A hard rain´s a-gonna fall

Europas Politik des Sozialabbaus führt zu Zuständen, die wir seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr gekannt haben. Mitten in Wien betteln Menschen um Essen. Nicht um Cents, sondern um Brot und Wurst. Die, die noch nicht zu den Bettlern gehören, reagieren aggressiv – nicht auf das Elend, sondern auf die Elenden. Kleinunternehmer heuern Sicherheitsfirmen an, die die Hungernden vertreiben sollen. Die, die noch nicht zu den Hungernden zählen, klatschen Beifall und fordern noch mehr Härte gegen die Hungerleider. Der Mensch zeigt sich von seiner schlechtesten Seite in der Vorweihnachtszeit 2013. Er tritt auf als Angstbeißer, der nicht die Zustände ändern möchte, die die Not hervorbringen, er will die in Not Geratenen beseitigt sehen. 2000 Jahre Christentum und 150 Jahre Sozialdemokratie für die Katz. Die autoritär abgerichteten Befehlsempfänger  spüren sich so wenig, dass sie nicht einmal mehr die einfachsten Formen von Richtig und Falsch auseinander halten können. Jedes Kind weiß, dass es falsch ist, Hungernden nichts zu essen zu geben. Die Erwachsenen jedoch, nachdem man ihnen in Schule und Berufsausbildung und Militär jede Menschlichkeit ausgetrieben hat, engagieren Wachdienste, die die Brotlosen vertreiben sollen, und wählen die FPÖ. A hard rain´s a-gonna fall.

Terrorismus als Krieg der Armen?

Terroristenverstehen ist in gewissen pseudofortschrittlichen Kreisen eine fast unausrottbare Seuche. Das ging von gar nicht mal so „klammheimlichen“ Sympathien für die RAF über ein „Verständnis“ für palästinensische Judenmörder bis hin zu Schadenfreude, die ich nach 9/11 bei so vielen Freunden und bekannten sehen musste, die seither Ex-Freunde und Ex-Bekannte sind, und es dauert an. Ein schiefes „Argument“, das man immer wieder von Terrorverharmlosern hört, ist, dass der Terrorismus der „Krieg der Armen“ sei. Nichts könnte ferner von der Wahrheit liegen. Terrorismus, der ein solcher ist, also über Steinewerfen hinausreicht, braucht Logistik, Waffen, Sprengstoff und jede Menge Geld. Das sind lauter Sachen, die sich ein „Armer“ nicht leisten kann, denn arme Menschen sind mit dem Kampf ums tägliche Brot vollauf ausgelastet. Gerade der aktuelle islamistische Terrorismus zeigt, dass es vor allem Sprösslinge von reichen Familien sind, die sich mit dem Ermorden der „gottlosen“ theoretisch und praktisch befassen, denn diese Herrschaften haben Zeit, ein weiterer Luxus, für den man Geld besitzen muss. Man braucht gar nicht mal an den Milliardär Bin Laden erinnern, es reicht ja auch, den Hintergrund des zum Glück gescheiterten nigerianischen Flugzeugsprengers Umar Faruk Abdulmutallab zu beleuchten: Der stammt aus einer reichen Familie (sein Vater ist Bankier und Ex-Minister) und besuchte Eliteschulen. Also nix mit „armer Unterdrückter, der sich verzweifelt gegen die bösen Reichen wehrt“.

Aus Armut und Unterdrückung entstehen unter Umständen Volksaufstände und Revolutionen, aber nicht  Terrorismus. Zum Mittel des Terrors greifen meist selbst ernannte „Avantgarden“ und politisch-religiöse Fanatiker, und es ist keineswegs übertrieben zu sagen, dass Terror in den allermeisten Fällen von Menschen verübt und gesteuert wird, die nicht gerade humane Ziele verfolgen. Dazu gehört auch der Staatsterrorismus, der sich meist gegen die eigene Bevölkerung wendet und von Regimen angewendet wird, die durch freie demokratische Wahlen hinweggefegt würden. Natürlich wird auch gerechtfertigter gewaltsamer Widerstand gegen Tyrannen von diesen in wortverdrehender Manier als „Terrorismus“ verunglimpft, doch auf dieses Relativieren fallen nur Beschränkte und/oder Kulturrelativisten herein, denen die Unteilbarkeit der allgemeinen Menschenrechte egal ist.