Hypo: Promi-Trakt im Knast

Für die vielen wandelnden Unschuldsvermutungen im Megaskandal um die Malversationen bei der Hypo Alpe Adria wird es langsam eng. Während Jörg Haiders ehemaliger Haus- und Hofbanker Wolfgang Kulterer bereits ohne Chance auf Kaution in Untersuchungshaft sitzt, hat die Staatsanwaltschaft Klagenfurt über ihren Sprecher Helmut Jamnig  bestätigt, dass weitere Verhaftungen nur mehr „eine Frage der Zeit“ seien. Und es geht um nicht weniger als 40 Beschuldigte, unter denen sich etliche bekannte Namen aus der politiknahen Szene befinden.

Jamnig stellt erfreulicherweise klar, dass der Fall Hypo auch ein Sittenbild der Dreigroschenroman-Gaunerpolitik des Landes Kärnten unter der Führung und Deckung des inzwischen tödlich verunglückten Alpen-Macheath Haider ist: Jörg Haider hat die unkontrollierte Expansion der Hypo auf dem Balkan mit bis zu 25 Milliarden Euro Landeshaftungen abgedeckt. Die Hypo war umgekehrt quasi die Geldschatulle für die Landespolitik, finanzierte Events und Projekte hin bis zum defizitären Schlosshotel Velden. Noch ehe die Hypo verkauft wurde, hat Haider – auf einen Börsegang spekulierend – mit der SPÖ eine 500-Millionen-Euro-Wandelanleihe aufgenommen. Beim Hypo-Verkauf an die Bayern um 815 Millionen sagte Haider: „Kärnten ist reich.“ Zwar stecken daraus noch 500 Millionen Euro im „Zukunftsfonds“, doch Kärnten ist mit 2,5 Milliarden Euro verschuldet. Beim Verkauf soll Haider von den Bayern 2,5 Millionen Euro Fußballsponsoring abverlangt haben.

Es bleibt nun abzuwarten, ob sich die Justiz auch an die politischen Entscheidsungsträger, die sich noch nicht wie Mastermind Haider betrunken um meinen Baum gewickelt haben und immer noch in Amt und Würden sind, herantrauen wird. So steht etwa beim amtierenden Kärntner ÖVP-Chef Josef Martinz, auch so eine Unschuldsvermutung auf zwei Beinen, der Verdacht des Amtsmissbrauchs und der Veruntreuung von Steuermitteln im Raum, da er seinem persönlichen Steuerberater sechs Millionen Euro für ein sechsseitiges, nichtssagends Gutachten zum Hypo-Verkauf zahlen hat lassen. Aus Steuermitteln und ohne vorherige Ausschreibung und offensichtlich ohne reellen Gegenwert.

Sollten die Behörden also tatsächlich den Sumpf trockenlegen, könnte es im Klagenfurter Gefängnis zu Unterbringungsproblemen kommen. Schon jetzt wurde ja eine Art „Promi-Flügel“ eingerichtet: Wegen Überbelegung der Justizanstalt Klagenfurt ist Kulterer derzeit im Krankentrakt untergebracht – in einem Zweibettzimmer. Im gleichen Trakt sitzen derzeit auch AvW-Chef Wolfgang Auer-Welsbach und ein Raika-Direktor aus dem Lavanttal. Wobei sich da schon die Fage stellt, ob auch der kleine Hühnerdieb in einem Zweibettzimmer auf der Krankenstation untergebracht wird, wenn gerade Überbelegung herrscht, oder ob es eine Spezialbehandlung für Vermögende gibt, denen man nicht zumuten will, eine Zelle mit „gewöhnlichen “ Verbrechern zu teilen?

Sparschwein für Verbrecher?

Die Hypo Alpe Adria hat laut Medienberichten in der Zeit, als sie praktisch als Privateigentum von Jörg Haider und seinen Spezi von der ÖVP geführt wurde, neben Mafiosi auch gesuchte Kriegverbrecher und Terroristen zu ihrer illustren Kundschaft gezählt. Es ist sicher nicht so, dass dies ein Hypo-Spezifikum ist. Viele europäische Banken und unter ihnen vor allem österreischische, liechtensteiner und schweizer institute , sind bei Verbrechern aller Gefährlichkeitsstufen sehr beliebt, vom exjugoslawischen Gangsterboss über den arabischen Djihadisten bis zum Drittweltdespoten schätzen sie alle die Diskretion dieser Bankhäuser. Dennoch scheint man bei der Hypo AA besonders geringe Skrupel (gehabt?) zu haben, mit dem Abschaum der Menschheit Geschäfte zu machen. Dafür sprechen ja auch die windigen Kredite für noch windigere Projekte, die man vorzugsweise an russische „Geschäftsleute“ und koatische Bürgerkriegsmassenmörder vergab, Kredite, von denen nie ein Cent zurückbezahlt wurde. Vielleicht, weil es gar nicht darum ging, dass etwas zurückbezahlt wird? Weil Teile dieser Gelder auf wundersamen Wegen in den Kassen von Parteien oder parteinahen Personen im Umfeld der Hypo AA landeten? Der wütende, vor allem von Haider mit Verve geführte Kampf der FPÖ (zeitweise BZÖ) gegen die Lockerung des Bankgeheimnis erscheint nach den jüngsten Enthüllungen jedenfalls in einem neuen Licht.

Neues aus dem Haider-Sumpf

Jörg Haider soll um Zuge des Verkaufs der Hypo an die BayernLB  mit zwei Millionen Euro besteochen worden sein, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Der frühere LB-Boss Werner Schmidt habe bei seiner Einvernahme durch die Staatsanwalt ausgesagt, dass sich Haider eine diskrete Zwei-Millionen-Euro-Geldspritze für „seinen“ Fußballverein SK Austria Kärnten ausbedungen habe. Das wäre, sollte es stimmen, freilich nicht überraschend, denn genau so schätze ich das Geschäftsgebahren des vertorbenen Herrn Landeshauptmannes ein, genau so führen ja auch seine Spezi und Nachfolger ihre Geschäfte, genau so laufen die Deals dieser Brothers in Crime, die im Umkreis von Haider groß, frech und reich wurden. Wenn man genau hinsieht, dann wirkt Haiders Vita wie eine einzige Aneinanderreihung von undurchsichtigen Gschäfterln und Freundschaftsdiensten und gegenseitigem Händewaschen. Das hat mit dem Nazi-Beutestück Bärental, welches Haider „einfach so“ von einem Freund der Familie geschenkt bekam, angefangen und hat beim nicht gant freiwilligen Sponsoring  von Haider-Events und Haider-Sportvereinen durch Banken und Energiekonzerne noch längst kein Ende. In Wahrheit müsste jedes einzelne Geschäft, das das Land Kärnten und dem Land nahe stehende Organisationen während der Regierungszeit Haiders gemacht haben, genau durchleuchtet werden, doch dazu ist es wohl nicht nur zu spät, es fehlt auch die Instanz, die das durchführen könnte, es fehlt eine starke Opposition. Whatever: Der Haider-Mythos zerbröckelt zusehends und die Haider-Ausstellung im Kreuzbergler Luftschutzstollen sollte in eine Mahnveranstaltung gegen Korruption und Amigo-Unwesen umgestaltet werden!

Hypo: Götterdämmerung naht

Wenn einmal die nicht gerade ÖVP-feindliche und äußerst Industriellen-freundliche Tageszeitung „Die Presse“ schreibt, dass bei den Hypo-Deals wohl das Who-is-Who der österreichischen Hochfinanz durch Insidergeschäfte dutzende Millionen abgesahnt habe und für die Arrangeure dieser Schweinerei, das BZÖ (jetzt wieder FPÖ) und die ÖVP dabei illegale Parteiförderungen in der Höhe von 27 bzw. 13 Millionen Euro geflossen sein sollen, dann könnte es doch noch eng werden für die Martinzs und Scheuchs und Dörflers und Berlins und Flicks und Sorgers und all die anderen Gierschlunde. 47 Personen und Organisationen sollen nach den Informationen der „Presse“ an dem Deal mitgeschnitten haben, womit nicht nur der Verdacht des Insiderhandels im Raum steht, sondern auch jener auf Bildung einer kriminellen Vereinigung. Das Land Bayern denkt inzwischen daran, von Kärnten 650 Millionen Euro als Schadensersatz zu fordern. Da kommen noch interessante Zeiten sowohl auf den Geldadel, als auch auf die Bürger des faktisch bankrotten Kärntens zu. Und in Folge auch auf jeden einzelnen österreichischen Steuerzahler, der für die schmutzigen BZÖ/FPÖ/FPK/ÖVP-Deals blechen wird dürfen.