Appeasement – der Weg zum Erfolg

Der schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz war nach Libyen geflogen, um bei Gaddafi zu betteln und zu schleimen zum Zweck, zwei schweizer Geschäftsleute, die der durchgeknallte Diktator seit einem Jahr als Geiseln hält, freizubekommen. Merz entschuldigte sich offiziell bei Gaddafi dafür, dass man die Dummheit begangen habe, zu meinen, für den Diktatoren-Spross Hannibal würden schweizer Gesetze Gültigkeit haben. Doch der Kotau blieb erfolglos. Aus dem „Spiegel„: Weitab von der Weltpolitik spielt sich zur Zeit ein kleines Drama ab. Wäre es nicht so tragisch, dürfte man ohne schlechtes Gewissen von einer Lachnummer schreiben. Freitagfrüh, um 0.25 Uhr, landete heimlich eine Falcon 50 auf dem Militärflughafen Dübendorf bei Zürich. Der Schweizer Regierungsjets transportierte bloß ein paar Koffer. Zuvor stand das Flugzeug während drei Tagen in der heißen Sonne von Libyens Hauptstadt Tripolis und wartete vergeblich auf zwei Schweizer Geiseln. Die Geschäftsleute werden dort seit über einem Jahr festgehalten. Derweil die ganze Schweiz den Atem anhält, lässt die Pressestelle der Schweizer Regierung seelenruhig ausrichten: „Die Maschine wird anderweitig benötigt.“ Wenige Stunde später sagt ein optimistisch lächelnder Bundespräsident Hans-Rudolf Merz in die Mikrofone: „Der Flieger ist nicht leer zurückgekehrt, sondern hatte das Gepäck der beiden dabei gehabt.“

Ein Polit-Koffer bringt Koffer statt Geiseln zurück, das ist wohl der weltweit berüchtigte schweizer Humor. Jedenfalls zeigt sich einmal mehr, welch großartigen Erfolge Appeasement zeitigt. Dabei müsste man doch wissen, dass man mit Leuten wie dem Gaddafi-Clan nicht mal Essen geht, geschweige denn bei ihnen zu Halbmond kriecht: Wie der Zürcher „Tages-Anzeiger“ gestern aus bisher unveröffentlichten Untersuchungsakten zitierte, hätte die hochschwangere Aline Gaddafi ihre Bedienstete mit hölzernen Kleiderbügeln so lange geschlagen, bis sie jeweils kaputtgingen. Im Hotelkorridor schlug ihr Hannibal Gaddafi unvermittelt ins linke Auge. Der 39-jährige Marokkaner, der seit fünf Jahren Hannibal diente, erzählte der Genfer Polizei, dass ihm zweimal der Arm gebrochen und Zähne eingeschlagen worden. Weil er seinen Dienst quittieren wollte, habe ihn der Sohn des Herrschers im Wüstenstaat sechs Monate eingekerkert.

Wahrlich feine Leute, für die die beste Behandlung durch europäische Staatsoberhäupter gerade gut genug ist.

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Da lacht der Mullah

Vielleicht leide ich ja unter akkustischen Halluzinationen, aber mir kam gerade so vor, als hätte ich die iranischen Mullahs laut auflachen gehört, nachdem ihnen dies zu Ohren gekommen war:

Zu den Sätzen Obamas, die in Teheran besonders aufmerksam registriert werden, dürfte dieser zählen: „Die USA wollen, dass die Islamische Republik Iran ihren rechtmäßigen Platz in der Gemeinschaft der Nationen einnimmt.“ Der US-Präsident kommt damit Irans Anspruch auf internationale Geltung entgegen. Indem er den Iran mit dessen amtlichen Staatsnamen als „Islamische Republik“ tituliert, erkennt er implizit auch die gegenwärtige Staatsform an. Vom Regimewechsel, wie Bush ihn propagiert hatte, ist keine Rede mehr.

Ist das wirklich noch die Obama von Optimisten unterstellte Taktik, sich zunächst mal eine moralisch überlegene Position zu erquatschen und dem Gegner eine Umarmung anzubieten, die dieser aus Angst vor Prellungen und Rippenbrüchen zurückweisen muss, um danach herzhaft und mit bestem Gewissen zuschlagen zu können? Ich denke nicht. Das klingt viel zu sehr nach Appeasement und nach der kulturrelativistischen europäischen Schleimscheißer-Diplomatie. Obama meint das ernst, und das macht ihn zu einem sehr gefährlichen Mann, denn die bösen Jungs und Mädchen dieser Welt wissen: „Der tut uns nix, egal, was wir anstellen.“

ps: Was wohl Omid Reza Misayafi zu Obamas Schmusekurs sagen würde? Ach ja, der kann gar nichts mehr sagen. Der 25-jährige Blogger starb in einer iranischen Gefängniszelle.