Blaue Spaßbremsen als schwarze Pädagogen

Immer noch gibt es in den österreichischen Schulen die idiotische Regelung, dass Schülerinnen, die in zwei Gegenständen ein „Nicht Genügend“ haben, das ganze Schuljahr und damit auch all jene Unterichtsfächer wiederholen müssen, in denen sie mit positiven Noten, ja vielleicht sogar mit „Sehr Gut“ abgeschnitten haben. Aber endlich kommt Bewegung in die SacheAuch die ÖVP will, dass Schüler in der Oberstufe künftig nicht mehr ganze Schuljahre wiederholen müssen, sondern nur jene Fächer, in denen sie Lernschwächen zeigen. Das Wiederholen ganzer Schuljahre solle nur mehr als letztes Mittel erhalten bleiben. SPÖ, Grüne, BZÖ und nun sogar die ÖVP stehen einer wichtigen Modernisierung des Schulwesens also nicht mehr grundsätzlich im Weg. Ganz anders die FPÖ. Die schimpft in einer Aussendung von „Linker Spaßpädagogik“ und wettert: „Dass die Linke vom Leistungsprinzip nicht viel hält und Kindern den Hochschulabschluss am liebsten mit der Geburtsurkunde überreichen möchte, ist hinlänglich bekannt“. Und weiter: „Für die FPÖ steht (sic) Leistung, Anstrengung und Disziplin beim Lernen im Vordergrund (…). Die FPÖ ist für ein staatlich verordnete Verdummung der Kinder im österreichischen Bildungssystem jedenfalls nicht zu haben“.

Dass Schüler aus Staaten, in denen das Sitzenbleiben schon lange Geschichte ist, die österreichischen Kids bei Bildungsvergleichstests regelmäßig abhängen und dass der Abstand immer größer wird, also mit den verstaubten Vorstellungen von Leistung, Anstrengung und Disziplin der FPÖ kein pädagogischer Blumentopf mehr zu gewinnen ist, kann jeder wissen, der sich mit der Thematik ein bisschen intensiver befasst, als das im Bierlokal üblich ist. Aber darum geht des den Blauen ja auch gar nicht. Es geht ihnen darum, die hartkotigen Spießbürger anzusprechen, die der Ansicht sind, Schule dürfe keinesfalls Spaß machen, sondern müsse in erster Linie der Dressur dienen, so wie es auch ihnen in der Jugend widerfahren ist. Wie auch bei allen anderen Themen sind die freiheitlichen Spaßbremsen nicht an Reformen und Verbesserungen interessiert, sondern bloß daran, den Menschen mittels Neid- und Angstpropaganda den Status quo oder gar Verschlechterungen schmackhaft zu machen. Das ist in der Sozialpolitik so, wo die FPÖ immer wieder mit dem Ausbauschen tatsächlicher oder erfundener Missbrauchsfälle ihre antisozialstaatlichen Kampagnen befeuert; das ist in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik so, in der die Blauen wahlweise „die Ausländer“, die „Gewerkschaftsbonzen“ oder die „Ostküste“ für Missstände verantwortlich machen, nie aber die edlen heimischen Arbeitgeber; und das ist eben auch in der Bildungspolitik so. „De Gschroppn soins net bessa hom ois wia i´s ghobt hon, basta“ schwingt da ebenso mit wie das Ansprechen der Ängste der höheren Schichten, ihre Kinderlein könnten durch „linke Experimente“ zu leistungsunwilligen Hippies erzogen werden, die gegen den gut gedrillten Chinesennachwuchs keine Chance haben. Das ist natürlich falsch und niederträchtig, aber was will man sich von einer Partei auch erwarten, deren Bildungssprecher in einer bildungsthematischen Presseaussendung beweist, dass er Deutsch allenfalls „befriedigend“ beherrscht?

Goodnight SPÖ

FPÖ-Chef Strache kann in aller Ruhe sein Leben genießen und in der weiten Welt herumgondeln, denn seine Hauptkonkurrentin, die österreichische Sozialdemokratie, demontiert sich ganz von alleine. Einige SPÖ-Landeshauptleute und sogar der SPÖ-Bundesgeschäftsführer haben gerade mit einem zentralen Punkt der Parteilinie gebrochen, indem sie sich öffentlich „vorstellen können“,  die Studiengebühren wieder einzuführen, und zwar für „Wohlhabende“. Der SP-Vorsitzende Bundeskanzler Werner Fayman ruderte zwar rasch zurück, doch die Katze war bereits aus dem Sack. Die Kutscher auf dem roten Wagen rufen mal „hü“, mal „hott“ , ohne zu bemerken, dass der Karren schon dermaßen tief im Dreck der Beliebigkeit steckt, dass er sich nicht mehr bewegen kann. Ob sich in der SPÖ noch jemand daran erinnert, dass der freie Zugang zur Bildung mal ein Hauptanliegen der Partei gewesen ist? Wie auch die Ablehnung „Sozialer Staffelungen“ von Transferleistungen, um der Entsolidarisierung keinen Vorschub zu leisten?