Dolce e Gabbana und der Frauentag

Bald ist der Internationale Frauentag. Da fühlt sich der Lindwurm berufen, folgende Fakten in Erinnerung zu rufen: Kein einziges großes börsennotiertes Unternehmen in Europa wird von einer Frau geleitet. Die Einkommensschere für gleichwertige Arbeit hat sich immer noch nicht zugunsten der Frauen geschlossen. Kinderbetreuungseinrichtungen, die sich den Bedürfnissen berufstätiger Frauen anpassen, sind nach wie vor Mangelware. In mehreren europäischen Staaten ist die Abtreibung illegal. Zwangsverheiratung und „Ehrenmorde“ nehmen zu. Millionen Mädchen in Afrika werden beschnitten. In einigen Ländern werden weibliche Säuglinge ermordet, da die Eltern Söhne vorziehen.

Diese traurige Auflistung ließe sich noch lange fortsetzen, denn Frauen sind nach wie vor weltweit in fast allen Lebensbereichen benachteiligt. Aber die FeministInnen schlafen nicht und packen das Übel an der Wurzel, indem sie…..einen Riesenwirbel um ein Werbeplakat von Dolce e Gabbana entfachen. Auf dem geschmäcklerisch-kitschigen Werbeträger ist eine Frau zu sehen, die von einem Mann, der sich ihr in der Missionarsstellung nähert, an den Händen gehalten wird, während andere Kerle faul im Bild herumstehen. „Wie langweilig“, hat sich der Lindwurm gedacht, aber er konnte noch nicht wissen, wie aufregend die Sache in Wahrheit ist, hat er doch glatt übersehen, was der italienischen Frauenministerin Barbara Pollastrini sofort ins Auge sprang: Diese Werbung sei „eine Aufhetzung zur kolletiven Vergewaltigung von Frauen“, ließ die Dame wissen, und sofort loderte ein Strum der Entrüstung auf. In Spanien haben diverse Frauengruppen bereits dafür gesorgt, dass das Plakat eingestampft wurde. In Italien wiederum protestieren Frauenrechtlerinnen Hand in Hand mit den Gewerkschaften, die in Zeiten von Massenentlassungen und neoliberalem Unbau der Gesellschaft nichts wichtigeres zu tun haben, gegen das Sujet.

Die erste Reaktion des Lindwurms auf diese Farce war folgender Gedankengang: Wer in dem Bild einen „Aufruf zur kollektiven Vergewaltigung“ sieht, der trägt entsprechende Fantasien und Zwangsvorstellungen mit sich herum. Des Lindwurms zweiter Denkprozess war dieser: Dem Feminismus geht es wie der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften. Da man die echten Probleme nicht in den Griff bekommt und von den real Mächtigen nur verhöhnt wird, sucht man sich billige und ungefährliche Nebenkriegsschauplätze, wo man (frau) sein (ihr) erregtes Mütchen kühlen kann, ohne gleich das System in Frage stellen oder ähnlich unbequeme Sachen tun zu müssen. Hoch willkommen sind da Anlässe, zu denen man nach Zensur aus moralischen Gründen rufen kann, weil man persönlich der Meinung ist, es würde die Würde von Frauen, Kindern oder Minderheiten angetastet. Ganz wichtig sind die Nebenschauplätze Pornographie (und was darunter subsummiert wird) und „Gewalt“. Der jahrzehntelange Kampf gegen die sexuelle Befreiung trägt langsam Früchte. In Großbritannien wird zur Zeit ein Gesetz diskutiert, welches jegliche bildliche und textliche (!!) Darstellung von sexueller Gewalt, worunter natürlich alle sadomasochisischen Fantasien und große Teile der Weltliteratur fallen würden, verboten werden soll. Und in praktisch allen Ländern jammern die Jugendschützer über angeblich zur Gewalt anstiftende Filme und Videospiele. Solche Begehrlichkeiten finden zumeist große Unterstützung durch die politischen Eliten, da diese aus der Geschichte der Katholischen Kirchen gelernt haben, dass die obrigkeitsstaatliche Reglementierung von Sexualität und Spieltrieb ein ausgezeichnetes Herrschaftsmittel ist. Kurz: Es ist erschreckend, dass sich gerade jene Teile der politichen Landschaft, die sich selbst als fortschrittlich empfinden, erzreaktionär und spießig sind und sich auf symbolische Kämpfe einlassen, statt die wahren Probleme zu bekämpfen.

Deutsche raus aus dem Ausland!

Deutsche Poltiker legen ihren Landsleuten im Zeichen des Klimaschutzes ans Herz, auf Fernreisen zu verzichten und stattdessen im eigenen Land zu urlauben. Das ist durchaus begrüßenswert, denn wenn der Deutsche im Ausland im Rudel auftaucht, wird es unangenehm für die Gastgeber und peinlich für Freunde des Dezenten. Ob die Politikerworte Wirkung zeigen, ist höchst fraglich, gehören die Deutschen doch zu den reiselustigsten Menschen der Welt. Sie sind nicht nur Exportweltmeister, sondern auch Weltspitze im sich selbst exportieren. Und dabei tendieren sie, wie in allen anderen Lebensbereichen auch, zu Extremen. Entweder sie bestehen darauf, dass selbst in Tibet Bierkeller mit Schunkelmusik für sie eingerichtet werden, oder sie sind dermaßen einfühlsam in fremde Kulturen, dass sie binnen kürzester Zeit besser Didgeridoo spielen als die Aboriginals.

Nun sind Slogans wie „Neuschwanstein statt New York“ oder „Ostsee statt Südsee“ hübsch umweltpolitisch korrekt, aber sie lassen wichtige Bereiche der Touristik außen vor. Welchen Ersatz gedenken die deutschen Politiker den abertausenden Sextouristen, die in armen Weltgegenden ihre Geilheit ausleben, anzubieten? Noch besteht die Möglichkeit, auf den tschechischen oder polnischen Straßenstrich auszuweichen, aber wer weiß was sein wird, wenn diese Länder ökonomisch aufgeholt haben werden? Zur Wahrung des Inneren Friedens sollte Deutschland daher dringend Billigbordelle einrichten, in denen blutjunge Mädchen und Buben „arbeiten“, damit die armen Bumsbomber-Dreckschweine nicht unter Entzugserscheinungen leiden.

Übrigens: Alle namhaften Wissenschafter sind sich einig, dass die Klimaveränderung nicht mehr aufgehalten werden kann. Es wäre zwar moralisch bedenklich, aber doch menschlich verständlich, wenn man nun erst recht zu reisen beginnt, damit man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten noch einmal bestaunen kann, bevor der Ofen aus bzw. eben volle Kanne an ist.

Braun-schwarze Rülpser aus Polen

Wenn man Polen eines nicht vorwerfen kann, dann ein progressives Land zu sein. Nirgendwo in Europa ist der politische Katholizismus dermaßen stark und rechtskonservativ ausgelegt, nirgendwo sonst, nicht einmal in Österreich, könnte eine Figur wie Roman Giertych ein Ministeramt bekleiden. Dieser Mann ist Erziehungsminister und hat nun gefordert, Die EU solle zwischen „gesunden“ und „kranken“ Menschen unterscheiden. Zu den „Kranken“ gehören seiner Meinung nach Homosexuelle. Die „Homosexuellen-Propaganda“ in der EU müsse ein für alle Mal ein Ende haben. Diese nazistisch anmutenden Wortmeldungen kamen kurz nachdem Giertychs Vater, der für Polen im Europaparlament sitzt, eben dort eine Broschüre mit dem Titel „Zivilisationen in Europa im Krieg“ verteilt hatte, in der Juden als „eine eigene Gruppe“ bezeichnet werden, die „sich abgrenzen und eigene Gettos bilden und sich dadurch auch biologisch verändern“. Die EU reagierte mit…womit eigentlich? Mit empörtem Schnauben einiger Abgeordneter, aber nicht mit mehr. Es scheint, dass nach dem unrühmlichen Ende der Protestmaßnahmen gegen die blau-schwarze österreichische Regierung, die von hiesigen Medien als „Sanktionen“ bezeichnet wurden, der EU jegliche Kraft zum Protest gegen Untragbares abhanden gekommen ist. Vielleicht wird der alte Giertrych ja wenigstens in der Kantine des Europaparlaments geschnitten und muss dort ganz alleine Futter fassen?

Es ist symptomatisch für den Zustand der polnischen Gesellschaft, dass dort solche Leute in höchste politische Ämter gewählt werden. Das Land scheint immer noch zerfressen von einem erzreaktionärem Katholizismus, sozusagen der abstoßendsten Form dieser Glaubensauslegung, welche Frauenfeindlichkeit, Schulenhass und Antisemitismus beinhaltet. Dass in Polen als eine der ersten Handlungen nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft die Abtreibung so gut wie verboten wurde, beweist, wie sehr den Polen die katholische Sache in der Interpretation des Opus Dei am Herzen liegt. Die polnische Organisation „Föderation für Frauen und Familienplanung“ schätzt übrigens, dass in Polen pro Jahr zwischen 80.000 bis 200.000 illegale Abtreibungen mit all den damit verbundenen Gesundheitsrisiken durchgeführt werden. Solcherlei geschieht überall, wo Schwangerschaftsabbrüche verboten sind. Denn dass Frauen in manchen Fällen abtreiben ist ebenso Teil der menschlichen Natur wie die Homosexualität. Verbote richten in solchen Fällen gegen die verbotene Sache nichts aus, sondern drängen die Betroffenen lediglich in den Untergrund und feuern die Schuldgefühlmaschinerie an, was ja offensichtlich ein wichtiges Motiv für politische Katholiken ist.

Dass polnische EU-Abgeordnete in Juden „biologisch andersartige“ Menschen wittern, verwundert gar nicht so sehr. Kein anderes Land hat eine dermaßen antisemitische Kontinuität vorzuweisen. In Polen gehörten Pogrome schon immer zu des Volkes liebsten Aktivitäten, und sogar nach der Befreiung vom Nationalsozialismus hatten einige polnische Dörfer nichts dringenderes zu erledigen, als die wenigen verbliebenen Juden zu ermorden. Des langen Geschwafels kurzer Sinn: Ich wünsche den Polen – vor allem den polnischen Frauen, Juden und Homosexuellen – rasch eine andere Regierung.

Nazi-Alarm in Innsbruck?

Der Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa, der erst küzlich mit seinem ungustiösen Vorschlag, man möge doch bitte „straffällig gewordene Asylbewerber internieren“, also ohne Anklage und Urteil auf unbestimmte Zeit in Lager sperren, im Lager der Faschisten um Stimmen buhlte, sieht sich heftiger Kritik seitens des Simon Wiesenthal-Zentrums gegenüber. Der ÖVP-Politiker hatte nämlich – gemeinsam mit sozialdemokratischen Kollegen – den langjährigen Innsbrucker Vizebürgermeister Ferdinand Obenfeldner (SPÖ) anlässlich dessen 90. Geburtstags in einer Feier hochleben lassen. Der Hintergrund der Affäre: Obenfeldner trat im Mai 1938 in die Dienste der Gestapo und wurde 1939 Mitglied der NSDAP und der SS. In den 50er Jahren wurde ihm von der Justiz unter anderem vorgeworfen, an der Ermordung zweier polnischer Zwangsarbeiter beteiligt gewesen zu sein. Da die Causa vor einem österreichischen Gericht verhandelt wurde, wurde Obenfeldners Weste natürlich rein gewaschen. In der Nachkriegszeit machte der Herr dann eine große Karriere in der SPÖ, die ihm bis heute die Stange hält und behauptet, er sei „immer auf der Seite der Demokratie“ gestanden, was eine fette Lüge ist, es sei denn, man bezeichnet das Mörderregime der Nazis als „demokratisch“.

Was hält nun der Lindwurm von der Causa? Nun, er urteilt etwas milder als das Wiesenthal-Zentrum, da er nicht jene Details kennt, die wichtig sind. Wichtig wäre zum Beispiel, wie sich Obenfeldner in den Jahrzehnten nach der Nazizeit über diese Jahre geäußert hat. Ob er seine Fehltritte bereut hat, ob er sich voll und ganz von der Schreckensherrschaft der NSDAP distanziert hat. Sollte dies der Fall sein, dann braucht man dem mittlerweile 90-Jährigen bzw. dessen Gratulanten keinen Strick zu drehen, denn politische Fehltritte in verhältnismäßig jungen Jahren kommen vor. Sollte der Herr aber einer dieser Altnazis sein, die innerlich immer noch zu der „Sache“ stehen, und der möglicherweise im halbprivaten Kreis schon mal Schwänke aus seiner Gestapo-Zeit zum schlechtesten gibt, dann wäre der Fall klar und jegliche Verachtung für diesen Mann gerechtfertigt. Alleine: Das alles weiß zumindest der Lindwurm nicht, also bricht er auch keinen Stab. Einmal Nazi gewesen zu sein ist übel, aber nicht so übel wie ein Nazi geblieben zu sein. Schlimmer als des greisen Jubilars Vergangenheit findet der Lindwurm die Gegenwart mit van Staas KZ-Fantasien. Dafür sollte man ihn kritisieren und seinen Rücktritt fordern, nicht aber wegen einer Sache, die die SPÖ mehr betrifft als die ÖVP.

Thank you for smoking

Der Lindwurm gibt sich keinen Illusionen hin. Das alte Reptil weiß, dass es sehr wahrscheinlich an einer Herz-Kreislauferkrankung, an Lungenkrebs oder einem der vielen anderen durch das Rauchen begünstigen Karzinome relativ verfrüht verenden wird. Der Lindwurm raucht nämlich viel zu viel. Aber: Der doofe Wurm weiß, was er sich antut, und er tut es gerne. Das wiederum wollen viele ehrhafte Bürger und Bürgerinnen dem Lindwurm und anderen Unmündigen austreiben, dieses Beharren auf der Unvernunft nämlich, auf dem triebgesteuerten Hedonismus. Sie versuchen es mit allen Tricks. Zunächst griffen sie, die Sittenwächter der Volksgesundheit nämlich, zum Psychoterror und brandmarkten das Rauchen als dümmliche Unschicklichkeit, schmutzig und gerade noch gut für das barbarische Prekariat, dieser Bande von in Unterwäsche biertrinkenden Proleten, der sie die strahlend weißen Körper der nichtrauchenden Erfolgsmenschen gegenüberstellten, die sich ihre erhöhte Beischlafkompatibilität durch freudvolles Leiden in den Fitnessstudios und durch konsequentes Nichtrauchen abgequält hatten. Allein: All die schöne Propaganda fruchtete nicht, also sahen sich die Revolutionswächter, pardon, die Nichtraucherlobbyisten und Gesundheitspolitikerinnen bemüßigt, nein, verpflichtet, jene Unsitte ins Visier zu nehmen, die seit der Französischen Revolution die Gehirne vergiftet: Die Freiheit.

Wer sich im Besitz der Wahrheit wähnt, der reguliert gerne und schreibt allen anderen vor, was sie zu tun hätten und was sie tunlichst vermeiden müssten. Und seit den Tagen von Adolf und Josef, den Schnurrbartträgern des Grauens, war sich niemand mehr seiner Sache, ja des Besitzes der einzigen Wahrheit so sicher wie die Schutzpatrone von Gesundheit und Sauberkeit. Nachdem diese Leute den durchaus noch klugen und richtigen Schutz von Nichtrauchern am Arbeitsplatz durchgesetzt hatten, was auch der Lindwurm unterstützte, verfielen sie leider in einen Rausch, wie man ihn von manischen Putzteufeln kennt, und wollen nun nicht eher Ruhe geben, bis der letzte Glimmstängel (verdammte Rechtschreibreform) ausgedämpft ist und alle Menschen so leben, wie es der neuen Norm enspricht: nikotinfrei, dem Alkohol abhold, sportelnd und den Schweinebraten verächtend. Nur so kann gewährleistet werden, dass möglichst viele Menschen gesund alt werden und dann so zäh sind, dass sie die Pflegeheime und Intensivstationen über viele Jahre hinweg verstopfen. Um dieses hehre Ziel zu erreichen, müssen natürlich Verbote her, denn noch süßer, als moralischen Terror auszuüben, ist es, Menschen per Gesetz zu gängeln und ihnen die Zunahme der Unfreiheiten als Fortschritt zu verkaufen. Und so wird die Satansdroge Nikotin nicht nur ständig verteuert, sondern immer mehr in jenes Eck gedrängt, in dem sich schon Heroin & Co drängeln. So wie die Raucher vom Gesetzgeber in Hinterzimmer und aus den Fabrikshallen und Bürokomplexen ins Freie gedrängt werden, wo sie sich so richtig ihrer Sucht schämen dürfen, so soll auch das Nikotin an sich einen Platz unter den Pfui-Gack-Drogen zugewiesen bekommen. Und wer ist bei diesem Trend ganz vorne mit dabei? Natürlich die großen Freiheitskämpfer der europäischen Sozialdemokratie. Diese Leute haben ihren historischen Ursprung schon lange vergessen und beginnen heftig zu speicheln, wenn die Worte „Regulierung“ oder „Verbot“ fallen. Ob es liberalere Öffnungszeiten im Handel sind oder die Freiheit, sich selbst zu vergiften: Was ein echter Sozialdemokrat ist, ist dagegen. Dieser – der echte Sozialdemokrat – will kontrollieren und vorschreiben und dann die Vorschrift kontrollieren, sonst ist er nicht glücklich. Dass die Bewegung, der er sich zugehörig fühlt, einst aus dem Wunsch nach mehr Freiheit entstanden ist, weiß er nicht und will es gar nicht wissen. Er ist, wie fast alle Nichtraucherlobbyisten, antiliberal bis in die Knochen und hat besseren Sex, wenn er zuvor etwas verbieten hat können.