensch lernt was Grundbedürfnisse sind und, dass jeder Mensch dieselben hat; dank dem der Mensch erfasst, dass er von wert ist, weil er ist.

    Wir haben keine Zeit der fehlenden Kenntnisse und Informationen. wir leben in Zeiten der Bank- und Konsumsklaverei und haben ein Umsetzungsdefizit. Wenn alle sich der Art selbst informieren würden, wie sie es tun, wenn es darum geht „schnäpchen“ (auf Kosten anderer!) zu machen, was für ein Plus für die Humanität!

    Doch so erlebe ich mehr und mehr empathsiche Rollstuhlfahrende.

    Herzliche Grüße
    Axel

  13. @H.Ewerth: Was willst Du mir damit sagen?

    Die von Dir geschilderten Auswüchse des Kapitalismus bestreite ich nicht sondern sehe und verurteile sie ebenso wie Du. Das ist aber keine Antwort darauf, was Utilitarismus mit Kapitalismus gemein hat. Ich bestreite ganz energisch, dass diese Auswüchse sich an der Utilitarismus-Maxime „Diejenige Handlung bzw. Handlungsregel (Norm) ist im sittlichen bzw. moralischen Sinne gut bzw. richtig, deren Folgen für das Wohlergehen aller von der Handlung Betroffenen optimal sind.“ orientiert, weil es eindeutig Betroffene gibt, für die die Folgen für das Wohlergehen nicht optimal sind.

    Und ich bestreite, dass diese Auswüchse kausal etwas mit der Aufklärung zu tun haben. Auch in der Voraufklärungszeit, zu allen Zeiten, gab es einige wenige Menschen, die auf Kosten der großen Mehrheit im Überfluss schwelgten.

    So what?!

  14. Deine Diagnose der Art, wie über Menschen, die zur Flucht gezwungen werden, stimmt völlig. Nur hat das nichts mit Aufklärung zu tun. Der furchtbarste Artikel, der neben vielen fragwürdigen erschien, ist grade von einem, auf den manche, die du in deiner blogroll verlinkst, immer verlinken, auf die „Achse des Guten“. „Anti“deutsche blogs verlinkten ständig darauf. Der Artikel von Broder in der WELT benutzt Wörter wie „Lumpenproletariat“ und behauptete 2015, wenn wir Flüchtlinge aufnähmen, würden wir uns das Proletariat von morgen in die Länder holen. Unfaßbar. Ausgrenzender und elendiglicher kann man kaum was zu dem Leid der Menschen sagen.
    http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article145596026/Das-Proletariat-von-morgen.html

    Auch Sloterdijk und andere schreiben kalt über refugees. Das alles, auch Broders Artikel, hat aber gerade nicht das geringste mit Aufklärung zu tun. Im Gegenteil! Es fehlt jede Aufklärung in Artikeln wie dem von Broder.

    Kritik ist immer gut und wichtig, an allen Richtungen. Wieder das in den postmodernen Unis kaum noch beachtete Buch von Horkheimer/Adorno über die „Dialektik der Aufklärung“ zu lesen ist auch gut, vielleicht hast du an Horkheimer und Adorno gedacht? Ein Meisterwerk.
    Aber Kritik ist in den marktradikalen letzten 2 Jahrzehnten durch Zwangscoolness ersetzt worden. Man haut drauf, es ist schwarz-weiß, grade keine sachliche Kritik. Das Resultat ist, wie du es beschreibst, aber meiner Meinung nach benötigen wir dringend wieder die guten, nicht instrumentalisierbaren Ideen etwa der Aufklärung, die in den letzten 2 marktradikalen, postmodernen Jahrzehnten und in all den Grüppchen völlig fehlte.

  15. Und? Gibts auch Problemlösungen oder nur pauschale Kritik an allem und jeden?
    Keine? Tja, hab ich mir gedacht.
    In einer perfekten Welt würde wohl alles ganz anders aussehen, aber wir haben nunmal nur die Welt wie Sie jetzt ist und mit deren Möglichkeiten.
    Und machen wir uns nichts vor: Geld spielt dabei die wichtigste Rolle….für jeden von uns.
    Also deshalb ganz einfach: wer soll es bezahlen, euer Wunderschlaraffenland?

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