Alles bunga-bunga?

Die Reaktion der Italiener auf das Dossier der Staatsanwaltschaft über die sexuellen Eskapaden von Silvio Berlusconi wird spannend. Ist im schönen Land mit der hässlichen Politik noch etwas übrig von Moral und Bürgersinn und Demokratiebewusstsein, oder ist dort eh schon allen alles egal und die Menschen, die in Wohnblöcken leben, die beim kleinsten Erdstoß einstürzen, weil sie von Berlusconis Komplizen aus dem Organisierten Verbrechen errichtet wurden, sind zufrieden, solange sie in Berlusconis Fernsehsendern strippende Showgirls beglotzen können? Dass dieser Berlusconi, der sowohl seine wirtschaftliche, als auch seine politische Karriere direkt der Mafia verdankt, und für so nette Gäste wie Gaddafi und dem Milliardenräuber Putin „bunga-bunga“-Parties mit minderjährigen Prostituierten ausrichtet, von vielen europäischen Konservativen und Liberalen immer noch verteidigt wird, sagt leider einiges über die Dekadenz von Gesellschaften aus, in denen nichts mehr wichtig ist außer der persönlichen Bereicherung, in denen die Politik immer mehr mit dem Großkapital verfilzt und in allen Parteien aller Richtungen immer mehr korrupte Verbrecher ihr Unwesen treiben. Warum finde ich das besorgniserregend? Weil die fürchterlichen „Aufräumer“ von ganz rechts und ganz links nur abzuwarten brauchen, bis der berühmte Tropfen in das Fass fällt und die ganze Scheiße überläuft. Ray Davies von den Kinks hatte schon recht als er sang: „When money is evil and power is corrupt / the devil moves in and takes over“