Dumm, dümmer, Rechtspopulisten

Die schweizer SVP hat auch was zur Atomkraftdebatte beizutragen, und das ist so sagenhaft dumm, dass einem die Fondue im Halse stecken bleibt vor Lachen. Die „Rechnung“ der rechten Genies: Zuwanderung stoppen = Energie sparen…

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Tschernobyl und Fukushima

Erinnern sie sich, werte Leserinnen und Leser, noch an den April 1986? Als es in Tschernobyl zum Super-GAU kam? Ich weiß noch sehr gut, wie das damals war, wie uns geraten wurde, die Häuser nicht zu verlassen und die Fenster zu schließen, wie man Jodtabletten an die Bevölkerung ausgegeben hat, wie nach und nach klar wurde, dass Milchprodukte, Wildbret und Waldfrüchte verstrahlt sind, wie auf den Kinderspielplätzen der Sand in den Sandkästen ausgetauscht wurde, wie ein Gefühl totaler Ohnmacht angesichts einer Gefahr, die man nicht sehen, riechen oder schmecken konnte, um sich griff. Ich erinnere mich auch deswegen so gut an diesen April, weil sich damals binnen weniger Tage nach dem Reaktorunglück die Bügel meiner Brille grünlich verfärbten. Und ich erinnere mich an die zunächst heimlichtuerische, abwiegelnde und verharmlosende Informationspolitik der Sowjetunion. Aber bald ließ sich nichts mehr vertuschen, eine radioaktive Wolke zog von der Ukraine aus über halb Europa, zehntausende Anrainer des explodierten Reaktors mussten evakueiert werden, und nach und nach stieg die Zahl der Krebserkrankungen in der Ukraine, Weißrussland und wohl auch in ganz Mitteleuropa stark an. Und jetzt droht sich dieses Szenario in Japan zu wiederholen. Wieder ist die Informationspolitik ganz auf Verharmlosung ausgerichtet, wieder wird nur das zugegeben, was sich beim besten Willen nicht mehr verschleiern lässt. Und wieder treten die Atom-Lobbyisten auf um uns einzureden, das wäre alles halb so schlimm und könne „natürlich“ in Deutschland, Italien, Ungarn, der Slowakei, Slowenien oder der Schweiz niemals geschehen. Tschernobyl hat damals meine Meinung zur Atomenergie grundsätzlich verändert, hat mich vom Befürworter dieser Technologie zu einem strikten Gegner der Kernkraft werden lassen. Selbst wenn Japan noch einmal Glück im Unglück haben sollte und es „bloß“ beim MAU (mittelgroßer anzunehmder Unfall) bleibt und nicht zum Super-GAU kommt, muss eines klar sein: Die Atomenergie in ihrer heutigen Form ist und bleibt viel zu unberechenbar und gefährlich, als dass sie eine Zukunft haben dürfte. Klar, man kann nicht einfach alle Reaktoren abschalten, will man keinen Zusammenbruch der Weltwirtschaft riskieren, aber es braucht ein mittelfristiges globales Ausstiegsszenario und intensivste Forschungen an Alternativen. Leider sieht es nicht danach aus, dass es so kommen wird. In aller Welt werden wie verrückt neue Atommeiler geplant und gebaut, ganz so, als könnten die Risiken beherrscht werden, als wäre eine Lösung für den jahrtausendelang strahlenden Abfall gefunden worden, als würde es nicht immer wieder zu „kleineren“ Unfällen kommen und als wären die Tschernobylkastrophe und die womöglich kurz bevorstehende Fukushima-Katastrophe Kinkerlitzchen, die man nicht weiter beachten müsse und die einen nicht darin beirren können, weitere tickende Zeitbomben in die Landschaft zu stellen. Eine Technologie, die ganze Regionen für Jahrhunderte unbewohnbar machen kann, die die Flüsse und Meere verseucht und Berge von tödlichem Restmüll hinterlässt, ist nicht sicher und wird niemals sicher sein.