Teufel Boomster: Mobiler Klang-Gigant und bester seiner Klasse

Es ist wieder Sommer und damit die Zeit für Gartenpartys, Baden, Campen, Grillen und was man sonst noch alles im Freien anstellen kann. Weil all das mit Musik noch ein bisschen schöner ist, sind portable Soundsysteme seit vielen Jahren beliebt. Ich bin ein alter Sack und habe die Blütezeit der originalen Boom-Boxen, auch Ghettoblaster genannt, noch erlebt. Ihr wisst schon, das waren diese teils enorm fetten Stereokassettenspieler, die man lässig auf der Schulter trug, um beim Schlendern durch die Hood eben diese mit seiner Lieblingsmusik zu belästigen. Dann ersetzte die CD langsam die Kassette, danach der MP3-Stick die CD und heute wird schon mehr als die Hälfte aller Musik per Streaming konsumiert. Jedes Smartphone bietet inzwischen Zugang zu Dutzenden Streaming-Diensten und mittels immer größerer Speicher kann man sogar seine gesamte Musiksammlung in ein einziges Handy packen. Die Elektronik-Hersteller haben ihr Angebot angepasst und bieten seit ein paar Jahren Bluetooth-Lautsprecher an, die man vom Mobiltelefon aus ansteuern kann und die die Musik je nach Größe und Fähigkeit der Geräte mal besser, mal schlechter abspielen. Der Boomster des Berliner Herstellers Lautsprecher Teufel spielt gut. Er spielt sogar sehr gut.

Schick, aber massiv

Der kleinste und handlichste Bluetooth-Lautsprecher ist der Boomster nicht. Mit seinen gut drei Kilo Lebendgewicht und seinen Abmessungen, die in etwa einem besseren Ghettoblaster der 80er Jahre entsprechen, passt er in keine noch so große Hosentasche. Wer also was ganz Kleines und Zartes sucht, sollte sich anderswo umsehen (auch Teufel selbst bietet kleinere mobile Speaker an). Wem aber die Tonqualität wichtiger ist als kompakte Ausmaße, der sollte dem Boomster eine Chance geben. Es ist nun auch nicht so, dass der Boomster total schwer zu transportieren wäre. Drei Kilo sollte selbst der größte Schwächling stemmen können. Außerdem hat das Teil einen guten Tragegriff aus Metall. Wer es noch bequemer haben will, kann als Zubehör auch eine Tragetasche erwerben, in die der Boomster passgenau reingeht und die man mit ihren Aussparungen am Boxengitter und an den Bedienelementen auch als zusätzlichen Schutz verwenden kann, zum Beispiel bei feuchtfröhlichen Partys. Nicht dass das unbedingt nötig wäre, denn der Boomster ist nicht nur extrem stabil gebaut, seine Anschlüsse sind auch gegen Staub und Spritzwasser resistent.

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Nach dem Auspacken fiel mir zuerst auf, wie robust und dennoch stilsicher der Boomster daherkommt. Massiv aber schick. Wäre er ein Mensch, wäre er so was wie ein sehr modebewusster Türsteher. Alles ist aus Metall oder hochwertigem ABS-Kunststoff. Die Verarbeitung ist sauber, überall ist alles fest verschraubt und auf Haltbarkeit getrimmt. Die Inbetriebnahme stellt einen Menschen, der nicht gerade erst aus dem Urwald gekommen ist, vor keine Rätsel. Sogar ohne die Bedienungsanleitung, die Teufel-typisch sehr verständlich und logisch ist, erkennt man sofort die Power-Taste, das Bluetooth-Zeichen, die Lautstärkeregelung und die Radiotasten. Die Anschlüsse für Strom, Aux (3,5 mm Klinke) und das Fach mit der Wurfantenne sind hinter schützenden Gummiabdeckungen verborgen. Das Fach mit dem Akku, den man übrigens auch gegen acht AA-Batterien tauschen kann, ist in einem verschraubten Fach an der Rückseite untergebracht. Nach dem Auspacken habe ich den Boomster zunächst an die Steckdose gehängt und dann mein Handy verbunden, was kein Kunststück war. Einfach die Bluetooth-Taste am Boomster drücken und dann das Handy die neue Bluetoothverbindung suchen lassen. Klappe bei mir so schnell, dass ich nicht mal NFC brauchte, was der Boomster ebenfalls an Bord hat. Bis zu acht verschiedene Bluetoothverbindungen kann sich Teufels mobiler Edel-Lautsprecher merken. Die Bedienelemente am Boomster sind übrigens Touch-Tasten, keine physischen Knöpfe. Mir persönlich gefällt das, da ich es zeitgemäß finde. Auch das Einrichten der Radiofunktion geht leicht von der Hand. Man drückt die FM-Taste und der Boomster sucht sich durch die Stationen. Hat man eine, die man mag, drückt man eine von drei nummerierten Tasten daneben und schon ist der Sender gespeichert. Kleiner Kritikpunkt: Es wäre praktisch, hätte der Boomster eine kleine Senderanzeige, denn ohne diese ist der Suchvorgang ein bisschen umständlich. Da das Radio aber nicht die Hauptfunktion des Geräts ist und der Suchlauf selber sehr rasch geht, ist das verzeihlich. Drei Lieblingssender kann man speichern.

Klassenbester Sound

Nun zum Wichtigsten: Wie klingt der Boomster? Kurze Antwort: Mich hat schon lange kein Audio-Gerät so begeistert. Das liegt nicht daran, dass es keine besseren Boxen gäbe oder ich keine besseren kennen würde, sondern am genauen Gegenteil. Gerade WEIL ich Boxen kenne, die tausende Euros kosten, hat mich der vergleichsweise kleine und günstige Boomster aus den Socken gehauen. Natürlich klingt er nicht so wie zwei Standboxen um je 2.000 Euro oder mehr, aber er klingt besser als alles, was ich in der Preisklasse unter 500 Euro bislang gehört habe, und für bis zu 500 Euro kriegt man schon recht ordentliche Kompaktanlagen und Standboxen der Einsteigerklasse.

Bereits nach den ersten Tönen des Beatles-Songs „Don´t Let Me Down“, den ich auf den Boomster streamte, staunte ich über den fetten, aber bestens konturierten Bass, der aber nicht dröhnte oder waberte, sondern genau so klang, wie er soll. Ich schaute kurz auf die fünfstufige Basseinstellung am Lautsprecher und sah, dass der Subwoofer-Regler auf Stufe Zwei steht. Da ginge also noch viel mehr, wenn man denn wollte. Ich wollte aber gar nicht, denn Stufe Zwei war schon sehr, sehr gut. Aber Bass, selbst guter Bass, ist nur die halbe Miete. Umso erfreulicher, dass der Boomster die Tieftöne ganz fein in die Gesamtfrequenzen einwebt und auch die Mitten und Höhen nicht vernachlässigt. Im Gegenteil. John Lennons Gesang klang so präsent und klar, wie ich ihn zuletzt mit meinen 700 Euro teuren Grado-Kopfhörern erlebt hatte. E-Piano und Schlagzeug kamen ebenfalls ganz klar und souverän rüber. Musik bekommt auf dem Boomster eine warme, aber detailreiche Präsentation und sie wirkt überhaupt nicht so, als käme sie aus einem vergleichsweise kleinen Lautsprecher. Wie macht der Boomster das? Nun, während viele andere Bluetooth-Speaker mit maximal zwei oder drei Tönern antreten, bringt der Boomster gleich fünf mit. Zwei für die Mitten, zwei für die Höhen und einen Downfire-Subwoofer. Das macht sich so was von bezahlt! Klar, der Boomster wirkt besonders mit Eletronic und Hiphop groß, aber er kann eben auch jede andere Musikrichtung. Ich habe Chorgesang getestet, Klassische Konzerte, Schlagermusik, Metal, Blues und Folk – das alles klang nicht nur gut, sondern angesichts der Preisklasse hervorragend. Würde man mir den Boomster im Blindtest vorspielen, würde ich auf eine gute Stereoanlage der oberen Mittelklasse tippen.

Er kann auch leise. Und laut. Sehr laut.

Ein gutes Wiedergabegerät erkannt man unter anderem daran, dass es auch bei mittleren und leisen Lautstärken nicht blechern oder matt klingt, sondern immer noch voll und voluminös. Der Boomster kann das. Auch bei Zimmerlautstärke und weit darunter hört man immer noch die warmen Bässe, kann man immer noch die Instrumente schön zuordnen. Und wie ist es, wenn man so richtig aufdreht? Dann staunt man erst recht, denn der Boomster fängt nie an zu schlagen oder zu dröhnen. Er wird ganz einfach furchtbar laut bzw. schön geil laut und bleibt dennoch gelassen und linear. Ein Gartenfest beschallen? Kann er. Ein 25-Quadratmenter-Zimmer mit Musik füllen? Kann er. Im Partykeller musizieren? Kann er. Einen in der Küche zu Ravels „Bolero“ richtig mitgehen lassen? Kann er. Ich traue mich zu sagen, dass man für den aktuellen Preis von 329,99 Euro schlicht kein besseres mobiles Bluetooth-Abspielgerät auf dem Markt findet. Ich weiß, das liest sich jetzt alles ein bisserl arg nach übermäßiger Begeisterung, aber genau das Gefühl hat der Boomster bei mir verursacht: Überraschung und Begeisterung. Und es ist eine Zeit lang her, seit ich diesen Wow-Faktor erleben durfte.

Wenn der Boomster am Strom hängt, lädt er seinen Akku. Ist der voll, spielt er zehn Stunden lang am Stück bei mittlerer Lautstärke. Mittlere Lautstärke meint beim Boomster übrigens ca 50 Dezibel, was schon so manche Unterhaltung deutlich übertönt. Dreht man ihn auf, kommt er an die 100 Dezibel heran und kann damit schon gegen Flugverkehr anbrüllen oder für Disco-Lautstärken sorgen. Sollte eine Party mal länger als zehn Stunden dauern und man hat keine Steckdose zur Hand, kann man den Akku auch rausnehmen und findet dann ein Fach für Batterien vor. Mit acht AA-Batterien gibt der Boomster noch mal sechs Stunden lang durchgehend Laut. Man dürfte kaum ein anderes Gerät dieser Klasse finden, das mobil länger durchhält. Es ist viel wahrscheinlicher, dass zuerst das Handy den Geist aufgibt, aber auch da kann der Boomster helfen, denn man kann an ihm Smartphones an der USB-Buchse aufladen! Zwar ist der Boomster nun schon zwei Jahre auf dem Markt, aber er ist technisch immer noch auf der Höhe der Zeit. Bluetooth 4.0 mit aptX und NCF dürften noch für viele Jahre eine sehr gute Übertragungsqualität und Zukunftssicherheit bieten. Ach ja, man kann sein Handy oder andere Tonquellen auch per 3,5-Millimeter-Klinke anschließen. So gibt der Boomster auch den Lautsprecher für MP3-Player, CD-Walkman und ähnliche Geräte. Theoretisch ist er sogar als Soundbar für einen Fernseher zu gebrauchen, obwohl es da Lösungen gibt, die besser auf Filmton abgestimmt sind.

Fazit: Der Boomster von der Berliner Firma „Lautsprecher Teufel“ hat mich richtig begeistert und überrascht. Ich gebe das Testexemplar nicht mehr her. Der Boomster bleibt bei mir und wird mir im Sommer ein treuer Begleiter im Freien sein und mir im Winter in der Küche oder im Schlafzimmer was vorsingen.

Pro: Der beste Bluetooth-Lautsprecher unter 500 Euro. Klingt wie eine gute Stereoanlage der oberen Mittelklasse. Sehr robust und dennoch optisch ansprechend. Der Akku hält lange durch. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist extrem gut.

Contra: Nicht der kleinste und handlichste Bluetooth-Speaker. Eine Anzeige für Radiosender wäre fein, fehlt aber. Eine Fernbedienung könnte auch nicht schaden (obwohl man sie nicht so sehr vermissen wird, da man das meiste eh per Smartphone regelt).

 

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