Sebastian Kurz ist ein Hasardeur und gefährdet mit seiner „Alles-oder-nichts“-Strategie Österreichs Zukunft

Das Ibiza-Video hat den Bild- und Tonbeweis für das erbracht, wovor viele Menschen, die die FPÖ kennen, immer gewarnt haben: Die FPÖ ist korrupt und dazu bereit, das eigene Land an die Russen zu verkaufen. Aber die ÖVP wollte die Warnungen nicht hören.

Die ÖVP unter Sebastian Kurz erinnert an einen sturen mittelalterlichen Alchemisten, der nicht einsehen will, dass man aus Blei kein Gold machen kann. In den vergangenen 20 Jahren hat es drei schwarz-blaue Koalitionen gegeben und jede ist vorzeitig an der Regierungsunfähigkeit der FPÖ gescheitert. Die ÖVP hätte spätestens nach dem zweiten Mal wissen müssen, dass mit der FPÖ kein Staat zu machen ist, aber sie stürzte das Land trotzdem in die nächste Krise, und diese ist sogar noch schlimmer als die letzte. Sebastian Kurz hat alle Warnungen und Alarmsignale ignoriert und wird jetzt als jener ÖVP-Chef in die Geschichte eingehen, der eine Regierung mit Leuten gemacht hat, die Österreich für ein fettes Trinkgeld an die nächstbeste russische Milliardärin verkaufen wollten. Österreich ist nach dem Ibiza-Video international der Lächerlichkeit preisgegeben worden und mutierte zum abschreckenden Beispiel für das, was passiert, wenn man sich mit der extremen Rechten ins Bett legt.

Sebastian Kurz hat aus der einst staatstragenden bürgerlichen ÖVP eine Partei gemacht, welche die Steigbügel für Figuren gehalten hat, die besoffen und im Mundl-Sackbauer-Gedächtnis-Look die größte österreichische Tageszeitung, den ORF und sogar unser Trinkwasser (!) an Russland verkaufen würden und die die Arbeiter der österreichischen Strabag zugunsten russischer Firmen arbeitslos machen wollten. Die türkis gewordenen Schwarzen haben mit einer Partei koaliert, die fast jeden Tag einen rechtsextremen „Einzelfall“ produzierte, deren Funktionäre in Gedichten Menschen mit Ratten gleichstellten, die offen die Menschenrechte in Frage stellte und die einen Innenminister stellte, dessen Komplexe ihn dazu trieben, wie ein Operettendiktator in Fantasieuniformen aufzutreten und unser Steuergeld für Polizeipferde zu verschleudern. Und am schlimmsten: Die ÖVP bildete eine Regierung mit einer FPÖ, die mit Putins Partei „Einiges Russland“ einen „Kooperationsvertrag“ unterzeichnet hatte und die eine Außenministerin stellte, die vor dem russischen Präsidenten auf die Knie gesunken war.

Mit all dem hat Sebastian Kurz Österreich nicht nur zur internationalen Lachnummer gemacht, sondern auch in reale Gefahr gebracht. Wegen der Nähe der FPÖ zu Russland haben die Geheimdienste der westlichen Staaten die Zusammenarbeit mit Österreich eingestellt. Das war und ist brandgefährlich, denn Österreichs Sicherheitsapparate allein sind zu klein und zu schwach, um ganz alleine gegen den internationalen Terrorismus vorzugehen. Die Russen sind kein Ersatz für die westlichen Bündnisse, denn die spielen ihr eigenes Spiel, das alleine der Stärkung Russlands dient.

Als Kurz nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos nicht mehr anders konnte, als die Notbremse zu ziehen, trat er vor die Kameras und kündigte allen Ernstes de facto an, er strebe bei den nächsten Wahlen die absolute Mehrheit an. Was anderes bleibt ihm nämlich nicht übrig, denn die Brücken zur SPÖ hat er verbrannt und mit der FPÖ wird er wohl so schnell keine Koalition mehr machen können. Ob die NEOS, mit denen sich der auf hip getrimmte Sozialabbauer noch am besten verstehen dürfte, stark genug werden, um eine neue Kurz-Kanzlerschaft zu stützen, ist fraglich. Erneut zeigt sich: Sebastian Kurz ist ein Spieler, ein Hasardeur. Das Problem dabei ist, dass die Chips in seiner Hand die Menschen in Österreich sind und er nicht ums eigene Geld pokert, sondern um das ganze Land. Das Spiel ist riskant für uns alle, vor allem aber für die ÖVP, denn viele Mitglieder dieser Partei sehen mit größter Sorge, dass Kurz nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen und stattdessen auf die totale Ausgrenzung der Sozialdemokraten setzt. Er spielt jetzt „alles oder nichts“ und falls er verliert, wird die ÖVP für viele Jahre politisch erledigt sein.

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