Terror in Brüssel: Der Dritte Weltkrieg und wer ihn führt

Jene wandelnden Exkremente, die aus dem Koran eine Lizenz zum Morden herauslesen, haben am 22. März in Brüssel zugeschlagen und mindestens 30 Menschen ermordet. Vorhin sah ich ein Video, das nach dem Bombenanschlag in der Brüsseler U-Bahn aufgenommen wurde. Die Explosion hatte einen Zug regelrecht zerfetzt. Vor Angst wimmernde Überlebende tasten sich, über die Toten steigend, durch den Qualm. Das ist verstörend und macht einen gleichzeitig wütend und traurig. Die Vorstellung, dass jetzt irgendwo Menschen sitzen und sich beim Anblick dieser Bilder ein Highfive geben, schlägt mir auf den Magen. In den Sozialen Netzwerken kursieren erste triumphierende Stellungnahmen des IS oder seiner Sympathisanten – und erste Versuche von Politikern, über dem noch heißen Blut der Opfer ihre Süppchen zu kochen.

Die Terroristen sind fanatisch, vielleicht sogar wahnsinnig, aber sie sind nicht dumm. Sie wissen genau, dass jeder von ihnen verübte Massenmord in Europa jene Kräfte stärkt, die den Islam und mit ihm die Muslime insgesamt ablehnen oder hassen. Sie gehen zurecht davon aus, dass mit jedem Massaker jene politischen Strömungen in Europa stärker werden, die das abendländische Spiegelbild der Jihadisten sind und sich nur allzu gerne auf einen apokalyptischen Endkampf der Kulturen einlassen und, sozusagen in einem Aufwasch, in Europa auch die Fortschritte der vergangenen 50 Jahre wieder rückgängig machen wollen. Womit dann gute 200 Jahre Aufklärung für die Katz gewesen wären. Um fanatische Freiheitsfeinde, Frauenverächter, Antisemiten, Schwulenhasser und Antidemokraten abzuwehren, wählen wir fanatische Freiheitsfeinde, Frauenverächter, Antisemiten, Schwulenhasser und Antidemokraten an die Macht. Könnte das Universum lachen, würde das Gelächter uns taub machen.

Aus Sicht der Täter waren die Anschläge in Brüssel ein voller Erfolg. Sie konnten dort zuschlagen, wo aus ihrer Warte das „Herz der Bestie“ (Che Guevara) liegt, in der inoffiziellen Hauptstadt der EU, wo noch dazu das NATO-Hauptquartier beheimatet ist. Wo aber kommen diese Mordbuben her und was treibt sie an? Schlichtere Gemüter meinen, das liege am Koran. Aber mit den Religionen ist das so eine Sache. Schon Jesus, der Hippie aus Galiläa, predigte nicht nur Wange-Hinhalten und Feindesliebe. „Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert“, ließ er via Lukasevengelium ausrichten. Damit hinterließ er Sätze, auf die sich zwei Jahrtausende lang jeder sich christlich nennende Schlächter berufen sollte. So ähnlich ist das auch mit dem Koran. In dem steht, wie in jedem weltreligiösen Standardwerk, alles und sein Gegenteil. Aufrufe zu Mildtätigkeit und Toleranz reihen sich an Passagen, die man durchaus als theologische Rechtfertigung zum Massenmord missbrauchen kann.

Es ist keineswegs ausgemachte Sache, dass sich stets nur die durchsetzen, die aus ihren jeweiligen „heiligen“ Schriften immer nur die Affirmation der menschlichen Niedertracht herauslesen, und sowohl die islamische (Kultur)Geschichte als auch die Lebenspraxis hunderter Millionen Muslime zeigen, dass Islam auch anders kann als nur Unterdrückung und Krieg. Als man in Europa Humanismus noch nicht einmal buchstabieren konnte, einander andauernd massenweise abschlachtete, Häretiker verbrannte und Juden massakrierte, entwickelte sich im arabischen Raum eine Art von Frühhumanismus. Muslimische und jüdische Gelehrte schufen auf der Basis antiker Philosophie, theologischer Texte und rabbinischer Dispute ein erstaunlich modern wirkendes Denken. Wer die europäische Geistesgeschichte des Mittelalters mit der morgenländischen vergleicht und weiß, welchen Vorsprung an Wissen und Kultiviertheit der arabische Raum damals hatte, wird das Schlagwort „ex oriente lux“ in einem völlig anderen Licht sehen als die dumpfen Abendländer, die es einst prägten. Erst zu Beginn der Neuzeit drehte sich dieses Verhältnis langsam um. Während Europa in kleinen Schritten aus der Nacht des Mittelalters trat, rutschte die islamische Welt ebenso schrittweise dorthin zurück. Heute ist der Islam ein zutiefst zerstrittenes, widersprüchliches Haus, in dem Muslime, die ihre Religion problemlos mit den Anforderungen einer modernen Welt vereinbaren können, neben stockkonservativen Bewahrern der Rückschrittlichkeit und fanatischen Eiferern, die den Entscheidungskrieg gegen alle „Ungläubigen“ suchen, leben.

Was aber sollen wir tun? Wie gehen wir mit Leuten um, die alles vernichten wollen, was nicht ihrer extremen Auslegung des Islam entspricht? Dazu sollten wir zunächst verstehen, was diese Leute angreifen und was wir daher verteidigen müssen. Es kämpfen in diesem neuen Weltkrieg nicht Muslime gegen Christen oder Muslime gegen Juden, sondern Barbaren gegen die Zivilisation. Nicht so sehr die „Fehlgläubigkeit“ ist den Islamisten ein Dorn im Auge, obwohl die schärfsten Fanatiker unter ihnen auch diese blutig bekriegen, sondern das relativ neue westliche Modell der religiösen Toleranz, das wenigstens theoretisch jeden Glauben ebenso gleich behandelt wie es Unglauben nicht sanktioniert. Der Alptraum der Jihadisten ist eine Gesellschaft, in der jeder nach seiner Facon glauben oder eben auch nicht glauben darf, in der die Moschee gleichberechtigt neben der Kirche, der Synagoge und dem Hauptquartier des Atheistenbunds steht, sich alle mehrheitlich darüber einig sind, dass keiner dem anderen seine Wertvorstellungen aufzwingen darf und wo das weltliche Recht das religiöse trumpft. Nur eines hassen Islamisten noch mehr als so eine nach dem Muster der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verfasste Gesellschaft, und das wäre eine sozialistische und somit dezidiert areligiöse. Es ist kein Zufall dass die erste Generation der neuen gewaltbereiten Jihadisten zuerst nach Afghanistan ging, um gegen die Sowjetunion und die realsozialistische Regierung in Kabul zu kämpfen. Da der Realsozialismus aber seit 1991 erledigt ist, wendet sich die ganze Wut und terroristische Tatkraft dieser Leute nun gegen ihren zweiten Hauptfeind, nämlich unsere weltlichen liberalen Gesellschaften.

In einer besseren Welt, in der bessere Politikerinnen bessere Absichten hätten, könnte man in der derzeitigen Lage fordern, die westlichen Staaten sollten mit großen Armeen in Syrien, Libyen und den anderen Brutstätten des Djihadismus einmarschieren und die Terrorgruppen gewaltsam ausradieren, um danach Demokratie und wirtschaftliche Prosperität einzuführen. Leider leben wir aber in unserer Welt, die keine gute ist, weil in ihr nichts anderes von Bedeutung ist als der kurzfristig lukrierbare Profit, weswegen die herrschende Klasse auch lieber eine perverse Neuaufführung von Lenins Stück gibt: „Die Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen“. Und so verkaufen wir Waffen an Saudi Arabien statt diesen Staat, der wie kaum ein anderer den Terrorismus und dessen ideologisches Unterfutter fördert, zu ächten, so machen wir Geschäfte mit Iran statt die verfolgte Demokratiebewegung zu unterstützen. Das ist ein moralischer Bankrott, der den Kriegern Allahs nicht entgeht und den diese völlig zu Recht als Schwäche und Dekadenzerscheinung deuten. Da die Welt aber so ist, wie sie ist, und uns wohl nicht so bald ein Licht in Gestalt einer globalen marxistischen Revolution leuchten wird, müssen wir diesen Krieg, diesen neuen Weltkrieg mit jenen Waffen führen, die wir haben und wir müssen das wenige, was wir besitzen und was unser Leben lebenswert macht, gegen die verteidigen, die uns nicht einmal diesen Schatten der Freiheit gönnen, den wir innerhalb unserer kapitalistischen bürgerlichen Demokratien erkämpft haben, sondern uns zurückführen wollen in die Dunkelheit. Es ist ein Zweifrontenkrieg, denn diese schattenhafte Freiheit wird nicht nur von Jihadisten bedroht, sondern mehr noch von jenen, die vorgeben, sie zu verteidigen, nämlich von europäischen Rechtsradikalen und Rechtspopulisten.

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

2 Gedanken zu „Terror in Brüssel: Der Dritte Weltkrieg und wer ihn führt“

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