AKG K712 Pro: Der schlechteste beste Kopfhörer der Welt

Mit AKG fing meine Liebe zu hochwertigen Kopfhörern an. Der AKG K501 war vor 25 Jahren mein erster HiFi-Kopfhörer. Mit ihm erschloss sich mir eine ganz neue akustische Welt. Zehn Jahre danach kaufte ich mir das damalige AKG-Spitzenmodell, den K701, und war enttäuscht. Die Bühne war viel zu groß, der Bass anämisch, die Mitten… irgendwie seltsam. Man konnte mit dem 701er ganz gut Musik in ihre Einzelteile zerlegen. Leider fügte sie der Kopfhörer nie mehr zu einem sinnvollen und Spaß machenden Ganzen zusammen. Auch die Verarbeitungsqualität ließ zu wünschen übrig. Nach nur zwei Jahren brach das Plastik an den Bügeln, das das elastische Kopfband in Zaum hielt.

Seit AKG im Jahr 2012 den K712 auf den Markt brachte, wollte ich ihn hören. Rund 500 Euro erschienen mir aber doch arg viel. Heuer fiel der Preis auf 233 Euro und ich schlug zu. Und wirklich: Der K712 klingt großartig! Durch eine genau richtig dosierte Bassanhebung und eine fantastische Gesamtdarstellung, die vor allem durch extremen Detailreichtum zu gefallen weiß, spielte sich der AKG in mein Herz. Nach etwas mehr als einem Monat wollte ich schon eine Lobeshymne über den „wohl besten Kopfhörer unter 1.000 Euro“ in die Tastatur hämmern, doch dann löste sich plötzlich der Mini-XLR-Kabelanschluss in seine Einzelteile auf. Einfach so.  Ich habe den Hörer pfleglich behandelt und natürlich nicht am empfindlichen Anschluss gezerrt. Hm, okay, zum Glück bei Amazon gekauft. Die boten sofort an, entweder das Geld zu retournieren oder ein Ersatzmodell zu schicken. Ich Depp nahm das Ersatzmodell in der verzweifelten Hoffnung, zuerst ein „Montagsgerät“ erwischt zu haben. Beim Ersatzmodell trat der gleiche fatale Fehler schon nach drei Tagen auf. Das war es dann mit AKG. Die einst stolze Wiener Firma ist nach ihrer Übernahme durch den Harman-Konzern offenbar nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Die Qualitätskontrolle im Werk in der Slowakei dürfte nicht existent sein.

Pro: Fantastischer Sound. Was besser klingendes ist unter 1.000 Euro schwer zu finden. Extrem detailliert, ohne zu nerven.

Contra: Alles andere. Der Kopfhörer löst sich in kurzer Zeit in seine Bestandteile auf. Finger weg!

Zusammenfassung: AKG hat fertig. Die Traditionsfirma ist mit derartigen Qualitätsmängeln nicht mehr ernst zu nehmen.

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Teufel REAL Blue: Exzellenter Bluetooth-Kopfhörer zum fairen Preis!

Ich weiß nicht genau, an welchen Schräubchen und Rädchen die Ingenieure bei Lautsprecher Teufel gedreht haben, aber das neue Kopfhörer-Lineup der Berliner Firma klingt nochmal einen Tacken besser als die Vorgängermodelle. Und die klangen schon durchwegs ziemlich gut. Ich habe mir den neuen „REAL Blue“ genauer angeschaut und vor allem angehört.

Look & Feel

Der REAL Blue kommt im für Teufel typischen schwarz-roten Hardcase daher. Nach dem Auspacken und erstem Befühlen fällt die hohe Qualitätsanmutung auf. Der Bügel besteht aus stabilem Metall, die ohrumschließenden Polster und die Bügelummantelung aus angenehmem Kunstleder. Verstellt man die Länge, hört man ein befriedigendes „Klick“-Einrast-Geräusch, wie man es sonst nur von wesentlich teureren Kopfhörern kennt. Der mehrfach faltbare und damit sehr mobile Hörer ist 250 Gramm leicht und entwickelt einen exakt richtigen Anpressdruck – nicht so viel, als dass er schmerzen würde, und nicht so wenig, dass er einem vom Kopf fällt, wenn man mal headbangt. Das technophil wirkende Grau der Lackierung wird um einen roten Mesch-Stoff in den Hörmuscheln ergänzt, was eine sehr schicke Kombi ergibt. Der REAL Blue ist definitiv herzeigbar, kann aber mehr als viele reine Fashion-Cans.

Blue & Tooth

Ausgestattet mit dem neusten Bluetooth-Standard lässt sich der neue Teufel problemlos an jedes Smartphone koppeln. Ein Akku mit einer Dauer-Laufleistung von bis zu 30 Stunden sorgt für langen kabellosen Musikgenuss. Geht dem Akku doch mal der Saft aus, kann der REAL Blue auch mit dem beiliegenden Kabel verbunden werden. Toll gelöst: Alle Funktionen lassen sich mit einem in die rechte Ohrmuschel integrierten Touchpad bedienen. Man wischt mit dem Finger nach oben und der Ton wird lauter. Wischt man nach unten, wird’s leiser. Einmal Antippen und die Musik pausiert. Noch mal antippen und es geht weiter. Das und mehr funktioniert nach kurzer Eingewöhnungsphase problemlos und intuitiv. Auch die Sprachsteuerung mittels Siri oder Google Now klappt prima. Die Freisprecheinrichtung mit eingebautem Mikrophon werkelt tadellos und an beiden Enden der „Leitung“ kommen Gespräche klar und verständlich rüber.

Der Sound

Teufel verbaut im REAL Blue hochwertige Magnet-Neodym-Treiber, die technisch den Anforderungen für High-Definition-Sound genügen. Sie decken ein Spektrum zwischen 20 und 20.000 Hertz ab und haben eine Empfindlichkeit von 16 Ohm. Für den Praxistest habe ich den Hörer an meinem Smartphone und an meiner Anlage getestet, wobei ich als Quelle den Streaming-Dienst Tidal nützte. Zuerst eine Info für Sound-Feinschmecker: Das Maximum holt man aus dem REAL Blu wie bei allen Kopfhörern über den Kabelanschluss heraus. So gut Bluetooth inzwischen auch ist: Hört man ganz genau hin, wirkt der Sound über Kabel doch noch stellenweise ein wenig voller und detaillierter.

Beim Song „Morning“ von Beck mauert der REAL Blue ein hervorragendes Bassfundament, lässt die Tieftöne aber nicht in den Gesamtmix bluten, sondern hat sie bestens unter Kontrolle. Die akustischen Gitarren wirken höchst natürlich und der mehrstimmige Gesang im Refrain wird schön aufgefächert. Man kann tief in die Aufnahme „hineinschauen“, ohne dass dabei der Gesamtkörper der Musik verloren ginge. So soll das sein, das zeichnet gute Kopfhörer aus.

Hysteria“ der britischen Band Muse ist mit seinen schnellen und extrem tiefen Elektro-Bass-Attacken eine Herausforderung für jeden Kopfhörer. Der REAL Blue kommt damit erfreulicherweise sehr gut zurecht. Das Tieftongewitter wirkt brachial und realistisch. Und wieder separiert der Teufel das tonale Spektrum exzellent.

Papercut“ von Linkin Park serviert der REAL Blue beinahe als Live-Erlebnis. Die brutalen E-Gitarren-Riffs stehen fast physisch im Raum, der komplexe Bass wummert bedrohlich im Untergrund und die Stimme des Shouters hat exakt die Körperlichkeit, die sie auf einem guten Wiedergabegerät haben muss.

Hut ab vor Lautsprecher Teufel! Der REAL Blue ist eine tolle Weiterentwicklung und ein neuerlicher Schritt in Richtung HiFi-Oberklasse.

Pro: Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Enorm stark in den Bässen, ohne den Sound zu verfälschen. Überragend gute Darstellung von Mitten und Höhen.

Contra: Kein active noise cancelling (dafür gibt es den REAL Blue NC). Für den Preis von 169,99 Euro gibt es nichts zu meckern. Besser klingende Bluetooth-Kopfhörer sind schwer zu finden. Es gibt welche, die luxuriöser verarbeitet sind, aber ob die den oftmals dreifachen Aufpreis wert sind?

Zusammenfassung: Lautsprecher Teufel bietet mit dem REAL Blue ein technisch ausgereiftes Produkt für den mobilen Hörspaß zu einem fairen Preis an. Was die schicke Optik verspricht, hält auch der Sound. Ganz klar eine der besseren Neuerscheinungen am Kopfhörer-Markt.

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Willkommen im Schlachthaus

Die österreichischen Wählerinnen und Wähler haben sich trotz eines ordentlichen Wirtschaftswachstums, eines sich erholenden Arbeitsmarktes und einer Lebensqualität, die in wenigen Staaten der Erde höher ist, für einen radikalen Wechsel entschieden. Halt, nein, das ist schon wieder dieselbe Propaganda, mit der die ÖVP unter Sebastian Kurz die Wahlen gewinnen konnte. „Wechsel“, „Veränderung“ – Wechsel und Veränderung mit einer Partei, die seit 30 Jahren ununterbrochen regiert? Die Leute haben es gefressen. Ein Wechsel wird durchaus kommen, denn ÖVP, FPÖ und Neos haben zusammen die Zweidrittelmehrheit und können aus Österreich jetzt machen, was sie wollen, doch wird es eher eine Rolle rückwärts sein, eine konservative Revolution, denn das ist das paradoxe Wesen rechter Revolten: Man will, das alles anders wird, weil man sich vor Veränderungen fürchtet. Das Andere, das man anstrebt, ist ein mystisches Gestern, eine erträumte Vergangenheit, in der man selber noch jünger war und alles seine Ordnung gehabt zu haben schien. Die Veränderungen, die man fürchtet, haben Gesichter, und zwar dunklere, schwarze gar, und die Veränderung, die man wünscht, ist das Auslöschen der dunklen Gesichter. Ob durch Abschiebung oder extremere Methoden interessiert die Angsthasen nicht. „Weg mit denen!“ wird gerufen.

ÖVP, FPÖ und Neos werden nicht nur dank ihrer bequemen Mehrheit ungestört regieren können, sondern auch wegen der starken Sehnsucht nach ethnischer und kultureller Säuberung im Lande. Wo die Massen verinnerlicht haben, dass an allem „die Fremden“ schuld sind und, so verkündet es die rechte Propaganda und so glauben es viele, die „Linken“, die die „Fremden“ erst ins Land gelassen hätten, werden diese auch an den sozialpolitischen Schweinereien, die da kommen, die Schuld zugeschoben kriegen. Rentenkürzungen, geschlossene Krankenhäuser, hungernde Sozialhilfebezieherinnen, explodierende Obdachlosigkeit, Zwangsarbeit und Knast, irgendwann auch Krieg – sind an allem die „Fremden“ schuld. „Tut uns leid“, wird Kurz sagen, „aber ich muss euch weh tun, um den Fremden noch viel mehr weh tun zu können“. Diejenigen, denen man weh tun wird, werden nicken und sagen: „Schlagt uns, aber bitte schlagt die Fremden, die mit den dunklen Gesichtern, noch härter!“.

Es wäre schön, handelte dieser Blogeintrag nur von Österreich. Leider passiert das, was hierzulande geschieht, auf der ganzen Welt. Überall wählen die Bevölkerungen einen Scheißdreck zusammen, als wäre auf irgendeiner Vollversammlung aller Bewohner des Planeten beschlossen worden, Scheiße sei von nun an Gold und Gold Scheiße. Hat das eine materielle Basis? Natürlich. Es ist die Kombination aus einem ungeheuren technischen Wandel, der immer rascher althergebrachte Fähigkeiten entwertet, und dem globalen Charakter des Kapitalismus. Selbst in chinesischen Fabriken, wo tausende Menschen dicht an dicht in riesigen Hallen sitzen und Smartphones zusammenschrauben, weiß man oder ahnt es wenigstens, dass das bald Maschinen erledigen werden. Und sogar Berufe in westlichen kapitalistischen Zentren, die als sicher galten, sind es nicht mehr. Software und Robotik werden in Bereiche vordringen und dort Menschen überflüssig machen, von denen man es sich heute noch gar nicht vorstellen kann. Und als zwar ständig verdrängtes, aber immer lauter werdendes Hintergrundgeräusch hören alle das Toben der Stürme und das Krachen der abbrechenden Eisberge, die davon künden, wie rasch große Teile dieser Welt unbewohnbar werden, da sich das Klima schneller ändert, als es selbst pessimistische Wissenschaftler vorhergesagt haben.

In diesen Vorkrisen der ganz großen Krise, die gerade entsteht, haben Staaten wie auch die gesamte Menschheit innerhalb des kapitalistischen Systems nicht viele Möglichkeiten. Eine Möglichkeit wäre, die entstandenen und noch wachsenden Oligopole so zu besteuern, dass damit das Überleben der ökonomisch überflüssig gewordenen Menschen, die ihre Arbeitskraft nicht mehr verkaufen können, finanziert wird. Neue globale Verträge müssten neben Handelserleichterungen Maßnahmen beinhalten, mit denen ein Ausgleich zwischen den Gewinnern und Verlierern des rasanten Wandels geschaffen werden kann. Und man bräuchte Pläne, wie man das Überleben jener Hunderter Millionen gewährleistet, die sich wegen des Klimawandels bald nicht mehr ernähren werden können. Eine Zeit lang probierte man, in diese Richtung immerhin zu denken und erste Verträge auszuarbeiten. Doch gibt es eine für entscheidende Kapitalfraktionen viel bequemere „Lösung“: Autoritäres Regieren bei gleichzeitigem Aufhetzen der Bevölkerungen gegen Sündenböcke. Arbeitslosigkeit wird „bekämpft“, indem man Armut kriminalisiert und die vom Kapitalismus ausgeschiedenen verrecken lässt, nachdem man erfolgreich die Mär von der Eigenverantwortung in möglichst viele Köpfe gepflanzt hat. Da das nicht mit großen Massen geht, wird man zunächst Minderheiten drangsalieren und Vertretern der Mehrheitsbevölkerung die Chance geben, als vom Staat bezahlte Schläger, vielleicht auch Mörder ihr Einkommen zu haben. Auf jeden Fall wird man Minderheiten ethnischer, sexueller, politischer oder gesundheitlicher Natur für alles Schlechte, das da kommt, verantwortlich machen. Freiheiten, wie sie im Experiment des liberalen bürgerlichen Staates als selbstverständlich missverstanden wurden, werden wieder einkassiert werden. Massiv gefördert werden hingegen Wahnvorstellungen aller Art, seien diese religiös, esoterisch oder rassistisch, denn nur Bevölkerungen im Massenwahn werden ein System aufrechtzuerhalten bereit sein, das in sich wahnhaft und widersprüchlich ist. Die ideologische Konditionierung ist bereits weit fortgeschritten und die Menschenschlachthäuser, die in anderen Teilen der Welt bereits arbeiten, könnten auch „bei uns“ bald wiedereröffnet werden.

#metoo #youtoo #ustoo

Nicht alles, was aus Hollywood kommt, ist schlecht. Manches schon. Harvey Weinstein zum Beispiel ist einerseits unbestritten ein erfolgreicher Produzent, dem wir einige sehr schöne Filme verdanken, andererseits wohl auch ein Vergewaltiger und Drecksack oberster Arschlochklasse. Aber manchmal hat auch der trottelige Volksmund recht, wenn er sagt, dass es nichts Schlechtes gäbe, das nicht auch Gutes mit sich brächte. Gut war im Zuge des Weinstein-Skandals, dass die Schauspielerin Alyssa Milano Frauen dazu ermutigte, in den Sozialen Medien unter dem Hasthtag #metoo über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt oder sexueller Belästigung zu berichten. Was folgte, ließ die patriarchale Weltordnung zwar nicht zusammenbrechen, sorgte aber wenigstens bei nicht völlig gegen Erkenntnis gepanzerten Männern für  ordentliches Erschrecken. Das Erschrecken aber ist Teil des Problems, denn wie allzu viele Männer Frauen behandeln, ist allgemein bekannt. Es wurde nur immer wieder verdrängt, damit man auch ja nichts ändern muss, und seit rund 15 Jahren versucht sich das hiesige Patriarchat einmal mehr in der Externalisierung des Problems, indem man es einfach Minderheiten zuschanzt. Seit spätestens der Kölner Silvesternacht 2015 dürfen „Nordafrikaner“ vulgo Schwarzafrikaner und Araber die Rolle spielen, die schon Juden, Roma, Afroamerikaner und Künstler zwangsweise geben durften, nämlich die des ewig geilen Sündenbocks, der hinter „unseren“ Frauen her sei, die „wir“ stets mit allergrößtem Respekt behandelten.

Die wohl unvermeidlichen Versuche von Nazis und Idioten, #metoo für ihre Zwecke zu reframen oder durch Parodie zu entwerten, klappten diesmal nicht so recht. Zu eindeutig schilderten die tausenden Berichte betroffener Frauen, dass Belästigung und Vergewaltigung keine Importwaren sind, die erst mit bösen Fremden ins schöne Land der weißen Geschlechtergerechtigkeit gekommen wären, sondern seit jeher fester Bestandteil abendländischen Alltags. Wie immer ist ja auch hier das Gegenteil dessen real, was Nazis und andere Rassisten fantasieren. #metoo-Berichte erzählten selten vom bösen schwarzen Mann, der hinter dem nächsten Busch darauf lauert, die unschuldige weiße Frau zu vergewaltigen, sondern fast immer von Übergriffen im Rahmen von Machtgefällen. Es geht um den Chef, der wie im Affenrudel meint, seine höhere Stellung gewähre ihm sexuellen Zugang zu Frauen. Es geht um Polizisten und Securities, die ihre Machtposition zum Grapschen nützen. Es geht um Lehrer und Professoren, die Schülerinnen und Studentinnen bedrängen. Und es geht um diesen elenden alltäglichen Spießrutenlauf aus sexualisierten Bemerkungen und ungefragt zugeschickten dickpics, dem Frauen ausgesetzt sind. Es geht um Besoffene, die eine Frau nicht anders anzusprechen wissen als mit einer Bewertung ihrer sexuellen Attraktivität. Kurz: Es geht darum, was es bedeutet, in dieser angeblich so aufgeklärten Gesellschaft eine Frau zu sein.

#metoo ist aufklärerisch, da die Aktion auf Berichte statt auf Wertung setzt und vor Augen führt, wie viel sexualisierte Gewalt mit Machtverhältnissen zu tun hat und wie wenig mit „Kultur“. Das Geschwätz von „Kultur“ sollte überhaupt dringend aufhören, denn wäre „Kultur“ das, was die Dummköpfe darunter verstehen, nämlich eine unveränderliche Eigenschaft wie die Hautfarbe, dann müsste man zuallererst fordern, Europa und vor allem Deutschland atomar auszulöschen. Niemand sonst hat so viel Mord, Vergewaltigung, Sklaverei und systematische Menschenvernichtung über die Welt gebracht wie Europäer, und die allerschlimmsten Europäer waren die Deutschen. Die weiße europäische Kultur war bekanntlich nicht vorrangig jene von Kant, Bach, Wilde, Marx, Freud und de Beauvoir, sondern die von Hernán Cortés, Martin Luther, Heinrich Kramer, Thomas Robert Malthus und Adolf Hitler. Ein einziges langes Gemetzel untereinander und an Kolonisierten, eine Kultur der Scheiterhaufen, die jahrhundertelang brannten, eine Kultur des allertiefsten Frauenhasses und Antisemitismus und letztlich eine der bürgerlich-kapitalistischen Menschenwertsberechnung nach betriebswirtschaftlichen Kriterien. Nicht, dass in anderen Teilen der Welt vor der europäischen Eroberung paradiesische Zustände geherrscht hätten, aber wer immer noch bis zu den Hüften im letzten großen Blutbad steht, sollte vielleicht mal kurz innehalten, bevor er anderen die Zivilisation erklären will.

#metoo räumt mit dem Überlegenheitsdünkel der bürgerlichen weißen Herrschaftsmoral teilweise auf. Der Hashtag bringt das Verdrängte zurück ans Licht, zerrt die debilen Fans des Okzidents vor den Spiegel, ohne dabei verharmlosenden Relativismus walten zu lassen. Bei #metoo geht es im Gegensatz zur Irrmeinung einiger Kritiker der Aktion nicht um afghanische Bäuerinnen, sudanesische Sklavinnen oder Femizid-Opfer in Mexiko, sondern um die sexistische Ordnung, die auch in Europa und Nordamerika immer noch die herrschende ist. Frauen berichten davon, wie sie von Männern, die oftmals dieselben sind wie jene, die sich für furchtbar aufgeklärt und kritisch halten, in ihrer geschlechtlichen Integrität verletzt wurden. Es geht dabei um „unseren“ Sexismus der nicht besser wird, weil er anderswo gerade schlimmer ist.

Vorsicht: Bissige Arme!

Margrethe Vestager, Wettbewerbskommissarin der EU, wurde deutlich: „Das ist illegal“. Gemeint war die Praxis von EU-Mitgliedsstaaten wie Luxemburg oder Irland, Konzernen eine Gewinnversteuerung zu ermöglichen, die so dermaßen unter internationalen Gepflogenheiten liegt, dass sie einer staatlichen Förderung und damit einer Wettbewerbsverzerrung gleichkommt. Luxemburg soll jetzt nach dem Willen der EU-Kommission 250 Millionen Euro Steuernachzahlung von Amazon einfordern. Der Weltmarktführer im Internethandel habe dank einer luxemburgischen Spezialgesetzgebung nur ein Viertel der an sich fälligen Steuern bezahlt. Irland, das von der EU dazu verpflichtet wurde, von Apple nicht weniger als 13 Milliarden Euro an unlauteren Steuervorteilen zurückzufordern, weigert sich seit einem Jahr, dem nachzukommen. Die EU will Irland nun mittels eines Verfahrens beim Europäischen Gerichtshofs zwingen, die ausstehenden Steuern einzutreiben.

Das verdient einen Extra-Absatz: Die EU will Irland per Gerichtsbeschluss dazu zwingen, Steuern einzutreiben, die Irland zustehen.

Hätte es noch eines Nachweises bedurft, herauszufinden, ob im Kapitalismus überraschenderweise tatsächlich das Kapital regiere, so hat die irische Regierung ihn erbracht. Wer nun gähnt und „das ist doch nix Neues“ sagt, hat einerseits recht. Andererseits erleben wir in Österreich gerade einen Wahlkampf, in dem ganz viel von Facebookgruppen, Fake-Facebookgruppen und Fake-Fake-Facebookgruppen die Rede ist und ganz wenig von der auch hierzulande ungeheuerlichen Steuergesetzgebung und den diesbezüglich noch ungeheuerlicheren Plänen von ÖVP und FPÖ.

Wenn in diesem Wahlkampf von Geld die Rede ist, dann nur von dem, das man denen, die schon genug davon haben, schenken möchte. Woher die Geschenke kommen sollen? Natürlich vom Ausländer, denn der, so allen voran die ÖVP, kriege ebenso zu viel wie die Überflüssigen, die von Arbeitslosengeld oder Mindestsicherung existieren müssen. Wo wenig ist, ist in der Masse dennoch einiges zu holen, und daher soll es Menschen, die von 40 Euro Taschengeld im Monat (Asylbewerber) oder von 800 Euro (Mindestsicherungsbezieherin) „leben“, genommen und den „Leistungsträgern“ gegeben werden. In Teilen von Österreich, deren Landesparlamente von ÖVP und FPÖ dominiert werden, macht man das schon. So wurde kürzlich einer Niederösterreicherin die Mindestsicherung auf 220 Euro gekürzt, da sie in eine Notschlafstelle für von Obdachlosigkeit bedrohte Frauen gezogen war, was den allerchristlichsten ÖVPlern und den sozialnationalistischen FPÖlern als „Wohngemeinschaft“ gilt, und wo Gemeinschaft ist, da braucht es keinen schnöden Mammon mehr. Wie die Predigt in der Kirche füllt Gemeinschaft zwar nicht den Magen, aber wärmt das Herz.

Glaubt man den Umfragen und geht es nach dem Willen der Zeitungsbesitzer, bekommt Österreich demnächst eine Regierung unter dem zackigen Gelfrisurmodel Sebastian Kurz. Der soll, gestützt auf die strammen Schultern freiheitlicher Burschenschafter, aufräumen mit sozialromantischem Unsinn wie der Idee, in einem der reichsten Länder der Welt solle niemand von existenzieller Not bedroht sein. Not macht mobil, Not macht Beine. Freilich nicht immer so, wie es den Christen und Rassisten gefällt. Wird die Not nämlich zu groß, dann legt sich nicht jeder Mensch still zum Sterben hin, sondern so mancher kommt auf die Idee, dorthin zu gehen, wo weniger Not ist. Und lebt er schon dort, wird aber dennoch ins Elend gezwungen, während andere auf Instagram Fotos ihrer neuesten Villa posten, dann denkt er vielleicht daran, so eine Villa mal besuchen zu gehen und sich dort zu nehmen, was ihm zuvor verwehrt wurde. „Gute Geschäfte für die Sicherheitsindustrie“, denkt da der Christsoziale und Sozialnationale, allein: Der Pechvogel aus dem Kreis der Villenbesitzer, der sich im Kofferraum des Autos seiner Entführer wiederfindet, wird sich womöglich fragen, ob die nicht wirklich gute Sicherheitslage die letzte Umverteilung von unten nach oben wirklich wert war.

Sie werden sich nicht durch solche Überlegungen, die zu haben Verstand zu besitzen voraussetzt, von ihren Vorhaben abbringen lassen. Aber „this Land is your land, this land is my land“ werden sie auch nicht mehr singen können, denn es wird dann Gegenden geben, wo sich so eine Gelfrisur oder Narbenfresse ohne Polizeikonvoi nicht mehr blicken lassen kann ohne Gefahr für Leib und Leben. Das wird niemandem ein Trost sein, es wird nur sein. Wer seine Gated Community verlassen will, wird am schwer bewachten Ausgang ein Schild vorfinden mit der Aufschrift „Vorsicht: Bissige Arme!“

Teufel Definion 5 – Bezahlbares High End

Zu Lautsprechern und Kopfhörern gibt es fast so viele Meinungen, wie es Ohren gibt. Bei höherpreisigen Geräten gibt es dann noch so was wie Audio-Sekten, die bestimmten Marken oder Bauarten ewige Treue schwören und sich in Internet-Foren mit Anhängern anderer Marken und Bauarten erbitterte verbale Schlachten liefern. Ich halte das anders. Gutes Audio-Equipment erkennt man meiner Meinung nach so: Man möchte damit seine gesamte Musiksammlung von vorne bis hinten neu hören, weil alles besser klingt als zuvor. Das unterschiedet gute von schlechten Boxen oder Kopfhörern, nicht aber der Preis, der Markenname oder das Bauprinzip.

Mit den Definion 5 von „Lautsprecher Teufel“ höre ich mich seit gut einem Monat durch all meine Platten, meine digitale Musikbibliothek und verlustfreie Streamingdienste. Ich höre meine Musik, wie ich sie nie zuvor gehört habe. Zwar hatte ich durchaus damit gerechnet, dass die Definion 5 eine ganz gute Box ist, die große Überraschung aber war, dass sie meine bisherigen Wiedergabegeräte dermaßen klar auf die Ränge verweist, dass dabei ein Wow-Effekt eingetreten ist, wie ich ihn zuletzt beim Umstieg von billigen Regalboxen auf große Standlautsprecher hörte oder als ich erstmals Kopfhörer der 200-Euro-Preisklasse gekauft hatte. 20 Jahre lang taten meine Lautsprecher „Elac Limited One“, die fast baugleich mit der Edition One sind und in Hi-Fi-Kreisen einen sehr guten Ruf haben, beste Dienste. Mit Kopfhörern wie dem Rs2e von Grado, dem HD-800 von Sennheiser und dem Beyerdynamic T1 meinte ich überdies, all meine Bedürfnisse nach möglichst hoher Auflösung abgedeckt zu haben. Überraschenderweise lösen die Definion 5 ein ganzes Eck besser auf und ich höre mit ihnen Details, die mir sogar mit den genannten Musik-Mikroskopen entgangen waren. Und im Vergleich zu den Elac-Boxen, die unter Einberechnung der Inflation damals gleich viel kosteten wie die Teufel heute, sind die Definion 5-Speaker in etwa vier Mal so gut. Ich schreibe das nicht leichtfertig und ich werde im Folgenden versuchen, es etwas genauer zu begründen.

PR-Gelaber und Unboxing

Die Berliner Firma Teufel brachte die Definion 5 vor knapp vier Jahren als ihr neues Top-Modell auf den Markt und sparte bei dessen Vorstellung nicht mit Eigenlob und Superlativen. Die Box sei ein „brutal anderer Lautsprecher, der sich über Konventionen hinwegsetzt“, hieß es im Pressetext. Es handle sich um einen „High-End-Stereo-Lautsprecher mit kompromisslos unverfälschter Wiedergabe“. Die patentierte „Synchronized Coaxial Acoustic-Technik“ sorge für eine Wiedergabequalität, die „in puncto Räumlichkeit, Feindynamik und Präzision neue Maßstäbe“ setze. Klingt hübsch, aber was steckt hinter dem Marketing-Sprech? Und hält das Produkt, was die PR verspricht?

Teufel liefert die Boxen wie versprochen bis zur Haustür. Wenn die Haustür aber wie in meinem Fall drei Stockwerke weiter unten ist und das Haus keinen Lift hat, kann das mit diesen Brocken, die mit Verpackung fast 35 Kilo wiegen, zu einem logistischen Problem werden. Ich konnte den Lieferwagenfahrer zum Glück überreden, mir beim Hinauftragen behilflich zu sein. Schält man die Definion 5 aus der Verpackung, fällt einem sogleich die exzellente Verarbeitungsqualität auf. Das Gehäuse der Box besteht aus MDF, also einem mitteldichten Holzwerkstoff, der von vielen Herstellern wegen seiner hohen Biege- und Zugfestigkeit für den Bau hochwertiger Lautsprecher verwendet wird. Die weiße Lackierung ist makellos und wird auf der Vorderseite durch eine schwarze Blende ergänzt. Nirgendwo sieht man eine Schraube, nicht einmal die Anschlüsse auf der Rückseite stecken, wie bei den meisten anderen Herstellern, in einer aufgeschraubten oder geklebten Fassung, sondern kommen direkt aus dem Gehäuse. Die Standfüße bestehen aus massivem Metall und ruhen auf Puck ähnlichen Absätzen, die die Box sehr gut vom Boden entkoppeln. Wie von Teufel gewohnt, ist die Montage selbsterklärend und kann auch von einer Person bewältigt werden. Die Definion 5 hat vier Anschlüsse. Man kann sie also mit einem Verstärker allein betreiben oder auch mit einem Verstärker und einem Vorverstärker.

Das Erblühen einer Schönheit

Natürlich war ich ganz heiß darauf, die Definion 5 sofort anzuschließen und Probe zu hören. Nach der Verkabelung legte ich auch gleich los und speiste den Verstärker mit einer elend langen Playlist – und ging dann für einige Stunden außer Haus. Warum? Weil die Teufel-Spitzenboxen wie alle anderen High-End-Tonwiedergabegeräte direkt aus dem Karton nicht fair beurteilt werden können. Sie brauchen eine Einspielzeit, die mindestens 24 Stunden betragen sollte, besser noch 50. Direkt nach dem Anschließen klang die Definion ein bisschen so wie ich am frühen Morgen – theoretisch auf Zack, aber irgendwie lustlos und fast beleidigt, in die Gänge kommen zu müssen. Das Schöne daran ist, dass die Box stündlich besser wird und man dann live dabei sein kann, wie sie nach und nach aufblüht. Nach ungefähr zwei Wochen war der Speaker so weit, dass ich anfangen konnte, ihn fair zu kritisieren.

Äußere Werte

Die Definion 5 ist wirklich hübsch. Trotz ihrer 1,1 m Höhe, 21,8 cm Breite und 37 cm Tiefe wirkt sie zwar nicht direkt mager, aber doch schlank genug, um nicht das Wohnzimmer zu dominieren als wäre sie eine übergewichtige Hausbesetzerin. Der Corpus der Box verjüngt sich nach hinten trapezförmig. Eine schöne Abwechslung zur jahrzehntelang vorherrschenden rechteckigen Form, die nicht nur originell aussieht, sondern auch stehende Wellen und innere Reflexionen minimieren soll. Eine Form übrigens, die andere Hersteller von High-End-Boxen auch immer öfter verwenden. Auf der Vorderseite lachen uns drei Tieftöner sowie die in Koaxialbauweise ineinander verbauten Mittel- und Hochtöner an. Teufel findet das Front-Design offenbar so gelungen, dass man gar keine Abdeckung beilegt. Ich vermisse sie nicht, aber wer kleine Kinder oder Katzen zuhause hat, riskiert eventuell, dass diese sich an den empfindlichen Treibern zu schaffen machen. Abgesehen davon ist die Box optisch unaufdringlich und sollte sich in jeden Wohnraum harmonisch einfügen können. Die Definion 5 ist eine geschlossene Box, hat also keine Bassreflex-Öffnung.

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Innere Werte

Die Definion 5 schluckt eine Dauerbelastung von 250 Watt und kann als Impulsbelastung auch 100 Watt mehr ertragen. Die Empfindlichkeit liegt bei 85 dB. Diese Zahlen bedeuten, dass man zum Anfeuern der Box einen Verstärker braucht, der mindestens 50 Watt sinus auf zwei Kanälen leisten kann. Mit weniger Saft lässt man die ungeheuren Potenziale des Lautsprechers brach liegen. Wenn es sein muss, geht die Definion bis zu einer Lautstärke von 104 Dezibel. Ich habe die Box abwechselnd mit dem Marantz PM7005-Stereoverstärker und dem AV-Reciever VSX-930 von Pioneer betrieben. Obwohl der Marantz deutlich teurer ist als der Mittelklasse-Verstärker von Pioneer, waren die Ergebnisse nicht wie Tag und Nacht, sondern überraschend ähnlich. Und obwohl mich manche Audiophile jetzt kreuzigen werden: Ich hatte den Eindruck, dass die 165 Watt, die der AV-Reciever an die Boxen lieferte, einen kleinen Tacken besser klangen als die 80 Watt vom dezidierten Stereo-Verstärker.

Den Frequenzgang gibt Teufel mit 42 Hz bis 22 kHz an. Am Papier klingen 42 Hz nicht nach einer Tiefbass-Orgie, und in der Tat gibt es Konkurrenzprodukte, die mit Bassreflex-Konstruktionen tiefer in den Tonkeller steigen als die Definion 5 – am Papier zumindest. In der Praxis vermisst man hier kein bisschen Bass, sondern hat es im Gegenteil mit einer der bassstärksten Boxen ihrer Preisklasse zu tun, oder genauer: ihrer Klasse. Die Definion spielt nämlich eher in der Liga von Boxen um 8.000 Euro und mehr als in der um 1.400, die sie pro Stück kostet. Die Basswiedergabe ist eines der Filetstücke dieses Lautsprechers. Der Bass ist dank der geschlossenen Bauweise extrem exakt und pegelfest und rutscht auch bei hohen Lautstärken nie ins Schwammige ab. Da gleich drei Tieftöner vorhanden sind, ergibt sich in Summe eine große Membranfläche, aber die Aufteilung auf drei kleinere Töner hat den Vorteil der viel höheren Präzision. Die Tieftöner spielen auch recht weit in die Höhe, was den Übergang zu den Mitten ungeheuer flüssig macht und vor allem Stimmen eine äußerst lebensechte Charakteristik verleiht.

Meisterklasse

Der technische Höhepunkt der Definion 5 ist freilich ihr Koaxialreiber. Auf Deutsch heißt das, dass Mittel- und Hochtöner im selben Chassis stecken. Teufel ist hier sogar noch weiter gegangen als viele andere Hersteller und hat für den Hochtöner eine Flachmembran verwendet, die ohne mechanische Abgrenzung sozusagen frei im Mitteltöner schwebt. In der Praxis ergibt das zwei große Vorteile gegenüber anderen Konstruktionen. 1. kommen Mittel- und Hochtöne zeitgleich beim Hörer an und 2. nähert man sich damit dem Lautsprecher-Ideal der Punktschallquelle an. Punktschallquellen sind seit langem der heilige Gral der Lausprecher-Baukunst. Vereinfacht gesagt ist eine Box, die nahe an der Punktschallquelle dran ist, in der Lage, einen Raum fast unabhängig von ihrer Positionierung mit Klang zu füllen. Die Definion 5 ist zwar, wie alle anderen Lautsprecher unter 100.000 Euro, keine „echte“ Punktschallquelle, aber sie ist so nahe dran, dass man es hören muss, um es zu glauben. Das Koaxial-Prinzip verwenden ansonsten nur Kleinserienhersteller oder Edel-Firmen wie Tannoy und Vienna Acoustics. Ein Bekannter von mir besitzt Tannoy-Lautsprecher der „Cambridge“-Reihe, die pro Stück 25.000 Euro kosten. Ich hoffe, er ist nicht beleidigt, falls er das hier liest, aber die Definion 5 steht diesen Luxus-Modellen kaum nach. In der Tat sind diese mehr als zehnmal so teuren Tannoy jene Boxen (die ich kenne), die der Definion am ähnlichsten klingen. Die große Leistung von Teufels patentierter „Synchronized Coaxial Acoustic-Technik“ ist das nahezu perfekte Timing der Box. Da wabert kein Bass den Mitten hinterher, da kommt keine Mitte vor den Hochtönen beim Hörer an – alles ist wie aus einem Guss und verleiht der Musik dadurch eine Lebhaftigkeit, ein Live-Feeling, wie es nur ganz wenige andere Boxen können und in dieser Preisklasse vielleicht keine andere.

The Sound of Awesome

Soviel zur Theorie. In der Praxis verblüfft mich die Definion 5 mit einer Linearität und Neutralität, die atemberaubend ist. Die Grundabstimmung der Box ist zwar leicht warm, also mit einer sanften Bassbetonung, aber weder ist das ein zu groß geratener Ghettoblaster noch verschluckt der Lautsprecher Details in den Mitten und Höhen. Wenn ich die Definion 5 mit einem Satz beschreiben müsste dann vielleicht so: Sie klingt wie ein extrem guter Monitor, der aber auch Spaß macht. Hierzu eine kleine Warnung: Die Definion 5 ist definitiv „audiophil“. Sie ist also nix für Leute, denen es nur auf möglichst lautes „Bummbumm“ ankommt. Der Bass ist zwar mächtig, aber nicht aufdringlich. Das merkt man, wenn man die Box mal richtig aufdreht. Da ist kein unangenehmes Wabern oder Grummeln, man kriegt keine Schläge in die Magengrube verpasst. Eben wie bei sehr guten Monitoren meint man fast, dass kaum ein Unterschied zwischen laut und leise zu vernehmen ist – bis man plötzlich merkt, dass der Sessel unter einem vibriert und die anderen Möbel unter dem Schalldruck leise Stöhngeräusche von sich geben. Während die Box nichts aus der Ruhe bringt und der Zuhörer auch bei hohen Pegeln enorme Präzision geboten kriegt, rückt wahrscheinlich schon die Polizei an wegen einer Ruhestörungs-Meldung.

Die Definion 5 macht Bass, wenn die Aufnahme Bass hat, bläst aber keinen bassarmen Track zu einem vermeintlich basslastigen auf. Das gilt auch für alle anderen Frequenzen. Wie jeder gute Lautsprecher oder Kopfhörer macht die Teufel-Box aus schlecht aufgenommener Musik keine gute. Sie ist zwar relativ gnädig, aber kann ihre Natur als High-End-Gerät halt nicht verbergen. Klar, sie spielt auch schlecht gemasterte Musik in schlechter MP3-Qualität ab, aber sie verhält sich dabei ein bisschen so wie eine Opern-Diva, die man bittet, doch mal „An der Nordseeküste“ zu singen. Sie macht es, aber sie gibt subtil zu erkennen, dass sie zu Höherem bestimmt ist. Richtige Spielfreude kriegt sie mit gut gemischtem Material in guter Qualität. Wer behauptet, zwischen MP3 und Lossless oder High-Res keinen Unterschied hören zu können, wird von der Definion eines Besseren belehrt. Um ein praktisches Beispiel zu bringen: Klar klingt Spotify auch mit der Definion super, aber wenn man dann einen verlustlosen Streamingdienst wie Qobuz oder Tidal verwendet, merkt man Unterschiede, die man mit schlechteren Boxen nie gehört hätte. Sporify klang für mich mit der Definion 5 okay, aber halt auch ein bisschen „falsch“, gleichzeitig zu dünn und wie mit Loudness aufgeblasen. Auf Tidal oder Qobuz geschwenkt kriegten dieselben Tracks plötzlich viel mehr Körper und Energie.

In der Praxis

Hier nun ein paar Beispiele dafür, wie sich die Definion 5 im echten Leben schlägt.

Nirvana: „Smells Like Teen Spirit“ (CD). Unfassbar! Ich bin wieder 20 Jahre jung. Krist Novoselic‘ drängende Basslines und Dave Grohls Drums knallen so wuchtig in den Raum, dass ich meine Kinder freiwillig dem Jugendamt übergeben würde, wenn ich welche hätte. Kurt Cobains Gitarre sägt und schreit und jault bei den berühmten Breaks jammervoll auf. So wurde das aufgenommen, so gibt es die Definion 5 auch wieder. Ich drehe die Lautstärke immer weiter auf und werde vom Sound richtiggehend in den Sessel gepresst, ohne aber das Gefühl zu haben, bedrängt zu werden.

Richard Thompson, Doppelalbum „You? Me? Us?“ (High Res). Die zweite Platte, auf der Thompson nur von akustischer Gitarre, einem Kontrabass und manchmal einer Geige begleitet singt, ist ein packendes Erlebnis. Es mag wie ein abgenudeltes Klischee klingen, aber das hörte sich tatsächlich so an, als säße Thompson wenige Meter entfernt im gleichen Raum auf einem Barhocker, zwei Meter links von ihm der Mann mit dem Stehbass und in der Mitte die Violinistin. Man hört das so intensiv und lebendig, als wäre es tatsächlich live. Jede kleinste Modulation der Stimme, jedes Vibrato, jede Anstrengung bei höheren Tönen transportiert die Definion 5 so glaubhaft, dass man fast meint, Thompsons Stimmbänder anschwellen und wieder entspannen zu sehen.

Bei „All Ireland“ von Roy Harper, zugespielt als 16-Bit/44,1 kHz-CD, hat man bei geschlossenen Augen tatsächlich den Eindruck, der Künstler sitze weniger Meter vor einem auf einem Barhocker. Jeder Akkord der zwei akustischen Gitarren, jede einzelne Saite ist exakt zu hören und die Stimme des Sängers bekommt einen Corpus, der auf schlechteren Boxen schlicht nicht zu vernehmen ist.

How Does It Feel“, ebenfalls von Roy Harper (Flac). Am Ende des Stücks spielt eine zweite Gitarre eine Reihe von einzelnen Töten, die auch gute Lautsprecher gerne halb verschlucken. Die Definion 5 arbeitet jeden einzelnen dieser Töne ganz klar heraus und gibt den Anschlägen genau das Volumen, das sie haben und brauchen.

The Beatles, „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, Bluray. Ich höre akustische Gitarren im Mix, die ich nie zuvor gehört habe. Wenn Lennon, McCartney und Harrison im Chor singen, ist jede Stimme eindeutig herauszuhören und zuzuordnen. Die ganze Platte wirkt warm und lebendig. Zuletzt hörte ich sie so, als ich sie zum allerersten Mal hörte.

Richard Strauss, „Also sprach Zarathustra“, London Symphony Orchestra, LP. Die Definion bewältigt die enormen Dynamiksprünge mühelos. Ich schließe die Augen und sehe das gesamte Orchester vor mir, höre auch die hinteren Reihen ganz klar. Die Pauken fetzen mächtig, sind aber unter Kontrolle, und kein Instrument säuft im Mix ab.

War, „Smile Happy“, CD. Diese Aufnahme der Funk-Soul-Combo aus Kalifornien erstrahlt auf der Definion 5 in einem Glanz, wie ich ihn nicht mehr kannte, seit ich die Nummer einst in einer Diskothek gehört hatte. Von der Bassdrum zu den Snares, vom Bass zu den harmonierenden Saxophonen und Trompeten – das hat einen Körper, das ist massiv! Und wie bei anderen Stücken auch bedrängt einen die Teufel-Box nicht, sondern nimmt einen in den Arm, umschmeichelt einen von allen Seiten mit Klang. Ja, das ist ganz groß, das ist ein Erlebnis.

Und Filme? Ja, auch Filme!

Ich betreibe mit der Definion 5 ein 4.0-Surround-System für Filme und Multichannel-Musik. Die Firma Teufel wird das jetzt nicht gerne hören, aber die Stimmwiedergabe bei der Definion ist dermaßen gut, dass ich in meinem gut 20 Quadratmenter großen Zimmer keinen Center-Speaker vermisse. Stimmen sind sehr konturiert und klar gezeichnet. Und der Bass reicht mir persönlich völlig aus, so dass ich auch nicht dringend einen Subwoofer brauche. 5.1-Systeme oder 7.1, 9.1 oder gar Dolby Athmos machen ehrlich gesagt in einem relativ kleinen Raum nicht viel Sinn. Wer einen Raum extra für Heimkino hat, der braucht natürlich Center und Subwoofer, aber für den gelegentlichen Filmgenuss im Wohnzimmer? Nope, braucht man nicht. Da die Definion durch ihre Koaxial-Technik sehr breit strahlt, muss man auch nicht im exakten Sweetspot sitzen, um das volle Stereo- oder Surround-Erlebnis zu kriegen. Wer das bodenlose Grummeln eines Subs vermisst, sollte sich hier klar sein, dass er einen Woofer braucht, der mindestens 800 Euro kostet. Ansonsten riskiert man, dass die wunderbare Soundlandschaften, die die Definion erschließen, durch einen schlampigen Tiefton versaut werden.

Chinesische Wertarbeit

Die Definion 5 sind Made in China. Von deutschen Ingenieuren entworfen und patentiert, aber halt nicht in Deutschland zusammengebaut. Mich persönlich stört das nicht, denn ich finde es gut, dass auch Chinesen einen Job haben und ihre Familie ernähren können. Und dass sie sich irgendwann die gleichen Lautsprecher kaufen können wie wir Westler. Made in China ist außerdem schon lange kein Indiz für Qualitätsmängel mehr. Teufel gewährt nicht ohne Grund zwölf Jahre Garantie auf die Definion 5. Zu bedenken ist auch, dass durch den Direktvertrieb, den Teufel als Verkaufsmodell gewählt hat, und die Herstellung in Fernost Kosten wegfallen, die durchaus 100 Prozent des Endpreises ausmachen können. Für manchen Lautsprecher, der Made in Germany ist und den man im Laden nebenan kauft, zahlt man also das Doppelte. Das kann auch Vorteile haben. Neben allfälligem Wirtschafts-Partriotismus auch den, dass man dann halt einen Serviceberater in der Nachbarschaft hat. Allerdings ist der Teufel-Kundenservice ziemlich auf Zack.

Compared to what?

Ist die Definion 5 also die beste Box in ihrer Preisklasse? Das traue ich mich nicht zu sagen, weil ich zwar einige Konkurrenzprodukte gehört habe, aber nicht alle, und weil der Geschmack der Menschen sehr unterschiedlich ist. Was ich aber zu behaupten wage, ist dies: Teufels teuerster Lautsprecher geht ganz klar in Richtung High End und Audiophilie und ich kenne einige Speaker, die deutlich mehr kosten und deutlich weniger können. Wer wissen will, ob die Definion 5 was für ihn ist, sollte sie Probe hören, und zwar nicht eine halbe Stunde lang, sondern ein paar Wochen lang. Teufel bietet ja eine achtwöchige Probezeit an, während der man die Lautsprecher einfach zurückschicken kann. In der Preisklasse der Definion habe ich zum Beispiel die Nuvero 110 und 140 der Firma Nubert gehört. Das sind tolle Lautsprecher, aber für meinen Geschmack klangen die ein bisschen zu hell. Die Klipsch Palladium PF-37F hat auch ihre Stärken, zum Beispiel eine extreme „Brutalität“ der Darbietung vor allem bei elektrischen Gitarren, geht aber bei Klassik eher unter und es ist recht schwer, sie richtig im Hörraum zu positionieren. Am ähnlichsten und ähnlich angenehm klangen für mich noch die Tannoy, aber die kosten das Zehnfache der Teufel. Ein kleiner Geheimtipp sind die Teufel Definion 3. Die habe ich auch gehört und sie bringen in etwa 75 Prozent der Definion 5, kosten aber 1.000 Euro weniger. Die Definion 3 hat allerdings auch nicht die tollen massiven Standfüße, die die Definion 5 hat, und 25 Prozent Sound sind halt 25 Prozent Sound.

Teufel Definion 5, Preis: 2.799.99 Euro (Paar). Erhältlich bei https://www.teufel.de