Braun-schwarze Rülpser aus Polen

Wenn man Polen eines nicht vorwerfen kann, dann ein progressives Land zu sein. Nirgendwo in Europa ist der politische Katholizismus dermaßen stark und rechtskonservativ ausgelegt, nirgendwo sonst, nicht einmal in Österreich, könnte eine Figur wie Roman Giertych ein Ministeramt bekleiden. Dieser Mann ist Erziehungsminister und hat nun gefordert, Die EU solle zwischen „gesunden“ und „kranken“ Menschen unterscheiden. Zu den „Kranken“ gehören seiner Meinung nach Homosexuelle. Die „Homosexuellen-Propaganda“ in der EU müsse ein für alle Mal ein Ende haben. Diese nazistisch anmutenden Wortmeldungen kamen kurz nachdem Giertychs Vater, der für Polen im Europaparlament sitzt, eben dort eine Broschüre mit dem Titel „Zivilisationen in Europa im Krieg“ verteilt hatte, in der Juden als „eine eigene Gruppe“ bezeichnet werden, die „sich abgrenzen und eigene Gettos bilden und sich dadurch auch biologisch verändern“. Die EU reagierte mit…womit eigentlich? Mit empörtem Schnauben einiger Abgeordneter, aber nicht mit mehr. Es scheint, dass nach dem unrühmlichen Ende der Protestmaßnahmen gegen die blau-schwarze österreichische Regierung, die von hiesigen Medien als „Sanktionen“ bezeichnet wurden, der EU jegliche Kraft zum Protest gegen Untragbares abhanden gekommen ist. Vielleicht wird der alte Giertrych ja wenigstens in der Kantine des Europaparlaments geschnitten und muss dort ganz alleine Futter fassen?

Es ist symptomatisch für den Zustand der polnischen Gesellschaft, dass dort solche Leute in höchste politische Ämter gewählt werden. Das Land scheint immer noch zerfressen von einem erzreaktionärem Katholizismus, sozusagen der abstoßendsten Form dieser Glaubensauslegung, welche Frauenfeindlichkeit, Schulenhass und Antisemitismus beinhaltet. Dass in Polen als eine der ersten Handlungen nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft die Abtreibung so gut wie verboten wurde, beweist, wie sehr den Polen die katholische Sache in der Interpretation des Opus Dei am Herzen liegt. Die polnische Organisation „Föderation für Frauen und Familienplanung“ schätzt übrigens, dass in Polen pro Jahr zwischen 80.000 bis 200.000 illegale Abtreibungen mit all den damit verbundenen Gesundheitsrisiken durchgeführt werden. Solcherlei geschieht überall, wo Schwangerschaftsabbrüche verboten sind. Denn dass Frauen in manchen Fällen abtreiben ist ebenso Teil der menschlichen Natur wie die Homosexualität. Verbote richten in solchen Fällen gegen die verbotene Sache nichts aus, sondern drängen die Betroffenen lediglich in den Untergrund und feuern die Schuldgefühlmaschinerie an, was ja offensichtlich ein wichtiges Motiv für politische Katholiken ist.

Dass polnische EU-Abgeordnete in Juden „biologisch andersartige“ Menschen wittern, verwundert gar nicht so sehr. Kein anderes Land hat eine dermaßen antisemitische Kontinuität vorzuweisen. In Polen gehörten Pogrome schon immer zu des Volkes liebsten Aktivitäten, und sogar nach der Befreiung vom Nationalsozialismus hatten einige polnische Dörfer nichts dringenderes zu erledigen, als die wenigen verbliebenen Juden zu ermorden. Des langen Geschwafels kurzer Sinn: Ich wünsche den Polen – vor allem den polnischen Frauen, Juden und Homosexuellen – rasch eine andere Regierung.

Nazi-Alarm in Innsbruck?

Der Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa, der erst küzlich mit seinem ungustiösen Vorschlag, man möge doch bitte „straffällig gewordene Asylbewerber internieren“, also ohne Anklage und Urteil auf unbestimmte Zeit in Lager sperren, im Lager der Faschisten um Stimmen buhlte, sieht sich heftiger Kritik seitens des Simon Wiesenthal-Zentrums gegenüber. Der ÖVP-Politiker hatte nämlich – gemeinsam mit sozialdemokratischen Kollegen – den langjährigen Innsbrucker Vizebürgermeister Ferdinand Obenfeldner (SPÖ) anlässlich dessen 90. Geburtstags in einer Feier hochleben lassen. Der Hintergrund der Affäre: Obenfeldner trat im Mai 1938 in die Dienste der Gestapo und wurde 1939 Mitglied der NSDAP und der SS. In den 50er Jahren wurde ihm von der Justiz unter anderem vorgeworfen, an der Ermordung zweier polnischer Zwangsarbeiter beteiligt gewesen zu sein. Da die Causa vor einem österreichischen Gericht verhandelt wurde, wurde Obenfeldners Weste natürlich rein gewaschen. In der Nachkriegszeit machte der Herr dann eine große Karriere in der SPÖ, die ihm bis heute die Stange hält und behauptet, er sei „immer auf der Seite der Demokratie“ gestanden, was eine fette Lüge ist, es sei denn, man bezeichnet das Mörderregime der Nazis als „demokratisch“.

Was hält nun der Lindwurm von der Causa? Nun, er urteilt etwas milder als das Wiesenthal-Zentrum, da er nicht jene Details kennt, die wichtig sind. Wichtig wäre zum Beispiel, wie sich Obenfeldner in den Jahrzehnten nach der Nazizeit über diese Jahre geäußert hat. Ob er seine Fehltritte bereut hat, ob er sich voll und ganz von der Schreckensherrschaft der NSDAP distanziert hat. Sollte dies der Fall sein, dann braucht man dem mittlerweile 90-Jährigen bzw. dessen Gratulanten keinen Strick zu drehen, denn politische Fehltritte in verhältnismäßig jungen Jahren kommen vor. Sollte der Herr aber einer dieser Altnazis sein, die innerlich immer noch zu der „Sache“ stehen, und der möglicherweise im halbprivaten Kreis schon mal Schwänke aus seiner Gestapo-Zeit zum schlechtesten gibt, dann wäre der Fall klar und jegliche Verachtung für diesen Mann gerechtfertigt. Alleine: Das alles weiß zumindest der Lindwurm nicht, also bricht er auch keinen Stab. Einmal Nazi gewesen zu sein ist übel, aber nicht so übel wie ein Nazi geblieben zu sein. Schlimmer als des greisen Jubilars Vergangenheit findet der Lindwurm die Gegenwart mit van Staas KZ-Fantasien. Dafür sollte man ihn kritisieren und seinen Rücktritt fordern, nicht aber wegen einer Sache, die die SPÖ mehr betrifft als die ÖVP.

Thank you for smoking

Der Lindwurm gibt sich keinen Illusionen hin. Das alte Reptil weiß, dass es sehr wahrscheinlich an einer Herz-Kreislauferkrankung, an Lungenkrebs oder einem der vielen anderen durch das Rauchen begünstigen Karzinome relativ verfrüht verenden wird. Der Lindwurm raucht nämlich viel zu viel. Aber: Der doofe Wurm weiß, was er sich antut, und er tut es gerne. Das wiederum wollen viele ehrhafte Bürger und Bürgerinnen dem Lindwurm und anderen Unmündigen austreiben, dieses Beharren auf der Unvernunft nämlich, auf dem triebgesteuerten Hedonismus. Sie versuchen es mit allen Tricks. Zunächst griffen sie, die Sittenwächter der Volksgesundheit nämlich, zum Psychoterror und brandmarkten das Rauchen als dümmliche Unschicklichkeit, schmutzig und gerade noch gut für das barbarische Prekariat, dieser Bande von in Unterwäsche biertrinkenden Proleten, der sie die strahlend weißen Körper der nichtrauchenden Erfolgsmenschen gegenüberstellten, die sich ihre erhöhte Beischlafkompatibilität durch freudvolles Leiden in den Fitnessstudios und durch konsequentes Nichtrauchen abgequält hatten. Allein: All die schöne Propaganda fruchtete nicht, also sahen sich die Revolutionswächter, pardon, die Nichtraucherlobbyisten und Gesundheitspolitikerinnen bemüßigt, nein, verpflichtet, jene Unsitte ins Visier zu nehmen, die seit der Französischen Revolution die Gehirne vergiftet: Die Freiheit.

Wer sich im Besitz der Wahrheit wähnt, der reguliert gerne und schreibt allen anderen vor, was sie zu tun hätten und was sie tunlichst vermeiden müssten. Und seit den Tagen von Adolf und Josef, den Schnurrbartträgern des Grauens, war sich niemand mehr seiner Sache, ja des Besitzes der einzigen Wahrheit so sicher wie die Schutzpatrone von Gesundheit und Sauberkeit. Nachdem diese Leute den durchaus noch klugen und richtigen Schutz von Nichtrauchern am Arbeitsplatz durchgesetzt hatten, was auch der Lindwurm unterstützte, verfielen sie leider in einen Rausch, wie man ihn von manischen Putzteufeln kennt, und wollen nun nicht eher Ruhe geben, bis der letzte Glimmstängel (verdammte Rechtschreibreform) ausgedämpft ist und alle Menschen so leben, wie es der neuen Norm enspricht: nikotinfrei, dem Alkohol abhold, sportelnd und den Schweinebraten verächtend. Nur so kann gewährleistet werden, dass möglichst viele Menschen gesund alt werden und dann so zäh sind, dass sie die Pflegeheime und Intensivstationen über viele Jahre hinweg verstopfen. Um dieses hehre Ziel zu erreichen, müssen natürlich Verbote her, denn noch süßer, als moralischen Terror auszuüben, ist es, Menschen per Gesetz zu gängeln und ihnen die Zunahme der Unfreiheiten als Fortschritt zu verkaufen. Und so wird die Satansdroge Nikotin nicht nur ständig verteuert, sondern immer mehr in jenes Eck gedrängt, in dem sich schon Heroin & Co drängeln. So wie die Raucher vom Gesetzgeber in Hinterzimmer und aus den Fabrikshallen und Bürokomplexen ins Freie gedrängt werden, wo sie sich so richtig ihrer Sucht schämen dürfen, so soll auch das Nikotin an sich einen Platz unter den Pfui-Gack-Drogen zugewiesen bekommen. Und wer ist bei diesem Trend ganz vorne mit dabei? Natürlich die großen Freiheitskämpfer der europäischen Sozialdemokratie. Diese Leute haben ihren historischen Ursprung schon lange vergessen und beginnen heftig zu speicheln, wenn die Worte „Regulierung“ oder „Verbot“ fallen. Ob es liberalere Öffnungszeiten im Handel sind oder die Freiheit, sich selbst zu vergiften: Was ein echter Sozialdemokrat ist, ist dagegen. Dieser – der echte Sozialdemokrat – will kontrollieren und vorschreiben und dann die Vorschrift kontrollieren, sonst ist er nicht glücklich. Dass die Bewegung, der er sich zugehörig fühlt, einst aus dem Wunsch nach mehr Freiheit entstanden ist, weiß er nicht und will es gar nicht wissen. Er ist, wie fast alle Nichtraucherlobbyisten, antiliberal bis in die Knochen und hat besseren Sex, wenn er zuvor etwas verbieten hat können.

Neues von „Sedunia“

Hinter dem user „sedunia“, der seit einigen Tagen in österrreichischen Internetforen seine antisemitische Propaganda verbreitet, steckt, wie Recherchen des Lindwurms ergaben, die Organisation desselben Namens, eine radikal antiisraelische und proarabische Splittergruppe der extremen Linken. In der „Sedunia“ haben sich charakterlich und intellektuell verwahrloste Individuen zusammengefunden, die in den vergangenen Jahren dadurch auffielen, dass sie Gedenkveranstaltungen zu den Novemberpogromen („Kristallnacht“) mit den Rufen „Mörder, Mörder“ störten und in unschöner Regelmäßigkeit antisemitische Flugblätter unter die Leute zu bringen versuchten. Stets in Palästinensertücher, dieser Uniform der Dummlinken, gewickelt, agitieren die Sedunia-Mitglieder – großteils aus „Solidarität“ zum Islam konvertierte Wohlstandkinder – bei jeder sich bietenden Gelegenheit für die klerikalfaschistischen Regimes und gegen Israel. Ziel der Sedunia ist die Beseitigung Israels, des Landes der Holocaustüberlebenden und der einzigen funktionierenden Demokratie im Nahen Osten. Zur Erreichung dieses Zieles arbeitet die Gruppe mit Holocaustleugnern, Islamisten und den fanatischsten und dümmsten Teilen der extremen Linken zusammen und schreckt auch vor tätlichen Angriffen gegen Kritiker nicht zurück. Textprobe aus einem Pamphlet der Sedunia gefällig? „Die israelische Armee schießt nicht nur auf Kinder, sondern sie durchsiebt sie, bis das Magazin der Waffe leer ist.“ (Sedunia-Flugblatt „vom Mythos Sharon“). Noch schöner dieser offen rassistische Unsinn aus demselben Werk: „Ariel (Sharon, Anm.) ist nicht nur von seinem äußeren Erscheinungsbild europäisch, blond und hellhäutig, sondern auch von seiner inneren Einstellung und Geisteshaltung.“

Wenn eine sich als links verstehende Gruppe einen ihr missliebigen Politiker anhand vermeintlicher rassischer Merkmale zu charkaterisieren müssen glaubt, ist Sendeschluss. Damit stellt sich die „Sedunia“ genau dorthin, wo man sie ohnehin wegen ihrer Haltung gegenüber Israel verorten muss, nämlich zu den Nazis. Dass die „Sedunia“ auch heftigst gegen das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) wütet, dem absurderweise „Rassismus“ und „eine intellektuelle und ideologische Nähe zu US-Kriegsideologen“ unterstellt wird, passt ins Bild.

Perspektive Süd? Eher „Perspektive Irrenhaus“

Ich möchte an dieser Stelle dem Poster mit dem nick „sedunia“, der seit einigen Tagen die Foren der Internetausgabe der Tageszeitung „der Standard“ mit seinen kreuzdummen Idiotenwortmeldungen zu den Themen Iran und Nahost bereichert, herzlich dafür danken, mehrmals auf die Internetseite einer Zeitschrift namens „Perspektive Süd“ hingewiesen zu haben (nein, ich werte diesen Mist nicht durch eine Verlinkung auf. Googlet von mir aus, wenn es denn sein muss). Diesen geistesarmen antisemitischen Schrott muss man gelesen haben, um zu glauben, dass so etwas tatsächlich Anhänger und Leser findet. Herzallerliebst sind die „empörten“ Kampfartikel wider das bittere Leid, das den Palästinensern angeblich geschieht, rührend nostalgisch ist der an die in den 70er Jahren erschienene Publikationen der österreichisch-norkoreanischen Gesellschaft erinnernde Stil der Schreibe dieser Leute. Und natürlich wird der „Iranischen Republik“ und dem Linksperonisten Chavez größte Bewunderung entgegengebracht. Das seitenlange Gegeifere und Gewinsel gipfelt in einer bescheidenen Forderung: „Längst wäre ein wirksamer Internationaler Gerichtshof berufen, Anklage zu erheben wegen Verbrechen gegen den Frieden, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermord, Auslösung eines Angriffskrieges und konkreter Kriegsverbrechen. Angeklagt: die Regierungen in Washington und Tel Aviv.“

*Seufz*. Leider passen dieser „sedunia“ und seine arabophilen Kumpels von der „Perspektive Süd“ ganz gut zu den meisten anderen postings, die im „standard“ erscheinen. Antiamerikanisch bis in die Socken geilen sie sich da auf, diese Nazis und „Linken“, wenn sie von der anstehenden „Niederlage“ der USA halluzinieren, wenn sie den „irakischen Widerstand“, diesen widerlichen Haufen von Massenmördern, hochleben lassen und wenn sie sich im Atomstreit mit voller Überzeugung hinter die iranischen Klerikalfaschisten stellen. Ein poster namens „Seinsobjekt“ deliriert sogar völlig irnoniefrei dieses: „Ahmadinejad ist ein Held der Emanzipation für die Dritte Welt. Er verkörpert das neue Gesicht des revolutionären Proletariats. Nicht in den Industriekombinaten der industrialisierten Welt, sondern in den Moscheen widerständiger Schwellenländer erfolgt die Initialzündung zur Befreiung der Menschheit von Ausbeutung und Unterdrückung. Nicht das Zentrum, die Peripherie entscheidet über Gedeih und Verderb.“ Uff, sowas liest man und fragt sich, ob denn ein Internatanschluss zu den neuen Behandlungsmethoden der Psychiatrie gehört.