Arschlöcher für Deutschland

Der stellvertretende Vorsitzende der sächsischen AfD, der Diplompädagoge und Dozent für Journalistik und Medienproduktion an der TU Dresden Thomas Hartung, liefert ein Paradebeispiel dafür, wie barbarisiert Deutschlands Eliten zum Teil sind. Über den Spanier Pablo Pineda, der trotz Down-Syndrom den Hochschulabschluss schaffte und nun als Lehrer arbeitet, schrieb der Herr Professor auf Facebook: „Was sagt uns das: Sei nur blöd genug, reise in der Welt herum, die Dummen wenden sich schon ganz allein dir zu. (…) Wo soll das hinführen, wenn es als normal gezeigt wird???“ . Und er legt noch nach: „Wollt ihr von jemandem belehrt werden, der weniger weiß als ihr? Ich spreche einem Menschen mit Trisomie 21 die Befähigung ab, in Deutschland den Hochschulberuf eines Lehrers zu ergreifen, und gebe kund, dass ich als Nichtbehinderter von einem solchen nicht unterrichtet werden möchte“. 

Die Leser der „Bild“ verstehen die Aufregung nicht und beeilen sich zu zeigen, dass sie eben solche Barbaren sind wie die AfD-Bande.

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I don´t want no peace

Die Pazifistenfront, die Krieg immer nur dann führen will, wenn er dem deutschen Kapital nützt, hat Verstärkung bekommen. Die „Alternative für Deutschland“, der letzte Schrei auf dem Markt dummer deutscher Parteien,  ein Verein homophober Islamhasser, barmt auf Facebook darum, doch bitte keine wertvollen deutschen Übermenschen dorthin zu schicken, wo sich Untermenschen gegenseitig meucheln.

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 Andere Friedensfreunde, die sich irgendwie links fühlen, greifen auf die üblichen Parolen zurück, die man in dem Milieu seit Jahrzehnten und lange unter sowjetischer Patronanz eingeübt hat:

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Putzig an solchen Plakaten und Slogans ist, dass hier unterstellt wird, in Syrien, wo Zehntausende abgeschlachtet werden, herrsche tiefer Frieden, der erst dann zum Krieg würde, wenn westliche Mächte eingreifen, und dass ein militärisches Eingreifen niemals positive Veränderungen bringen könne. Auch hier liegt dem vermeintlich hehren Ansinnen der Friedfertigkeit derselbe Rassismus zugrunde wie bei den deutschtümelnden, aber wenigstens ehrlichen Rechten: So lange sich die „Wilden“ gegenseitig totschießen, ist alles in Butter, aber sobald westliche Soldaten ins Spiel kommen, ist das ganz schlecht und man muss dagegen demonstrieren gehen. Dass „Bomben keinen Frieden schaffen“ würden, kann übrigens nur jemand meinen, in dem die deutsche Grundlüge, Krieg kenne weder Gut noch Böse, sondern nur Opfer, weiter wirkt. Eine Lüge, die sich die Tätergeneration des Holocaust ausdachte und die deren Kinder und Enkel ebenfalls verinnerlichten. Es ist kein Zufall, dass sich Linke und Rechte ausgerechnet in Deutschland, dieser Staat gewordenen verfolgenden Unschuld, so einig darüber sind, dass Krieg „keine Lösung“ sei (außer natürlich, es sind die Nachschubwege der deutschen Industrie in Gefahr oder ein Staat stellt sich gegen Umbaupläne in der deutschen Machtperipherie, dann geht es hurtig und ohne großen Protest auf zur Terroristen- oder Piratenjagd und die Tornados der Luftwaffe fliegen Bombenangriffe auf Belgrad). Nachdem man mit dem Holocaust und den Angriffskriegen gerade die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu verantworten hatte, war man trotzdem wieder einmal davon gekommen und durfte erneut zur Wirtschaftsgroßmacht aufsteigen. Gegen das blöde Gefühl, dass diese Sachen, die man zwischen 33 und 45 gemacht hatte, vielleicht doch so fein nicht gewesen waren, verabreichte die Populärkulturproduktion wirksame Impfungen. Konsalik schrieb schmandige Bestseller über das Leid der armen deutschen Kriegsgefangenen, Freddy Quinn attestierte per Schlagergesülze, dass man doch keine Wahl gehabt hätte, weil „100 Mann und ein Befehl“ und so, Landserhefte waren Bestseller und bald schon folgten Kino und Fernsehen mit allerlei Verständnisgeheische für die armen „Vertriebenen“, die „Bombenopfer“ und gar Führers treueste Helfer, die im Bunker den „Untergang“ erleben mussten und sich vor den barbarischen Russen fürchteten. Wir sehen, dass genau das Gegenteil von dem stattgefunden hat, was die Rechten immer bejammern: Keine breite Re-Education, kein ständiges Erinnern an die Schwere der Schuld, stattdessen eine Massenschiefheilung der kranken Volksseele durch Schuldabwehr („hat alles der böse Adolf gemacht“), Opferhaltung („wir haben auch gelitten“) und Relativierung („war halt Krieg, und Krieg ist was ganz Furchtbares“).

In diesem Umfeld entstand diese typisch deutsche Friedensbewegung, die zu Beginn noch als das erkenntlich war, was sie wirklich sein wollte, nämlich einerseits eine in der Systemauseinandersetzung klar Partei ergreifende pro-sowjetische Bewegung, anderseits ein Projekt zur moralischen Weißwaschung des militärisch langsam wieder aufrüstenden NS-Nachfolgestaats. In den Erben dieser Bewegung, also bei jenen, die heute faschistische Regimes wie jene in Damaskus und Teheran unterstützen, indem sie jede militärische Gefährdung dieses Faschismus durch die Streitkräfte demokratischer Staaten ablehnen, wirkt das alles teils unbewusst nach. Viele wissen gar nicht mehr, warum sie denn unbedingt Frieden um jeden Preis haben wollen, und wenn man nachfragt, bekommt man kindliche Antworten zu hören, die gerne mit Schlagworten und Phrasen unterfüttert sind. Forscht man konkret nach, warum man einen Bürgerkrieg, dem schon zehntausende Menschen zum Opfer gefallen sind, nicht gewaltsam beenden solle, warnen diese Pazifisten oft vor „Chaos“ und „Anarchie“. Einmal abgesehen davon, dass das nicht grundsätzlich immer negative Zustände sein müssen, ist zu klären, weshalb ausgerechnet selbst ernannte Linke für die Niederhaltung von Menschen durch brutale Diktatoren sind, bloß weil sie beim Sturz des Diktators unruhige Zeiten fürchten. Wer die Friedhofsruhe liebt, muss ein Zombie sein, innerlich schon tot und nur mehr eine leere Hülle, die noch so tut, als wär sie ein lebendiger Mensch.

Ich bin weder Hellseher, noch naiv. Ich denke nicht, dass die wohl geplanten militärischen Nadelstiche, die der Westen der syrischen Staatsmacht zu verabreichen gedenkt, viel bewirken werden. Ich denke auch nicht, dass für den Fall, dass Assad abtritt oder abgetreten wird, sofort Frieden und Liebe Einzug halten werden. Ich weiß aber dass der, der einen Diktator stürzen will, das Recht hat, das mit allen Mitteln zu versuchen, und dass man ihm dabei nach Möglichkeit helfen sollte. Herr Assad ist ein Schlächter, der einer Familie von Schlächtern entsprang. Er und sein Clan unterhalten Folterkeller, politische Gegner werden ermordet und selbst vor dem Töten Zehntausender im Zuge von Sippenhaftung wurde und wird nicht zurückgeschreckt. Es ist ein Mörderregime, wie es jenes von Saddam Huessein war, und wenn so ein Regime fällt, macht man als Mensch mit einem Rest von Anstand eine Flasche Sekt auf, statt den Killern hinterher zu weinen. Und zwar ganz unabhängig davon, dass die Gegner der Mörder selber welche sind. Müssen sie ja auch sein, wie sonst sollen sie denn eine Herrscherclique, die ihre extreme Brutalität schon allzu oft unter Beweis gestellt hat, vertreiben? Da läuft nichts mit friedlichen Demonstrationen und Sitzstreiks und Protestsongs. Natürlich ist es ein verführerischer Gedanke, Assad mit einem Konstantin-Wecker-Mixtape mürbe zu machen und ihm mit einer Lesung von Erich-Fried-Gedichten den Rest zu geben, nur funktioniert das leider nicht. Es ist kaum aushaltbar bigott, an Menschen, die gegen eine extreme Gewaltherrschaft kämpfen, aus dem sicheren Mitteleuropa aus Haltungsnoten zu vergeben. Und es ist einfach nur inhuman und rassistisch, Menschen vorschreiben zu wollen, sie sollten halt weiterhin in einer Diktatur leben, weil man sie als unreif verleumdet und ihnen unterstellt, sie wären kulturell bedingt inkompatibel zur Demokratie, als sei Kultur eine Sache der Gene.  

Man möchte all den Peace-Wankers und Diktatoren-Fans das entgegenschleudern, was ein sehr kluger Jamaikaner namens Peter Tosh einst so treffend gesungen hatte: „I don´t want no peace, I want equal rights and justice“.