Kapitulierende Nazis, Emmanuel Macron und ein wenig Hoffnung auf bessere Zeiten

Am 8. Mai 1945 kapituliert die deutsche Wehrmacht bedingungslos. Irgendwo in Berlin glühten in einem anonymen Erdloch noch die Knochen von Adolf Hitler aus, der sich am 30. April per Suizid der weltlichen Gerichtsbarkeit entzogen hat, als die verbliebene Führungsspitze der militärischen Vernichtungsmaschinerie der Nazis in Reims und danach in Berlin die entsprechenden Dokumente unterzeichnet. Aus dem, was sich großspurig das „Deutsche Reich“ genannt hatte, gehen die BRD, die DDR und Österreich hervor. Drei Staaten voller Nazis und stiller Mitläufer, denen die Welt eine zweite Chance gibt. Widerwillig reihen sich diese Länder wieder in die Zivilisation ein und deren Bevölkerungen lecken vor allem die eigenen Wunden. Ein paar tausend der aller dümmsten Nazis tun es ihrem Führer gleich und bringen sich um, da sie in einer Welt, in der sie nicht herrschen und morden dürfen, nicht mehr leben wollen. Viele andere flüchten nach Lateinamerika oder bieten arabische Staaten ihre Dienste als Folterknechte und Auftragsmörder an. Vor allem im sowjetischen Einflussbereich wird vielen NS-Verbrechern der Prozess gemacht. Doch dort wie im Westen kommen die meisten ungeschoren davon, verhalten sich unauffällig und setzen ihre Karrieren mit anderen Parteibüchern ausgestattet fort. In einigen deutschen und österreichischen Psychiatrien ermorden Ärzte und Krankenpflegerinnen bis in die 50er Jahre hinein weiterhin Patienten. Die überlebenden Opfer des Nationalsozialismus treffen in Ämtern und an Gerichten auf ihre vormaligen Verfolger und Peiniger, die dort weiterhin das Sagen haben. Die Rückgabe geraubten Vermögens zieht sich über Jahrzehnte, ist äußerst unvollständig und jene Menschen, die für diese Rückgabe kämpfen, gelten ebenso als Nestbeschmutzer wie Historikerinnen und Intellektuelle, die die Verbrechen des Nationalsozialismus erforschen. Eine Aufgabe, mit der sie übrigens auch 72 Jahre später noch nicht fertig sein werden, was allein schon einen Eindruck vom Ausmaß der Gräuel vermittelt.

Und trotzdem sind aus diesen drei Ländern, von denen zwei später wieder zu einem werden sollten, halbwegs lebenswerte Regionen geworden. Nicht über Nacht, sondern in Jahrzehnten, in denen ihnen zivilisiertes Verhalten teilweise aufgezwungen werden musste. Tapfere Menschen in den von Ex-Nazis verseuchten Parteien und Organisationen reformierten den braunen Dreck langsam, sehr langsam weg. Immer noch finden sich in Gesetzestexten und im Umgang mit Minderheiten braune Restelemente. Noch immer ist es bedeutenden Teilen der Bevölkerungen in den NS-Nachfolgestaaten nicht vermittelbar, was unteilbare Menschenrechte sind, dass es kein „wertes“ und „unwertes“ Leben gibt, dass Sippenhaftung falsch ist und Rassismus und Antisemitismus idiotisch sind. Manchmal erringen politische Nachfolgepartien der NSDAP beängstigende Wahlerfolge. Trotzdem: Es ist besser geworden. Frauen lassen sich nicht mehr auf Gebärmaschinen für das „Volk“ reduzieren; Homophobie, Rassismus und Behindertendiskriminierung werden langsam, aber doch zurückgedrängt; die Toleranz gegenüber Abweichungen von alten Normen ist gewachsen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und die EU-Verträge wirken als Feuermauer gegenüber allzu autoritären Tendenzen. Mancher Fortschritt findet zeitgleich mit Rückschritten statt. Der gesellschaftspolitischen Liberalisierung in diesem Europa steht ein wirtschafts- und sozialpolitischer Backlash gegenüber. Mit jenen Menschen, die aus Kriegen, Diktaturen und lebensbedrohlichem Elend nach Europa entkommen wollen, ist sogar so etwas wie eine neue Form des „Untermenschen“ entstanden, den man nach Belieben zu quälen und schikanieren können meint und auf den alle möglichen und unmöglich abstrusen negativen Eigenschaften projiziert werden. Europa schottet sich ab gegenüber den Opfern, die seine Wirtschaftspolitik und seine Rüstungsexporte global produzieren, und nimmt dafür auch das Massensterben im Mittelmeer und absolut menschenrechtswidrige Zustände in türkischen und nordafrikanischen Lagern in Kauf. Es ist also alles andere als ein ideales Europa, ein ideales Deutschland, ein ideales Österreich. Aber all das ist besser als das, was vor 1945 war. Und all das ist reformierbar und veränderbar.

Heute, am 8. Mai, einen Tag nachdem Emmanuel Macron mit 30 Prozent Abstand die Rechtsextremistin Marine Le Pen bei der französischen Präsidentschaftswahl besiegt hat, sehe ich Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Es gibt keine Gesetzmäßigkeit, die vorschreiben würde, dass alles immer schlimmer werden müsste. Ja, noch sind wir gefangen im Hamsterrad kapitalistischer Sachzwänge, die so unüberwindbar und ewig erscheinen, obwohl es sie noch gar nicht so lange gibt. Noch können viele von uns sich nur Dichotomien vorstellen, nur das ganz große Entweder-Oder. Aber wie schon Brecht richtig erkannte: Das Sichere ist nicht sicher. Hunderte Millionen Chinesen wachsen in Wohlstand auf und sehen dieselben Filme und Fernsehserien wie wir. Ihre Vorstellungen von einem guten Leben wird man nicht ignorieren können, und diese Vorstellungen werden sich nicht groß von denen anderer junger Leute auf dem ganzen Planeten unterscheiden. Sie werden eine Welt haben wollen, in der sie würdig und halbwegs frei leben können und die nicht ihre eigenen Existenzgrundlagen für ein paar Prozent zusätzlichen Profit vernichtet. In den USA wäre beinahe der Sozialdemokrat Bernie Sanders Präsidentschaftskandidat und, in direkter Konkurrenz zu Donald Trump, wohl auch Präsident geworden. Dutzende Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner waren zu diesem Schritt in Richtung Vernunft und Solidarität bereit. Wer vor zehn Jahren gesagt hätte, ein linker Sozialdemokrat könne in den USA auch nur in die Nähe der Macht gelangen, wurde ebenso ausgelacht wie jemand, der vor 20 Jahren gesagt hat, es würde in absehbarer Zeit einen schwarzen US-Präsidenten geben.

Die Dinge bewegen sich und nichts ist ewig, nichts ist sicher. Für Menschen, die sich wie ich als Linke begreifen, gibt es weder Grund zum jubeln noch zu tiefer Verzweiflung. Die Selbstvernichtung der europäischen Sozialdemokratien, die bislang fast durchwegs gescheiterten Versuche linkspopulistischer neuer Parteien, der intellektuelle Stillstand der extremen Linken, das Abgleiten in Wahn und Paranoia von Teilen der antideutschen Szene, der Konservatismus der Gewerkschaften – all das ist wenig erfreulich und ein revolutionärer Umsturz scheint so fern wie seit eh und je. Was nicht zwingend was Schlechtes ist, sofern man sich über die Fähigkeit der Menschen zum Unmensch-Sein keine Illusionen macht und daher weiß, dass Aufgabe und Ziel der Linken nicht sein sollte, Macht auszuüben, sondern die Macht von Menschen über andere Menschen zu schwächen. Will eine Linke nicht Befreiung und Herrschaftsfreiheit, ist sie keine, sondern nur der alte Wahnsinn in inzwischen auch schon alter Verkleidung. Als Linker sollte man also nicht Parteien gründen und, wie der letzte Neonazidorftrottel, Waffen horten und militärische Übungen im Wald veranstalten, sondern Druck von unten aufbauen und richtiges Bewusstsein dort schaffen, wo das falsche wütet. Wo Unrecht ist, haben Linke solidarisch einzugreifen. Dazu braucht es nicht einmal allzu großen Mut, denn wir sind nicht allein. Die echten Menschenfeinde, die sich am Leid anderer ergötzen, die für Krieg und Mord und Folter und Knast werben, sitzen gar nicht auf so komfortablen Mehrheiten, wie viele annehmen. Überall auf dieser Welt verstehen sehr viele, dass es falsch ist, andere zu morden, sie hungern zu lassen, sie einzusperren oder sonst wie zu misshandeln. Überall haben sehr viele Menschen wenigstens eine Ahnung in ihrem Inneren, dass dieser Planet gerechter eingerichtet werden muss. Aber ein österreichischer Linker wird nicht so einfach korrupte Oligarchien in anderen Staaten wegzaubern können. Was er/sie kann, ist vor Ort den Opfern falscher und bösartiger Politik beizustehen und gemeinsam mit diesen die Gegenwehr zu organisieren. Der britische Singer-Songwriter Roy Harper hat das einmal so ausgedrückt: „If you want a better world why don´t you make one?“

Warum Deniz Yücel im Knast sitzt

Seit einem Monat sitzt Deniz Yücel jetzt in Einzelhaft in einem türkischen Gefängnis. Er wird damit jener Form von Dauerfolter unterworfen, deren Absicht es ist, Menschen zu brechen, zu zerstören, und die in weniger bewusstlosen Zeiten noch als das erkannt und benannt wurde, was sie ist. Das Benennen und Erkennen nimmt rapide ab bei denen, die noch die Freiheit hätten, die Unmenschlichkeiten anzuprangern, das aber unterlassen, weil sie entweder schon so verhärtet und dumm geworden sind, dass Mitgefühl zu haben ihnen unmöglich ward, oder deren eigenes autoritäres Strafbedürfnis gegenüber Abweichlern längst jede Kritik an der Inhumanität zum Witz degradiert hat. Wer den Gulag für lustig hält, kann letztlich genauso wenig glaubwürdig gegen die Folter eintreten, wie der Spießbürger, der seine Ängste mit sadistischen Fantasien darüber, was er Terroristen, „Kinderschändern“ oder sonstigen am Stammtisch zum Abschuss freigegebenen Menschen antun würde, wenn er denn dürfte, zu kompensieren versucht. Wer andere Menschen beherrschen will, und sei es nur zu deren „Wohle“, hat den Kampf um eine herrschaftsfreie Welt und damit um eine Welt ohne Folter längst aufgegeben oder nie begonnen.

Deniz und die vielen anderen sitzen im Knast, weil nicht nur die Türkei wieder autoritär geworden ist, sondern die ganze Welt im Gleichschritt das Wegsperren und Foltern wieder für etwas ganz normales, ja notwendiges erachtet, was wiederum daran liegt, dass es keine Linke mehr gibt, sondern nur noch voneinander immer weniger unterscheidbare Schattierungen der Verachtung des Lebens und der Lebendigkeit. Wer früher einmal Bündnisse suchte mit den Misshandelten und Ausgestoßenen kämpft heute allenfalls noch dafür, die Stadt von Drogenverkäufern, Obdachlosen und psychisch Andersartigen zu säubern, damit die in Wohnraum investierte Friedensdividende, die nach der Aufgabe jedes Widerstands gegen die Verhältnisse kassiert wurde, nicht an Wert verliere. Wer einst Häuser besetzte und wenigstens temporär befreite Zonen schaffen wollte, ruft heute nach der Polizei, sobald Menschen, die mit dem linksalternativen Identitäts-Ringelei nichts anzufangen wissen, weil sie in ihrem bisherigen Leben ganz andere Sorgen hatten, als sich mühsam eine politisch korrekte Etikette anzutrainieren, in die Schutzräume, in denen man ungestört sein will, eindringen. Wer in grauer Vorzeit mal wusste, dass das Ziel einer wirklich linken Politik nicht die graue Ödnis des Realsozialismus war, sondern eine neue Welt voller freier Menschen, eine freie Erde umkränzt von tausend Sonnen, wie Jura Soyfer einst träumte, übt heute Macht aus, ob in der eigenen winzigen Politsekte oder als Rädchen der großen Maschine Kapitalismus, die den Planeten und dessen Bewohner mit Haut und Haaren verspeist und bis zum Knochen abnagt.

Nun könnte man einwenden, dass das ja immer so gewesen ist, was auch stimmt, doch die Geschwindigkeit der Unterwerfung und Anpassung verwundert dann doch. Wie eine böse Karikatur wiederholen die Bürgerkinder die Leben ihrer Eltern, machen sich auf den gleichen Weg wie einst die 68er, ein Weg, an dessen Ende Hartz IV, protestantische Arbeitsethik, Krieg und wieder nur Gefängnisse aller Art standen, nur überspringen die heutigen Bürgerkinder die von den 68ern doch geleistete Arbeit an der Verbesserung der Lebensumstände durch soziale Reformen gleich ganz und landen nach einer kurzen Zeit hyperradikalen Geschwätzes in den Institutionen, wo sie die in Sekten und Banden erlernten Ellenbogen-Skills zum eigenen Fortkommen einsetzen. Viele andere werden nicht mal vorübergehend links, weil das halt in manchen Kreisen nach wie vor schick ist, sondern sind mit 20 schon 50, äußerlich wie innerlich, und zittern in ihren Wohnungen in den gentrifizierten Vierteln samt ihrer Brut, die allein ihrer inneren Leere Sinn verleihen soll, vor Angst vor sich hin. Wieder andere haben den Zug der Zeit erkannt und werden Alltagsfaschisten oder bleiben einfach welche. Entsprechend sieht das politische Personal aus. Ein abstoßender Haufen von Idioten, Verbrechern und Großmäulern, denen nichts anderes wichtig ist als der eigene Bauch. Politikerinnen und Politiker, die nicht so sind, erkennt man ganz einfach daran, dass sie nichts von Bedeutung werden dürfen, da sie von den brutalen Karrieristen einfach rausgebissen werden. Gewiss, manchmal passiert ein Betriebsunfall und es landet einer in hoher Position, der kein verkommenes Subjekt ist, aber in aller Regel wird der eher früher als später erledigt oder gibt von selber auf.

Eine Linke, die diese Bezeichnung verdienen würde, müsste zuallererst den Machtanspruch fallenlassen und den Kampf gegen die schlimmsten Auswüchse der Menschenbeherrschung aufnehmen. So eine Linke müsste an der Seite von Deniz Yücel und all den anderen stehen, und zwar bedingungslos, und sie müsste dazu nicht erst aufgefordert werden, da es ihr Wesen wäre. Diese Linke ist derzeit fast nirgends zu sehen. Stattdessen sieht man eine Linke, die nicht gegen den Knast an sich ist, sondern bloß die Wärter austauschen will. Eine Linke auch, die zu keiner bedingungslosen Solidarität mehr fähig ist, da sie, ganz spießbürgerlich, noch beim größten Unrecht hämisch nachfragt, ob der, dem das Unrecht widerfährt, nicht doch auch ein bisschen selber schuld sei. Und weil die Linke so ist, wie sie ist, nämlich eine Rechte, die noch nicht ganz zu sich gefunden hat, wird alles rechts, ist Folter wieder der Normalfall und  Unterdrückung Alltag.

Freiheit für Deniz Yücel! Und die Pest für Faschisten überall!

Gewaltherrscher müssen darauf hoffen, während ihrer Herrschaft an einem Schlaganfall oder einer anderen mehr oder weniger natürlichen Todesart zu sterben, denn falls sie das Ende ihrer Herrschaft noch erleben, haben sie die Wahl zwischen Suizid, Hinrichtung oder Kerker. Nicht immer, schon klar, manch einer vegetiert auch im Exil seinem Ende entgegen, langsam verrückt werdend vor lauter Angst vor dem eigenen Schatten. Derlei übliches Ende von Tyrannen hindert Tyrannen nicht daran, welche zu werden oder das zumindest anzustreben. Und es hindert Dummköpfe nicht daran, ihren zuzujubeln in der Hoffnung, ein Teil der Macht, anderen Menschen weh zu tun, möge auch an sie abfallen, damit sie sich in ihrer Erbärmlichkeit ein wenig stärker fühlen. Einer dieser Tyrannen heißt  Recep Tayyip Erdogan und seine Fans hat er unter Türken wie auch unter deutschen Faschisten. Seine Büttel haben nun über den Journalisten Deniz Yücel die Untersuchungshaft verhängt, die selbst ohne Gerichtsverfahren Jahre dauern kann. Hunderten seiner türkischen Kolleginnen und Kollegen ergeht es ebenso. Während jeder, der noch ein Mensch ist, solidarisch ist, freuen sich die, die keine Menschen sein wollen, am Leid Unschuldiger. Mit dieser freiwilligen Entmenschlichung haben diese Leute eine Uhr in Gang gesetzt, deren Ticken die Zeit misst, bis sie Rechenschaft ablegen müssen. Erdogans Uhr tickt ganz so wie die Uhr dieser Drecksäcke. Und irgendwann, nicht morgen, aber irgendwann fällt jeder Tyrann und die Idee der Freiheit obsiegt, weil der Mensch nicht gerne unfrei ist. Das mag man verdrängen, es mag oft jahrelang so aussehen, als sei die Idee vom freien Menschen vernichtet und zertreten unter den Stiefeln dieser lebenden Toten, dieser Attentats-Kandidaten und Mörder, aber sie ist genauso wenig tot zu kriegen wie man Gedanken wegsperren kann.

Solidarität mit Deniz Yücel, allen inhaftierten Journalistinnen und Intellektuellen und allen politischen Gefangenen! Und die Pest denen, die folgende Tweets verfasst haben!

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Eine mondlose Nacht bricht an

Es ist Ende Februar 2017 und in Bolivien wird das Trinkwasser knapp. Die Andengletscher verschwinden und mit ihnen die Süßwasserquelle für Millionen. Im Weißen Haus sitzt ein Mann, der den Klimawandel leugnet. Es ist Februar 2017 und 84-jährige Greisinnen bekommen Briefe von niederösterreichischen Ämtern in denen man sie auffordert, sich für die Einberufung zur „gemeinnützigen Arbeit“ vorzubereiten. Es ist Februar 2017 und eine österreichische Regierungspartei will EU-Bürgerinnen, die in Österreich arbeiten und österreichische Steuern und Sozialabgaben bezahlen, die Familienbeihilfe für im EU-Ausland lebende Kinder kürzen. Es ist Februar 2017 und die österreichische Bundesregierung, bestehend aus Sozial- und Christdemokraten, beschließt, ältere Arbeitslose zur „gemeinnützigen“ Zwangsarbeit zu verdonnern. Es ist Februar 2017 und die bulgarische Stadt Plowdiw, von der EU zur „Kulturhauptstadt 2019“ erkoren, walzt Roma-Siedlungen nieder, ohne den Bewohnern Ersatzwohnraum zur Verfügung zu stellen. Es ist Februar 2017 und der Journalist Deniz Yücel sitzt zusammen mit hunderten Kolleginnen und Kollegen für das Verbrechen, seine Arbeit getan zu haben, in einem Gefängnis der Türkei, die nebenbei für die EU den Türsteher spielt und Flüchtlinge unter elenden Bedingungen in Lagern interniert. Es ist Februar 2017 und die EU verhandelt mit einer der libyschen Bürgerkriegsparteien, die man als „Regierung“ bezeichnet, den Ausbau jener Flüchtlingslager, in denen laut Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes „KZ-ähnliche Zustände“ herrschen. Es ist Februar 2017 und während die EU tausende Menschen in das „sichere Herkunftsland“ Afghanistan abschiebt arbeiten deutsche Gerichte daran, auch Syrien, wo seit Jahren ein Bürgerkrieg in Völkermorddimension geführt wird, wo das Regime systematisch Gefangene ermordet und Gruppen wie der „Islamische Staat“ klerikalfaschistische Zonen ausgerufen haben, zu solch einem sicheren Land zurecht zu lügen. Kurz: Es ist ein finsterer Februar am Abend der hereinbrechenden Eklipse der Zivilisation. Eine mondlose Nacht steht bevor.

Philips Fidelio M2L – Struck by Lightning

Wieso sollte ich mich mit Kabeln plagen wo es doch so tolle Bluetooth-Kopfhörer gibt“, fragte mich Andreas, ein Apple-Affcionado, dessen neues iPhone 7 ich mir für dieses Review geborgt hatte. Ich lud ihn dann ein, mehrere Songs in HD-Qualität zuerst mit seinen AirPods anzuhören und dann mit dem Fidelio M2L von Philips. Nun sind Apples hauseigene Kopfhörer nicht schlecht, obwohl sie ein bisschen so aussehen, als trüge man Zahnbürsten in den Ohren. Aber gegen den Fidelio hatten sie keine Chance. Auch Andreas gab zu: „Verdammt, die klingen schon um Welten besser“. Andreas hatte aber zuvor auch noch nie richtig gute Kopfhörer erlebt, sondern sich mit mittelpreisigen In-Ears und wummernden „Beats“ zufriedengegeben. Wer aber über den akustischen Wert audiophiler Geräteschaften Beschied weiß, der weiß auch, dass Bluetooth-Kopfhörer zwar ständig besser werden und für den Alltagsgebrauch praktischer sind als ihre kabelgebundenen Konkurrenten, dass sie aber nach wie vor klangtechnisch das Nachsehen bzw Nachhören haben. Auf diese kleine Gruppe von Sound-Enthusiasten zielt Philips mit dem Fidelio M2L.

Design und Haptik des Fidelio rufen einem laut „Qualitätsprodukt“ entgegen. Leder und Aluminium statt Plastik, ein schickes Schwarz gepaart mit Alu-Elementen statt Pink oder Knallgelb. Auf dem Kopf sitzt der Hörer mit seinen Memory-Foam-Ohrmuscheln höchst angenehm, wenn auch ein bisschen straff, was aber beim mobilen Einsatz wieder von Vorteil sein dürfte. Dieser Kopfhörer rutscht einem beim Joggen sicher nicht vom Kopf. Der Philips wirkt insgesamt recht erwachsen, ein Produkt für Menschen, die Wertarbeit und zurückhaltende Eleganz zu schätzen wissen.

Mir ist Mode ja wurscht, weswegen ich Kopfhörer nur danach beurteile, wie sie klingen. Und hier ist der Fidelio M2L auf der Gewinnerseite. Er hat einen 24bit/194kHz-Kopfhörerverstärker (DAC) eingebaut. Das bedeutet, dass nicht das iPhone den Sound managt, sondern der Kopfhörer das selber erledigt, und bei allem Respekt vor den Apple-Ingenieuren: Was Klang betrifft, hat Philips einfach mehr Erfahrung. Zusammen mit den 40mm-Treibern, deren Vorgänger Philips schon im legendären L2 einsetzte, sorgt der DAC für ein Klangerlebnis, das in dieser Preisklasse (der ML2 kostet zur Zeit rund 200 Euro) einmalig sein dürfte. Fachleute lobten die Treiber ja als die besten, die es für weniger als 1000 Euro zu kaufen gibt, was vielleicht ein bisschen übertrieben ist, aber nicht total falsch. Der M2L ist ungeheuer schnell und impulstreu, löst faszinierend detailliert auf und packt, sozusagen als Zuckerguss, noch einen Bass drauf, der dermaßen kontrolliert und wuchtig daherkommt, dass man manchmal meint, man hätte einen der großen und sehr viel teureren Grado-Kopfhörer auf dem Kopf. Erst mit einem Kopfhörer wie diesem merkt man, dass der Lightning-Anschluss von Apple Sinn macht, denn im Gegensatz zu üblichen Kopfhörern, die digitale Signale erst in analoge umwandeln müssen, gibt es beim Fidelio M2L kein Rauschen und Knacken und kein Vermatschen des Sounds. Die Lautstärke stellt man mittels eines kleinen Rädchens an der rechten Ohrmuschel ein, da der Fidelio ein aktiver Hörer mit eigenem DAC ist. Batterien braucht der M2L keine, der Strom wird vom Smartphone abgezapft. Aber keine Angst, der Fidelio ist kein Energievampir, sondern gibt sich mit so wenig Batterieleistung zufrieden, dass er die Laufzeit einer Akku-Ladung am iPhone kaum beeinträchtigt. Freisprechen und die Bedienung von Siri mittels Sprachbefehlen funktionierte im Test problemlos

Der Nachteil des M2L ist offenkundig: Er ist ausschließlich an Geräten nutzbar, die einen Lightning-Anschluss haben also an iPhones und iPads ab der Serie 6. Es gibt auch keinen Adapter, mit dem man den Hörer an einen analogen Ausgang anschließen könnte. Das ist technisch auch kaum möglich, da das Signal gleich zweimal von analog zu digital umgewandelt werden müsste. Wer aber ein neueres iPhone hat und Wert auf best möglichen Klang legt, der sollte den Fidelio M2L ins Auge fassen, vor allem jetzt, da er im Preis gefallen ist. Das kann sich übrigens rasch wieder ändern, so wie beim Fidelio X2, der eine Zeit lang um rund 200 Euro zu haben war und jetzt wieder um die 300 kostet, weil sich herumgesprochen hat, was für ein großartiges Gerät er ist.

Pro: Der vielleicht beste Kopfhörer mit Lightning-Anschluss, der derzeit zu haben ist, vor allem was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft.

Contra: Funktioniert nur mit Geräten, die einen Lightning-Anschluss haben. Es gibt auch keine Adapter, die das ändern würden.

Zusammenfassung: Der Fidelio M2L von Philips bietet ein begeisterndes Sounderlebnis und nutzt die Möglichkeiten hoch auflösender Tonformate voll aus. Er ist sehr hochwertig verarbeitet, sieht gut aus, klingt agil und detailliert, untermauert das aber mit einem beeindruckend starken und kontrollierten Bass. Klangtechnisch ist er kabellosen Kopfhörern überlegen.

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Präsident Trump: Ethels Angst und das Ende der liberalen Demokratie

Ethel Malichi ist 28 Jahre jung und lebt in Brooklyn, New York. Ich habe sie kennengelernt, als ich ihr per E-Mail zu einem hervorragenden Essay über die Geschichte Boliviens seit 1945 gratulierte, den sie in einem amerikanischen Journal für lateinamerikanische Politik veröffentlicht hatte. Sie antwortete, ich antwortete auf die Antwort und so entstand eine Fernfreundschaft, die seit Jahren Bestand hat. Am Tag vor Donald Trumps Amtseinführung erreichte mich eine E-Mail Ethels, in der sie sehr verzagt klang, fast panisch. Sie leide unter einer schweren Form von Zuckerkrankheit und müsse einmal wöchentlich im Krankenhaus versorgt werden. Die Behandlung koste 12.000 Dollar pro Jahr, also fast so viel, wie sie jährlich verdient. Die aus Israel in die USA eingewanderte Frau gehört zum wissenschaftlichen Prekariat, das sich von Assistenzjob zu Praktikum und wieder zurück hangelt, in Wohngemeinschaften leben muss und sich nur dank Obamas Affordable Care Act überhaupt eine Krankenversicherung leisten kann. Sie befürchte nun, schrieb Ethel, dass Trump einen Kernpunkt dieser Reform zurücknehmen werde, nämlich das Verbot für Versicherungen, Menschen mit Vorerkrankungen eine Krankenversicherung zu verweigern bzw. ihnen eine solche zu kündigen. Ethels Existenzängste waren begründet. Nur Stunden, nachdem mich die E-Mail erreicht hatte, unterzeichnete Donald Trump eine Exekutivverordnung, die den Affordable Care Act faktisch zurücknahm. Der neue Präsident der Vereinigten Staaten löschte die böse sozialistische Idee, jeder Mensch hätte ein Recht auf Krankenversicherung, per Federstrich aus und stellte die kapitalistische Normalität, wonach medizinische Behandlung von einem gut gefüllten Bankkonto abhängt, wieder her.

Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der laut Angaben seines Biografen daran glaubt, nicht dank seines Erbes, sondern dank seiner „guten Gene“ reich zu sein, hielt am 20. Jänner 2017, einem Datum, das man sich merken wird müssen, seine Antrittsrede. Er übertraf dabei noch die schlimmsten Befürchtungen und gab mit gen Himmel geballter Faust den rechtsradikalen Agitator. Nicht er habe die Macht übernommen, sondern „das Volk“ habe diese nun einer „kleinen Elite in Washington“ entrissen. Von nun an werde das geschehen, was „das Volk“ wünsche. Man werde das Land „wieder aufbauen“, und zwar mit „amerikanischen Händen“. Zu wem diese Hände gehören werden, ließ er durchblicken: Sozialhilfeempfängern. Die werde man wieder in Arbeit bringen, und zwar mit dem Bau von „Autobahnen, Brücken, Flughäfen, Tunneln und Eisenbahntrassen überall in dieser wundervollen Nation“. Ab sofort würden „zwei einfache Regeln“ gelten: „Amerikanisch kaufen, Amerikaner beschäftigen“. Das Fundament der Politik sei ab nun die „totale Treue zu den USA“. Wer diese totale Treue zu schwören bereit sei, habe nichts zu befürchten. Den „islamistischen Terror“ und andere Feinde werde man hingegen „ausrotten“. Wer sein Herz dem „Patriotismus“ öffne, würde auch ein Herz für seine Mitbürger haben, ist sich Trump sicher. Sogar Menschen mit schwarzer oder brauner Hautfarbe hätten einen Platz in diesem neuen Amerika, denn schon die Bibel sage doch, „Gottes Volk“ solle „in Einigkeit“ leben. Was anderswo auf der Welt vor sich gehe, würde die USA ab sofort nicht mehr interessieren Man wolle niemandem den American Way aufzwingen. Seine Rede beschloss Trump mit dem Slogan jener Gruppe von Amerikanern, die einst für einen Pakt mit Hitler oder wenigstens für amerikanische „Neutralität“ im Weltkrieg warben: „America First“.

Diese Inaugurationsrede war keine versöhnliche, keine freundliche, ja noch nicht einmal eine demokratisch-präsidiale. Sie war faschistisch. Vom Lob auf die Volksgemeinschaft über die Ankündigung von (Zwangs)Arbeitsprogrammen bis zur Vernichtungsdrohung gegen innere und äußere Feinde war alles enthalten, was auch Mussolini gesagt hätte, wäre er statt Trump vor dem Mikrofon gestanden. Seit dem 20. Jänner ist Makulatur, was vielen Menschen auf der ganzen Welt immer ein Trost gewesen war, dass nämlich die USA bei all ihren Schwächen und Problematiken immun gegen autoritäre und faschistische Tendenzen  wären. Die Fackel der Freiheitsstatue ist erloschen. Alle Menschen, die für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte einstehen, haben ihren wichtigsten Bündnispartner und Fürsprecher verloren, wie launisch und letztlich halt doch dem Eigennutz folgend der auch gewesen sein mag. Bei den Rechtsradikalen, Autoritären und Despoten dieser Welt herrscht hingegen Feierlaune. Sie alle, ob sie bereits regieren oder hoffen, es demnächst zu tun, sind begeistert von diesem „Identitären“ an der Spitze der Vereinigten Staaten, denn er verspricht ihnen die Nichteinmischung der USA selbst bei allerschlimmsten Verbrechen gegen die Menschheit. Mit Trump geht eine Ära zu Ende, die vom Zivilisationsbruch durch die Nazis geprägt war und in der man wenigstens ansatzweise versucht hatte, daraus zu lernen. Es solle, so die Vereinten Nationen auf Anregung aus den USA, verbindliche Menschenrechte für jeden einzelnen Menschen geben, ganz egal, wo der lebe. Diese Menschenrechte blieben immer nur eine Absichtserklärung, aber sie fanden doch teilweise Eingang in internationales Recht, in Verfassungen und in zwischenstaatliche Verträge. Vorbei. Es gilt jetzt wieder uneingeschränkt selbst durch verbale Absichtserklärungen das Recht des Stärkeren. Die liberale Demokratie mit all ihren komplizierten Minderheitenrechten und Sicherungsmaßnahmen gegen ihre Aushöhlung von innen hat verloren. Anders gesagt: Bye bye liberales Zeitalter, welcome back Welt voller autoritärer Nationalstaaten. Ehtel und Millionen andere haben Angst. Sie haben allen Grund dazu.

Teufel Mute BT: In der Ruhe liegt die Kraft

Auf Knopfdruck die Welt zum Schweigen bringen – das wär schon was! Ein Politiker hebt an, um von uns Blut, Schweiß und Tränen zu fordern und für sich mehr Gehalt? Knopfdruck! Beim Feierabendbier reden die Kollegen immer noch von nix anderem als der Arbeit? Knopfdruck! Um sechs Uhr morgens heult beim Nachbarn der Hund? Knopfdruck! Nun, ganz so weit ist die Technologie der Geräuschunterdrückung noch nicht, aber aktive noise cancelling in modernen Kopfhörern kann schon so einiges und erfreut sich in unserer lauten Welt immer größerer Beliebtheit. Aus diesem Grund habe ich mir den neuen „Mute BT“ der Berliner Firma Lautsprecher Teufel angehört. Für 199,99 Euro verspricht dieser Neuzugang am Kopfhörermarkt kabellosen High-Def-Musikgenuss mit Bluetooth 4.0-Verbindung, eine aktive und sich an die Umgebung anpassende Geräuschunterdrückung, eine Freisprecheinrichtung und einen Akku mit hohem Durchhaltevermögen (dank eines mitgelieferten Kabels verstummt der Hörer auch dann nicht, wenn dem Akku doch mal der Saft ausgehen sollte).

Der Mute BT kommt mit einigem Zubehör daher. Neben Akku, Ladekabel mit Mini-USB-Anschluss, Anschlusskabel und Flugzeugadapter findet sich im Karton auch eine schicke Transportbox in Teufels Hausfarben Schwarz und Rot. Der Akku ist wechselbar, was die Langlebigkeit des Produkts erhöhen sollte. Der erste Eindruck beim Unboxing: Alles hübsch aufgeräumt und dort, wo man es vermuten würde. Nach einer ersten Akkuladung nehme ich die Bedienungsanleitung zur Hand und richte das Gerät ein. Ich verbinde es per Bluetooth mit meinem Android-Smartphone und einem iPad und habe das erste Aha-Erlebnis: Im Unterschied zu manchen Konkurrenzprodukten funktioniert das alles auf Anhieb und ist in der Anleitung so logisch erklärt, dass selbst Leute ohne viel Technik-Affinität sofort zurecht kommen sollten. Die Bedienungsanleitung ist die beste und verständlichste, die mir bislang bei einem technischen Gerät untergekommen ist. Da merkt man wohl immer noch die Erfahrung, die Teufel einst sammeln konnte, als die Firma in den 70er Jahren als Versenderin von Lautsprecher-Bausätzen anfing. An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen. Das Produkt ist zwar nicht protzig oder über alle Maßen edel, aber durchaus schick und stabil. Der Teufel Mute BT wirkt auf mich ein bisschen wie der Studiomusiker im Vergleich zum Popstar – er trägt keine auffälligen Glitzerklamotten, kann dafür aber spielen.

Sound und Komfort

Und wie der spielen kann! Ich habe ja schon den Teufel Real Z sehr gut gefunden, aber der Mute BT gefällt mir fast noch eine Spur besser. Wobei das eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, denn die beiden Hörer verfolgen unterschiedliche Konzepte. Der Real Z ist ein halboffener Hörer, der Mute BT ein geschlossener. Die geschlossene Bauart sorgt im Zusammenspiel mit 40-mm-HD-Treibern und Neodym-Magneten für einen sehr satten, aber nie breiigen Klang. Dank einer leichten Bassbetonung macht dieser Teufel sehr viel Spaß mit elektronischer Musik und Hiphop, aber er ist keineswegs auf diese Genres eingeengt. Die Firma Lautsprecher Teufel bewirbt gerne und zurecht die schöne Darstellung der Bässe, aber ich persönlich finde das klangliche Gesamtbild noch eine Spur beeindruckender als den Tieftonbereich allein. Zu Testzwecken höre ich mir das Album „Sweet Child“ der britischen Folkrock-Band Pentangle an. Deren Ensemble-Spiel mit jazzigem Stehbass, einer Sopranistin und einem  Bariton an den Lead-Vocals, zwei von echten Könnern bediente Gitarren und einem experimentierfreudigen Schlagzeug zeigt rasch die Stärken und Schwächen von Lautsprechern und Kopfhörern auf. Der Mute BT meistert die Herausforderung mühelos. Der Stehbass kommt wuchtig und physisch rüber, überdeckt aber nicht den Rest des Klangfelds, sondern untermauert ihn mit genau der richtigen Dosis Power. Die Höhen, zum Beispiel Windspiel und Hi-Hats, sind klar und deutlich und zischen nicht unangenehm. Die Mitten sind die eigentliche Überraschung, denn die präsentiert der Mute BT so schön und baut sie dermaßen hübsch ins Gesamtbild ein, dass man stellenweise meint, einen Kopfhörer um 600 Euro auf den Ohren zu haben. Der Mute BT ist hierbei nur das neueste Beispiel für einen erfreulichen Trend bei Kopfhörern von Teufel – die Teile klingen viel besser, als sie es ihrer Preisklasse gemäß eigentlich „sollten“, und sie gehen immer stärker in Richtung Audiophilie. Sie vergessen dabei aber nie, warum wir Geld für Lautsprecher und Kopfhörer ausgeben, nämlich um Musik, Hörspiele und Filme zu genießen, nicht um sie zu sezieren. Teufels Produkte richten sich an Consumer, nicht an Toningenieure, und das ist als Lob gemeint, denn so mancher Kopfhörer, der für das Abmischen von Musik gemacht wurde, zeigt einem zwar noch das allerletzte Detail der Musik, macht aber keinen Spaß, weil er die gezeigten Einzelteile nicht zu einem flüssigen Ganzen zusammenfügt. Der Teufel Mute BT ist ein Spaßgerät, das aber auch die Ohren von Audio-Fetischisten nicht beleidigt. Kurz: Er findet die richtige Mischung zwischen hoher Auflösung und Musikalität. Der Tragekomfort ist gut bis sehr gut. Anfangs ist der Anpressdruck ein bisschen forsch, aber das sollte sich nach einiger Zeit geben. Das Kunstleder liegt angenehm auf den Ohren. Wie bei allen geschlossenen Kopfhörern kann es bei langen Hör-Sessions zu einer gewissen Wärmeentwicklung unter den Ohrmuscheln kommen. 

Die Rauschunterdrückung funktioniert mit dem Mute BT ausgezeichnet. Der Teufel ist schon dank seiner geschlossenen Bauweise recht gut gegen Außengeräusche abgeschirmt. Aktiviert man das Aktive Noise Cancelling, sorgt er mit Gegenschall dafür, dass vor allem monotone Geräusche wie das Brummen im Flugzeug, das Rauschen des Großstadtverkehrs oder sirrende Ventilatoren recht effektiv ausgeblendet werden. Zu 100 Prozent geht das natürlich nicht, aber das schafft auch kein anderer Kopfhörer. Wer oft mit Zug oder U-Bahn fährt, wird die Geräuschunterdrückung schnell zu schätzen lernen. Der Akku, der Bluetooth und Noise Cancelling mit Energie versorgt, hält erstaunlich lange. Ich musste ihn während einer Woche intensiven Testens nie aufladen, hatte aber die Geräuschunterdrückung nur selten aktiviert. Schaltet man alles ein, was es einzuschalten gibt, also Bluetooth und Rauschunterdrückung, sollte der Mute BT immer noch rund 28 Stunden im Dauerbetrieb durchhalten, was ein hervorragender Wert ist. Anrufe annehmen oder Siri/Google Now bedienen funktioniert klaglos und unkompliziert mittels Tasten an der linken Ohrmuschel. So soll das sein!

Pro: Ein Preis-Leistungs-Wunder, das wirklich hervorragend klingt und eine überzeugende aktive Geräuschunterdrückung an Bord hat. Die Hohe Laufzeit des Akkus, der noch dazu auswechselbar ist, und das umfangreiche mitgelieferter Zubehör runden das Angebot ab. Dank des im Zubehör enthaltenen Kabels spielt der Kopfhörer auch bei leerer Batterie weiter. Es wird schwer sein, zu dem Preis etwas Gleichwertiges zu finden.

Contra: Gegen den Mute BT kann man nicht viel vorbringen. Vielleicht sagt das schlichte und klare Design nicht jedem zu.

Zusammenfassung: Der Mute BT von Teufel ist ein ausgezeichneter Bluetooth-Kopfhörer mit aktivem Noice Cancelling, der klanglich mit wesentlich teureren Produkten mithalten kann und daher eine echte Empfehlung für Leute ist, die ihre Musik, Filme oder Hörspiele gerne unterwegs hören (müssen), dabei aber nicht auf hochwertigen Klang verzichten wollen.

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