Beyerdynamic T1: Wir müssen reden, Firma Beyerdynamic!

Liebe Firma Beyerdynamic, wir müssen reden. Das sagt man heutzutage doch so, wenn man vorhat, seine Frau zu verlassen, einen Mitarbeiter zu feuern oder einem Land den Krieg zu erklären, oder? Jedenfalls möchte ich vorausschicken, dass ich dich eigentlich ganz doll lieb habe und einige deiner Produkte zu den besten Kopfhörerm der Welt rechne. Ich besaß jahrelang einen DT-990, der mich mit seiner sehr spaßigen Soundsignatur immer wieder entzückte. Dieser schöne, feste Bass! Die fein auflösenden Höhen! Und vor allem: Mitten, mit denen man Liebe machen möchte. Ganz großes Kopfhörertennis zum unschlagbaren Preis. Der DT990 ist noch heute um schlappe 160 Euro zu haben. Gehört, aber nicht besessen haben ich außerdem den DT770 (Tiefbass, Baby!) und den DT880, letzterer ein Kopfhörer wie die Schweiz: Neutral und solide.

Nachdem wir das besprochen hätten, nun zum eigentlichen Thema: Ich bekam kürzlich die Gelegenheit, dein absolutes Spitzenprodukt, den T1 2. Generation, ein paar Tage lang zu testen. Was hatte ich mich darauf gefreut! Der legendäre T1! Und jetzt, glaubt man Beyerdynamic und vielen Testberichten, sogar noch besser als die erste Generation! Gut 1.000 Euro hast du, liebe Firma Beyerdynamic, bei der Markteinführung für den neu aufgelegten T1 verlangt. Mittlerweile willst du „nur“ mehr 899 Euro haben, und bei anderen Händlern kriegt man den T1 sogar schon ab gut 700 Euro. Ein ziemlicher Preisverfall in relativ kurzer Zeit, was? Aber das muss noch lange nichts zu sagen haben. Gekauft wird das Teil ja, denn auf meinem Probeexemplar war eine Produktnummer jenseits der 40.000-Stück-Marke eingestanzt. Dennoch: Allzu viele Reviews gibt es nicht vom T1 der zweiten Generation, und von den wenigen sind einige nicht sehr freundlich. Tja, hier kommt ein weiterer Verriss, sorry.

Beyers Flagschiff fand seinen Weg in mein Zuhause über einen Bekannten, der mich mal „was Richtiges“ hören lassen wollte, nicht immer nur so Hifi-Zeugs zwischen 150 und 500 Euro, sondern ein echtes audiophiles Top-Model, das Beste, was Beyerdynamik zu bieten hat und damit, theoretisch, einen der besten Kopfhörer der Welt. Vielleicht hatte ich zu hohe Erwartungen? Vielleicht bin ich inzwischen taub? Jedenfalls stellte ich nach tagelangem Hören staunend fest, dass der fast zehnmal günstigere DT990 mit dem T1 den Fußboden wischt. Und nicht nur das: Jeder Kopfhörer, den ich näher kenne, wischt mit dem T1 den Fußboden. Man sollte den T1 als Reinigungsutensil verkaufen, so sehr eignet sich der zum Fußbodenwischen.

Bevor mich Beyerdynamic-Fans jetzt lynchen: Ansatzweise zeigte der T1, dass er zur Oberklasse gehört. Zunächst mal sieht er cool aus und fühlt sich wertig an. Nichts knarzt oder wirkt billig. Der T1 wirkt äußerlich absolut wie ein Flaggschiff. Und er ist sehr bequem, einer der bequemsten Kopfhörer, die ich je auf der Rübe hatte. Stundenlanges Hören ist selbst für mich als Brillenträger kein Problem. Auch musikalisch sind da wenigstens gute Ansätze, die zunächst Großes versprechen. Gospelchöre erstrahlten in einer ungeheuren Schönheit, brillant dargeboten und aufgefächert. „Wade In The Water“ von den Blind Boys of Alabama brachte mich sogar zum Heulen, so eindringlich und „nahe“ kam das uralte Spiritual rüber. Ebenfalls ganz ausgezeichnet klangen Singer-Songwriterinnen mit spärlicher Gitarrenbegleitung, so wie der T1 generell ein großer Freund kleiner Ensembles und weiblicher Stimmen ist. Joni Mitchells Frühwerk habe ich noch nie so mitreißend empfunden wie mit dem T1, der vor allem die Harmoniestimmen feinstens herausarbeitete und lokalisierbar machte, ohne die Songs zu sezieren. Dann legte ich Cat Stevens auf und dunkle Wolken brauten sich zusammen, zunächst nur eine Vorahnung auf das kommende Unwetter. „Da fehlt doch was“, schoss mir durch den Kopf, als der olle Cat allzu körperlos aus den Tesla-Treibern waberte. Dem Bariton mangelte es eindeutig an Unterbau. Stevens klang viel zu hell und kraftlos. Nun ja, bekanntlich kann nicht jeder Kopfhörer alles perfekt, wobei ein Flagschiff es wenigstens schaffen sollte, alles immerhin „gut“ darzustellen und einiges dann eben sehr gut. Ich wechselte also zu den alten Beatles, die ich immer wieder gerne zum Testhören nehme, da ich ihre Songs in- und auswendig kenne, und schon traf mich der nächste Hammer: Der Song „Help“ zerfiel in seine Einzelteile, und zwar in hässliche Einzelteile. Natürlich ist „Help“ wegen seiner energetischen, aber grellen Abmischung für viele Kopfhörer ein schwerer Song, aber so ein Auseinanderbrechen des Sounds kam mir bei keinem anderen Kopfhörer unter. Der Bass schwächelte einsam vor sich hin, die Rhythmusgitarren kreischten panisch und grell, Ringos Becken sägten sich in meine Ohren und John fehlte die grantige Energie, die seinen Gesang auf fast allen anderen Wiedergabegeräten bei diesem Lied auszeichnet.

Ich war negativ überrascht, gab aber nicht auf. Ich legte die LP „Magical Mystery Tour“ auf und hörte rein. Der titelgebende Opener wurde zur unerträglichen Ohrenfolter. Die Bläser quengelten nervig von der Seite, der Bass wechselte andauernd zwischen zu massiv und zu dünn hin und her, die Harmoniegesänge ließen mich mitten in der Hitzewelle vor kalter Schroffheit frösteln und das Schlagzeug wummerte in der Tiefe und quietschte in der Höhe. Ein Alptraum! „The Fool On The Hill“ mit seiner spärlichen Instrumentierung klang dann wieder sehr gut. „Flying“ und „Blue Jay Way“ führten wieder ins Alptraumland. „Your Mother Should Know“ war dann toll. Ob der T1 einfach nur Paul McCartney mag und alle anderen Beatles hasst? „I Am The Walrus“ war wieder fast unhörbar, „Hello, Goodbye“ fantastisch gut, „Strawberry Fields Forever“ zum Kotzen und „Penny Lane“ grauenhaft. Aha, es lag also doch nicht an McCartney, sondern daran, dass der T1 auseinanderfällt, sobald die Musik komplexer wird. Ich testete das mit vielen anderen Aufnahmen anderer Bands und das Ergebnis war stets dasselbe: Wird die Musik dynamisch vielschichtiger, treffen also mehrere Rhythmen,  Instrumente, Tonlagen und Lautstärken aufeinander, verliert der T1 den Überblick, wird unerträglich grell und scheppert wie ein 15-Euro-Kopfhörer. Unglaublich! Zu erwähnen ist auch, dass sehr viel Musik mit dem T1 nicht „natürlich“ klingt, nicht nach „echter“ Musik. Vieles klingt so, als würde jemand eine Aufnahme in einen Computer einspeisen und der der Computer spuckt dann seine eigene Version der Musik aus. Ich weiß, klingt seltsam, aber dieser Vergleich kam mir in den Sinn. 

Jetzt werden die Fans teurer Kopfhörer sagen. „Kokolores, du hast einfach nicht den richtigen Kopfhörerverstärker benutzt“. Das stimmt. Ich teste Kopfhörer grundsätzlich am Kopfhörerausgang meines recht guten AV-Receivers, denn der hat Saft genug, um auch anspruchsvolle Headphones  wie den T1 mit seinen 600 Ohm anzutreiben – theoretisch wenigstens. Und warum nehme ich diese Lösung und nicht zum Beispiel einen Kopfhörerverstärker von Beyerdynamik für schlappe 300 bzw. 1.200 Euro? Weil ich praxistauglich testen will und ich, wie die meisten Konsumenten, kein Ölscheich bin. Ich verlange nicht, dass ein Spitzenkopfhörer am Smartphone seine volle Leistung zeigt. Aber ich erwarte mir, dass der Kopfhörerausgang eines guten Verstärkers reichen muss, damit der Hörer wenigstens „gut“ klingt. Eigene Kopfhörerverstärker sind meiner Meinung nach dazu da, eine gute Leistung noch zu verbessern. Sie sollten aber nicht die Voraussetzung sein, um einen Kopfhörer erst mal erträglich zu machen. Wenn Beyerdynamic kein Flaggschiff bauen kann, das auch ohne eigenen KH-Verstärker gut klingt, sollte die Firma zu ihren Ingenieuren mal sagen: „Wir müssen reden“.Screenshot_2

Foto: Copyright Beyerdynamic

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„Bahamas“ – Zentralorgan für Paranoia und Verleumdung

Die Zeitschrift „Bahamas“ hat sich ja schon vor einiger Zeit als halbwegs ernst zu nehmende Publikation erledigt und man sollte über das Blatt besser den Mantel des Schweigens legen, was nicht zuletzt für die „Bahamas“-Autoren selbst von Vorteil wäre, da man Menschen, die sich und ihren Ruf nicht zuletzt aus narzisstischer Gekränktheit heraus andauernd und immer intensiver selbst beschädigen, nicht ermutigen sollte, aber was diese Leute in der aktuellen Ausgabe machen, muss man dann doch wieder aufgreifen, da der selbstgerecht Habitus, die letzten aufrechten Ideologiekritiker zu sein, in pure Lust am Verleumden und Kränken umgeschlagen ist.

Das Opfer diesmal: Thomas von der Osten-Sacken, renommierter Journalist und Autor, der sich seit Jahrzehnten mit politischen Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika nicht nur intensiv befasst, sondern als Geschäftsführer der Hilfsorganisation Wadi e.V. auch ganz konkret vor Ort für Demokratie und Menschenrechte, vor allem die Rechte von Frauen und Kindern, eintritt. Osten-Sacken gehört außerdem zu jenen Publizisten, deren Eintreten für Israel stets konsequent und kompromisslos war und ist.

Genau diesem Menschen wirft ein gewisser Martin Stobbe in der aktuellen „Bahamas“ nun vor, Israels Souveränität in Frage zu stellen und sich zu wünschen, Israels „Grenzen fallen zu sehen“. Dies ist eine Verleumdung.

Im Text, den Stobbe absichtlich falsch interpretiert, hatte Osten-Sacken das genaue Gegenteil von dem gesagt, was die „Bahamas“ unterstellt.

Hier die Passage, um die es geht: Die Idee, friedlich und unbewaffnet Israels Grenzen zum Gazastreifen, der Westbank und auch den arabischen Nachbarländern zu überschreiten ist nämlich keineswegs neu. Schon 2011, inspiriert durch die Massenproteste des so genannten arabischen Frühlings, kam es einer ähnlichen Aktion.  Damals versuchte unter anderem ausgerechnet der syrische Präsident Bashar al-Assad sie für sich zu reklamieren. Die Aktion scheiterte, der Gedanke blieb. Sowohl in der Westbank als auch im Gazastreifen wurden seitdem neue Formen des Protestes diskutiert und geplant. Wenn von Gewaltfreiheit die Rede war, dann weniger aus ethischer Überzeugung, sondern aus taktischem Kalkül. Als großes Vorbild dient dabei der von Gandhi in Indien organisierte Salzmarsch, der die Moral der britischen Truppen, die auf unbewaffnete Demonstranten einprügeln mussten, nachhaltig untergrub. Was, wenn nun Zehntausende friedlich von allen Seiten auf Israels Grenzen zumarschieren, keine Waffen tragen und sich notfalls beim Versuch, diese Grenzen zu überwinden, zu Dutzenden verletzen oder gar erschießen lassen? Wenn sie statt AK-47-Gewehren, Zwillen oder Molotow-Cocktails nur Olivenzweige in den Händen hielten? Wie lange würden dann israelische Soldaten schießen? Wie lange würde die israelische Bevölkerung entsprechende Bilder im Fernsehen aushalten? Wie würde dann die so genannte Weltöffentlichkeit reagieren? All dies waren und sind Fragen, die palästinensische Aktivisten sich seitdem stellen und diskutieren. Sie wissen nämlich sehr genau: Sollte es ihnen je gelingen – ohne dass sie von einem arabischen Nachbarstaat oder einer der palästinensischen Parteien instrumentalisiert würden – könnten solche Aktionen für Israel wesentlich bedrohlicher werden, als das gesamte Raketenarsenal der Hamas. Dann nämlich stünde nicht nur die israelische Regierung, sondern die ganze Gesellschaft vor der Frage, ob man bereit ist, seine Grenzen notfalls mit tödlicher Gewalt gegen friedliche Demonstranten zu verteidigen. Wie lange wären Rekruten der Armee bereit, dies zu tun, bis die ersten den Dienst verweigern? All dies sind Fragen, die sich jeder, dem die Existenz Israels am Herzen liegt ebenfalls stellen sollte.“

Aus diesem zur Warnung entworfenem Szenario herauszulesen, der Autor wolle Israel fallen sehen, ist intellektuell unredlich, faktisch falsch und erfolgt offensichtlich mit der Absicht, Thomas von der Osten-Sacken als Freund Israels zu diskreditieren und ihn persönlich zu verletzen. Solcherlei ist keine neue Taktik, man kennt das aus der langen und elenden Geschichte politischer Sekten und von Krankheitssymptomen der paranoiden Schizophrenie. In der Tat wirkt die „Bahamas“ immer mehr wie ein Patient, der einen Menschen nach dem anderen zu einer großen, gegen ihn und/oder die „Wahrheit“ oder gar die „Menschheit“ gerichteten Verschwörung zählt, bis er am Ende völlig allein dasteht oder, in diesem Fall, noch umkreist von einer Handvoll Getreuer, die seinen Wahn teilen, von denen aber jeder der nächste sein kann, der der Konspiration zugerechnet wird. Der Chef der rechtsextremen „Identitären“, der von Sekten und Paranoia wahrlich was zu erzählen hätte, wenn ihm bewusst wäre, was er weswegen ist, hatte seinen Kameraden die „Bahamas“ vor einigen Monaten zur Lektüre empfohlen. Es wird immer klarer, warum. 

Depressionen, erklärt für Nicht-Depressive

Anthony Bourdain, Moderator der CNN-Show „Parts Unknown“, hat sich das Leben genommen. Ich nehme das zum Anlass, einen kleinen Leitfaden zum Thema „Depression, erklärt für Nicht-Depressive“ zu verfassen.

-Jeder kann an einer Depression erkranken. Ob König oder Bettler, Rockstar oder Pizzalieferantin, Sportlerin oder fauler Sack – niemand ist davor gefeit.

-Depressionen lassen sich nicht wegwünschen oder wegzaubern. Depressionen sind behandelbar, manchmal bis hin zur Symptomfreiheit, aber es gibt keine Wunderpillen oder Wundertherapien dagegen. Psychiater, die generalisierend behaupten, Depressionen wären „gut behandelbar“ oder „heilbar“, sind Scharlatane. Journalisten, die das nachplappern, handeln fahrlässig.

-Depressive sind nicht gefährlich. Depressionen können den Betroffenen und ihren Angehörigen das Leben zur Hölle machen, aber sie führen nicht zu Gewalttätigkeit gegenüber anderen. Es gibt natürlich auch Depressive, die Verbrecher sind, aber das liegt daran, dass auch Verbrecher an Depressionen erkranken können und nicht daran, dass Depressionen zu Verbrechen führen würden.

-Depressionen sind so vielgestaltig wie die Menschheit. Jede Depression verläuft ein bisschen anders. Es gibt nicht „die“ Depression und es gibt nicht „die“ Therapie.

-Depressive brauchen keine gut gemeinten Ratschläge und schon gar nicht die Aufforderung, sich „zusammenzureißen“. Sie brauchen Verständnis und Akzeptanz sowie die Möglichkeit, sich während eines akuten Schubes zurückziehen zu können. Depressive wirken auf „Gesunde“ oft kränkend, da sie Einladungen ausschlagen, zu Verabredungen nicht erscheinen oder generell keine Lust auf Aktivitäten und Gesellschaft haben. Das ist keine böse Absicht, sondern Teil der Erkrankung. Brecht deswegen nicht den Kontakt zu Depressiven ab! Macht Depressiven nicht deren Erkrankung zum Vorwurf! Depressionen gehen oftmals mit extremen Gefühlen der Selbstentwertung einher. Verstärkt diese nicht, indem ihr Depressive ausgrenzt oder sie nicht ernst nehmt! Und, um Goittes Willen, macht nicht solchen Quatsch wie die Bayrische CSU, die Depressiven ein Gefährder-Image anhängt!

-Depressionen sind mehr als nur eine gestörte Gehirnchemie. Ihre Ursachen können genetisch sein, doch viele Menschen mit entsprechenden Genen erkranken nie an einer Depression. Auslöser einer Depression kann vieles sein: Eine unerträgliche Lebenssituation, Stress im Berufsleben, Beziehungsprobleme, Geldsorgen – all das kann eine latente Depression in eine akute verwandeln. Ein „gesundes“ Umfeld, also emotionale und finanzielle Sicherheit, ist hilfreich, Depressionen zu vermeiden oder ihren Verlauf weniger schlimm zu machen, aber keine Garantie dafür.

-Depressionen sind für die Betroffenen ungeheuer qualvoll, weswegen diese auch einem hohem Suizid-Risiko ausgesetzt sind. Depressionen sind aber nicht nur schlecht. Depressive sehen die Welt oft ohne den Schleier des Optimismus, der „Gesunden“ das Funktionieren in dieser Welt erlaubt. Das heißt, dass Depressive oftmals negative Entwicklungen früher erkennen als andere, was womöglich zum bisherigen Überleben der Menschheit beigetragen hat. Das bedeutet nicht, dass Depressive „klarer“ sehen würden, aber manchmal kann es nützlich sein, die Welt aus pessimistischer Perspektive zu betrachten. Das könnte der Grund dafür sein, dass die Evolution die Depression nicht schon längst ausgemerzt hat. Vielleicht braucht die Menschheit eine gewisse Anzahl Depressiver als Korrektiv?

-Depressive sind nicht „verrückt“. Depressive ziehen sich oft von der Welt zurück und wirken auf Nicht-Depressive seltsam. Sie sind aber weder im volkstümliche Sinne „verrückt“ noch „dumm“. Depressionen beeinträchtigen nicht die Intelligenz. Sie können dazu führen, dass Betroffene die negativen Seiten ihres Lebens oder der Gesamtsituation übertrieben schwarz sehen und sich in diese negative Sicht verbeißen. Depressionen schalten aber nicht generell die Urteilsfähigkeit oder das Denkvermögen aus. Nur während akuter Schübe kann sich die Sicht auf die Welt so sehr verengen, dass nur mehr Negatives wahrgenommen werden kann.

Was ist der Faschismus?

Die in schwindelerregendem Tempo stattfindende Faschisierung einer Gesellschaft nach der anderen kann nicht verstehen, wer den Faschismus nicht versteht. Wer meint, Faschismus sei nur der Versuch, in Krisenzeiten die Arbeiterklasse zu neutralisieren, erkennt zwar das Motiv einiger Kapitalisten, den Faschismus zu unterstützen, verkennt aber das Wesen seines Gegners und kann diesen daher auch nicht bekämpfen. Folgende kurze Punktation ohne Anspruch auf Vollständigkeit soll helfen, die Debatte auf ein höheres analytisches Niveau zu heben.

-Faschismus ist die Selbstversicherung der fragilen Männlichkeit. Faschismus bekämpft und vernichtet alles, was der Faschist an der eigenen Sexualität verstörend oder abstoßend findet und externalisiert diese Aspekte durch Projektion auf sexuelle Minderheiten sowie auf imaginierte Verschwörungen, die zur Absicht hätten, die „richtige“ Sexualität eines „Volkes“ durch „Perversionen“ zu untergraben.

-Faschismus ist Anti-Psychoanalyse. Die Psychoanalyse will, grob vereinfacht gesagt, unbewusste Konflikte bewusst machen und so zu deren Auflösung und damit zur Entneurotisierung beitragen. Der Faschismus arbeitet genau gegenteilig und legt großen Wert darauf, dass das Unbewusste unbewusst bleibe, denn dort, am Unbewussten, setzt seine Propaganda an, die nur bei entsprechend neurotischen Menschen nachhaltig verfangen kann. Faschismus will also stets die ungelösten inneren Konflikte verstärken, die Neurotisierungen verschlimmern, auf dass die gequälte Kreatur ihr Heil dann im Kollektiv der Nation finde, die im Führer als mythische Erlösergestalt ihre Personifikation hat.

-Faschismus ist eine Perversion des Hegelianismus. Vor allem die Phänomenologie des Geistes wird von Faschisten derart fehlinterpretiert, dass die schmerzhaften Spannungen, unter denen Gesellschaften nach und nach von der naiven Wahrnehmung zur Vernunft und damit bis hin zu Erkenntnis und Verständnis des Wesens der Geschichte und ihrer selbst aufsteigen können, nicht etwa ein dauerhafter Prozess voller Rückschläge und neuer Anfänge sei, sondern ein metaphysisch zielgerichteter und eschatologischer. Am Ende, so meinen Faschisten, steht das von Fehlern befreite Volk, die fehlerlose Wirklichkeit, das und die den wahren Willen Gottes (die meisten Faschisten glauben an einen solchen, ob wörtlich oder symbolisch) als harmonische Gemeinschaft erfüllt, einer Gemeinschaft, die zunächst von „satanischen“ oder „artfremden“ Elementen gesäubert werden müsse.

-Faschismus verherrlicht die Gewalt und das Menschenopfer. Damit eine Gesellschaft im faschistischen Sinne gesunden kann, muss sie „gereinigt“ werden, Dieser Reinigungsprozess findet statt in Form des Ausschlusses, der Verfolgung und schließlich der Vernichtung all dessen, was die Identität als Volksgemeinschaft gefährden könnte. Jedes Verbrechen, jeder Genozid ist als Mittel, dies zu erreichen, nicht nur erlaubt, sondern das notwendige Opfer eines Todeskultes, das allerdings nicht der Faschist selber bringt, sondern das zu bringen er andere mit Gewalt zwingt.

-Faschismus ist die totale Gemeinschaft des Identischen. Da der Faschismus, der sich metaphysisch definiert und „legitimiert“, von sich selbst annimmt, das absolut Gute im Kampf gegen das absolut Böse zu verkörpern, muss jeder noch so kleine Dissens unterbunden werden. Deswegen legen Regierungen, die sich dem Faschismus annähern oder vom faschistischen Denken infiziert sind, so großen Wert darauf, selbst das kleinste Druckwerk, das nur wenige tausend Leser hat, zu kriminalisieren und zu verbieten. Deswegen gelten unter faschistischen oder faschistoiden Verhältnissen nicht „die Arbeiter“ als die größten Feinde, sondern die Zivilgesellschaft, was erklärt, warum die Faschisten unserer Tage so großen Wert darauf legen, NGOs und zivilgesellschaftliches Engagement zu dämonisieren und zu kriminalisieren. Der selbst denkende und für sich selbst moralisch entscheidende Mensch ist im faschistischen Denken der Feind.

-Faschismus funktioniert nicht ohne den „starken Mann“, der, einem mythischen Wesen gleich, aus dem Dunkel der Geschichte tritt und zielgerichtet die Macht an sich reißt, weswegen er sie laut faschistischem Denken auch verdient hat. Dieser Führer ist männlich und hart, verletzend und brutal, denn er personifiziert eine Ideologie, die alles weiche und weibliche verachtet und hasst. Dieser Führer kann alles, weiß alles, wendet alles zum Guten. Er ist der Größte und der Beste und sagt dies auch selbst bei jeder Gelegenheit über sich selbst. Ist er einmal an der Macht, sind wahrhaft demokratische Wahlen nicht mehr notwendig, ja sie sind von großem Übel, da sie die Säuberung der Gesellschaft verzögern oder gar aufhalten könnten. Der faschistische Führer muss Wahlen deswegen nicht gänzlich abschaffen, aber er verwandelt sie in Rituale, in denen die Volksgemeinschaft dankbar zum Ausdruck bringt, wie sehr sie mit dem Führer übereinstimmt. Rituale folgen einem strikten Drehbuch, weswegen Wahlen unter faschistischen oder faschistoiden Verhältnissen nie überraschend ausgehen, da sie mit einem Mix aus Wahlfälschung und totaler Kontrolle über alle Medien kaum anders ausgehen können als mit der Affirmation des Führers.

-Faschismus ist die Antithese zu Liberalismus und Marxismus. Er lehnt die Idee der Gleichwertigkeit der Menschen rundweg ab und kann jede Abweichung vom totalen Anspruch, alle Bereiche der menschlichen Existenz zu kontrollieren und zu bestimmen, nur als Kriegserklärung wahrnehmen. Der Faschismus lehnt die materialistische Welterklärung des Marxismus ab, ja sieht ihn als Attacke auf die von ihm als wahr vorausgesetzte göttliche Ordnung der Dinge, da der Faschismus eine metaphysische Bewegung ist. Deswegen verfolgen, foltern und morden Faschisten aus nichtigsten Anlässen, daher eskaliert ihre Gewalttätigkeit von Verbrechen zu Verbrechen, denn es geht dem Faschisten immer um alles, um mehr noch als weltliche Macht, da der Faschist sich als nichts weniger denn als Vollstrecker des „göttlichen“ Willen sieht oder, geht es nach einigen faschistischen Ideologen, sogar als Korrektor göttlicher Fehler, denn Faschisten betrachten, wie schon erwähnt, die Welt als Ort, in dem die „wahre“ göttliche Ordnung von „satanischen“ Kräften pervertiert worden sei. 

Klonovsky und die bösen Homos

Michael Klonovsky hat für den „Focus“ aufgeschrieben, was ihm durch sein deutsches Gehirn wabert. Es müsse, so der tapfere Mann, endlich Schluss sein mit der Toleranz gegenüber Minderheiten. Grund genug für ein Interview mit dem mutigen Widerstandskämpfer gegen Schwächere.

Herr Klonovsky, was ist ein Fußballstadion?

Klonovsky: Das Fußballstadion aber ist eine archaische Sphäre. Auf dem Platz imitieren Männer das Jagdrudel von ehedem und kämpfen gegen ein anderes Rudel.

Es hat also was mit Affen zu tun. Und was ist die sogenannte Fankurve?

Klonovsky: Die Fankurve ist die letzte Bastion gegen den Totalitarismus der Toleranzerzwinger.

Wer erzwingt denn totalitär Toleranz?

Klonovsky: Der rheinland-pfälzische Innen- und Sportminister Roger Lewentz.

Was hat der böse Mann denn gesagt?

Klonovsky: „Sie alle darf ich ermutigen, aufzustehen und klarzustellen: Homophobie gehört weder auf den Sportplatz noch in die Gesellschaft. Niemand darf Angst haben, mit seiner Identität auch offen umzugehen.“

Allerhand! Ganz schön totalitär, zu fordern, Menschen sollten wegen ihre sexuellen Orientierung keine Angst haben müssen. Irgendwann reicht es auch mal wieder mit den Problemen der Tucken, oder? 

Klonovsky: Homosexuellen-Probleme sind in letzter Zeit in der Öffentlichkeit ausgiebig behandelt worden: von der Hinterbliebenenrente bis zur Erbschaftsteuer, vom Ehegatten-Splitting bis zum Adoptionsrecht. Angesichts der Tatsache, dass die Probleme der Schwulen und Lesben für die Zukunft dieser Republik eher sekundär sind, vielleicht zu ausgiebig.

Es gibt in Deutschland also keinerlei Diskriminierung von LGBTQ-People?

Klonovsky: (lacht hönisch): Über das erschütternde Ausmaß der Homosexuellen-Diskriminierung kann sich der Zeitgenosse auf den alljährlichen Christopher Street Days ein Bild machen, sofern er das schwul-lesbische Massenknutschen anlässlich des Papstbesuchs verpasst hat.

Ich nehme an, für Sie gibt es Grenzen der Toleranz? Und ich nehme weiters an, die ziehen Sie dort, wo eine Mehrheit eine Minderheit tolerieren soll?

Klonovsky: Es ist aber nicht einzusehen, warum sich die heterosexuelle Mehrheit auch noch auf dem Fußballplatz mit schwulen Coming-outs beschäftigen soll. Die Grenzen der gebotenen Toleranz sind erreicht, wenn sie in Belästigung umzuschlagen beginnt.

Äh, vielen Dank für die Einblicke in ihr furchtsames und furchtbares Seelenleben. 

Kann die FPÖ den Juden jemals verzeihen?

Ein imaginäres Interview, basierend auf einem echten

Journalist: Lieber Herr FPÖ-Politiker XYZ. Ihre Partei wurde von der jährlichen Gedenkfeier im ehemaligen KZ Mauthausen ausgeladen. Ein Auftritt von FPÖ-Politikern dort wäre „eine erneute Demütigung für die Überlebenden“, so das Mauthausen-Komitee. Können Sie das nachvollziehen?

FPÖ-Politiker XYZ: Nein, kann ich nicht. Ich bin zutiefst gekränkt und frage mich nun wirklich, ob wir den Juden je verzeihen können, was sie unseren Vätern und Großvätern angetan haben. Irgendwann muss doch auch mal Schluss sein mit den alten Geschichten!

Journalist: Wie bitte? Sechs Millionen Juden wurden ermordet und…

FPÖ-Politiker XYZ: Legen Sie mir keine Worte in den Mund! Ich sage es in aller Deutlichkeit: Ich finde Straflager wie Mauthausen entsetzlich. Wir lehnen die Nationalsozialisten, obwohl sie eine ordentliche Beschäftigungspolitik machten, ebenso klar ab wie den Bombenterror der Alliierten.

Journalist: Straflager? Das waren Vernichtungslager! Straflager würde implizieren, dass die dort Inhaftierten eine Straftat begangen hätten. Und die Bomben kamen, weil Hitler zuerst ganz Europa überfallen hat.

FPÖ-Politiker: Nun ja, Jude zu sein war damals halt ebenso strafbar wie Opposition zur Regierung. So waren halt die Gesetze und wer bin ich, gesetzestreue Bürger von damals zu verurteilen? Und Krieg ist immer schrecklich, ganz gleich, wer ihn auch beginnt.

Journalist: FPÖ-Chef Strache, FPÖ-Klubobmann Gudenus und FPÖ-Innenminister Hofer haben vor kurzem behauptet, der jüdische Milliardär George Soros sei für die Flüchtlingsströme verantwortlich. Eine klassische antisemitische Verschwörungstheorie.

FPÖ-Politiker XYZ: Aber nein! Dass wir uns aus hunderten Milliardären, die Lobbyarbeit finanzieren, ausgerechnet einen jüdischen ausgesucht haben, um ihm die Schuld für die Flüchtlinge zu geben, hat nicht das Geringste mit Antisemitismus zu tun. Es geht uns doch nicht um die Religionszugehörigkeit dieses Herren, der keine Heimat kennt, sein raffendes Kapital vermehrt und wie ein Krake die Welt mit seinen raffgierigen Fangarmen im Griff hat, sondern ausschließlich um Fakten. Wie sie wissen gibt es fundierte Gerüchte und glaubwürdige Lügen, die Herrn Soros eine Beteiligung an der Flüchtlingskrise nachweisen.

Journalist: Was ist mit den Liederbüchern der Burschenschaften, in denen von der Ermordung einer weiteren Million Juden geschwärmt wird? Was ist mit den FPÖ-Inseraten in Zeitschriften wie der „Aula“, in der KZ-Überlebende als „Landplage“ und „Kriminelle“ verunglimpft wurden?

FPÖ-Politiker: Wenn sie nicht Fake News verbreiten würden, sondern ordentlich recherchiert hätten, dann wüssten sie, dass in dem Liederbuch keineswegs gefordert wird, noch eine Million Juden zu ermorden. Das Büchlein, mit dem wir übrigens nichts zu tun haben, sagt lediglich, die Juden hätten den Holocaust selbst inszeniert, um danach Israel geschenkt zu kriegen. Die „Aula“ hat mit uns rein gar nichts zu tun, obwohl sie sich selbst „das freiheitliche Magazin“ nennt und wir dort inserieren wie die Blöden. Außerdem muss man in einer Demokratie auch Stimmen aushalten, die sich nicht dem Diktat der Politischen Korrektheit beugen.

Journalist: Sie verstehen also nicht, dass KZ-Überlebende sich durch Bezeichnungen wie „Landplage“ oder „Kriminelle“ gedemütigt fühlen?

FPÖ-Politiker XYZ: Wirklich nicht! Sie, da gibt es Sachen, die die Mainstream-Geschichtsschreibung bis heute totschweigt. Ich selber kenne einen Bauern, dem KZ-Überlebende kurz nach ihrer Befreiung ein paar Äpfel gestohlen haben. Der Mann war danach ein seelisches Wrack. Es gab eben auch deutsche Opfer des Holocaust, aber über die redet mal wieder keiner. Das ist typisch für die linken Brunnenvergifter, dass sie nie über die Opfer reden wollen.

Journalist: Ich danke ihnen für dieses, äh, erhellende Interview.

FPÖ-Politiker XYZ: Immer gerne, aber keine Lügengeschichten drucken wie sonst immer, gell?

Teufel 3sixty: Kleines Radio spuckt große Töne

Mit dem kompakten Alleskönner 3sixty bietet die Firma „Lautsprecher Teufel“ ein Radio an, das die Technik des 21. Jahrhunderts mit nostalgischem Design kombiniert.

Platz für guten Sound ist in der kleinsten Hütte“, könnte das Motto des 3sixty sein. Die Neuinterpretation des klassischen Küchenradios durch die Berliner Firma Teufel ist gerade mal 28 Zentimeter breit, 16 Zentimeter tief und 17,50 Zentimeter hoch. Und mit zweieinhalb Kilo Gewicht gehört es zu den leichteren Vertretern seiner Art. Wobei: Seiner Art? Viele Artgenossen hat das 3sixty gar nicht. Radios gibt es wie Sand am Meer, aber nur wenige können das, was das Teufel-Gerät kann. Das spielt nämlich, wie man in Österreich sagt, alle Stückerln. FM-Radio, Digitalradio DAB+, Internetradio, Spotify Connect, Musik vom Smartphone, NAS und USB-Sticks sowie Bluetooth aptX. Und zum Drüberstreuen gibt es noch eine Weckfunktion.

Look, Feel und Einrichtung

Einmal ausgepackt, fallen zunächst die gute Verarbeitung und die originelle Formsprache des 3sixty auf. Das Radio steht stabil auf gummierten Füßchen, hat die klassische würfelartige Form alter Küchenradios und wirkt mit dem Stoffbezug an der Oberseits und der klaren, nicht mit Bedienelementen überfrachteten Vorderseite sehr gefällig und zeitgemäß. Die Ersteinrichtung ist keine Hexerei. Mit dem großen linken Drehrad regelt man die Lautstärke, mit dem rechten Drehrad surft man durch die Menüs und bestätigt Befehle durch Drücken. Teufel setzt auf diese Lösung statt auf einen Touchscreen, und ich muss sagen: Es funktioniert sehr gut. Erinnert ein bisschen an das iDrive-System von BMW. Von den drei Radioquellen FM, DAB+ und Internetradio kann man jeweils fünf Lieblingssender abspeichern, die dann über die Zifferntasten am unteren Rand des Geräts sofort anwählbar sind. Ebenfalls mit den Speichertasten belegen lassen sich Spotify-Playlists. Eine Bluetoothverbindung zum Smartphone steht binnen zwei Sekunden. Empfehlenswert ist, das 3sixty ans heimische WLAN anzuschließen. Nicht nur wegen der Internetsender, die man dann empfangen kann, sondern auch wegen der Updates, die Teufel von Zeit zu Zeit ausliefert.

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360-Grad-Sound

Teufel nennt das Radio aus zwei Gründen 3sixty: Einerseits soll an die gute alte Zeit des Küchenradios in den 60er Jahren erinnert werden, andererseits hat das Teil eine ausgeklügelte Lautsprechertechnik an Bord, die es schafft, kleine bis mittelgroße Räume mit einer Art Rundum-Sound zu befeuern. Das funktioniert in der Praxis bemerkenswert gut. Egal, wo man das 3sixty auch hinstellt – es verteilt Musik gleichmäßig im ganzen Raum, fast wie eine Punktschallquelle. Teufel schafft diesen Trick mit zwei als 360-Grad-Kegel konstruierten Hochmitteltönern im Breitbandprinzip sowie einem Downfire-Subwoofer, der diskret an der Unterseite des Geräts verbaut ist. Es ist wirklich überraschend, wie viel Klang Teufel dem kleinen Radio verpasst hat. Natürlich kann der Zwerg nicht mit großen Standboxen oder teuren Regallautsprechern konkurrieren, aber er klingt viel voluminöser und auch feiner, als man angesichts seiner kompakten Maße vermuten würde. Musik hat einen schönen und nachvollziehbaren Körper; Bässe, Mitten und Höhen vermatschen nicht zu einem Brei, sondern sind klar definiert, und selbst bei höheren Lautstärken kommt das 3sixty nicht ins Schwitzen, will heißen ins Knarren und Übersteuern. Dieses Küchenradio ist tatsächlich auch partytauglich. Es kann einen am frühen Morgen mit sanften Klassikklängen langsam munter werden lassen, es kann aber auch die Küche rocken. Wie viel Sound die Ingenieure von Teufel in diesen Winzling gepackt haben, ist wirklich überraschend.

Alles eitel Wonne Sonnenschein am Radio-Himmel über Berlin also? Nicht ganz. Das Display ist ein bisschen schwächlich und wird bei direkter Sonneneinstrahlung bald mal schwer leserlich und der WLAN-Empfang scheint mir nicht zu den stärksten zu gehören. Ein direkter Netzwerkanschluss für ein LAN-Kabel wäre wünschenswert, aber für 279,99 Euro kann man halt nicht alles haben. Man hat eh fast alles.

Pro: Schickes Küchenradio, das großartig klingt und alle Anschlüsse hat, die man heutzutage braucht.

Contra: Display könnte heller sein, nur WLAN und kein LAN.

Testfazit: Das 3sixty von Teufel ist das Küchenradio, das fast alles kann. Es empfängt quasi alles, was derzeit senden kann, ob über Funkwellen, DAB+, Bluetooth oder Internet und es gibt auch Musik von NAS-Speichern und USB-Sticks wieder. Die Tonqualität ist für diese Preisklasse und Gerätegröße überragend und der Preis ist fair.

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