Mal wieder: Zur Blogroll

Weil das Thema wieder einmal in den Userkommentaren hier aufgetaucht ist, eine erneute Klarstellung: Ich bin keineswegs mit jedem Eintrag auf jedem der von mir verlinkten Blogs einer Meinung, ja manche widersprechen meinen Ansichten sogar diametral. Ich pflege die Blogroll auch nicht sonderlich intensiv, ich schaue in viele Blogs nur alle heiligen Zeiten mal rein und schmeiße dann inaktive oder rechtsextreme raus.

Von Arschlochstaaten und Blogrolls

Der seltsame Berlusconi-Fan „Aron Sperber“ hat mich endlich von seiner Blogroll entfernt, nachdem ich dasselbe mit ihm schon vor einem Jahr getan hatte. Interessant ist freilich, dass er dafür zu einer Verleumdung greift, die in etwa dasselbe tiefe Vorstadtschlägerniveau hat, wie die Unterstellungen eines von Aron verlinkten Blogs, wonach ich ein „Rassist“ und „Antisemit“ sei. „Kärntner verhöhnt KGB-Opfer als Nazis“, titelt der Aron seinen diesbezüglichen Blogpost. Hm, schauen wir mal nach! Ei, da steht doch gar nichts von KGB-Opfern, und als Nazis werden diese schon gar nicht „verhöhnt“. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass es mir gar nicht gut gefällt, wenn Vertreter eines Landes, in dem jüdische Partisanen als „Kriegsverbrecher“ punziert werden, in dem SS-Veteranen ungehindert Aufmärsche veranstalten, wo Homophobie in den Gesetzesrang erhoben wird und Homosexuelle brutal angegriffen werden, wo der eliminatorische Antisemitismus unter tatkräftiger Mitwirkung der lokalen Bevölkerung und in Relation zur Einwohnerzahl sein blutigstes Gesicht überhaupt zeigte, wenn also Figuren aus diesem Arschlochstaat daherkommen und Österreich als „beschissenes kleines Land“ beschimpfen. Dazu stehe ich. Auch wenn es an Österreich genug zu kritisieren gibt, und selbst wenn man die Emotionen vieler Litauer angesichts tausender Opfer des stalinistischen Terrors verstehen kann, so ist das heutige Litauen doch ein erzreaktionärer antisemitischer Kleinstaat, von dem sich Österreich keine Maßregelungen gefallen lassen muss.

„Politisch inkorrekter“ Rechtsrutsch

Ich entferne den Weblog Aron Sperber hiermit aus meiner Bloglist. Das war längst überfällig, verlinkt der dortige Betreiber doch wohlwollend auf den nur schwer erträglichen FPÖ-nahen Webauftritt „erstaunlich“, wo fast täglich gegen Migranten, „Sozialschmarotzer“, Antinationalsozialisten und Homosexuelle Stimmung gemacht wird. Außerdem hat sich „Aron Sperber“ längst in die Phalanx neurechter Blogs eingereiht, die hysterisch auf alles einprügeln, das sich irgendwie als „links“ etikettieren lässt. So unterstellt er aktuell, Atomkraftgegner seien „geil auf den Super-GAU“. Damit ist er dort angekommen, wo des rechten und rechtsextremen Spießbürgers liebster Blog, „politically incorrect“, immer schon war, nämlich bei einer aggressiven, paranoiden Hatz auf die „Gutmenschen“, die „68er“ und alles, was sich gedanklich links von ultrarechten xenophoben Wahngebäuden bewegt. Auch auf „PI“ fällt den Schreibern zur drohenden Nuklearkatastrophe in Japan nichts anderes ein, als von einer „roten Einheitsfront“ fieberzuträumen, die „vor Schadenfreude sabbert“. Das ist an Widerwärtigkeit kaum noch zu übertreffen. Der Versuch, ausgerechnet jene Menschen, die seit Jahr und Tag vor den Gefahren der Kernenergie warnen, beim Eintritt einer nuklearen Katastrophe als amoralische Krisengewinnler hinzustellen, hätte sogar die Propagandaabteilung der KPDSU unter Stalin stolz gemacht.

Nun mag „Aron Sperber“ einfach nur ein Dummkopf sein, der sich so in seinen Kampf gegen böse Gutmenschen hineingesteigert hat, dass ihm gar nicht auffällt, mit wem alles er sich da ins Bett legt. Bei „PI“ sind definitiv keine Dummköpfe am Werk, sondern berechnende Ideologen, denen es vor allem darum geht, die Bevölkerung so intensiv gegen Minoritäten, vor allem muslimische, aufzuhetzen, dass der Hass in Blindheit für die wahre Absicht von „PI“ & Co umschlägt, und die wahre Absicht ist natürlich die völlige Zerschlagung des europäischen Sozialstaates, um ein möglichst niedriges Lohnniveau zu erreichen. Das ist klassische Rechtsaußenpolitik. Schaffe Feindgruppen für den Pöbel (Juden, Ausländer, Muslime, „Gutmenschen“ etc) und dann teile und herrsche! Wobei der relativ neueste Trick dieser Leute ja darin besteht, zumindest in der Öffentlichkeit nicht nur auf Antisemitismus zu verzichten, sondern sich auch noch als besonders philosemitische Freunde der Juden und des Staates Israel aufzuspielen in der Hoffnung, dass man so respektabel erscheinen könne. Das Traurige: Der Trick zieht bei vielen. So auch bei jener leider lautstarken Minderheit der Juden und Jüdinnen, die sich von den Neorechten einspannen lassen und bei diesen sogar aktiv mitspielen. Dabei ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Euphorie, endlich selber mal bei den „Starken“, den Ausgrenzern und Aufwieglern dabei zu sein, dem bitteren Erwachen weichen wird, doch nur ein Feigenblatt gewesen zu sein. Das Tröstliche: Die meisten Juden, ob in Israel oder in Europa, wissen das ganz genau und lassen sich von den erstarkenden Rechtsextremen nicht missbrauchen. Denn schon ein Blick nach Ungarn zeigt ja, was passieren wird, wenn in Europa erst einmal die Straches und Le Pens und Konsorten regieren werden: Juden werden selbstverständlich raschest möglich wieder zu den anderen „Feindgruppen“ addiert, denn am Ende des Tages wird den Rechten der Antisemitismus nicht auszutreiben sein, und rechter Antismitismus ist halt, auch wenn neuerdings gerne anderes behauptet wird, in aller Regel wesentlich schlimmer und lebensbedrohender als die „antizionistischen“ Irrlichtereien bei den Linken.

Bye bye, „Achse des Guten“

Auf Henryk M. Broders „Achse des Guten“ ist man nun am vorläufigen Tiefpunkt angekommen und stellt sich hinter die Revisionistin Erika Steinbach. Lesen wir demnächst auf der „Achse“: „Gaskammern – weniger schlimm, als die Politisch Korrekten uns weismachen wollen“, gefolgt von „Hitler, der missverstandene Philosemit“? Ich habe keine Lust, das herauszufinden und kann es nicht länger verantworten, die „Achse“ in meiner Blogroll zu haben. Auch wenn unter dem ganzen „Sarrazin hat recht“- und „Antisemit ist, wen WIR zu einem erklären“-Mist immer noch der eine oder andere lesenswerte Artikel zu finden ist, wiegt das dennoch die zunehmend offen rechte und verbissene Propaganda nicht mehr auf.