Weinende Flüchtlingskinder und wie wir uns selbst entmenschlichen

Ein Bus soll Flüchtlinge in eine Unterkunft im sächsischen Dorf Clausnitz  bringen. Plötzlich versperrt ein 100 Mann starker Mob dem Bus den Weg. Eineinhalb Stunden lang belagert der Trupp den Autobus und brüllt dabei unentwegt „wir sind das Volk“. Einer der Täter filmt das Geschehen. Auf dem Video sieht man, wie im Bus Kinder und Frauen vor Angst weinen. Der Mob hört nicht auf. Weinende Kinder würden jeden seelisch halbwegs intakten Menschen dazu bringen, Mitgefühl zu haben. Wenn ein Kind weint, will man es trösten, will ihm, wenn es vor Angst heult, diese Angst nehmen. So würden Menschen reagieren, die noch zu Mitgefühl fähig sind. Wir wissen, dass es Leute gibt, die keine Empathie gegenüber verängstigten Kindern empfinden. Pädophile Sexualstraftäter zum Beispiel, Kriegsverbrecher und die historischen Nazis. Spätestens seit dem Video von der Busbelagerung ist klar, dass auch die „besorgten Bürger“, die sich zu flüchtlingsfeindlichen Aufmärschen zusammenrotten, zu dieser menschlichen Grundregung nicht fähig sind. Sie haben die Menschlichkeit in sich abgetötet oder nie besessen. So ist das nämlich mit der Dehumanisierung. In Wirklichkeit wird nicht das Opfer seiner Menschlichkeit beraubt, sondern die Täter machen das mit sich selber. Nicht die Juden, die man in Viehwaggons steckte, wurden dadurch zu Tieren, sondern jene, die sie da hineinsteckten.

Die selbst gewählte Entmenschlichung hat inzwischen große Teile der europäischen Politik erreicht. Als wäre es mit Menschlichkeit vereinbar, beschließt man „Obergrenzen“, nach deren Erreichen Asylsuchende gnadenlos abgewiesen werden. Als wäre es mit Menschlichkeit vereinbar, schiebt man Familien ab, die seit 20 Jahren im Land gelebt und ihre Kinder hier zur Welt gebracht haben, weil die Länder, aus denen sie einst flohen, inzwischen als „sicher“ gelten. Wie in den finstersten Tagen der Menschheit kommt die Polizei mitten in der Nacht, um den Überraschungseffekt zu nützen. Lautes Hämmern an der Tür, dann liest ein Polizist den Abschiebungsbefehl vor und die vor Angst und Verzweiflung zitternden Menschen müssen in aller Hast ein paar Wäschestücke einpacken, bevor man sie in Gefangenentransportern in den Abschiebeknast bringt. Die Gesetze, die diese Unmenschlichkeiten erlauben, werden immer weiter verschärft. Sie machen weder vor bestens integrierten Leuten halt noch vor Kranken. Vorschrift sei Vorschrift, meinen die Behörden, und exekutieren die inhumanen Gesetze, die Politikerinnen ohne Gewissen gemacht haben. In den Abschiebegefängnissen versuchen immer mehr Verzweifelte, sich das Leben zu nehmen.

Was ist schiefgegangen? Warum baut ein europäisches Land nach dem anderen Grenzzäune und betreibt eine inhumane Politik? Wieso meint der reichste Kontinent der Welt, auf dem mehr als eine halbe Milliarde Menschen leben, er könne ein paar Millionen Schutzsuchende nicht aufnehmen und ihnen ein menschenwürdiges Leben bieten? Woher kommt all der Hass auf Menschen, die alles verloren und zurückgelassen haben? Die Wurzeln sind ausgerechnet dort zu finden, wo man sie am wenigsten vermuten würde, in der Aufklärung nämlich. Die hat zwar den Menschen aus dem Feudalismus befreit, aber gleichzeitig den Weg frei gemacht für Ideen und Praktiken, die es zuvor nicht gegeben hatte, nämlich Kapitalismus, Rassismus, Utilitarismus, Nationalismus und weitere Produktions- und Herrschaftsformen sowie technokratische Ideologien, die den Menschen zum Objekt degradierten, dem nichts Heiliges mehr innewohnte und dessen massenhafte Entmenschlichung, ja sogar Vernichtung daher moralisch vertretbar erscheint, solange diese Mittel den Zweck heiligen, und der Zweck heißt je nach Gusto: Profit, Diktatur des Proletariats, Rassenhygiene, Standortsicherung… . Der Tiefpunkt an Amoralität wurde mit dem Nationalsozialismus erreicht, der wie keine andere Ideologie die kapitalistische Scheinlogik von nützlichem und unnützem Menschenmaterial verinnerlicht hatte und seine kranken und falschen Milchmädchenrechnungen den durch Wirtschaftskrisen verängstigten Menschen als Schiefheilungsmethode anbot. „Es geht dir schlecht, weil du die parasitären Elemente mittragen musst. Wenn wir die ermorden, fällt mehr für dich ab“. Dieser Kern nationalsozialistischer Ideologie wirkt bis heute weiter und tritt uns nun in Form der xenophoben Propaganda entgegen, die ähnlich beschränkt argumentiert und wohl gerade deswegen bei den Beschränkten so gut ankommt. „Die Fremden kommen und wollen am Kuchen mitnaschen, deswegen wird dein Stück davon immer kleiner. Wenn wir sie nicht kommen lassen, wird es wieder größer“, so erzählt man es den Leuten, und weil die meisten nichts von Ökonomie verstehen, kommt das gut bei ihnen an. Tatsächlich ist beispielsweise das Gerede von den Flüchtlingen und Migrantinnen, die bloß wegen der Sozialleistungen zu uns kommen wollten, nichts anderes als ein Echo der NS-Propaganda gegen „unnütze Esser“. Es ist eine antizivilisatorische Regung, denn volkswirtschaftlich gesehen gibt es keine „unnützen“ Menschen. Sogar der Koma-Patient gibt dem Menschen, der ihn betreut, Lohn und Brot. Eben jener Koma-Patient wird erst dann zum Belastungsfaktor und somit zum potenziellen Mordopfer, wenn man die volkswirtschaftliche Betrachtung durch eine betriebswirtschaftliche ersetzt. Und das ist seit 40 Jahren die Kernbotschaft rechtsliberaler Propaganda und Praxis. „Mehr privat, weniger Staat“ lautet seit Jahrzehnten die Catchphrase jener, die alle Lebensbereiche der Kapitalverwertung unterwerfen wollen. Damit aber stoßen sie das Tor zur Barbarei auf, denn wenn sich alles und jeder rentieren muss, und zwar betriebswirtschaftlich, dann gibt es tatsächlich „unnütze“ und „überflüssige“ Menschen, deren Erhaltung den „Standort“ schwächt.

Die Anzeichen der erneuten Barbarisierung der Verhältnisse sind schon seit Jahren für jene gut sichtbar, die die Augen nicht fest verschließen. In diesem Blog wurde immer wieder darauf hingewiesen. Die Rückkehr der Euthanasie in den Benelux-Staaten, wo inzwischen eine psychiatrische Diagnose ausreicht, um sich mit offizieller Genehmigung töten zu lassen. Die um ein Vielfaches härteren Strafen, die kriminell gewordenen psychisch Kranken im Vergleich zu sogenannten gesunden drohen und die teils jahrzehntelange Freiheitsberaubung psychisch Auffälliger. Die Abspeisung von Millionen Armen durch private Charity wie die Tafeln. Die teilweise Abschaffung der Invalidenrenten. Existenzgefährdende Sanktionen für Arbeitslose. Und nun das Gerede, von Sozialhilfe abhängigen Menschen Essensmarken statt Geld zu geben und sie zur Zwangsarbeit einzuteilen. All das und mehr war das Vorglühen der neuen Bestialität, deren Fratze uns im Eingangs beschriebenen Video anstarrt, die in den hasserfüllten Gesichtern jener Mitleidslosen zu erkennen ist, die Kinder zum Weinen bringen und dabei weder Scham noch Reue empfinden.

Die FPÖ und die Kastration mit Ziegelsteinen

Ich frage mich ja manchmal, was FPÖ-Politiker und andere Rechte gegen die islamische Scharia haben, sind doch Körperstrafen offenbar ganz nach ihrem Geschmack. So möchte zum Beispiel der Schwechater FPÖ-Gemeinderat Wolfgang Zistler Sexualstraftater „mit zwei Ziegelsteinen“ kastrieren.

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Der Einwand einer seiner Facebookfreundinnen, dass „Toleranzbesoffene“, also zivilisierte Menschen dergleichen inhuman finden könnten, ist Zistler „egal“.

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Wie üblich beim Thema Sexualkriminalität gehen die sadistischen Fantasien mit den autoritären Charakteren durch.

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Natürlich darf in einem hetzerischen FPÖ-Thread auch der Wirrkopf nicht fehlen, der in Großbuchstaben wahnhaftes Zeug brüllt und recht willkürliche Gänsefüßchen setzt.

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Auch die potenziellen Scharfrichter melden sich zu Wort, was beim FPÖ-Gemeinderat auf großes Wohlgefallen stößt.

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Andere wiederum machen sich Sorgen um die Ziegelsteinpreise.

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Wie schon vor Jahrzehnten in Studien erhoben wurde, sind derlei sadistische Betrafungsgelüste  Ausfluss einer verinnerlichten Unterwerfung unter Autoritäten und der Überidentifikation mit Stärke und Gewalt, die wiederum das Trauma liebloser Kindheiten und die Erfahrung von Machtlosigkeit kompensieren soll. Wer nie gelernt hat, mit der Wut, die das Individuum in hierarchisch organisierten Gesellschaften empfinden muss, konstruktiv umzugehen, wer nicht gegen unzumutbare Zustände rebelliert sondern immer nur den Mächtigeren gefallen will, der neigt zu Gewaltfantasien, die er, falls man ihm Gelegenheit dazu gibt, auch auslebt. Das lässt sich überall beobachten. Je rigider die gesellschaftlichen Verhältnisse, desto brutaler ist die Strafjustiz, da die Aggression, die das Beherrschtwerden hervorruft, sich bei Strafandrohung nicht gegen die richten lässt, die als Könige, Fürsten, Mullahs, Pfaffen,  Diktatoren, Produktionsmittelbesitzer oder Politikerinnen für das elende Leben verantwortlich sind, sondern auf Ausgestoßene projiziert wird. Sich dann gegenseitig mit grausamen Folter- und Hinrichtungsfantasien zu überbieten, trägt überdies dazu bei, die Gruppenidentität zu stärken und von der eigenen Bösartigkeit abzulenken.

Sony MDR-Z7: Audiophiler Spaßmacher

Mit dem MDR-Z7 hat Sony ein Kopfhörer-Spitzenmodell im Angebot, das um einen Platz auf dem Siegespodest der besten Hörer mitrittert. Ob er seinen Preis wert ist, zeigt folgender Test.

Lange vor Apple war Sony der erste Konzern, der nicht nur markentreue Kunden, sondern richtige Fans hatte. Ein Sony-Fanboy oder -girl war in die japanische Firma fast ein bisschen verliebt und kriegte Herzklopfen, wenn diese ein neues Produkt vorstellte. Diese Zuneigung war nicht ganz irrational, denn Sony stand für fortschrittliche Technik, verpackt in eine unverwechselbare Formensprache. In den Jahren 2000 bis 2010 schwächelte der Elektronik-Gigant und enttäuschte viele Fans mit einer allzu breit aufgestellten Produktpalette und unentschlossenem Design. Seit 2012 sorgt eine Qualitätsoffensive und eine Konzentration auf die Kerngeschäfte Unterhaltungselektronik, Smartphones und Konsolen aber für ein Comeback. So gehören etwa die neuen 4K-Fernseher von Sony zu den besten und schönsten, die man derzeit kaufen kann, und die Smartphones der Z-Reihe stehen der Konkurrenz in nichts nach, übertreffen diese sogar in einigen Bereichen. Ende 2014 stieg Sony auch wieder in den Markt der High-End-Kopfhörer ein und präsentierte das Flagschiff MDR-Z7, das ich in den vergangenen Wochen einem eingehenden Test unterzogen habe.

Look & Feel

Schon beim Auspacken fällt auf, dass Sony hier keine halben Sachen gemacht hat. Der MDR-Z7 ist mit seiner schlichten Eleganz ein Musterbeispiel für die Designsprache des Tokioter Konzerns. Verchromtes Metall und schwarzes Leder sorgen für einen schnörkellosen Look, der durch die wirklich herausragende Verarbeitungsqualität unterstrichen wird. Ich hatte schon viele Kopfhörer von vielen Herstellern bei mir zuhause, aber so schön konstruiert und gebaut war bislang noch keiner. Die dicken Ohrpolster, der stabile Metallrahmen, die doppelseitigen Kabelanschlüsse und der intelligente, stabile Verstellmechanismus – all das ruft einem zu: „Ich bin ein Spitzenmodell“. Der MDR-Z7 wird nicht etwa in irgendeinem Schwellenland unter Lizenz zusammengebastelt, nein, er ist „Made in Japan“, echte japanische Wertarbeit, und das sieht und fühlt man auch. Meiner Meinung nach ist das einer der am besten gebauten und schönsten Kopfhörer, die es derzeit zu kaufen gibt.

Handhabung & Komfort

Der MDR-Z7 ist ein recht großer Hörer, der für die Heimanwendung konzipiert wurde. Obwohl er auch am Smartphone laut genug aufspielt und nicht unangenehm schwer ist, ist er wegen seiner Massivität zum Joggen oder Radfahren eher ungeeignet. Das ist ein Kopfhörer für zuhause, für den ungestörten Musik- oder Filmgenuss. Das unterstreichen auch die zwei Kabel, die Sony beilegt. Beide sind drei Meter lang und eines hat sogar einen zweifachen Stecker für den ausbalancierten Modus an entsprechenden Kopfhörerverstärkern. Das andere Kabel kommt mit einem 3,5-Stecker samt 6,5-Adapter daher und kann problemlos mit jeder Audioquelle verbunden werden. Der Verstellmechanismus des Bügels ist selbsterklärend und funktioniert bestens. Die großen Lederpolster liegen angenehm weich auf und umschließen die Ohren vollständig. Der Anpressdruck ist groß genug, dass einem der Hörer nicht bei jeder Bewegung vom Kopf rutscht, aber in Kombination mit dem Leder der Ohrpolster so unaufdringlich, dass stundenlanges Hören möglich ist, ohne dass irgendetwas zwickt oder zwackt. Der MDR-Z-7 gehört zu den bequemsten Kopfhörern, die ich kenne. Man trägt ihn einfach gerne.

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Technik & Klang

Sony vermarktet den MDR-Z7 als „High Resolution Audio“-Hörer und protzt mit einem Frequenzgang von 4 Hertz bis 100 Kilohertz. Kein anderer mir bekannter Kopfhörer auf dem Markt deckt ein derart breites Frequenzspektrum ab. Das alleine sagt aber noch nicht viel über die tatsächliche Klangqualität aus, denn das menschliche Gehör kann nur einen Bruchteil dessen wahrnehmen, was der MDZ-Z7 wiedergibt. Dennoch ist ein sehr weites Frequenzspektrum nicht völliger Hokuspokus, denn auch Töne, die man nicht direkt hört, können durch ihren Schalldruck die Gesamtwahrnehmung beeinflussen. Wichtiger als die Frequenzabdeckung sind erfahrungsgemäß aber Empfindlichkeit und Treiberkonstruktion. Der Sony MDR-Z7 hat eine Empfindlichkeit von 102 dB. Das heißt auf Deutsch, dass der Kopfhörer problemlos auch an schwächeren Ausgangsquellen betrieben werden kann und schon am Smartphone oder am PC mehr als ausreichend laut wird. Das ist wichtig für jene Leute, die sich keinen eigenen Kopfhörerverstärker anschaffen wollen. In meinem Praxistest hat sich gezeigt, dass der Sony schon am Handy eine ordentliche Vorstellung gibt, aber er legt gewaltig zu, wenn man ihn aus besseren Quellen schöpfen lässt. Ich habe ihn hauptsächlich an die ziemlich gute Soundausgabe meines PC mit Bang & Olufsen Soundmanagement sowie an den Kopfhörerausgang des zwar schon älteren, aber musikalisch hervorragenden AV-Recievers Sony STR-DB1070 angeschlossen. Mit einem guten Kopfhörerverstärker wäre sicher noch mehr drin gewesen, aber derzeit habe ich keinen bei mir zuhause.

Zu den Treibern: Sony verbaut in den MDR-Z7 70-Millimeter-Treiber. Die meisten anderen Hersteller haben „nur“ 30, 40 oder 50 Millimeter anzubieten. Sony verspricht, dass die großen Treiber eine besonders präzise und dynamische Musikwiedergabe bieten. Stimmt das? Dazu ein klares „Jein“. Einerseits ist der Sony wirklich extrem genau und vor allem voluminös, lässt einen also in den Sound sehr tief eintauchen und gibt Musik extrem plastisch wieder, andererseits wirkt der MDR-Z7 manchmal nicht ganz so schnell wie einige Konkurrenten. Unter Schnelligkeit ist hier die Unmittelbarkeit der Wiedergabe gemeint, vor allem bei Rhythmusinstrumenten. Je „schneller“ ein Kopfhörer, desto eher hat man ein „Live“-Gefühl. Man verstehe mich nicht falsch, der Sony ist keineswegs langsam, er ist nur nicht ganz so flott wie zum Beispiel die Konkurrenz aus dem Hause Grado, deren Hörer allerdings geradezu auf Schnelligkeit getrimmt werden und dafür wieder andere tonale Aspekte opfern. Dennoch denke ich, dass die schiere Größe der Treiber den Sony ein bisschen einbremst. In der Praxis heißt das, dass Menschen, die fast nur Metal hören, vielleicht mit einem Modell von Grado (noch) glücklicher sein würden als mit dem Sony. Von einer Schwäche zu sprechen wäre aber übertrieben, denn für sich allein betrachtet mangelt es dem MDR-Z7 keineswegs an „Live“-Feeling. Außerdem bügelt er dieses kleine Manko an anderen Stellen mehr als aus.

Wichtig: der MDR-Z7 ist ein geschlossener Kopfhörer. Nur wenige andere Hersteller setzen bei ihren Flagschiff-Modellen auf diese Bauweise. Die meisten kontruieren in dieser Klasse offene oder halboffene Hörer, weil das in der Regel für ein luftigeres, transparenteres Klangerlebnis sorgt. Überraschenderweise klingt der Sony keineswegs beengt, sondern wie eine gelungene Mischung aus offener und geschlossener Bauart. Dennoch bestehen tonale Unterschiede zu offenen Hörern.

Während offene Hörer eine breitere Bühne, also mehr „3D“ bieten, ist der Sony ein bisschen intimer, vor allem aber genauer. Um das mal zu veranschaulichen: Man stelle sich eine Filmszene vor, in der wir rechts im Bild einen singenden Chor haben und links ein startendes Raumschiff. Das Raumschiff steigt in die Höhe, fliegt nach rechts über den Chor und zischt dann nach links oben aus dem Bild. Mit einem guten offenen Hörer, zum Beispiel meinem geliebten Philips Fidelio X2 oder einem AKG K712, stehen Chor und Raumschiff weiter auseinander und man kann die Bewegungen des UFOs besser nachvollziehen. Mit dem MDR-Z7 ist dieser räumliche Effekt ein bisschen geringer, dafür kann man aber genau hören, aus wie vielen Stimmen der Chor besteht, wer Bass und wer Tenor singt und ob das Raumschiff eine oder zwei Turbinen hat.

In einigen Kritiken wurde dem MDR-Z7 vorgeworfen, er sei zu basslastig und nicht analytisch genug. Das kann ich absolut nicht nachvollziehen. Der Sony ist sicherlich warm abgestimmt, hat also einen prominenten Bassbereich und keine überlauten Höhen, aber er ist dennoch extrem detailreich und genau. Es ist ein wenig so, als hätte man hier einen audiophilen Kopfhörer, der aber gleichzeitig den Spaßfaktor berücksichtigt. Und vielleicht ist das der Grund für manch eher lauwarmes Review, denn die Fraktion der „Berufs-Audiophilen“ versteht keinen Spaß. Je trockener ein Hörer klingt, desto glücklicher sind sie. Die meisten Menschen wollen Musik und Filme aber genießen und nicht nur analysieren wie im Labor. Darum geht es doch, um den Genuss, und den bietet der Sony auf einem atemberaubend hohen Niveau. Man kann mit ihm die Musik sezieren, wenn man will, aber man wird dazu nicht genötigt. Ein für mich abschreckendes Beispiel sind manche Oberklasse-Hörer von AKG, Sennheiser und Beyerdynamik. Sie sind kalt, geradezu eiskalt und zerlegen die Musik in ihrer Einzelteile, ohne diese wieder zu einem schönen Ganzen zusammenzufügen. Das macht der MDR-Z7 nicht. Er präsentiert Musik zwar bis ins letzte Detail, bleibt dabei aber musikalisch, zerreißt den Sound also nicht in kleine Einzelstücke. Das zu schaffen, ist meiner Meinung nach wahre (Ton)Ingenieurskunst. In dieser Hinsicht übertrifft der Sony sogar Kaliber wie den Sennheiser HD800 oder den AKG K812. Das heißt nicht, dass die schlechter wären als der MDR-Z7, aber in Sachen Genusserlebnis ziehen sie meiner Ansicht nach gegenüber dem Sony den Kürzeren. Dafür sind sie dann halt wieder in anderen Bereichen ein bisschen stärker. Wer also einen Haufen Geld für Kopfhörer ausgeben will, sollte unbedingt selber probehören, denn die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Ich halte den MDR-Z7 keineswegs für konkurrenzlos gut, aber er spielt ohne Zweifel ganz oben mit und hat mit seiner Mischung aus Musikalität und Analysestärke eine ganz eigene Soundsignatur, die für manche tatsächlich das musikalische Nirwana sein kann, während sich andere wieder enttäuscht abwenden. Was der Sony wirklich, WIRKLICH gut macht, ist das Herausarbeiten der Körperlichkeit von Instrumenten und Stimmen. Ob Stehbass, Schlagzeug, Rhythmusgitarre, Sologesang, Chor oder einfach nur das Geräusch von Schritten oder fallendem Regen in einem Film – der MDR-Z7 verleiht all dem eine physische Präsenz, wie ich sie mit keinem anderen Kopfhörer bislang gehört habe.

High Resolution – mehr als ein Werbeslogan

Ich habe mich mit dem MDR-Z7 wieder durch meine Sammlung hoch auflösender Musik gehört. Und bevor ich meine Eindrücke schildere: Hoch auflösend ist ein wichtiges Stichwort bei Kopfhörern in dieser Klasse. Der Sony ist zwar nicht so gnadenlos wie manch andere Spitzenhörer, aber immer noch gnadenlos genug. Schlecht aufgenommene Musik in schlechten Audioformaten klingt mit ihm auch so: schlecht nämlich, langweilig und körperlos. Man lernt schnell, MP3 links liegen zu lassen. Zu offensichtlich ist die Kompression und damit der Verlust. Wirklich interessant wird es erst ab dem verlustlosen FLAC-Format. So gesehen trifft der Werbeslogan vom „High Resolution“-Kopfhörer voll und ganz zu, denn mit kaum einem anderen Hörer ist mir der Qualitätsunterschied zwischen verschiedenen Audioformaten so stark aufgefallen wie mit dem Sony.

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The Beatles, „Mother Nature´s Son“, FLAC. Das Anzupfen der Saiten der Akustikgitarre wirkt äußerst lebendig und raumfüllend. Wenn die Akkorde geschlagen werden, hört man die einzelnen Töne gut heraus. Paul McCartneys Stimme steht klar und detailliert in der Mitte. Die „Hufschlag“-Percussion ist Ton für Ton zu vernehmen und das delikate Bläserarrangement wird wunderbar aufgeschlüsselt. Beim Einsetzen der zweite Akustikgitarre kann man bis zum leichten Vibrato ganz genau verfolgen, was diese macht.

Grateful Dead, „Box Of Rain“, HDDVD. Nie klangen die Dead organischer, wärmer. Dennoch sind Bass, E-Gitarre, Akustikgitarre, Klavier und Schlagzeug ebenso genau zu orten und zu trennen wie die zwei Harmoniestimmen, die Phil Leashs Lead Vocals begleiten. Erneut fällt auf, wie groß und körperlich der MDR-Z7 die Musik wirken lässt. In Kombination mit der HD-Aufnahme hat man tatsächlich das Gefühl, per Zeitmaschine in das Tonstudio gereist zu sein und den Musikern live zuzuhören.

Pink Floyd: „Shine On You Crazy Diamond, Pts 1-5“, SACD. Das bedrohliche Wabern der Synthesizer umgibt mich von allen Seiten, ein sehr starker Eindruck von Dreidimensionalität. David Gilmours erste E-Gitarrentöne perlen saftig in den Mix. Das berühmte B-F-G-E-Riff füllt mit Macht den Raum und Roger Waters Bass legt einen tiefen Tonteppichboden. Herausragende Ortbarkeit und Transparenz aller Instrumente und Stimmen.

London Symphony Orchestra: Carl Orff, „Floret Silva Nobilis“, HDCD. Der MDR-Z7 managt die wilden Dynamiksprünge mühelos. Kleinste Details wie das Einatmen der Chorsängerinnen sind gut zu hören. Die Triangel kann sich gegen Pauken, Streicher, Bläser und Chor behaupten. Bemerkenswert ist wieder, wie mächtig und lebendig die Musik wirkt.

Kommen wir nun zu der Frage, ob der Sony MDR-Z7 seinen Preis wert ist. Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn während die unverbindliche Preisempfehlung von Sony bei 700 Euro liegt, ist der Hörer bei großen Internetversandhäusern bereits um rund 450 Euro zu haben und wer ein Schnäppchenjäger ist, findet Neumodelle sogar schon ab 399 Euro. 400 bis 450 Euro würde ich ohne zu zögern zahlen, denn da wäre das Preis-Leistungs-Verhältnis fast unschlagbar. Bei 700 Euro müsste man sich das schon gut überlegen, denn da gibts dann auch Hörer wie den Beyerdynamik T90 oder die Grados Rs2 und Rs1 und noch ein paar, die für manche Ohren gleich gut oder besser klingen. Ich persönlich finde die UVP von 700 Euro angesichts der Verarbeitungsqualität und des Klangs gerade noch  angemessen, die Straßenpreise aber gerechtfertigter. Es kommt auch darauf an, was man zuvor gewöhnt war. Wer von einem 50-Euro-Kopfhörer kommt, wird vom MDR-Z7 auf den Mond geblasen und wird fast weinen wenn er merkt, was er bislang versäumt hat. Wer die gute Mittelklasse gewöhnt ist, also zB Philips Fidelio X2, Sennheiser HD650, Beyerdynamik DT990, AKG K701 oder Grado Rs2, wird teilweise klare Verbesserungen hören, teilweise aber auch eine Umgewöhnungszeit brauchen, denn der Wow-Faktor ist bei diesem Sprung nicht mehr so groß. Und wer Flagschiffe wie den Senni HD800, den AKG k812, Beyer T1 oder den Grado GS1000 besitzt, muss sich gut überlegen, ob er noch ein weiteres Spitzenmodell haben muss. Freilich: Wer Kopfhörer als ernsthaftes Hobby betreibt, wird um den Sony MDR-Z7 nicht herum kommen, denn es gibt Sachen, die macht er halt besser als andere Top-Modelle. Die mehrmals erwähnte, nahezu körperliche Präsenz der Töne zum Beispiel. Wer sich aber keine Sammlung von Kopfhörern anlegen will, sondern ein Modell für alles haben mag, der ist mit dem Sony bestens bedient, denn der MDR-Z7 hat noch ein Ass im Ärmel, das ihn von fast allen anderen Mitbewerbern abhebt: Er ist ein „Plug-and-play-und-fertig“-Hörer. Er braucht im Gegensatz zu fast allen anderen Spitzen-Geräten keinen (teuren) Kopfhörerverstärker, sondern spielt schon an halbwegs guten Kopfhörerausgängen von PC oder AV-Receiver seine Stärken aus. Und er läuft halt notfalls auch am Smartphone oder direkt am Fernseher angeschlossen ziemlich gut.

Was mit gefällt: Die konkurrenzlos gute Verarbeitungsqualität, die warme Abstimmung bei gleichzeitig hohem Detailreichtum und die Körperlichkeit des Sounds, die ich so noch bei keinem anderen Modell gehört habe. Außerdem macht der KH an jeder Ausgangsquelle eine gute Figur.

Was mir nicht so gut gefällt: Nicht ganz so luftig wie offene Kopfhörer, manchmal ein wenig „langsam“.

Wer ihn sich holen sollte: Menschen, die ein audiophiles Klangerlebnis haben möchten, aber sich keinen unterkühlten Tonsezierer ins Haus holen wollen.

Wer ihn ignorieren sollte: Neutralitätsfantiker und Leute, die High End nicht zu schätzen wissen.

Konkurrenz: Sennheiser HD650 und HD800, AKG K712 und K812, Beyerdynamik T90 und T1, Grado Rs1 und GS1000, Bang & Olufsen P8, diverse andere Spitzenmodelle.

Fazit: Der MDR-Z7 von Sony ist ein Kopfhörer der High End-Klasse, der mich im Test weitgehend begeistern konnte und mit seiner eigenen, Sony typischen Abstimmung überzeugt. Warm, aber dennoch neutral und analytisch.

Menschlichkeit im Klinikum Klagenfurt

Ich schreibe hier nicht so oft über mein persönliches Leben, aber es ist mir wichtig, das heute mal zu tun. Im Jahr 2009 wurde bei mir ein Burckitt-Lymphom diagnostiziert, ein sehr aggressiver Krebs. Man entfernte den Tumor und unterzog mich einer acht Monate dauernden Chemotherapie. Mit Erfolg. Danach wurde erst viertel-, dann halbjährlich kontrolliert, ob der Krebs vielleicht wiederkommen würde. Inzwischen muss ich nur mehr einmal pro Jahr zur Kontrolle. Und sowohl während der stationären Zeit im Krankenhaus als auch bei den Nachsorgeuntersuchungen ist mir eines ganz besonders aufgefallen: Der menschlich erstklassige Umgang mit Patienten an der onkologischen Abteilung des Klinikum Klagenfurt.

Ich bin kein einfacher Patient. Ich leide an Depressionen und einer generalisierten Angststörung. Vor allem letzteres führt dazu, dass ich Situationen, die völlig ungefährlich und harmlos sind, oft als sehr belastend empfinde. Schon still zu sitzen, während mir Blut abgenommen wird, kann eine Panikattacke triggern, also einen Zustand höchster Erregung inklusive Herzrasen, Atemnot und übelsten Beklemmungsgefühlen. In der CT-Röhre leide ich Höllenqualen, da ich auch sehr klaustrophob bin. Das können Menschen, die nicht selber darunter leiden, meist nicht verstehen. Aber an der Klagenfurter Onkologie hat man dafür nicht nur Verständnis, man wirkt dieser Angst mit Gelassen- und Freundlichkeit aktiv entgegen. Dafür möchte ich allen, die dort arbeiten, danken. Ihr seid toll.

 

„Nie wieder“ heißt, für Israel zu sein

Es ist wieder mal Internationaler Holocaust-Gedenktag und damit drohen uns erneut die üblichen Phrasen und Floskeln, vorgetragen von Politikerinnen in Schwarz und Politikern, die Hüte tragen. Aus Respekt. Ernst blicken sie drein, die Präsidenten und Bundeskanzlerinnen, und sagen, was sie seit Jahrzehnten sagen: „Nie wieder“. Sie meinen damit allerdings ausschließlich „nie wieder Auschwitz“. Was diesseits von Vernichtungslagern ist, fällt nicht unter diesen Schwur, wird nicht abgedeckt vom Wiederholungsverbot. Seit dem von außen erzwungenen Ende der Naziherrschaft nicht.

Nirgendwo in Europa waren Juden nach 1945 je so sicher, wie sie es sein hätten müssen, hätten wir tatsächlich aus der Geschichte gelernt. In Deutschland und Österreich versuchte man zunächst, die wenigen verbliebenen Jüdinnen und Juden zu vergraulen und denjenigen, die den Mördern durch Flucht entronnen waren, eine Rückkehr wenig schmackhaft zu machen. Mit allerlei juristischen Spitzfindigkeiten drückte man sich vor der Rückerstattung geraubten Vermögens und arisierten Besitzes. Wer sich dadurch nicht entmutigen ließ, musste bis in die späten 1960er Jahre hinein Angst davor haben, dass ihm Alt- oder Neonazis Briefbomben schickten oder ihn auf offener Straße totschlugen. Und dann kam die Bedrohung durch palästinensische Terroristen, die mit der Unterstützung linksextremer europäischer Komplizen jüdische und israelische Einrichtungen angriffen und Juden sowie proisraelisch eingestellte Politiker ermordeten. Mit diesen arabischen Terroristen schlossen die europäischen Staaten dann einen Pakt, der bis heute in Kraft ist: „Ihr hört auf, bei uns Terror zu machen, dafür kriegt ihr jährlich ein paar hundert Millionen Dollar von uns“. Doch für Europas Juden war die daraus resultierende Verschnaufpause nur sehr kurz, denn fast nahtlos schlüpften islamistische Fanatiker in die vernichtungsantisemitische Lücke und zielen nun mit Bomben und Knarren auf alles, was jüdisch ist oder was sie dafür halten. Kurz: Seit 1945 müssen in Europa jüdische Kindergärten von Polizei und Wachdiensten beschützt werden, weil jüdische Kinder sonst in Lebensgefahr wären. Mit Ausnahme der Betroffenen und einer winzigen Anzahl Intellektueller findet das kaum jemand skandalös, weil kaum jemand begreift, was das über unsere Gesellschaft aussagt.

Während ich das hier schreibe, erfahre ich, dass eine 24-jährige Israelin ihren Stichwunden erlegen ist, die ihr ein arabischer Teenager zugefügt hatte. Totgestochen im Supermarkt. Allein seit Oktober 2015 wurden in Israel 25 Menschen von Arabern ermordet und dutzende zum Teil schwer verletzt. Das große Schweigen, das in Europa dazu zu vernehmen ist, sagt vielleicht mehr zum Weiterbestehen antisemitischer Haltungen aus, als alle Antisemitismusstudien zusammen. Empörung und Demonstrationen gegen Gewalt im Nahen Osten finden in Europa nur statt, wenn Israel sich verteidigt. Dann sind alle plötzlich laut und präsent, die immer schweigen, wenn Juden ermordet werden. Und oft sind das dieselben, die am Holocaust-Gedenktag ganz traurig tun und die Untaten ihrer Vorväter tapfer anklagen, während sie die Untaten der aktuellen Judenmörder entweder ignorieren oder als „Widerstand“ verharmlosen. 350 Millionen Araber stehen gut sechs Millionen Juden gegenüber. Wer hier Widerstand leisten muss, ergibt sich schon rein mathematisch. Dennoch bereitet gerade vielen Linken und Liberalen nichts so große Sorge wie das Wohlergehen jener sich Palästinenser nennenden Araber. Ein moralischer, strategischer und propagandistischer Bankrott, den die Rechten nach einigen Jahren des Zögerns erkannt haben und für ihre Zwecke ausnützen. Kaum eine (west)europäische Rechtsaußenpartei kommt mittlerweile noch ohne proisraelische Lippenbekenntnisse aus. Das hat nichts damit zu tun, dass diese im Kern hart antisemitischen Parteien ihren Antisemitismus aufgearbeitet hätten, sondern mit taktischen Überlegungen und populistischem Gespür. Die gefährlichsten Gegner Israels sind muslimischen Glaubens, die europäischen Rechten hassen Muslime noch mehr als Juden, also scheinen Allianzen nahe zu liegen. Was die europäischen Rechten nicht wissen wollen und manche israelischen Rechten gerne verschweigen: Einige der patriotischsten Israelis sind Muslime und die große Mehrheit der jüdischen Israelis will nicht „den Islam“ bekämpfen, sondern sich lebensgefährlicher Feinde erwehren, egal, woran die gerade glauben oder zu glauben vorgeben. Es steht zu befürchten, dass jene von der Linken gründlich enttäuschten Israelis, die nun darauf hoffen, ein nach rechts rutschendes Europa würde Israel mehr Verständnis und Solidarität entgegenbringen, sich gründlich täuschen. Ein in rechts regierte Nationalstaaten zerfallendes Europa wird sich gerade in der immer schlimmer werdenden Wirtschaftskrise lukrative Waffengeschäfte mit der arabischen und muslimischen Welt nicht entgehen lassen. Das zeichnet sich ja bereits ab, denn die „Normalisierung“ der Beziehungen mit dem Iran und das Klinkenputzen europäischer Politiker und Wirtschaftsbosse in Teheran zeigt ja, dass schon jetzt moralische Kategorien kaum mehr eine Rolle spielen. Zu meinen, ausgerechnet Rechte, die ja oft nichts anderes sind als der politische Arm der Industrie, würden da einen Kurswechsel herbeiführen, ist eine gewagte Annahme.

Wer aus der Geschichte wirklich etwas gelernt hat und es ernst meint mit dem „Nie Wieder“, muss realistischerweise für die sichere Existenz Israels eintreten. Juden sind weltweit in Gefahr und es ist nicht irgendeine moralische Lehre aus Auschwitz, die Judenmörder von einer Wiederholung der Shoah abhalten kann, sondern allein ein schwer bewaffneter Staat Israel, in dem es eine deutliche jüdische Mehrheit gibt. Auf die Lernfähigkeit der Europäer kann man sich leider nicht verlassen. Auf die Angst, im äußersten Fall eine Atombombe made in Israel aufs Dach zu kriegen, dagegen schon. Faktisch ist also jeder, der an einer Schwächung oder gar Zerstörung Israels arbeitet, sei es als „Aktivist“ der Boykottbewegung oder als Befürworter des „Rückkehrrechts“ der Nachfahren aller jemals auf israelischem Gebiet gelebt habenden Araber, ein schlimmerer Antisemit als das faschistische Gesindel, das sich derzeit mit Israelbegeisterung tarnt.

Obergrenzen und Idioten

Die Idiotie der derzeit Österreich regierenden ÖVP (die SPÖ existiert nur mehr als abnickende Kanzlerdarstellerpartei) kennt leider keine Obergrenzen. Da beschließt man, heuer nur mehr die Schnapszahl von 37.000 Asylanträgen zuzulassen, kommendes Jahr nur mehr 35.000 und im Jahr 2018 nur mehr 30.000 (und irgendwann keinen mehr?). Einmal ganz abgesehen davon, dass hier Völker- und Menschenrecht gebrochen wird, ist das ungeheuer dumm, denn was passiert, wenn Asylbewerber Nummer 37.001 ankommt? Knallt man den dann an der Grenze ab? Lässt man ihn in einem Niemandsland zwischen Österreich und einem angrenzenden Staat auf bessere Tage warten? Die Obergrenze wird nicht einhaltbar sein, ohne zu barbarischen Methoden zu greifen und dem Schlepperbusiness einen Boom zu bescheren, und dann wird die FPÖ antanzen und sagen: „Wir machen das“. Die Obergrenze ist also schon rein taktisch ausgesprochen blöd. Dass eine Obergrenze für Asylanträge völker- und europarechtswidrig ist, wird noch Konsequenzen der schauerlichsten Art haben. Wenn wir Völker- und Europarecht ignorieren, weil es „das Volk“ angeblich so will, dann können wir auch wieder die Todesstrafe und die Folter einführen. Anything goes. Die ÖVP will auch ganz dringend die Mindestsicherung für anerkannte Asylwerber (und damit für alle, da ja ein Gleichheitsgrundsatz gilt) senken oder am liebsten ganz abschaffen. Das kommt allen Ernstes von einer selbsternannten „Wirtschaftspartei“. Auch die SPÖ wird dabei mitmachen, hat sie doch selber bereits vorgeschlagen, die Mindestsicherung auf Sachleistungen zumzustellen.

Extra für die beiden Parteien, die Österreich gerade in den Abgrund regieren, und für die lieben fremdenfeindlichen Schreihälse da draußen habe ich ein paar Thesen zusammengestellt:

-Europa hat ein massives Problem mit einer immer älter werdenden Bevölkerung. Immer weniger wirtschaftlich Aktive müssen immer mehr Pensionisten versorgen. Europa bräuchte daher eine Verjüngung durch Zuwanderung wie einen Bissen Brot. Unter denen, die nach Europa fliehen, sind überdurchschnittlich viele junge und tatkräftige Menschen. Wer tausende Kilometer höchst riskanter Flucht auf sich nimmt, macht das nicht um danach Däumchen zu drehen. Der will was schaffen, will was arbeiten, was unternehmen.

-Zunächst kommen Asylsuchende und Migranten Europa teuer. Es dauert eine gewisse Zeit, bis die Schutzsuchenden und Zuwanderer die Sprache lernen und sich zurecht finden. Aber schon in dieser Zeit, in der sie ein Taschengeld und dann vielleicht die Mindestsicherung beziehen, sind sie Konsumenten. Sie brauchen Lebensmittel Kleidung, Wohnraum und alles das, was man halt so braucht und haben will. Die Folge: Der Konsum steigt massiv an. Das schafft dann direkt Arbeitsplätze. Die Wirtschaft samt den Arbeitsplätzen ist nicht so, wie das eine zunehmend idiotischer werdende Öffentlichkeit glaubt, nämlich ein immer gleich groß bleibender Kuchen, der kleiner wird, wenn mehr Leute von ihm naschen wollen. Die Wirtschaft wächst mit der Zahl von nachfragenden Konsumenten. Mehr Nachfrage = mehr Wirtschaft = mehr Arbeitsplätze. Und nur so werden wir unseren Wohlstand erhalten können.

-Wäre es so, dass Einwanderung die Wirtschaft schwächt und Arbeitsplätze gefährdet, dann wären die USA, seit jeher das Einwanderungsland Nummer 1, niemals zur Weltmacht aufgestiegen.

-Statt hirnrissige Obergrenzen einzuführen bräuchten wir eine gesamteuropäische Asylpolitik und eine Zuwanderungsstrategie. Es ist ein Irrsinn, dass gerade jene Teile Europas, die wirtschaftlich am Boden kriechen, sich am heftigsten gegen Einwanderung wehren. Gerade die brauchen neuen Schwung durch eine steigende Bevölkerungszahl. Dennoch fährt die ganze europäische Politik in die Gegenrichtung und steuert damit auf einen Crash zu, der wohl unweigerlich zum Zerfall der EU und dann zu neuen innereuropäischen Verteilungskriegen führen wird.

-Die sozialen Sicherungsnetze müssen nicht ab- sondern ausgebaut werden. Nur so kann die andauernde und sich, worauf alles hindeutet, massiv verschärfende Wirtschaftskrise überstanden werden, ohne dass es zum völligen Zusammenbruch kommt. Nur so können wir die Chance, die die Zuwanderung darstellt, auch nützen. Wer nichts hat außer ein paar Essensmarken (Modell Mindestsicherung a la ÖVP und jetzt auch SPÖ), versinkt in Lethargie und Passivität. Und muss ein würdeloses Leben fristen. Wir können uns gut ausgebaute Sozialstaaten selbstverständlich leisten. Noch nie gab es dermaßen viele Millionäre und Milliardäre wie jetzt, nie war die Wirtschaft produktiver. Es ist eine Frage des politischen Willens, sonst gar nichts.

Die Moorsoldaten, 2.0

Wohin auch das Auge blicket

Moor und Heide nur ringsum

Vogelsang uns nicht erquicket

Eichen stehen kahl und stumm

Wir sind die Moorsoldaten

und ziehen mit dem Spaten

ins Moor

„Die Presse“, 22.7.2015: Wer die staatliche Sozialhilfe bezieht und arbeitsfähig ist, solle gemeinnützige Arbeit verrichten. In einer Resolution hat der Landtag – übrigens mit den Stimmen der SPÖ – die Bundesregierung aufgefordert, Projekte, bei denen die Bezieher der Mindestsicherung für gemeinnützige Organisationen oder Behörden arbeiten, aus den Mitteln des Arbeitsmarktservice zu finanzieren.

Hier in dieser öden Heide

ist das Lager aufgebaut

wo wir fern von jeder Freude

hinter Stacheldraht verstaut

Wir sind die Moorsoldaten…

Andreas Unterberger, 14.1.2016: Warum werden nicht alle Asylwerber in dieser Zeit in Lagern untergebracht, die sie nicht verlassen dürfen (damit man sie gegebenfalls abschieben kann, damit sich nicht Köln in Österreich wiederholt)?

Morgens ziehen die Kolonnen

in das Moor zur Arbeit hin

Graben bei dem Brand der Sonne

doch zur Heimat steht der Sinn

Wir sind die Moorsoldaten…

Der Standard, 13.8.2015: Noch führt die sogenannte Balkanroute für diese Menschen über die 175 Kilometer lange Grenze zwischen Ungarn und Serbien. Doch seit zwei Wochen baut die Armee, verstärkt durch arbeitsverpflichete Sozialhilfeempfänger und Sträflinge, mit Volldampf einen Zaun, der Migranten den Zugang verwehren soll.

Auf und nieder gehn die Posten

keiner, keiner kann hindurch

Flucht wird nur das Leben kosten

vierfach ist umzäunt die Burg

Wir sind die Moorsoldaten…

ORF, 9.1.2016: Was die Debatte um die Kürzung von Sozialleistungen für Flüchtlinge angeht, so schließt sich Häupl dem 7-Punkte-Plan des Kärntner Landeshauptmmanes Peter Kaiser an, der für teilweise Sachleistungen eintritt. Und das generell für Bezieher der  Mindestsicherung. 

Die Presse, 17.1.2016: „Diejenigen, denen wir helfen, sollen auch uns helfen“, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl in der ORF-Pressestunde, und meint damit nach Österreich kommende Flüchtlinge. Diese sollen seiner Meinung nach ein verpflichtendes Sozialjahr absolvieren.

Heimwärts, heimwärts jeder sehnet

zu den Eltern, Weib und Kind

Manche Brust ein Seufzer dehnet

weil wir hier gefangen sind

Wir sind die Moorsoldaten….

Die Presse, 12.7.2011: Die rechtsnationakle ungarische Regierung uinter Premier Victor Orban will Sozialhilfe-Empfänger zur Arbeit zwingen. (…) Die Gesetzesänderung sieht vor, dass Sozialhilfeempfänger zu Arbeiten im Interesse der Gemeinden verpflichtet werden können. Gemeint sind damit Straßenreinigung, Instandhaltung öffentlicher Objekte, Garten- und Waldarbeiten, aber  auch Arbeiten auf Baustellen bei großen staatlichen Projekten. Festgehalten wird im Gesetz zudem, dass Betroffene auch zur Arbeit weit weg von ihrem Wohnort verpflichtet werden können.

Wir sind die Moorsoldaten

und ziehen mit dem Spaten….