5 Gründe, warum LG-Smartphones sucken

Das LG G6 ist mittlerweile das preisgünstigste Flagschiff-Smartphone aus dem Jahr 2017. Der ursprüngliche Preis ist seit der Markteinführung um mehr als die Hälfte gefallen und das G6 kostet derzeit weniger als manches Mittelklasse-Phone. Klingt verlockend? Soll man zuschlagen und ein „Schnäppchen“ machen? Nun, es gibt Gründe dafür, warum die Teile so rasch an Wert verlieren.

  1. LG hasst Europa. In den USA kann das LG G6 wireless charging, in Asien wird es mit einem starken Kopfhörerverstärker ausgeliefert. In Europa gibt es keines der beiden Features, aber den gleichen Preis.
  2. Die Update-Politik ist katastrophal. Wie schon bei den Vorgängermodellen warten LG-Kunden ewig auf Aktualisierungen und mehr als ein Update auf eine neue Android-Verison ist pro Modellzyklus meist nicht drin.
  3. Der interne Speicher ist mager. Während bei den meisten anderen Flagschiffen bereits 64 oder gar 128 GB interner Speicher Standard sind, müssen LG G6-Besitzer immer noch mit 32 GB Vorlieb nehmen. Wir schreiben nicht mehr das Jahr 2014, LG!
  4. Die Designsprache ändert sich mit jedem Modelljahr. Das G4 hatte 2015 einen Lederrücken und einen austauschbaren Akku. Das G5 setzte auf die Modular-Bauweise. Das G6 ist nun fast ganz aus Glas und im 18:9-Format. Es ist okay, wenn Hersteller sich was trauen und wenn sie gefloppte Versuche nicht weiter verfolgen. Aber eine ständig wechselnde Designsprache macht die ganze Marke verwechselbar. Geräte von Apple, Samsung, Sony, Huawei und so weiter sind auf den ersten Blick als solche erkennbar. LG verzichtet auf diesen Wiedererkennungswert und produziert damit zielsicher an der Psychologie des Konsums vorbei.
  1. Die Qualitätssicherung ist nicht auf höchstem Niveau. LG verlangt zwar (bei Verkaufsstart) die gleichen Preise wie die Konkurrenz, bietet aber nicht dieselbe Qualität. Ich habe ein LG G4. Nach kaum zwei Jahren Betrieb ist der Lautsprecher, der die Gesprächspartner wiedergibt, fast hinüber und kracht und knarzt nur mehr. Die Kamera, obwohl sie nicht schlecht ist, entsprach nie dem, was das Marketing behauptet hatte. Dasselbe sagen viele Kritiker auch vom G6.

Kurz: Was LG als „Flagschiffe“ anpreist, sind in Wahrheit Mittelklasse-Geräte. Die wären voll okay, würden sie beim Verkauf in der Preisklasse von 300 bis 500 Euro starten. LG schickt sie aber im Luxussegment ins Rennen, und dort sind die Kunden zu Recht besonders kritisch.

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This is the End: Die Linke hat verloren

Die letzten Gruppen, die noch an eine Revolution geglaubt haben, geben gerade weltweit ihre Waffen ab und besteigen das Ringelspiel der bürgerlich demokratischen Demokratie, das immer nur im Kreis fährt wie der Kapitalismus, an dessen Ewigkeit niemand mehr zu zweifeln wagt. In Kolumbien zeigen sich nach der Kapitulation der FARC bereits beeindruckende Erfolge dieser Strategie, denn das Land ist mittlerweile Weltmarktführer im Geschäft der Online-Prostitution. Von keinem anderen Staat aus senden so viele Sex-Cams, in denen Frauen, Männer, Transsexuelle und Paare vor laufender Live-Kamera das tun, was der zahlende Kunde befielt. „Schlimmer“, sagt nun der Sozialdemokrat, „könnte es aber immer noch sein. Für Geld vor Voyeuren vögeln ist immerhin besser, als Kinderprostitution und Massenvergewaltigung“. Die Drohung schwingt in dieser sozialdemokratischen Haltung so mit wie im geistlosen Geschwätz aller, die sich nichts anders mehr vorstellen können als den Markt als vernünftigste Art, menschliche Gesellschaften zu organisieren. Und wenn die Nachfrage nur stark genug ist, befriedigt der Markt auch die Nachfrage nach dem, was Sozialdemokraten und andere Moralisten per Gesetz zu verbieten trachten, wohl wissend, dass das Verbot, je strenger die Strafe, mit der dessen Übertretung bedroht wird, den Profit desto mehr steigert.

Wo die Renditen trotz aller Deregulierung des legalen Teils der Ökonomie vom Kapital für ausbaufähig eingeschätzt werden, trachten beachtliche Kapitalfraktionen danach, die letzten sozialstaatlichen Umverteilungsmechanismen zu beseitigen, was noch besser als mit einer willfährigen Sozialdemokratie samt vom Herrn Hartz ins Bordell eingeladenen Gewerkschaftern mit autoritären Regierungen funktioniert. Und so laufen überall auf der Welt die Kofferträger von der Konzernzentrale zur Parteizentrale der jeweils neuen populistischen „Bewegung“, um diese finanziell fit zu machen für den Abriss der letzten Brandmauern, die der Totalität des Marktes noch trotzen. Ein Parteiensystem, eine Justiz und eine Presselandschaft, wo, wie es der austro-kanadische Milliardär Frank Stronach zur Begründung seines kurzfristigen politischen Engagements in Österreich angab, der die Macht hat, der das Gold hat, reichen nicht mehr aus, um die Gier zu befriedigen, sehen die Gierigen doch, wie viel mehr als im nominell immer noch den Menschenrechten verpflichteten Europa sich in China, Russland, Lateinamerika und überall dort, wo mit demokratischem Klimbim aufgeräumt wurde, aus Mensch und Natur herausquetschen lässt. Das steckt hinter dem globalen Aufstieg des sogenannten Populismus, der in Wahrheit nichts anders als die totale Herrschaft der Oligarchen ist. Das ist in seiner machttechnischen Konstruktion nicht neu, aber es ist anders als beim letzten Mal, als so ein Versuch stattfand. Heute darf niemand mehr darauf hoffen, dass irgendwann doch noch die Rote Armee kommen wird. Und selbst der Gedanke, dass es wenigstens so etwas wie unerschütterlich liberale kapitalistische Mächte gäbe, die, wie einst die USA oder Großbritannien, immerhin als Fluchtpunkt für Verfolgte und Überwinterungsorte für Ideen dienen könnten, ist nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und nach dem Brexit-Votum der Briten dahin.

Die Welt, wie manche sie zu kennen meinten, existiert nicht mehr und nichts ist mehr undenkbar, kein Verbrechen unvorstellbar. Die neuen „Bewegungen“ kommen nicht an die Macht, weil die „Linken“ nicht geduldig genug mit Nazis geredet hätten, nicht aus Frust der „Arbeiter“ über einen angeblich zu hohen Stellenwert von schwer verständlicher Identitätspolitik und auch nicht, weil der Mond gerade im siebten Zeichen steht, sondern weil die Kosten-Nutzen-Rechnung im ökonomischen Vergleich liberaler Demokratien mit autoritären Regimes sich zugunsten letzterer verschoben hat. CDU, SPD, Grüne, Linkspartei, Liberale – sie alle schaffen es nicht, in Berlin einen neuen Flughafen zu bauen. Die neuen Nazis werden das binnen eines Jahres bewerkstelligen. Deswegen schreibt die Springer-Presse die AfD an die Macht, daher schrieb das österreichische Pendant zur Springer-Presse den feschen Sebastian Kurz und die nicht ganz so fesche FPÖ an die Macht. Der 31-jährige Berufsschnösel ohne jede Erfahrung mit dem wirklichen Leben und die rechtsextremen Völkischen sind die ideale Besetzung für das Stück, das in Kürze weltweit aufgeführt werden wird, und in dem alles außer der Gewinnspanne eine Nebenrolle spielen soll. Sehr nützlich sind da Rassismus und nationalistischer Quark, denn wo der Arbeitskraft-Verkäufer ausgeraubt werden soll, braucht es Außenfeinde und Ausgestoßene, auf die der Beraubte herabblicken kann, damit er sich während des Raubes wohl fühlt und sich nicht nur nicht wehrt, sondern die, die ihn berauben, nach Kräften unterstützt.

Was machen eigentlich die verbliebenen Linken, wenn all das vor ihren Augen geschieht? Einige versuchen, sich mit den Resten der christlichen und bildungsbürgerlichen Fraktionen zu verbünden, um zu retten, was noch zu retten ist und wovon sie meinen, es sei der Rettung wert. Andere sind ganz mit sich selbst und ihren wertvollen Gefühlen beschäftigt. Kurz nachdem der österreichische Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) live im Fernsehen angekündigt hatte, Flüchtlinge in Hinkunft „konzentriert halten“ zu wollen, brodelte es in den sozialen Netzwerken. Freilich nicht wegen der KZ-Anspielung eines Ministers, der jahrzehntelang Reden und Werbesprüche für seine Partei getextet hatte, was die freundliche Interpretation, das wäre Idiotengeschwätz, erledigen sollte, sondern wegen einer Party, die die Junge ÖVP im Wiener Lokal Schikaneder feiern wollte. Das Schikaneder, einst nur ein Kino und mittlerweile ein linker Szenetreff mit angeschlossenem Kinosaal, gilt vielen Wiener Linken und Linksliberalen als eine Art erweitertes Wohnzimmer. Dass die Jugendorganisation der nunmehr mit der FPÖ regierenden ÖVP dort ein bisschen Spaß haben wollte, war dann vielen Wiener Linken doch zu viel. Hier ging es um das Letzte, was diese Sorte Linker noch meint zu verteidigen zu haben, nämlich um die Safe Spaces weinerlicher Nullen. Die Aufforderungen, eine Schändung dieser sicheren Orte durch junge marktradikale Schnösel nicht hinzunehmen, lasen sich dann auch emotionaler als fast sämtliche Reaktionen auf den Minister mit den KZ-Gelüsten. Zugute halten muss man der Wiener Linken immerhin, dass niemand den Aufforderungen, gegen das Biertrinken junger Idioten im Schikaneder zu demonstrieren, nachkommen wollte, so dass sich dann an jenem Abend 60 gelangweilte Polizisten vor dem Lokal die Beine in die Bäuche standen und sich eine leere Wanne an die andere reihte.

Dennoch spricht die aggressive, kämpferische Sprache, mit der Linke in Wien „ihr“ Schikaneder gegen junge Konservative und in Leipzig das Conne Island gegen freche Asylbewerber und Migranten zu verteidigen trachten, Bände über den Verfall des linksextremen Milieus. Richtig empört, so hat es wenigstens den Anschein, reagieren die letzten Linken nur mehr, wenn ihre „Hood“ von blöden Yuppies oder Ausländern, die die Szene-Benimmregeln noch nicht gelernt haben, bedroht wird. Wo aber nur mehr die allerletzten Schützengräben verteidigt werden, ist der Krieg bereits verloren. Vielleicht rührt die enorme Aggressivität, die sich sowohl gegen jene richtetet, die diese Gräben vermeintlich oder tatsächlich bedrohen, als auch gegen jene, denen das auffällt, ja aus dem Wissen, dass es vorbei ist oder bald vorbei sein wird? Vielleicht ist es auch Dummheit und moralischer Bankrott, was weiß man schon? Es macht keinen Unterschied. Wir sehen hier, um es biologistisch auszudrücken, die letzten Zuckungen eines sterbenden Organismus, und die sind immer die bedrückendsten.

In Wien demonstrierten Mitte Jänner Zehntausende gegen die ÖVP-FPÖ-Regierung. Ein mächtiges Zeichen, würde man meinen, wäre da nicht die Sozialdemokratie, die nur zwei Tage nach dieser Großdemonstration mittels mehrerer Presseaussendungen die extrem rechte Regierung schalt, zu ausländerfreundlich zu sein. Der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl kündigte „härtesten Protest“ für den Fall an, dass die Regierung eines der geplanten Massenlager in seinem Bundesland errichten würde. Nicht weil er gegen Lager wäre, sondern weil er es für „nicht vertretbar“ hält, wenn „viele Ausländer“ auf „wenige Inländer“ träfen. Der frühere SPÖ-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil bemäkelte via Presseaussendung, die Regierung würde „zu wenige Abschiebungen“ durchführen. Und als die Regierung ankündigte, die Quote für ausländische Fachkräfte, die man in den österreichischen Arbeitsmarkt importieren wollte, zu erhöhen, kreischten SPÖ und Gewerkschaften im Gleichton, ÖVP und FPÖ wollten „150.000 zusätzliche Ausländer“ ins Land holen. Die einzige Kritik an der Regierung, die der sozialdemokratischen Opposition derzeit einfällt, ist keine am Rassismus, sondern eine rassistische.

Die radikale Linke sorgt sich um die Reinheit ihrer letzten Wasserlöcher, die Sozialdemokratie versucht den Angriff von rechts oder arbeitet, wie in Deutschland, dem Aufstieg der extremen Rechten zu, indem sie sich als wirrer Haufen präsentiert, der nicht weiß, ob er opponieren oder koalieren solle oder was er überhaupt ist. Das ist alles so irre und nicht mehr nachvollziehbar, dass es etwas anders, etwas bedeutenderes als Verwirrung vor dem Feind signalisiert. Wir erleben nichts Geringeres als das Ende der Linken und der sozialdemokratischen Kapitalismusverwalter. Gewiss, irgendwo schreit noch ein Trotzkist, woanders brüllt eine einsame Revolutionärin die Wand an. Aber das, was ist, hat noch kaum jemand begriffen, und was ist, ist die keineswegs paranoide Perspektive, dass alles, was, um Baudelaire zu zitieren, „nicht ausschließlich Gier nach dem Golde ist, einer grenzenlosen Lächerlichkeit preisgegeben wird“. Und ist etwas erst einmal gründlich lächerlich gemacht worden und ins Reich nicht nur des Fantastischen und Utopischen, sondern auch des ökonomisch Schädlich verwiesen, werden die Rechtfertigungen, es zu vernichten und zuvor in „Lagern konzentriert zu halten“, nicht lange auf sich warten lassen.

Freilich ist nichts wirklich von Dauer und nichts unvorstellbar, und so ist es auch nicht ausgeschlossen, dass sich nach dem Horror, der sich ankündigt und der für immer mehr Menschen schon Realität ist, doch noch irgendwann eine klügere Linke erheben wird. Aber in der Gegenwart, in der jede Menschlichkeit zertreten wird, ist das nichts als Pfeifen im dunklen Walde.

Rocker mit Opern-Abo: Der neue Bluetooth-Lautsprecher „Teufel Boomster“

Die Berliner Firma Lautsprecher Teufel hat ihren zurecht sehr beliebten Bluetooth-Lautsprecher „Boomster“ mit neuen Features aufgepeppt.

2015 hat Teufel mit dem Boomster den klanglichen Standard für handliche Bluetooth-Lautsprecher gesetzt und die Konkurrenz mit einer sehr robusten Bauweise und cleveren Detaillösungen auf die Ränge verwiesen. Der Original-Boomster bekam zurecht durchwegs gute Kritiken (auch von mir) und gefiel nicht nur mit einem hervorragenden Sound, sondern auch mit seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Nach gut zwei Jahren haben die Berliner Klangspezialisten das Gerät nun modernisiert. Das vielleicht Wichtigste vorab: Der Sound, mit dem der Boomster zum Klassenprimus seiner Gattung wurde, ist praktisch identisch mit dem Vorgängermodell. Das ist eine gute Nachricht, denn Teufels Bluetooth-Allrounder spielt mit seinen gleich fünf verbauten Lautsprechern fast alles aus seiner Preisklasse an die Wand.

Das ist neu

Teufel hat dem neuen Boomster mehrere Updates spendiert. Das auffälligste ist das Display. Hinter der einheitlich schwarzen Front leuchtet jetzt eine rote digitale Schrift, die vor allem die Suche nach Radiosendern enorm erleichtert und die im Kontrast mit dem schwarzen Gehäuse sehr hübsch aussieht. Statt drei Speichertasten für Radiostationen gibt es nun vier. Die Wurfantenne wurde durch eine schicke Teleskopantenne ersetzt. Der Boomster kann jetzt auch Digitalradio (DAB+). Der Tragegriff aus Metall ist nicht mehr völlig plan, sondern setzt sich leicht nach oben hin ab, was die Griffigkeit für den Transport erhöht.

Teufel hat mit diesen Neuerungen praktisch alle Anregungen von Kritikern, wie man den Boomster noch besser und praktischer machen könnte, umgesetzt. Es ist heutzutage ja längst mehr selbstverständlich, dass eine Firma ein gutes Produkt einfach weiter verbessert und dabei auch noch auf Kundenwünsche hört, statt stur alle paar Jahre irgendwelche komplett neuen Geräte auf den Markt zu werfen, die mit den beliebten Vorgängern nichts mehr zu tun haben. Für diese Orientierung am Kunden gibt es von mir ein paar fette Pluspunkte.

Der Klang? Immer noch Weltklasse!

Klanglich ist der neue Boomster immer noch die reine Freude. Er klingt wesentlich größer, als er ist, und füllt den Raum in jeder Lautstärke mit einem Hifi-Sound, den in dieser Preisklasse kein Konkurrent anzubieten in der Lage ist. Das ist kein Brüllwürfel, sondern ein Wiedergabegerät auf hohem Niveau, das auch Klang-Feinspitze nicht enttäuschen sollte. Dank zwei Hochtönern, zwei Mitteltönern und einem Downfire-Subwoofer, die allesamt bestens aufeinander abgestimmt sind, kann der Boomster mit jeder Musikrichtung umgehen und gibt Motörhead ebenso glaubwürdig wieder wie ein Streichkonzert. Es ist sensationell, wie fein die Musik dabei geradezu dreidimensional dargestellt wird, wie reibungslos Bass, Mitten und Höhen harmonieren. Dabei ist es egal, mit welcher Lautstärke man hört, der Boomster bleibt immer klanglich sauber und kontrolliert. Ob man nun am frühen Morgen mit leiser Lautstärke das Frühstücksradio hört oder abends mit Electro eine 90er-Jahre-Party beschallt – der Boomster kann beides und klingt dabei immer gut.

Going digital

Analoges Radio empfängt der Boomster dank Teleskopantenne nun noch besser. Ob man das Digitalradio nützen kann, hängt davon ab, ob dieses dort, wo man wohnt, verfügbar ist. In seiner eigentlichen Hauptdisziplin, nämlich vom Smartphone gestreamte Musik wiederzugeben, leistet sich der Boomster nicht mal ansatzweise eine Schwäche. Die Bluetooth-Verbindung steht sofort und hält bombensicher. Ob es die eigene Musiksammlung am Handy ist oder ein Streamingdienst – der Teufel spielt das alles mit einer Qualität ab, die dafür spricht, dass im Boomster sehr gute Komponenten verbaut wurden, die den minimalen Qualitätsverlust, den Bluetooth normalerweise gegenüber einer analogen Verbindung mit sich bringt, weitestgehend eliminieren. Das ist mir auch schon bei Bluetooth-Kopfhörern von Teufel aufgefallen. Irgendwie schaffen es die Berliner, am Ende der Analog-Digital-Bluetooth-Analog-Kette einen Klang darzustellen, der äußerst natürlich wirkt.

Starker Akku

Zusammen mit der robusten Bauweise, dem edlen Design, dem anlogen und digitalen Radioempfang und vor allem dem Klang ist der neue Teufel Boomster einer der besten Bluetooth-Lautsprecher, den man um den Preis kriegen kann. Alles eitle Wonne Sonnenschein also? Einen kleinen Kritikpunkt hätte ich dann doch: Die Touch-Tasten, mit denen die Radiostationen gespeichert und angewählt werden, reagierten auf meinem Testgerät mit einer minimalen Verzögerung. Das war nicht so schlimm, dass es nerven würde, aber es war halt merkbar und nicht ganz so snappy, wie man es inzwischen von zB Highend-Smartphones gewöhnt ist. Auch der neue Boomster kommt mit einem starken Akku, der stundenlangen Betrieb fernab der Steckdose garantiert. Und falls selbst das nicht reichen sollte, kann man das Gerät sogar mit Batterien betreiben. Alle sensiblen Anschlüsse werden von stabilen Gummiabdeckungen geschützt, was den Boomster absolut outdoor tauglich macht.

Der Teufel Boomster ist für 349,99 Euro zu haben.

Pro: Großartiger und klassenbester Sound; jetzt mit einem hübschen Display; reibungsloser Betrieb mit Smartphones; guter Radioempfang; jetzt auch mit DAB+; mehr Stationsspeichertasten als zuvor; robust und dennoch schick; verbesserter Tragegriff; Teleskopantenne; sehr gute Verarbeitung; lange Akkulaufzeit.

Contra: Manchmal reagieren die Touch-Bedienelemente nicht unmittelbar, sondern nehmen sich eine Viertelsekunde Bedenkzeit.

Fazit: Teufel hat den Boomster genau so modernisiert, wie es sich Kunden und Kritiker gewünscht hatten. Der neue Boomster ist eine Art Rundum-Sorglos-Paket für alle, die einen wirklich gut klingenden Bluetooth-Lautsprecher wollen, den man aber auch als Küchenradio und sogar als kleine Wohnzimmer-Anlage einsetzen kann. Mit dem meiner Meinung nach besten Klang seiner Preisklasse und der nahezu kompletten Ausstattung setzt sich Teufel damit erneut an die Spitze des Mitbewerberfelds. Nicht billig, aber angesichts der Leistungen und der Ausstattung ein tolles Angebot.

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Chefsessel „Wien“ von Möbelix: Der Softie unter den Büromöbeln

Nach nur gut zwei Jahren in meinen Diensten beschloss mein bisheriger Bürostuhl, der Drehsessel „Markus“ von IKEA, in den unbefristeten Streik zu treten. Er unterstrich seine Entschlossenheit zur Arbeitsverweigerung dadurch, dass sich seine Rückenlehne nicht mehr verstellen ließ. Nicht sonderlich angenehm, wenn man viel Zeit am Schreibtisch verbringt. Ein neues Sitzmöbel musste her und weil ich weder im Lotto gewonnen noch erfolgreich mit Bitcoins spekuliert habe, sollte es ein eher günstiges Modell werden. Auftritt Möbelix. Der Werbsespruch „Möbelix – kost‘ fast nix“ ist zwar einprägsam, aber nicht ganz korrekt, Natürlich kosten Möbel auch beim durchwegs günstigen Möbelix nicht nix, aber 199 Euro für den ausgewachsenen „Chefsessel Wien“, der noch dazu gerade mit 149 Euro als Sonderangebot zu haben ist, sind schon eine Ansage.

Zusammenbauen? Kein Problem!

Der Sessel ist platzsparend verpackt, was den Transport erleichtert. Notfalls kann man den Karton auch allein die Treppen hoch tragen. Zum Zusammenbau braucht man aber einen Partner. Die Montage des „Chefsessel Wien“ ist zwar nicht kompliziert, erfordert aber zum Beispiel beim Zusammenschrauben der Sitzfläche mit der Rückenlehne schon ein zusätzliches Paar Hände – oder halt handwerkliches Talent, was mir zugegebenermaßen abgeht. Zu zweit ist der Bürostuhl binnen Minuten zusammengesetzt. Die Anleitung ist gut verständlich und logisch und alle Schrauben und Nieten sind vorhanden. Natürlich ist auch ein kleiner Kantschraubenzieher mit dabei, so dass man für die Montage nicht sein eigenes Werkzeug aus dem Schrank holen muss.

Eine weiche Angelegenheit

Ist der „Chefsessel Wien“ dann fertig zusammengeschraubt, kann man mittels Gaslift bequem die gewünschte Höhe einstellen und schon ist der Drehstuhl einsatzfähig. Was mir beim Sitzen als erstes aufgefallen ist: Der ist weich! Alles am „Chefsessel Wien“ von Möbelix ist weich gepolstert. Das Sitzkissen ist weich, die Rückenlehne ist super weich, sogar die Armlehnen sind extrem angenehm gepolstert. Wer lieber hart sitzt, ist hier fehl am Platz. Wer aber, wie ich, seine Möbel lieber etwas softer und bequemer mag, kann mit diesem Bürostuhl wenig falsch machen.

Saubere Verarbeitung, Qualität okay

Die Verarbeitungs- und Materialqualität geht völlig in Ordnung, vor allem für den Preis. Das Protein-Leder fühlt sich hochwertig und langlebig an und nichts knirscht oder knarzt. Gewiss, für die Ewigkeit gemacht ist das Teil nicht, aber dafür kostet es halt auch nicht über 1.000 Euro, sondern (derzeit) nur 149. Und ein paar Jahre Dauerbetrieb sollte der Stuhl durchaus aushalten können. Möbelix gibt die maximale Belastbarkeit mit 120 Kilogramm an. Da habe ich also in Sachen Leibesfülle noch eine ordentliche Reserve. Ein Kritikpunkt: Die Zierleisten für die Armlehnen, die man in dafür vorgesehen Löcher drücken soll, bleiben nicht fest in der Verankerung. Vielleicht gibt es da einen Trick, den ich noch nicht kenne, aber bei meinem Modell muss ich wohl zu Klebstoff greifen, damit die Leisten dort bleiben, wo sie hingehören.  

Fazit: Mit dem „Chefsessel Wien“ von Möbelix kriegt man viel Bürostuhl für wenig Geld. Wer gut gepolsterte Sitzmöbel mag, kann hier bedenkenlos zuschlagen.

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„Fire and Fury“: Die Rechten und die Zerstörung der Wirklichkeit

Im Jahr 2000 kündigte der damalige n-tv-Talkmaster Erich Böhme vor einer Sendung, in der er selbst, Freimut Duve sowie Ralph Giordano Jörg Haider ins Kreuzverhör nehmen wollten, an: „Wir werden den Mythos Jörg Haider entzaubern“. Nach der Sendung war nicht Haider, sondern die journalistische Reputation Böhmes entzaubert. Böhme und seine Gäste hatten den österreichischen Proto-Rechtspopulisten unterschätzt und aus Arroganz oder Unfähigkeit dessen Diskussionstechniken nicht studiert. Sie hatten gedacht, Haider sei letztlich doch einer von ihnen, einer, der sich an die Spielregeln des bürgerlich-demokratischen Diskurses hält. Haider war jedoch kein bürgerlich-demokratischer Politiker, sondern ein rechtsextremer Provokateur, der sich an die Konventionen nicht gebunden fühlte. Böhme, Duve und Giordano konfrontierten Haider mit schlecht recherchierten Zitaten, verwechselten die Namen von FPÖ-Politikern und hatten es nicht für nötig befunden, ernsthafte Recherche zu betreiben. Das Resultat: Ein grinsender Haider konnte jeden Angriff nicht nur parieren, sondern in eine Waffe gegen den Angreifenden verwandeln. Als Giordano Haider mit einem neonazistischen Ausspruch eines burgenländischen FPÖ-Politikers konfrontierte, konnte der FPÖ-Chef lächelnd sagen: „Einen Herren dieses Namens gibt es in der FPÖ nicht“. Und er hatte recht, denn Giordano hatte den Vornamen des Kerls verwechselt. Nach der Talkshow ging Haider als strahlender Sieger vom Platz und das Publikum hatte den Eindruck gewonnen, man habe den Rechtspolitiker mit erfundenen Vorwürfen, die er aber sämtlich entkräften konnte, fertig machen wollen.

Was lehrt uns diese Geschichte? Sie lehrt uns, wie schlechte Recherche die völlig berechtigte Kritik am Rechtsextremismus ins Leere laufen lässt, wie wendige Rechtspolitiker die Schlampigkeit und Faulheit von Journalisten gegen diese und den Journalismus an sich wenden. Jeder Rechtsextremist und Rechtspopulist dieser Welt hat sich das Phänomen Haider ganz genau angeschaut und registriert, wie politische Gegnerinnen und Journalisten wieder und wieder an zwei Sachen scheiterten: An der Fehleinschätzung, Leute wie Haider würden sich an die ungeschriebenen Regeln eines zivilisierten Diskurses halten, und an der eigenen Hybris. Jörg Haider fertigte eine Art Blaupause an, wie Politiker, die mit dem bestehenden System brechen wollen, mit den Medien umgehen müssen. „Wenn ich etwas zu reden habe, wird in den Redaktionsstuben weniger gelogen und mehr Wahrheit sein als jetzt“, sagte er einst. Knapp zehn Jahre nach Haiders Unfalltod regiert in den USA ein Präsident, der in jedem zweiten Tweet von „Fake News“ und der „Lying Press“ fabuliert und unter dem Schlachtruf „Lügenpresse“ schafften es neue deutsche Nazis zweistellig in den Bundestag.

Warum aber ist es diesen neuen Rechtsextremisten so ein Herzensanliegen, die freie Presse zu diskreditieren? Warum reagieren Leute wie Trump, Erdogan oder Putin mit höchster Aggression, die im Falle der Türkei und Russlands bis zur Einkerkerung und sogar Ermordung von Journalistinnen reicht, auf Pressevertreter, die es wagen, ihrer Arbeit nachzugehen? Weil das Antidemokraten sind. Antidemokraten in dem Sinne, als dass sie ein Weltbild vertreten, in dem sie die einzig legitimen Vertreter des „Volkes“ sind und jeder, der sie kritisiert, somit ein „Volksfeind“. Im Autoritarismus ist eine freie Presse ein Störfaktor, der der Opposition zugerechnet wird und somit beseitigt werden muss. Und gräbt man etwas tiefer, stößt man beim Hass auf freie Meinung und freie Presse auf den Antisemitismus, der alle autoritären Strömungen grundiert, denn da das Judentum die Religion des Debattierens ist, haben Juden die Idee und Praxis des freien Journalismus maßgeblich mitgestaltet.

Die Diskreditierung und letztlich Abschaffung des freien Journalismus dient auch dem, was ich die „Zerstörung des Realitätskonsens“ nenne. Wo Menschen sich zu Führern des „Volkswillens“ aufschwingen wollen, soll der Glaube die Ratio verdrängen so wie die Konformität die offene Debatte ersetzten muss, damit die Sache möglichst ungestört und möglichst lange läuft. Und es gibt einen ganz praktischen Aspekt: Wenn erst einmal das Vertrauen in die Presse ausreichend untergraben wurde, stoßen die verbrecherischen Pläne der Autoritären, die von massiver Bereicherung auf Kosten der Gesamtgesellschaft bis zu Massenmord reichen können, auf viel weniger Widerstand, denn wer wüsste denn noch, was real ist? Als CNN von Sklavenauktionen in Libyen berichtete, bei denen Flüchtlinge als Arbeitskräfte versteigert wurden, verlauteten lokale Warlords, das sei eine Erfindung der „Lügenpresse“ und somit „Fake News“. Die internationale Empörung fiel dann auch viel milder aus, als es der Fall gewesen wäre, hätte die Presse noch den Stellenwert, den sie vor dem Generalangriff der Rechtsautoritären auf den Konsens der Realität hatten.

Sehr gelegen kommen den Trumps und Putins und Orbans und all den anderen neuen Führerfiguren die Fehler, die die Journalisten selber machen. So ist das angebliche Enthüllungsbuch „Fire and Fury“, in dem der US-Journalist Michael Wolff bizarre Interna aus dem Weißen Haus offen legt, wohl voll von Hörensagen, Anekdoten aus zweiter Hand und unsauber recherchierten Halbwahrheiten. Damit dürfte Wolff dem unsäglichen Trump womöglich mehr nützen als er ihm schadet. Wie einst schon Jörg Haider wird sich Trump triumphierend auf jede Schwachstelle des Buches stürzen und seinen Anhängern als weiteren „Beweis“ dafür präsentieren, dass der liberalen Presse nicht zu trauen sei.

Kopfhörer Meze 99 Classics: Mulțumesc für diesen Hörgenuss!

Der Kopfhörer 99 Classics von Meze Audio hat das Zeug zum Kultobjekt. Er klingt noch besser als er aussieht – und er sieht verdammt gut aus.

Seit ein paar Jahren taucht in HiFi-Kreisen immer wieder der Name „Meze Audio” auf. In längeren Diskussionen über Kopfhörer, bei denen die Namen der üblichen Verdächtigen wie Sennheiser, Beyerdynamic, AKG, Bose, Grado und so weiter fallen, fragt dann oft einer: „Habt ihr schon mal was von Meze Audio ausprobiert?” Meze Audio? Was soll denn das bitte sein? Neugierig geworden, googelte ich danach.

Dracula und Schnaps

Meze Audio ist eine Firma aus Baia Mare, Rumänien. Das Interessanteste, was man bislang über Baia Mare sagen konnte, war, dass es in in Transilvanien liegt, wo Dracula zuhause war und man teilweise bis heute an Strigoi glaubt – Tote, die ihren Gräber entsteigen um die Lebenden heimzusuchen. Ich war ein paar Mal in der Region und habe dort nicht nur den härtesten Alkohol meines Lebens getrunken, sondern auch viele sehr coole und kreative Leute kennengelernt. Antonio Meze, der Gründer von Meze Audio, stammt von dort. Im Jahr 2009 hat sich der Designer und Hifi-Freak nach einer internationalen Karriere in den Kopf gesetzt, Kopfhörer zu bauen, die klanglich zur Weltspitze gehören und dabei auch noch schön aussehen sollten. 2009 gründete er per Crowdfunding ein Unternehmen und begann, an Headphones zu tüfteln. Nach mehreren Jahren der Entwicklung stellte das Unternehmen 2015 den „99 Classics“ vor, einen geschlossenen Kopfhörer mit hölzernen Ohrmuscheln. Die Fachwelt war großteils begeistert, aber es gab und gibt auch kritische Stimmen zu diesem Produkt. Höchste Zeit also, dass ich mir mal persönlich anhöre, wie die rumänischen Schönlinge klingen.

Ausstattung und Bauqualität

Der 99 Classics kostet derzeit rund 300 Euro und kommt in einem angemessen schicken Karton mit Magnetverschlüssen. Darin findet man einen Hardcase, damit man den Kopfhörer auch mal in den Urlaub mitnehmen kann, ohne das er zerbeult wird, sowie zwei Kabel, einen Flugzeug-Adapter und einen vergoldeten 6,3mm-Aufstecker für den Betrieb an großen Verstärkern. Mein erster Eindruck nach dem Auspacken war: „Wow, das ist ja mal ein gelungenes Design!“ Der 99 Classics ist in drei Farbvarianten erhältlich. Als Walnuss-Gold, Walnuss-Silber und Ahorn-Silber. Mein Exemplar ist Walnuss-Gold, hat also Muscheln aus Walnuss und vergoldete Elemente wie die Klammern, die das Kopfband in Zaum halten. Auf Bildern im Internet fand ich den Hörer eine Spur zu „flashy“, ein bisschen zu barock und angeberisch. „Ein Kopfhörer für Neureiche, arabische Potentaten und Donald Trump“, dachte ich mir. In Natura sieht der 99 Classics aber richtig gut aus. Das Holz wirkt nicht mehr so aufpoliert wie auf den Fotos und das Gold fügt sich angenehm in den optischen Gesamteindruck ein. Wem das immer noch zu viel ostentativer Bling sein sollte, kann zur Silber-Version greifen, die dezenter wirkt.

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Ich persönlich finde das Design äußerst gelungen und die farbliche Kombination ebenso ansprechend wie die Haptik. Der 99 Classics fühlt sich gut und solide an. Das liegt auch daran, dass Meze Audio den Hörer ohne Klebstoff baut. Für den Zusammenhalt der Einzelteile sorgen ausschließlich Schrauben und Bolzen. Meze verspricht demnach auch, dass jedes Teil des Kopfhörers austauschbar ist und man, solange die Firma existiert, immer Ersatzteile bekommen wird, die man auch leicht einbauen kann, ohne Feinmechanik gelernt zu haben. Der 99 Classics ist ein over-ear-Kopfhörer, umschließt also die Ohren vollständig mit seinen Proteinlederpolstern. Ich habe in einigen Reviews gelesen, dass die Polster zu klein wären. Das kann ich nicht bestätigen. Ich habe recht große Ohren und dennoch umschließen die Polster sie vollständig und komfortabel. Stichwort Komfort: Das ist neben dem AKG K712 der bequemste Kopfhörer, den ich bislang getestet habe. Sogar direkt aus der Verpackung war der Anpressdruck exakt richtig. Ich trage eine Brille und bin recht empfindlich gegen zu stark drückende Kopfhörer. Der Meze sitzt fest, verursacht aber sogar nach mehreren Stunden keine Schmerzen. Mit dem AKG hat der Meze auch das selbst justierende Zugsystem im Kopfband gemein, das den Hörer an jede Kopfform anpasst, aber anders als beim AKG wirkt das beim 99 Classics stabil und langlebig. Der Meze 99 Classics ist symetrisch gebaut. Das heißt: Es ist egal, ob man die beiden Kabel rechts oder links einsteckt, man muss sich nur daran erinnern, wo sie sind, damit man den Hörer nicht verkehrt herum aufsetzt und das Stereobild umkehrt. Auf den Muscheln ist kein Hinweis auf rechts oder links, nur ein kleines „L“ auf dem Kabel zeigt einem, was wo ist. Der Meze kommt mit zwei Kabeln. Eines ist für den mobilen Gebrauch gedacht und hat Bedienelemente sowie ein eingebautes Mikrophon. Das andere ist länger und dient zum Betrieb an der heimischen Anlage. Eine aktive Geräuschunterdrückung hat der 99 Classics nicht, aber er filtert dank seiner Bauweise Lärm von außen ebenso gut aus wie er die Außenwelt vor dem schützt, was auch immer sein Besitzer hört.

Und wie klingt er?

Optik und Haptik konnten mich überzeugen. Aber das ist letztlich für gestandene HiFi-Freaks wie mich Nebensache. Was zählt, ist der Klang. Und hier ist ein Ratschlag für alle potenziellen Käufer des Meze 99 Classics: Gebt ihm Zeit zum Einspielen! Manche halten Burn-In für ein Märchen, für psychoakustischen Kokolores, aber das stimmt nicht. Es gilt die Faustregel: Je besser ein Wiedergabegerät, desto wichtiger ist eine lange Einspielphase. Am ersten Tag dachte ich: „Meh, zu viel Bass, zu hart, zu flach, die Bühne zu klein, alles eng und wummernd.“ Da ich aber weiß, wie sehr sich Lautsprecher und Kopfhörer binnen weniger Tage verändern können und dass gerade die guten Geräte dafür gebaut sind, erst nach einiger Zeit voll aufzublühen, befeuerte ich den Meze zwei Nächte lang mit Pink Noise. Als ich ihn am dritten Tag wieder aufsetzte, tat sich eine neue Welt auf. Der Bass war immer noch sehr prominent, aber nicht mehr gewalttätig. Die Höhen machten auf und die Bühne hatte sich vergrößert. Die Mitten spielten nun klar von Bass und Höhen unterscheidbar. Das war schon ganz gut, aber erst nach zwei Wochen Betrieb lief der Rumäne zur Höchstform auf. Und ich habe regelmäßig Gegenproben mit meinen anderen Kopfhörern gemacht um sicher zu gehen, nicht einer akustischen Täuschung zu erliegen.

Zwei Wochen nach der ersten Inbetriebnahme traue ich mich folgendes zu sagen: Der 99 Classics von Meze ist der beste geschlossene Kopfhörer unter 1.000 Euro, den ich bislang gehört habe. Er übertrumpft den mehr als doppelt so teuren Sony MDR-Z7 und lässt den etwa gleich teuren Bose QuietComfort 35 weit hinter sich. Er ist in meinen Ohren klar besser als der Beyerdynamic DT-770 und übertrifft meiner Meinung nach sogar dessen Nachfolger, den DT-1770. Auch der Beats Studio 3 hat tonal das Nachsehen. Wohlgemerkt: Das ist mein subjektiver Eindruck. Anderen Leuten gefallen andere Soundsignaturen, aber ich habe nicht nur mein persönliches Gefühl auf meiner Seite, sondern auch jahrelange Erfahrung mit Kopfhörern. Und ich bin nicht allein. Auch namhafte Kollegen wie Tyll Hertsen von Innerfidelity oder Zeus von „Z Reviews“ loben den 99 Classics als überaus gelungenen Kopfhörer. Der Youtuber „metal571“ hingegen mokierte sich über zu viel Bass und einen verwaschenen Sound. Und genau das hätte ich auch gesagt, hätte ich dem 99 Classics nicht die Einspielzeit gegeben, die er braucht. Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Lasst hochwertigen Wiedergabegeräten ein paar Tage, besser noch Wochen Zeit, bevor ihr sie beurteilt! HiFi-Geräte sind nicht dafür gebaut, sofort aus der Fabrik heraus ihr volles Potenzial zu zeigen. Die brauchen Zeit, um warm zu laufen, um die Membranen und Treiber zu entspannen. Was direkt aus dem Karton super klingt, ist meistens Blendwerk, das mit billigen Tricks um Aufmerksamkeit heischt. Wenn ein Gerät aber mit der Zeit immer besser wird, ist das ein guter Hinweis auf hohe Qualität.

Der Klang im Detail

Wie würde ich den Klang des 99 Classics beschreiben? Er ist nicht neutral. Wer möglichst große Neutralität will, muss sich anderswo umschauen. Der Meze hat eine klar hörbare Eigensignatur, die eher ins Warme tendiert, ohne aber zu dunkel oder trocken zu sein. Die Frequenzmessungen zeigen zwar ein sehr neutrales Verhalten, das heißt aber nicht, dass der Meze alles exakt so wiedergibt, wie es im Studio aufgenommen wurde. Er bringt seine eigene Charakteristik ein – und die ist wundervoll. Zum Mischen würde ich hin nicht verwenden, aber das ist auch gar nicht seine Ansage. Er will Freude an der Musik bereiten, und das tut er im Überfluss. Er hat, da er ein geschlossener Kopfhörer ist, nicht eine so breite Bühne wie viele offene Kollegen, aber sie ist auch nicht beengend. Ortbarkeit und Auflösung sind gut bis sehr gut. Nach einer längeren Einspielzeit zeigt sich dieser Kopfhörer als ungeheuer musikalisch und klingt wie eine gut abgestimmte High-End-Stereoanlage. Ist er besser oder schlechter als diverse andere Hörer? Das ist einerseits Geschmackssache (ich halte ihn für besser als viele andere Headphones) und andererseits muss man sagen: In dieser Preisklasse gibt es bis auf wenige Ausnahmen kein „Besser“ und kein „Schlechter“ mehr. Es gibt nur mehr „anders“. Der 99 Classics ist anders als alle meine anderen Kopfhörer und bringt mich dazu, mich durch meine ganze Musiksammlung zu hören. Und DAS ist für mich der echte Beweis, es mit einem guten bis sehr guten Gerät zu tun zu haben. Musik macht Spaß und sie macht auf eine neue Art Spaß. Mit 32 Ohm Widerstand ist der Meze übrigens an jedem Smartphone ebenso gut zu betreiben wie an einem guten Verstärker.

Hörbeispiele

R.E.M.: „Drive“ (Tidal Masters, MQA). Wenn die ersten Gitarrentöne zusammen mit dem Bass erklingen, meint man beinahe sagen zu können, welche Marke von Saiten Peter Buck auf die Akustische aufgespannt hat. Michael Stipes Stimme steht im Zentrum des sich langsam steigernden Songs und man hört das Echo, das auf die Stimme gelegt wurde, sehr gut in seinen technischen Details heraus. Die Drums sind mächtig und klar definiert. Auf schlechteren Kopfhörern wirkt die Nummer gerne ein bisschen „zischelig“ und harsch. Hier aber herrscht reine Harmonie. Großartig!

Motörhead: „Lawman“ (CD). Der Meze 99 Classics baut ordentlichen Druck auf und arbeitet die dreckigen Riffs zu Beginn hervorragend heraus. Wenn das Schlagzeug einsetzt, sind Bassdrum wie auch Becken nicht nur druckvoll, sondern auch gut voneinander zu trennen, ohne das die Homogenität des Songs zerlegt würde. Lemmys Stimme klang selten besser. So muss gute Darstellung von Heavy Rock sein!

Jethro Tull, The String Quartets: „Living in the Past“ (High-Res-Flac). Der gezupfte Cello-Bass wirkt mitreißend lebendig. Die Streicher sind schön gestaffelt einzeln zu hören, ohne dass das Gesamtbild verschwinden würde. Ian Andersons Querflöte steht fest in der Mitte, fügt sich aber völlig in den restlichen Sound ein. Der 99 Classics kann also auch traditionelle Musik und Klassik sehr gut.

The Beatles: „It’s all too much“ (LP). Das Feedback-Intro kommt stark und genau so verzerrt, wie von den Fab Four beabsichtigt. Das Klatschen von Lennon und McCartney wirkt extrem lebendig, fast so, als stünde man mit ihnen im Studio. Harrisons Stimme ist klar wie Glas und seine Gitarre segelt verzerrt in den LSD-Himmel. Pauls Drone-Bass ist kraftvoll und laut, ertränkt aber den Rest des Spektrums nicht.

Pro: Ein ungeheuer gut verarbeiteter, stylisher und noch dazu extrem gut klingender Kopfhörer. Ist seine rund 300 Euro auf alle Fälle wert und kann mit wesentlich teureren Hörern nicht nur mithalten, sondern übertrifft sie oftmals sogar.

Contra: Keine klar erkennbare Rechts-Links-Markierung am Hörer. Das (gute) Kunstleder kann bei längeren Hörsessions warm werden. Manchmal ist der Bass eine winzige Spur zu unpräzise und zu massiv.

Wer ihn sich holen sollte: Jeder, der einen Kopfhörer will, der sowohl mobil als auch Zuhause HiFi-Sound genießen will und einen Hörer haben will, der aus der Masse hervorsticht.

Wer ihn ignorieren sollte: Bass-Phobiker und Leute, die nicht gerne auffallen.

Fazit: Meze Audio hat mit dem 99 Classics einen fast perfekten Kopfhörer erschaffen, der sich optisch von der Konkurrenz abhebt und soundtechnisch zum Besten gehört, was man für das Geld (und für viel mehr Geld) kriegen kann. Ich erwarte mir von Meze große Dinge in der Zukunft. Jedenfalls: Hut ab und Mulțumesc (vielen Dank auf Rumänisch) für diesen Kopfhörer! 

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