Austrian Audio Hi-X25BT: Der komfortable Alleskönner

Die Wiener Firma Austrian Audio, von der ich kürzlich den herausragenden Kopfhörer Hi-X65 getestet habe, ist sehr umtriebig und hat in der Zwischenzeit gleich drei neue Modelle auf den Markt gebracht. Neben dem Hi-X60, einem geschlossenen Pendant zum X65, gibt es nun auch in der preislichen Einsteigerklasse Neuigkeiten, nämlich den Hi-X15 und den Hi-X25BT. Letzteren habe ich einer eingehenden Begutachtung unterzogen.

Es ist erfreulich, dass Austrian Audio nicht dem schon ins Absurde abgleitenden Trend vieler anderer Hersteller folgt, immer teurere Kopfhörer auf den Markt zu werfen. Inzwischen ist es ja fast schon normal, wenn Spitzen-Kopfhörer bis zu 5.000 Euro kosten und die Fachpresse bzw. die lieben Influencer auf Youtube & Co Kopfhörer zwischen 1.000 und 2.000 Euro als „Mittelklasse“ bezeichnen. Nun habe ich grundsätzlich nichts gegen überteuerte Luxus-Spielzeuge für Menschen, die nicht mehr wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen, aber sympathischer sind mir Produkte, die ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis haben. Die Kopfhörer von Austrian Audio haben ein solches. Der Hi-X65 kann zum Beispiel mit seinen auch nicht gerade günstigen 350 Euro einige Super-Flaggschiffe, die vierstellige Beträge kosten, übertrumpfen. Wie aber schlägt sich ein Produkt wie der Hi-X25BT, der gerade einmal 149 Euro kostet?

Der Hybrid

Der Hi-X25BT kann gleich auf drei Arten Musik machen. Klassisch im passiven Betrieb per Kabel an einen Verstärker angeschlossen, digital über eine USB-Verbindung zB zu PC oder Laptop und kabellos im Bluetooth-Modus. Das klingt vielleicht nach Overkill, erweist sich aber in kürzester Zeit selbst für reine Genusshörer wie mich als großer Vorteil. Will ich Musik in bestmöglicher Qualität hören, kommt der Hörer per Kabel an den Verstärker. Da können die High-Excursion-Treiber ihre beachtlichen tonalen Fähigkeiten am besten ausspielen. Will ich aber am PC arbeiten und dabei Musik hören oder Youtube gucken, nutze ich die USB-Verbindung. In diesem Modus arbeiten der interne DAC und der interne Verstärker des Hi-X25BT. Und wenn ich mich draußen herumtreibe, schalte ich auf Bluetooth und kann kabellos Musik hören. Diese Vielseitigkeit ist für den aufgerufenen Kaufpreis schon mal sehr beachtlich und etwas, was die meisten Mitbewerber nicht bieten.

Lieferumfang, Materialqualität und Verarbeitung

Der Hi-X25BT kommt in einer unkomplizierten Box. Geliefert werden neben dem Kopfhörer ein 1,3 Meter langes USB-C-Kabel samt Adapter für USB-A, ein 1,4 Meter langes USB-Auf-Klinke-Kabel (3,5mm samt Adapter für 6,3mm) sowie eine Stofftasche, in der man den Kopfhörer transportieren kann. Das ist eine völlig ausreichende und durchdachte Ausstattung mit einem kleinen Minuspunkt: Ein Hardcase statt des Säckchens wäre besser für einen sorgenfreien Transport. Mich stört es nicht, aber wer mit dem Hi-X25BT oft verreist, könnte sich einen stabileren Schutz wünschen.

Ansonsten ist der Hi-X25BT sehr gut verarbeitet. Er lässt sich, wie seine größeren Brüder von Austrian Audio, platzsparend zusammenfalten und hat minimal kleinere, aber immer noch ausreichend große Ohrpolster aus angenehm weichem Kunstleder. Das an den richtigen Stellen gepolsterte Kopfband ist aus Metall, und auch wenn dieses ein bisschen dünner ist als bei den teureren Modellen, wirkt es ausreichend stabil. Wichtig: Nichts knarzt und quietscht. Der Hi-X25BT fühlt sich nicht so luxuriös an wie zB der Hi-X65, aber auch nicht wie ein Spielzeug. Ich würde sagen, Materialqualität und Verarbeitung sind völlig okay und über dem Durchschnitt anderer Kopfhörer in dieser Preisklasse.

Wo aber hat Austrian Audio gespart, um auf die angesichts des Gesamtpakets durchaus als Kampfpreis zu bezeichnenden 149 Euro zu kommen? Nun, die Hi-X15 und Hi-X25BT wurden zwar in Wien entworfen und entwickelt, werden aber in China gebaut. Andere Hersteller machen das mit all ihren Kopfhörern so, auch wenn sie 2.000 Euro dafür verlangen. Bei Austrian Audio werden die höherpreisigen Modelle alle in Wien gefertigt. Gegen „Made in China“ spricht grundsätzlich auch nichts, solange die Qualitätskontrolle hinhaut, und das tut sie hier.

Tragekomfort

Wichtig bei allen Kopfhörern, aber vor allem bei solchen, die man sowohl mobil wie auch Zuhause verwenden will, ist der Komfort. Hier kann der Hi-X25BT auf voller Linie überzeugen. Die Position der Ohrmuscheln lässt sich passgenau auf jede Kopfform einstellen. Ich habe mit diesem geschlossenen (!) Kopfhörer schon zehn Stunden lang durchgehend Musik gehört und dabei nicht mal warme Ohren gekriegt. Von Zwicken oder Drücken kann gar nicht erst die Rede sein. Das mag natürlich auf anderen Köpfen anders sein, aber ich kenne nun doch schon so einige Kopfhörer-Modelle, und die von Austrian Audio gehören zu den bequemsten von allen. Schön, dass hier auch bei den Einsteigermodellen nicht am falschen Platz gespart wurde. Mit 270 Gramm ist der Hi-X25BT auch angenehm leicht.

Foto: Bernhard Torsch

Bedienung

Da der Hi-X25BT weder Aktives Noise-Cancelling hat noch über eine eigene App gesteuert werden kann, ist die Bedienung angenehm simpel.

Einschalten: Die Power-Taste an der Unterseite der rechten Ohrmuschel zwei Sekunden lang drücken.

Bluetooth-Pairing: Die Power-Taste im ausgeschalteten Zustand fünf Sekunden lang gedrückt halten.

Lauter: Auf dem kapazitiven Touch-Feld auf der rechten Ohrmuschel nach oben streichen, Lässt man den Finger danach auf dem Touch-Feld, geht die Lautstärke weiter nach oben,

Leiser: Nach unten streichen.

Musik starten oder pausieren: Einmal auf das Touch-Feld tippen.

Nächster Titel: Zweimal auf das Touch-Feld tippen.

Vorheriger Titel: Dreimal auf das Touch-Feld tippen.

Anruf annehmen: Einmal auf das Touch-Feld tippen.

Anruf ablehnen: Zweimal auf das Touch-Feld tippen.

Das alles klappte bei mir gut. Ein bisschen nervig: Jeder Eingabebefehl wird mit einem Piepen bestätigt.

Für den digitalen Betrieb muss man den Kopfhörer per USB anschließen, einschalten und dann die Power-Taste einmal kurz drücken. Dann sollte der Hi-X25BT als Ausgabegerät im Menu des PC erscheinen.

Der Klang

Der Hi-X25BT hat eine ähnliche Klangsignatur wie seine teureren Brüder aus dem Hause Austrian Audio. Er ist ein recht „heller“ Hörer. Der Bass, der bei meinem Modell übrigens nach ca zwei Tagen Einspielzeit deutlich an Kraft zulegte, ist punchy, aber nicht dominant. Die Mitten sind ein bisschen betont und die Höhen kristallklar. Der Star der Show ist der Speed der Treiber. Die High-Excursion-Technologie von Austrian Audio sorgt für blitzschnelles Ansprechverhalten bei Transienten und damit für ein extrem lebendiges Klangbild. Das ist keine Klangcharakteristik für Bassfreaks und/oder ungeübte Lauscher, aber wer Musik lieber exakt und detailliert hört als „sahnig“ oder sonst wie geschönt, kommt hier auf seine Rechnung. Schlechte Aufnahmen werden recht gnadenlos bloßgestellt, gute klingen aber umso besser. Man hört dem Hi-X25BT seine Gene als Studiowerkzeug an. Er klingt mehr nach Monitor als nach Hifi – was ich für eine gute Sache halte. Die Bühne ist für einen geschlossenen Kopfhörer recht weit und die Ortbarkeit von Instrumenten exakt, was ihn auch zu einem guten Gaming-Kopfhörer machen dürfte. Es dürfte schwer sein, um den Preis andere Kopfhörer zu finden, die mehr Details in der Musik aufzeigen. Zu den teureren Markenbrüdern wie dem Hi-X65 hält der Hi-X25BT freilich doch noch einen Respektabstand. Es wäre aber auch verwunderlich, wenn er mit seinen 149 Euro gleich gut klänge wie sein Kollege um 349 Tacken.

Wer Musik nicht analytisch hören will oder keine Erfahrung mit guter Klangwiedergabe hat, sollte vielleicht zu einem der üblichen Verdächtigen aus der Liga Bose, Sony usw. greifen. Der Hi-X25BT ist eher was für Audiophile, die sich aber nicht gleich verschulden wollen. Die Verständlichkeit von Dialogen in Filmen oder Serien ist exzellent. Eine merkbare Latenz fiel mir beim Filmschauen über Bluetooth nicht auf. Die Qualität von Telefongesprächen geht in Ordnung, aber das machen Teile der (teureren) Konkurrenz besser. Für längere berufliche Videokonferenzen ist der Hi-X25BT nur bedingt zu empfehlen. Am besten klingt der Hi-X25BT als passiver Kopfhörer, der mit einem Verstärker betrieben wird. Da kann er ohne jede Limitierung seine Stärken ausspielen. Im digitalen Modus, also über USB verbunden, muss der interne DAC/Amp ran. Auch da tönt der Hi-X25BT sehr fein, wenn auch auf 16bit/48KHz beschränkt (was immer noch ein bisschen über CD-Qualität liegt). Und wie ist es im mobilen Betrieb?

„Nur“ SBC

Bei den Bluetooth-Codecs gibt sich Austrian Audio „geizig“ und verbaut nur den Grundstandard SBC. Kein AptX oder AAC weit und breit. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn die Ingenieure von Austrian Audio wissen, dass das Wichtigste die Treiber und deren Abstimmung auf das Gehäuse sind. Man hat hier meiner Meinung nach genau richtig gehandelt. Besser mehr Geld in gute Treiber stecken als in Lizenzgebühren für Bluetooth-Codecs, deren praktischer Nutzen meist äußerst gering ist. Ja, ApX und Konsorten bieten theoretisch höhere Bitraten, aber Tests haben gezeigt, dass die Frequenzwiedergabe, die wir mit unseren menschlichen Ohren hören, sich je nach Codec kaum unterscheidet. Anders gesagt: Mir ist allemal ein guter Kopfhörer, der „nur“ SBC kann, lieber als ein schlechter, der mit allen möglichen Codecs prahlt, mit denen er aber nicht vernünftig umgehen kann.

Die Lautstärke im Bluetooth-Betrieb ist übrigens völlig ausreichend. Die passive Geräuschunterdrückung ist gut und auf dem Niveau dessen, was man von halbwegs annehmbaren geschlossenen Kopfhörern erwarten darf. Mit einer vollen Ladung solle der Hi-X25BT rund 30 Stunden durchhalten. Das ist ein guter, wenn auch kein rekordverdächtiger Wert.

Konkurrenz

In der Preisklasse gibt es eigentlich nur einen ernsthaften Konkurrenten für den Hi-X25BT, und das ist der Valco VMK20. Der kostet nur 20 Euro mehr, klingt ebenfalls sehr gut und hat aktives Noise-Cancelling an Bord. Aber: Der Valco ist ein reiner Bluetooth-Hörer. Man kann ihn zwar auch analog betreiben, aber ohne sein DSP klingt er bei weitem nicht so gut wie der Austrian Audio. Der Hi-X25BT hat einfach die besseren Treiber verbaut. Wer gut 50 Euro mehr ausgeben will/kann, findet dann schon einige interessante Sachen wie etwa die neue Version des Teufel Real Blue NC, der klanglich äußert gelungen ist und Noise-Cancelling hat, aber nur über Bluetooth oder Klinkenanschluss funzt.

Fazit

Mit dem Hi-X25BT bietet Austrian Audio einen äußerst gelungenen Allround-Kopfhörer zu einem fairen Preis an. Hier bekommt man einen höchst detaillierten, hellen und exakten Klang, der etliche wesentlich teurere Kopfhörer alt und dumpf wirken lässt. Aber der Hi-X25BT ist kein Hörer, der Musik künstlich aufhübscht oder mit aufgeblasenen Bässen Qualität vortäuscht. Er ist penibel und ehrlich und ein echter Tipp für alle, die kein Riesenbudget haben aber dennoch einen vielseitig einsetzbaren und großartig klingenden Kopfhörer besitzen möchten.

Austrian Audio Hi-X65: Der Kopfhörer für Fortgeschrittene

Der Weltmarkt wird seit einigen Jahren geradezu überschwemmt mit immer neuen Kopfhörermodellen. Es war nämlich noch nie so leicht, in dieses Geschäft einzusteigen. Was etliche findige Unternehmer machen: Sie denken sich einen fetzigen Namen aus, kaufen dann in China fertige Kopfhörer vom Fließband, drucken ihr Firmenloge drauf, lassen sich eine aggressive Marketingstrategie einfallen und machen, falls die Rechnung aufgeht, so um die 300 % Profit. Das ist sozusagen die dunkle Seite der Kopfhörermacht. Zum Glück gibt es auch eine helle. Weltweit entstehen junge Firmen, die die traditionellen Platzhirschen herausfordern und mit Qualität und Innovation überzeugen wollen statt mit Rosstäuscherei.

Wer ist Austrian Audio?

Eine der interessantesten dieser neuen Firmen ist Austrian Audio. 2017 in Wien gegründet, besteht das Team von AA vor allem aus ehemaligen AKG-Ingenieuren, die nach dem Verkauf der Traditionsfirma zunächst an Harman und dann an Samsung und die folgende Neuausrichtung des AKG-Portfolios auf Middle-of-the-Road-Produkte ihr eigenes Ding machen wollten. Freilich nicht ohne ein letztes Hurra. Der kurz vor der Übernahme 2014 noch in Wien entwickelte AKG K812 gehört bis heute zu den besten Kopfhörern der Welt. Seit die Gründung von Austrian Audio bekanntgegeben wurde, war ich gespannt, was sich jene Köpfe, die solche legendären Kopfhörer entworfen hatten, einfallen lassen würden, um mit Sennheiser, Beyerdynamic, Hifiman, Meze, Sony, Denon, AKG und den ca 5.000 anderen mehr oder weniger namhaften Herstellern von Kopfhörern konkurrieren zu können.

Das erste Unterscheidungsmerkmal zu einem Großteil der Mitbewerber ist die Konzentration von Austrian Audio auf den Profi-Bereich. Die ersten verkaufsfertigen Produkte waren nicht Kopfhörer, sondern Mikrophone. Das war ein Statement, das so viel sagte wie: „Am wichtigsten ist uns, dass Tonstudios, Musikproduzenten und Musiker unsere Produkte mögen. Falls darüber hinaus auch der eine oder andere Audiophile bei uns einkauft – auch gut“. Den Mikrophonen folgten die geschlossenen Studiokopfhörer Hi-X50 und Hi-X55. 2021 schließlich kam mit dem Hi-X65 der erste offene Referenzkopfhörer von Austrian Audio auf den Markt und es war an der Zeit, den Wienern mein Ohr zu leihen.

Was es ist

Preis: 349 Euro

Treiber: 44mm High Excursion, dynamisch

Magnetstärke: 1 Tesla

Empfindlichkeit: 110 dBspl/V

Impedanz: 25 Ohm

Frequenzbereich: 5 Hz bis 28 Khz

Klirrfaktor: Weniger als 0,1 %

Gewicht: 310 Gramm

Der Hi-X65 ist ein ohrumschließender dynamischer Kopfhörer (Over-Ear) in offener Bauform. Die Rückseite der Ohrmuscheln lässt also Töne hinaus und hinein. Die Ohrpolster sind aus Memory-Schaum und bieten mit ihrer an eine Pferderennbahn erinnernden ovalen Form sehr viel Platz für Ohren aller Größen. Geliefert wird der Hi-X65 mit zwei Kabeln, einem drei Meter langen und einem 1,5 Meter kurzen, die beide mit einem abnehmbaren 3,5mm-Stecker angeschlossen werden. Die Kabel sind relativ dünn und unauffällig, erweisen sich in der Praxis aber als recht geschmeidig, verzwirbeln also nicht und sind vor allem nicht mikrophonisch, leiten also nicht nach Berührung ungewollte Töne ans Ohr.

Der Kopfhörer selber besteht aus Metall und hochwertigem Kunststoff, ist faltbar und macht einen edlen Eindruck. Ich habe nun doch schon einige Kopfhörer getestet und der Hi-X65 fühlt sich nach Qualität an. Nach einem guten Monat intensiven Testens, bei dem er mir auch zweimal auf den Boden gefallen ist, habe ich nicht den Eindruck, als würde er demnächst kaputt gehen. Er wurde offensichtlich als Arbeitstier entworfen und ist entsprechend stabil. Ob man einen Kopfhörer schön oder hässlich findet, ist natürlich Geschmackssache, aber mir persönlich gefällt die Designsprache von Austrian Audio sehr gut. Der Hi-X65 wirkt in natura übrigens hübscher als auf Fotos.

Der Tragekomfort ist Weltklasse. Die weichen Ohrpolster schmiegen sich sanft an den Kopf und der Anspressdruck ist exakt richtig. Stramm genug, um den Hörer sicher auf den Ohren zu halten, aber schon direkt aus der Verpackung nie so stark, als dass da irgendwas zwicken oder drücken würde.

Foto: Bernhard Torsch

Klang

Ich könnte es kurz machen und einfach schreiben: „Volltreffer“. Die in Wien entwickelten High-Excursion-Treiber gehören zum Allerbesten, was ich je gehört habe. Sie sind ungeheuer schnell. Tansienten werden ohne die geringste Verzögerung abgebildet. In diesem Bereich schlägt der Hi-X65 alles, was ich kenne. Allenfalls höherpreisige Grados sind vergleichbar flink. Eine weitere unerwartete Ähnlichkeit zur Kopfhörer-Manufaktur in Brooklyn: Der Hi-X65 ist eindeutig ein heller Hörer. Aber da hört die Ähnlichkeit zu Grado auch schon wieder auf, denn der Austrian Audio hat eine ganz eigene Soundsignatur, die ihn unverwechselbar macht. Er hat viele Tugenden der „alten“ AKG-Flagschiffe wie K701 und K712, aber man merkt, dass die Zeit nicht stehengeblieben ist. Da ist immer noch diese einst für AKG typische knochentrockene Mittenzeichnung, die manche hassen und manche lieben, die aber so nahe am Original der Aufnahme dran ist, wie es für Kopfhörer nur geht. Die High-Excursion-Technologie bringt nicht nur viel mehr Speed als die alten AKG-Kopfhörer, sie bewirkt auch eine ungeheuer exakte und saubere Wiedergabe, genauere und tiefere Bässe und einen absolut schwarzen Hintergrund ohne Verzerrungen. „Neutral“ würde ich das trotzdem nicht nennen, viel mehr präzise und vor allem extrem detailliert. „Neutral“, also flach, wären zB eher (ganz neutral ist nichts) ein Sennheiser HD600 oder der Ollo S4X. Der Hi-X65 ist nicht „flat“, aber dermaßen genau, dass er sich zum Mischen und Mastern eignet. Er hat diese Exaktheit, die man sonst nur von seeeehr teuren Monitor-Boxen kennt.

Für den Otto-Normal-Audiophilen sollten das gute Nachrichten sein. Sollten. Nicht jeder mag es, wenn ein Kopfhörer so detailversessen aufspielt wie der Hi-X65. Ich persönlich kann gar nicht genug davon kriegen. Ich liebe es, noch die verborgensten Feinheiten in einem Track heraushören zu können. Und genau das bietet der Hi-X65. Er ist ein Detail-Monster. Man hört damit im Mix vergrabene Percussion, während einer lauten Rock-Hymne ganz „hinten“ und ganz leise spielende Akustikgitarren, Nuancen im Timbre einzelner Stimmen bei mehrstimmigen Gesangspassagen, kurz: Man hört nahezu alles, was sich hörbar machen lässt. In Sachen Details spielt der Hi-X65 in einer Liga mit dem Sennheiser HD-800S, dem AKG K812 und dem Focal Clear. Den Meze Empyrean hängt er diesbezüglich sogar ab. Diese viel teureren Kopfhörer haben natürlich wieder andere Soundings, die der Austrian Audio nicht hat, zum Beispiel eine weitere Bühne (HD-800S), mehr Luftigkeit (K812) oder eine Art magischen „Klingt-gut-Syrup“ (Meze Empyrean), aber rein von der Auflösung her ist der Hi-X65 ganz vorne mit dabei und in puncto Geschwindigkeit überflügelt er die genannten dicken Brummer sogar.

Der Hi-X65 macht deutlich, wie wichtig erfahrene Toningenieure sind. Bei Austrian Audio weiß man offensichtlich, was man tut und wie wie ein Referenzkopfhörer klingen sollte. Das Resultat ist dann auch ein Hörer, der fast alle anderen Produkte ähnlich neuer Firmen locker schlägt und sich auch vor den teuersten Superluxus-Geräten der etablierten Highend-Hersteller nicht zu verstecken braucht.

Also alles superfein und obergut und zu 100 Prozent zu empfehlen? Nicht ganz. Eine weitere Eigenschaft, die den Hi-X65 als Studiowerkzeug auszeichnet, kann beim reinen Genusshören problematisch werden: Der Kopfhörer hat verdammt viel Druck. High-Excursion-Technologie bedeutet ja nichts anderes, als dass die Treibermembranen sich sehr rasch und sehr viel bewegen. Gekoppelt mit den starken Magneten, die zur Kontrolle und für die Sauberkeit dieser Bewegungen nötig sind, ergibt das eine extrem kraftvolle Wiedergabe (wieder eine Ähnlichkeit zu Studiomonitoren), die nach einiger Zeit für manche Ohren too much werden kann. Ich persönlich würde dazu raten, mit dem Hi-X65 immer wieder mal eine Pause einzulegen und generell nicht allzu laut zu hören. Nicht, dass hier irgendwas verzerren würde bei hohen Lautstärken, aber der reine Schalldruck der 1-Tesla-Magneten wird körperlich spürbar. Das Schöne: Der Hi-X65 muss gar nicht mit voller Power bespielt werden, um seine Stärken zu zeigen. Ich höre mit ihm meist zwischen 40 und 60 Dezibel und das reicht völlig.

Fazit:

Der Hi-X65 von Austrian Audio ist ein einzigartig klingender, extrem detaillierter Kopfhörer für den Gebrauch in Tonstudios sowie für fortgeschrittene Audiophile. Die gebotene Klangqualität sowie die hochwertige Verarbeitung liegen über dem, was man für den Preis normalerweise bekommt. Wegen seiner doch stark für den Profi-Bereich konzipierten Abstimmung und seiner schieren Kraft ist das hier kein Kopfhörer für Anfänger. Wer sich aber schon länger mit dem Hobby befasst, kriegt hier einen Hörer, der Sachen kann, die kein anderer in seiner Preisklasse kann. Und was man noch bekommt: Qualität und Ingenieurswissen Made in Austria.

Foto: Bernhard Torsch