Entzaubert: 10 Hi-Fi-Mythen

Hi-Fi bzw. Audiophilie ist sauteuer und ein Hobby von Millionären, oder?

Gewiss, nach oben hin sind kaum Grenzen gesetzt und es gibt Leute, die betreiben Anlagen um 100.000 Euro und mehr. Aber der Einsteig in die Welt des guten Klangs ist auch mit nicht ganz so prall gefüllten Brieftaschen möglich – wenn man in etwa weiß, worauf es ankommt und was man braucht. Ein ordentliches Stereosystem für kleinere Räume kann man sich bereits für deutlich unter 500 Euro zusammenstellen.

Beispiel: Stereo-Verstärker Yamaha RS202DBL (209 Euro) oder Pioneer SX-20-K (195 Euro) oder Sony STRDG130 (145 Euro). Dazu Boxen wie Nubert nuBox313 (320 Euro pro Paar) oder Elac Debut B5 (318 Euro pro Paar) oder Teufel UltimaMK2 (249 Euro pro Paar). Bei allen diesen Kombis bleibt noch Geld für gescheite Kabel übrig und man kommt mit weniger als 500 Euro zu einer guten Einsteigeranlage. Das sind nur Anregungen, es gibt natürlich noch jede Menge andere Hersteller von Verstärkern und Boxen, die preisgünstige, aber dennoch gute Ware anbieten.

So ein kleines aber feines Stereo-System ist der ideale Einstieg in höhere Klangsphären und dazu noch optisch sehr dezent. Legt man ein paar Hunderter drauf, kann man mit etwas höherwertigen Verstärkern und, falls man Platz hat, Standboxen statt Regallautsprechern durchaus schon unter 1.000 Euro ein System zusammenstellen, das nicht nur die Wände zum Wackeln und die Nachbarn zum Ausflippen bringt, sondern auch noch richtig fein klingt.

Teurer ist immer besser

Unsinn! Natürlich wird eine 20.000-Euro-Box mit entsprechendem Verstärker beeindruckender klingen als ein Einsteigerset um 500 Euro, aber: Nicht immer und vor allem nicht in jedem Raum. Je teurer das Gerät, desto schwieriger wird in der Regel auch dessen ideale Platzierung im Raum und die richtige Befeuerung mit Wattzahlen. In kleineren Zimmern kann es durchaus sein, dass eine 500-Euro-Box natürlicher und runder klingt als ein Speaker um 10.000 Eier. Und bei allen Hi-Fi-Geräten gilt die goldene Regel: Der Unterschied zwischen Billigst-Crap um 50 Euro und einem ordentlichen Setup um 500 Euro ist gigantisch, der Unterschied zwischen einer Ausrüstung um 4.000 Euro und einer um 40.000 aber nur mehr in Nuancen wahrnehmbar. Der große Qualitätssprung findet bei Boxen in der Regel ab 200 Euro (Regallautsprecher) bzw 500 Euro (Standboxen) statt. Ab da ist man sozusagen im Hi-Fi-Bereich. Hinauf bis etwa 5.000 Euro können dann selbst ungeübte Ohren noch Fortschritte heraushören. Aber ab dann wird es esoterisch und die Unterschiede sind zwar vorhanden, aber oftmals so subtil, dass man schon Toningenieur sein muss, um sie herauszuhören. Das Gleiche gilt für Kopfhörer. Ein 200-Euro-Kopfhörer ist meistens wirklich zehn Mal besser als einer um 20 Euro. Ein 2.000-Euro-Kopfhörer ist aber nur sehr selten zehn Mal besser als einer um 200.

Stereo-Verstärker sind immer besser als AV-Receiver

Nein, sind sie nicht. Wer nicht nur Stereo hören will, sondern manchmal auch einen Film mit Surroundsound, ist mit AV-Receivern gut bedient. Schon ab der Mittelklasse (400 bis 800 Euro) überzeugen die meisten modernen Heimkino-Verstärker auch mit einer passablen bis sehr guten Stereodarstellung. Ein von Audiophilen verpönter, aber dennoch valider Punkt ist, dass viele AV-Receiver heutzutage mit sehr guten automatischen Einmesssystemen daherkommen. Die können in akustisch schwierigen Räumen – und die meisten unserer Wohnzimmer sind solche – selbst aus hochpreisigen Boxen oftmals eine bessere Abstimmung herauskitzeln als es ein Mensch könnte. Ich selbst habe meine Boxen mittels eines solchen Einmesssystems kalibrieren lassen und habe danach manuelle Nachbesserungen durchgeführt. Das Ergebnis ist viel besser als alles, was ich zuvor mit einem reinen Stereo-Verstärker ohne Messsystem erreicht habe. Wirklich überlegen sind Stereo-Verstärker meist nur dann, wenn sie einerseits echt gut und ergo auch recht teuer sind oder wenn man einen akustisch optimierten Raum für seine Anlage hat.

Analog ist besser als Digital?

Nicht wirklich. Der schlechte Ruf, den digitale Formate und Komponenten in Audiophilen-Kreisen haben, liegt vor allem am unseligen MP3-Komprimierungsverfahren und an schlecht remasterten CDs. Ein bisschen Geschichte: Als Anfang bis Mitte der 80er Jahre die ersten CDs auf den Markt kamen, klangen viele davon sehr gut und oft sogar besser als Vinyl-LPs. Das lag daran, dass die Studios Referenz-Produkte liefern wollten, die die Sample-Rate der CD voll nützten. Diese frühen Referenz-CDs, beispielsweise „Highway 61 Revisited“ von Bob Dylan, glänzten mit hoher Dynamik und lebendigem Sound. Sehr bald aber wurden die Plattenlabels nachlässig und gierig, was zur Folge hatte, dass man oftmals nicht mal mehr die originalen Master-Tapes heranzog, um Platten auf CD zu veröffentlichen. Dies führte zu flach und langweilig klingenden CDs und dazu, dass so mancher, der von Vinyl auf CD umgestiegen war, diesen Umstieg bald bereute.

Das Internet und neue mobile Musik-Abspielgeräte sorgten dann für eine Nachfrage nach kompakten Dateiformaten. Da kam MP3 ins Spiel, eine Kompressionstechnik, die einfach jene Teile der Musik, die das menschliche Ohr laut Messungen nicht wahrnehmen kann, weghobelte und so handliche kleine Files zur Verfügung stellte, die man zu Hunderten auf USB-Sticks speichern konnte und die auch bei einer schlechten Internetverbindung gut gestreamt werden konnten. Unter Ausnützung der höchsten Sample-Rate von 320kbps kam auch ein halbwegs annehmbarer Klang zustande, aber wer gute Boxen oder Kopfhörer hatte merkte, dass da irgendwas nicht so recht stimmte. Irgendwas fehlte einfach, selbst wenn es das Ohr angeblich nicht hören konnte. Und es war mehr als nur Einbildung. In Japan führte man zum Beispiel aufwändige Studien durch, bei denen die Probanden über längere Zeiträume teils MP3s, teils verlustfreie Soundformate vorgespielt bekamen. Zwar konnten die menschlichen Versuchskaninchen den Unterschied nicht immer erkennen, aber Messungen von Körperfunktionen wie Blutdruck und Hirnströmen ergaben, dass diejenigen, die verlustfreie Musik hörten, entspannter waren als die MP3-Konsumentinnen.

Bis vor wenigen Monaten hatten Hi-Hi-Enthusiasten, die MP3 aus dem Weg gehen wollten, nur die Wahl zwischen Vinyl und anderen analogen Formaten wie Reel-to-Reel oder halt CDs. Streamingdienste wie iTunes, Amazon Music und Spotify, die zweifelos die Zukunft des Musikhörens sind, boten und bieten teilweise immer noch nur MP3-Qualität an. Bis Anbieter wie Tidal und Qobuz auf den Plan traten und immerhin CD-Auflösung streamten. Doch dann ereignete sich eine technische Revolution, die alles ändern könnte und meiner Meinung nach auch alles ändern wird: MQA trat auf den Plan. Das von britischen Tontüftlern erfundene System ist kein weiteres Format wie MP3 oder Flac, sondern eine Codierung von Tonsignalen, die zusammen mit völlig neuen Kompressionsverfahren dafür sorgt, dass die höchste Tonqualität, die überhaupt möglich ist, sozusagen „zusammengefaltet“ gestreamt wird und sich am Endgerät wieder „entfaltet“. Tidal und Qobuz bieten das Verfahren für immer mehr ihrer Titel an und es klingt, verdammt noch mal, fantastisch! Es ist, als ob analoge und digitale Verfahren geheiratet und ein wunderschönes Kind gezeugt hätten, das die besten Eigenschaften seiner Eltern geerbt hat. Es klingt in meinen Ohren sogar besser als Vinyl. Und das Beste: Man braucht sich gar nicht neue Verstärker oder andere Dekodierungsgeräte zu kaufen. Apps wie Tidal oder Qobuz erledigen das alles und senden an den Verstärker, falls dieser mit High-Res-Material umgehen kann, über HDMI das fertige Signal. Des langen Geschwafels kurzer Sinn: Digital ist nicht schlechter als analog, sondern im Gegenteil seit MQA sogar besser.

Extrem teure Kabel sind ein gute Investition

In einschlägigen Foren, in denen sich Audiophile herumtreiben, liest man immer wieder, dass Kopfhörer „XY“ oder Box „ZY“ seit der Verwendung eines Kabels, dass bei Vollmond von Audio-Druiden in einem magischen Ritual mit reinem Platingoldsilber überzogen wurde, viel besser klingen als zuvor mit dem hundsordinären Stock-Kabel. Deswegen sei es nur gut und billig, dass dieses Kabel 1.000 Euro kostet statt 10. Das… ist… Blödsinn! Kabel, die nicht totaler Dreck sind, leiten alle in etwa gleich gut. Nur von Billigst-Kabeln, die schon auseinander fallen, wenn man sie schief anschaut, sollte man die Finger lassen. Ansonsten ist man mit den Kabeln, die zB Kopfhörerhersteller mitliefern, fast immer bestens bedient und auch bei Lautsprecherkabeln oder HDMI-Kabeln genügt fast immer das Zeug, das in jedem Elektronik-Geschäft geführt wird. Kabel, die hunderte oder gar tausende Euro kosten, sind reines Blendwerk und genau genommen fast schon Betrug.

Mehrkanal-Musik ist des Teufels, nur Stereo ist gut

Viele Hi-Fi-Freaks und Audiophile werden euch sagen, dass alles außer Stereo in puncto Musik ein Frevel sei, der in besseren Zeiten mit der Verbrennung der Ketzer auf dem Scheiterhaufen bestraft worden wäre. Abgesehen davon, dass wir hoffentlich nie wieder Scheiterhaufen brennen sehen werden: Das ist eine unzulässige Verallgemeinerung, die oft damit zusammenhängt, dass Audiophile sich schweineteure Zweikanal-System bauen und dann alles, was anders ist, heruntermachen. In der Realität gibt es sehr wohl einige Multichannel-Alben, die nicht nur Spaß machen, sondern auch Sinn ergeben. Die 5.1-SACD-Abmischung des Genesis-Klassikers „The Lamb lies down on Broadway“ bietet zum Beispiel einen echten Zugewinn an Tiefe, der die Platte in einem neuen Licht erscheinen lässt. Die Bluray-Version von Pink Floyds „Dark Side of the Moon“ ist ebenfalls wunderschön und macht das Werk nicht zunichte, sondern erweitert es einfach um eine neue akustische Dimension. Sehr schön sind die Mehrkanal-Remixes, die der Musiker Steven Wilson (Porcupine Tree) aus alten Alben von Jethro Tull, Caravan oder Yes fertigt. Und auch Wilsons eigenes Werk klingt auf 5.1 bzw 4.0 faszinierend. Voraussetzung, das richtig schätzen zu können, sind freilich mindestens vier gute Boxen oder eine sehr gute 5.1-Anlage. Auf Kompaktanlagen mit kleinen Fronts und noch kleineren Backs wirkt das nicht gut. Aber wer zwei ausgewachsene Front-Stereolautsdprecher hat und zwei in etwa gleichwertige hinten, der kriegt einen völlig neuen Blick auf Alben, die er meinte auswendig zu können.

Je neutraler, desto besser

Neutralität“ scheint vielen Audiophilen so etwas wie der Heilige Gral der Tonwiedergabe zu sein. Aber wie schon die Suche nach dem sagenumwobenen Kelch Jesu‘ ist auch die Jagd nach möglichst großer „Neutralität“ in der Musikwiedergabe ein Unterfangen, das nie enden kann, weil das, was gesucht wird, nicht existiert. Schon der Begriff ist umstritten. Eine „neutrale“ Wiedergabe ist, soviel ist wenigstens klar, eine möglichst flache, bei der keine Frequenz gegenüber einer anderen besonders hervorgehoben wird. Manche verstehen unter „neutral“ auch Boxen oder Kopfhörer, die keine eigene Charakteristik haben, sondern einfach nur das wiedergeben, was von den Toningenieuren der Plattenstudios beabsichtigt wurde. Nun gibt es durchaus Studio-Monitore und Profi-Kopfhörer, die sehr sehr flach und somit „neutral“ klingen, aber die sind dazu gedacht, den Soundtechnikern beim Mischen zu helfen. Sie sind nicht unbedingt auch für den privaten Musikgenuss geeignet. Und selbst beim Profi-Gear gibt es große Unterschiede. Klar, es existieren ein paar Richtlinien, nach denen man in etwa beurteilen kann, ob eine Box oder ein Kopfhörer „neutral“ klingt. Aber selbst bei den aller teuersten Geräten gibt es große Unterschiede von Hersteller zu Hersteller. Anders kann es ja gar nicht sein, denn wenn es wirklich so etwas wie den idealen „neutralen“ Sound gäbe, würden alle Hersteller ja mindestens ein Produkt haben, das genau so klingt wie die Produkte der Konkurrenz. In Wirklichkeit hat jeder Produzent von Lautsprechern und Kopfhörern eine fast immer gut erkennbare Tonsignatur. Und das ist gut so, denn Geschmäcker sind verschieden. Während der Eine den kalten Realismus eines Beyerdynamik DT-880 liebt, schätzt die Andere die Wärme eines Sennheiser HD-650. Der Nächste mag wieder die Aggressivität eines Grado RS2 und der Übernächste die angenehme Wohlfühl-Tonalität eines Meze 99 Classics. Das waren jetzt lauter Kopfhörer, aber für Boxen und Verstärker gilt das Gleiche. Es gibt nicht DIE Neutralität oder DEN BESTEN Lautsprecher/Kopfhörer.

Hi-Fi bzw Audiophilie ist viel zu kompliziert

Nein, ist es nicht. Lasst euch nicht vom Techno-Babble der Freaks verwirren! In Wirklichkeit geht es dabei um einfache Dinge wie: Mag ich den Sound? Macht mir die Musik auf dem jeweiligen Equipment Spaß? Höre ich Sachen, die ich mit anderen Geräten nicht gehört habe? Frequenz-Kurven und Hz-Angaben können hilfreich sein, wenn man sich damit auskennt, aber für die meisten Menschen ist das alles ein chinesisches Dorf in Spanien. Vertraut euren Ohren und vertraut der Beratung in Fachgeschäften! Das bringt uns zu einem weiteren wichtigen Punkt: Direktvertreiber von Hi-Fi-Geräten boomen seit einigen Jahren. Das ist auch gut so, denn die können unter Umgehung des Einzelhandels hochwertige Komponenten für weniger Geld anbieten. Aber um dort richtig zu kaufen, muss man sich schon ein bisserl auskennen mit der Materie. Die Beratung vor Ort durch kompetente Verkäufer ist immer noch unersetzlich, vor allem für Neueinsteiger in die Welt des hochwertigen Klangs.

Audiophile sind arrogante Snobs

Wer sich als Neueinsteiger in das Hobby Hi-Fi in die entsprechenden Internet-Foren verirrt, wird rasch mit ziemlich arroganten Leuten konfrontiert, die  von oben herab zB sagen: „Gerät XY, das du hast, ist Mist, weil…“. Davon darf man sich nicht abschrecken lassen,. Die große Mehrheit der Audiophilen ist nämlich nicht so. Sogar im Internet, dem natürlichen Habitat der Trolle, überwiegt die Zahl derer, die freundlich sind und helfen wollen, bei weitem die Zahl der arroganten Ärsche. Denn echte Audiophile lieben, wie der Name schon sagt, den Klang und sie haben Verständnis für jede neue arme Seele, die diesem Hobby, das allzu oft zur Sucht wird, anheim fällt.

Ich kann Hi-Fi doch gar nicht von Low- oder No-Fi unterscheiden

Doch, kannst du. Sogar der unmusikalischste Mensch, der keine Ahnung von Frequenzgängen und Tonwellen hat, kann gutes Wiedergabegerät von schlechtem unterscheiden. Das ist nämlich keine Frage der Ausbildung oder des Wissens, sondern ein ganz natürlicher Vorgang. Woran aber erkennt man gute Boxen oder Kopfhörer? Zum Beispiel daran, dass man, sobald man mit ihnen Musik hört, die Augen schließt, weil man sich ganz der Musik überlassen will/muss. Oder daran, dass man plötzlich den Drang verspürt, zu tanzen oder Headbanging zu machen. Und an vielen anderen Sachen. Gutes Hi-Fi-Gear provoziert positive emotionale Reaktionen. Ein Lächeln, einen Tagtraum, ein Gefühl des Glücks. Darum geht es bei all dem. Nicht darum, das Beste vom Besten zu haben, denn das ,was das „Beste“ ist, ist relativ. Auch nicht um Angeberei oder das Pseudo-Glück des Konsums. Es geht um Musik und um Genuss. Wenn jemand Musik auf seinen Boxen oder seinem Kopfhörer genießt und wenn die Musik ihn/sie glücklich macht, dann hat er/sie alles richtig gemacht. Hi-Fi und Audiophilie dreht sich letztlich um nichts anderes als um die Freude an der Musik. Eine gute Box oder ein guter Kopfhörer hat folgende Haupteigenschaften: Man bekommt ein gewisses „Live-Feeling“, als säßen die Musiker direkt vor einem; man entdeckt in der Musik Nuancen, die man zuvor nicht gehört hat; man erlebt intensive Gefühle. Wenn all das passiert, habt ihr eine gute Anlage. Wenn all das nicht passiert, wird es Zeit, aufzurüsten.

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Teufel Definion 5 – Bezahlbares High End

Zu Lautsprechern und Kopfhörern gibt es fast so viele Meinungen, wie es Ohren gibt. Bei höherpreisigen Geräten gibt es dann noch so was wie Audio-Sekten, die bestimmten Marken oder Bauarten ewige Treue schwören und sich in Internet-Foren mit Anhängern anderer Marken und Bauarten erbitterte verbale Schlachten liefern. Ich halte das anders. Gutes Audio-Equipment erkennt man meiner Meinung nach so: Man möchte damit seine gesamte Musiksammlung von vorne bis hinten neu hören, weil alles besser klingt als zuvor. Das unterschiedet gute von schlechten Boxen oder Kopfhörern, nicht aber der Preis, der Markenname oder das Bauprinzip.

Mit den Definion 5 von „Lautsprecher Teufel“ höre ich mich seit gut einem Monat durch all meine Platten, meine digitale Musikbibliothek und verlustfreie Streamingdienste. Ich höre meine Musik, wie ich sie nie zuvor gehört habe. Zwar hatte ich durchaus damit gerechnet, dass die Definion 5 eine ganz gute Box ist, die große Überraschung aber war, dass sie meine bisherigen Wiedergabegeräte dermaßen klar auf die Ränge verweist, dass dabei ein Wow-Effekt eingetreten ist, wie ich ihn zuletzt beim Umstieg von billigen Regalboxen auf große Standlautsprecher hörte oder als ich erstmals Kopfhörer der 200-Euro-Preisklasse gekauft hatte. 20 Jahre lang taten meine Lautsprecher „Elac Limited One“, die fast baugleich mit der Edition One sind und in Hi-Fi-Kreisen einen sehr guten Ruf haben, beste Dienste. Mit Kopfhörern wie dem Rs2e von Grado, dem HD-800 von Sennheiser und dem Beyerdynamic T1 meinte ich überdies, all meine Bedürfnisse nach möglichst hoher Auflösung abgedeckt zu haben. Überraschenderweise lösen die Definion 5 ein ganzes Eck besser auf und ich höre mit ihnen Details, die mir sogar mit den genannten Musik-Mikroskopen entgangen waren. Und im Vergleich zu den Elac-Boxen, die unter Einberechnung der Inflation damals gleich viel kosteten wie die Teufel heute, sind die Definion 5-Speaker in etwa vier Mal so gut. Ich schreibe das nicht leichtfertig und ich werde im Folgenden versuchen, es etwas genauer zu begründen.

PR-Gelaber und Unboxing

Die Berliner Firma Teufel brachte die Definion 5 vor knapp vier Jahren als ihr neues Top-Modell auf den Markt und sparte bei dessen Vorstellung nicht mit Eigenlob und Superlativen. Die Box sei ein „brutal anderer Lautsprecher, der sich über Konventionen hinwegsetzt“, hieß es im Pressetext. Es handle sich um einen „High-End-Stereo-Lautsprecher mit kompromisslos unverfälschter Wiedergabe“. Die patentierte „Synchronized Coaxial Acoustic-Technik“ sorge für eine Wiedergabequalität, die „in puncto Räumlichkeit, Feindynamik und Präzision neue Maßstäbe“ setze. Klingt hübsch, aber was steckt hinter dem Marketing-Sprech? Und hält das Produkt, was die PR verspricht?

Teufel liefert die Boxen wie versprochen bis zur Haustür. Wenn die Haustür aber wie in meinem Fall drei Stockwerke weiter unten ist und das Haus keinen Lift hat, kann das mit diesen Brocken, die mit Verpackung fast 35 Kilo wiegen, zu einem logistischen Problem werden. Ich konnte den Lieferwagenfahrer zum Glück überreden, mir beim Hinauftragen behilflich zu sein. Schält man die Definion 5 aus der Verpackung, fällt einem sogleich die exzellente Verarbeitungsqualität auf. Das Gehäuse der Box besteht aus MDF, also einem mitteldichten Holzwerkstoff, der von vielen Herstellern wegen seiner hohen Biege- und Zugfestigkeit für den Bau hochwertiger Lautsprecher verwendet wird. Die weiße Lackierung ist makellos und wird auf der Vorderseite durch eine schwarze Blende ergänzt. Nirgendwo sieht man eine Schraube, nicht einmal die Anschlüsse auf der Rückseite stecken, wie bei den meisten anderen Herstellern, in einer aufgeschraubten oder geklebten Fassung, sondern kommen direkt aus dem Gehäuse. Die Standfüße bestehen aus massivem Metall und ruhen auf Puck ähnlichen Absätzen, die die Box sehr gut vom Boden entkoppeln. Wie von Teufel gewohnt, ist die Montage selbsterklärend und kann auch von einer Person bewältigt werden. Die Definion 5 hat vier Anschlüsse. Man kann sie also mit einem Verstärker allein betreiben oder auch mit einem Verstärker und einem Vorverstärker.

Das Erblühen einer Schönheit

Natürlich war ich ganz heiß darauf, die Definion 5 sofort anzuschließen und Probe zu hören. Nach der Verkabelung legte ich auch gleich los und speiste den Verstärker mit einer elend langen Playlist – und ging dann für einige Stunden außer Haus. Warum? Weil die Teufel-Spitzenboxen wie alle anderen High-End-Tonwiedergabegeräte direkt aus dem Karton nicht fair beurteilt werden können. Sie brauchen eine Einspielzeit, die mindestens 24 Stunden betragen sollte, besser noch 50. Direkt nach dem Anschließen klang die Definion ein bisschen so wie ich am frühen Morgen – theoretisch auf Zack, aber irgendwie lustlos und fast beleidigt, in die Gänge kommen zu müssen. Das Schöne daran ist, dass die Box stündlich besser wird und man dann live dabei sein kann, wie sie nach und nach aufblüht. Nach ungefähr zwei Wochen war der Speaker so weit, dass ich anfangen konnte, ihn fair zu kritisieren.

Äußere Werte

Die Definion 5 ist wirklich hübsch. Trotz ihrer 1,1 m Höhe, 21,8 cm Breite und 37 cm Tiefe wirkt sie zwar nicht direkt mager, aber doch schlank genug, um nicht das Wohnzimmer zu dominieren als wäre sie eine übergewichtige Hausbesetzerin. Der Corpus der Box verjüngt sich nach hinten trapezförmig. Eine schöne Abwechslung zur jahrzehntelang vorherrschenden rechteckigen Form, die nicht nur originell aussieht, sondern auch stehende Wellen und innere Reflexionen minimieren soll. Eine Form übrigens, die andere Hersteller von High-End-Boxen auch immer öfter verwenden. Auf der Vorderseite lachen uns drei Tieftöner sowie die in Koaxialbauweise ineinander verbauten Mittel- und Hochtöner an. Teufel findet das Front-Design offenbar so gelungen, dass man gar keine Abdeckung beilegt. Ich vermisse sie nicht, aber wer kleine Kinder oder Katzen zuhause hat, riskiert eventuell, dass diese sich an den empfindlichen Treibern zu schaffen machen. Abgesehen davon ist die Box optisch unaufdringlich und sollte sich in jeden Wohnraum harmonisch einfügen können. Die Definion 5 ist eine geschlossene Box, hat also keine Bassreflex-Öffnung.

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Innere Werte

Die Definion 5 schluckt eine Dauerbelastung von 250 Watt und kann als Impulsbelastung auch 100 Watt mehr ertragen. Die Empfindlichkeit liegt bei 85 dB. Diese Zahlen bedeuten, dass man zum Anfeuern der Box einen Verstärker braucht, der mindestens 50 Watt sinus auf zwei Kanälen leisten kann. Mit weniger Saft lässt man die ungeheuren Potenziale des Lautsprechers brach liegen. Wenn es sein muss, geht die Definion bis zu einer Lautstärke von 104 Dezibel. Ich habe die Box abwechselnd mit dem Marantz PM7005-Stereoverstärker und dem AV-Reciever VSX-930 von Pioneer betrieben. Obwohl der Marantz deutlich teurer ist als der Mittelklasse-Verstärker von Pioneer, waren die Ergebnisse nicht wie Tag und Nacht, sondern überraschend ähnlich. Und obwohl mich manche Audiophile jetzt kreuzigen werden: Ich hatte den Eindruck, dass die 165 Watt, die der AV-Reciever an die Boxen lieferte, einen kleinen Tacken besser klangen als die 80 Watt vom dezidierten Stereo-Verstärker.

Den Frequenzgang gibt Teufel mit 42 Hz bis 22 kHz an. Am Papier klingen 42 Hz nicht nach einer Tiefbass-Orgie, und in der Tat gibt es Konkurrenzprodukte, die mit Bassreflex-Konstruktionen tiefer in den Tonkeller steigen als die Definion 5 – am Papier zumindest. In der Praxis vermisst man hier kein bisschen Bass, sondern hat es im Gegenteil mit einer der bassstärksten Boxen ihrer Preisklasse zu tun, oder genauer: ihrer Klasse. Die Definion spielt nämlich eher in der Liga von Boxen um 8.000 Euro und mehr als in der um 1.400, die sie pro Stück kostet. Die Basswiedergabe ist eines der Filetstücke dieses Lautsprechers. Der Bass ist dank der geschlossenen Bauweise extrem exakt und pegelfest und rutscht auch bei hohen Lautstärken nie ins Schwammige ab. Da gleich drei Tieftöner vorhanden sind, ergibt sich in Summe eine große Membranfläche, aber die Aufteilung auf drei kleinere Töner hat den Vorteil der viel höheren Präzision. Die Tieftöner spielen auch recht weit in die Höhe, was den Übergang zu den Mitten ungeheuer flüssig macht und vor allem Stimmen eine äußerst lebensechte Charakteristik verleiht.

Meisterklasse

Der technische Höhepunkt der Definion 5 ist freilich ihr Koaxialreiber. Auf Deutsch heißt das, dass Mittel- und Hochtöner im selben Chassis stecken. Teufel ist hier sogar noch weiter gegangen als viele andere Hersteller und hat für den Hochtöner eine Flachmembran verwendet, die ohne mechanische Abgrenzung sozusagen frei im Mitteltöner schwebt. In der Praxis ergibt das zwei große Vorteile gegenüber anderen Konstruktionen. 1. kommen Mittel- und Hochtöne zeitgleich beim Hörer an und 2. nähert man sich damit dem Lautsprecher-Ideal der Punktschallquelle an. Punktschallquellen sind seit langem der heilige Gral der Lausprecher-Baukunst. Vereinfacht gesagt ist eine Box, die nahe an der Punktschallquelle dran ist, in der Lage, einen Raum fast unabhängig von ihrer Positionierung mit Klang zu füllen. Die Definion 5 ist zwar, wie alle anderen Lautsprecher unter 100.000 Euro, keine „echte“ Punktschallquelle, aber sie ist so nahe dran, dass man es hören muss, um es zu glauben. Das Koaxial-Prinzip verwenden ansonsten nur Kleinserienhersteller oder Edel-Firmen wie Tannoy und Vienna Acoustics. Ein Bekannter von mir besitzt Tannoy-Lautsprecher der „Cambridge“-Reihe, die pro Stück 25.000 Euro kosten. Ich hoffe, er ist nicht beleidigt, falls er das hier liest, aber die Definion 5 steht diesen Luxus-Modellen kaum nach. In der Tat sind diese mehr als zehnmal so teuren Tannoy jene Boxen (die ich kenne), die der Definion am ähnlichsten klingen. Die große Leistung von Teufels patentierter „Synchronized Coaxial Acoustic-Technik“ ist das nahezu perfekte Timing der Box. Da wabert kein Bass den Mitten hinterher, da kommt keine Mitte vor den Hochtönen beim Hörer an – alles ist wie aus einem Guss und verleiht der Musik dadurch eine Lebhaftigkeit, ein Live-Feeling, wie es nur ganz wenige andere Boxen können und in dieser Preisklasse vielleicht keine andere.

The Sound of Awesome

Soviel zur Theorie. In der Praxis verblüfft mich die Definion 5 mit einer Linearität und Neutralität, die atemberaubend ist. Die Grundabstimmung der Box ist zwar leicht warm, also mit einer sanften Bassbetonung, aber weder ist das ein zu groß geratener Ghettoblaster noch verschluckt der Lautsprecher Details in den Mitten und Höhen. Wenn ich die Definion 5 mit einem Satz beschreiben müsste dann vielleicht so: Sie klingt wie ein extrem guter Monitor, der aber auch Spaß macht. Hierzu eine kleine Warnung: Die Definion 5 ist definitiv „audiophil“. Sie ist also nix für Leute, denen es nur auf möglichst lautes „Bummbumm“ ankommt. Der Bass ist zwar mächtig, aber nicht aufdringlich. Das merkt man, wenn man die Box mal richtig aufdreht. Da ist kein unangenehmes Wabern oder Grummeln, man kriegt keine Schläge in die Magengrube verpasst. Eben wie bei sehr guten Monitoren meint man fast, dass kaum ein Unterschied zwischen laut und leise zu vernehmen ist – bis man plötzlich merkt, dass der Sessel unter einem vibriert und die anderen Möbel unter dem Schalldruck leise Stöhngeräusche von sich geben. Während die Box nichts aus der Ruhe bringt und der Zuhörer auch bei hohen Pegeln enorme Präzision geboten kriegt, rückt wahrscheinlich schon die Polizei an wegen einer Ruhestörungs-Meldung.

Die Definion 5 macht Bass, wenn die Aufnahme Bass hat, bläst aber keinen bassarmen Track zu einem vermeintlich basslastigen auf. Das gilt auch für alle anderen Frequenzen. Wie jeder gute Lautsprecher oder Kopfhörer macht die Teufel-Box aus schlecht aufgenommener Musik keine gute. Sie ist zwar relativ gnädig, aber kann ihre Natur als High-End-Gerät halt nicht verbergen. Klar, sie spielt auch schlecht gemasterte Musik in schlechter MP3-Qualität ab, aber sie verhält sich dabei ein bisschen so wie eine Opern-Diva, die man bittet, doch mal „An der Nordseeküste“ zu singen. Sie macht es, aber sie gibt subtil zu erkennen, dass sie zu Höherem bestimmt ist. Richtige Spielfreude kriegt sie mit gut gemischtem Material in guter Qualität. Wer behauptet, zwischen MP3 und Lossless oder High-Res keinen Unterschied hören zu können, wird von der Definion eines Besseren belehrt. Um ein praktisches Beispiel zu bringen: Klar klingt Spotify auch mit der Definion super, aber wenn man dann einen verlustlosen Streamingdienst wie Qobuz oder Tidal verwendet, merkt man Unterschiede, die man mit schlechteren Boxen nie gehört hätte. Sporify klang für mich mit der Definion 5 okay, aber halt auch ein bisschen „falsch“, gleichzeitig zu dünn und wie mit Loudness aufgeblasen. Auf Tidal oder Qobuz geschwenkt kriegten dieselben Tracks plötzlich viel mehr Körper und Energie.

In der Praxis

Hier nun ein paar Beispiele dafür, wie sich die Definion 5 im echten Leben schlägt.

Nirvana: „Smells Like Teen Spirit“ (CD). Unfassbar! Ich bin wieder 20 Jahre jung. Krist Novoselic‘ drängende Basslines und Dave Grohls Drums knallen so wuchtig in den Raum, dass ich meine Kinder freiwillig dem Jugendamt übergeben würde, wenn ich welche hätte. Kurt Cobains Gitarre sägt und schreit und jault bei den berühmten Breaks jammervoll auf. So wurde das aufgenommen, so gibt es die Definion 5 auch wieder. Ich drehe die Lautstärke immer weiter auf und werde vom Sound richtiggehend in den Sessel gepresst, ohne aber das Gefühl zu haben, bedrängt zu werden.

Richard Thompson, Doppelalbum „You? Me? Us?“ (High Res). Die zweite Platte, auf der Thompson nur von akustischer Gitarre, einem Kontrabass und manchmal einer Geige begleitet singt, ist ein packendes Erlebnis. Es mag wie ein abgenudeltes Klischee klingen, aber das hörte sich tatsächlich so an, als säße Thompson wenige Meter entfernt im gleichen Raum auf einem Barhocker, zwei Meter links von ihm der Mann mit dem Stehbass und in der Mitte die Violinistin. Man hört das so intensiv und lebendig, als wäre es tatsächlich live. Jede kleinste Modulation der Stimme, jedes Vibrato, jede Anstrengung bei höheren Tönen transportiert die Definion 5 so glaubhaft, dass man fast meint, Thompsons Stimmbänder anschwellen und wieder entspannen zu sehen.

Bei „All Ireland“ von Roy Harper, zugespielt als 16-Bit/44,1 kHz-CD, hat man bei geschlossenen Augen tatsächlich den Eindruck, der Künstler sitze weniger Meter vor einem auf einem Barhocker. Jeder Akkord der zwei akustischen Gitarren, jede einzelne Saite ist exakt zu hören und die Stimme des Sängers bekommt einen Corpus, der auf schlechteren Boxen schlicht nicht zu vernehmen ist.

How Does It Feel“, ebenfalls von Roy Harper (Flac). Am Ende des Stücks spielt eine zweite Gitarre eine Reihe von einzelnen Töten, die auch gute Lautsprecher gerne halb verschlucken. Die Definion 5 arbeitet jeden einzelnen dieser Töne ganz klar heraus und gibt den Anschlägen genau das Volumen, das sie haben und brauchen.

The Beatles, „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, Bluray. Ich höre akustische Gitarren im Mix, die ich nie zuvor gehört habe. Wenn Lennon, McCartney und Harrison im Chor singen, ist jede Stimme eindeutig herauszuhören und zuzuordnen. Die ganze Platte wirkt warm und lebendig. Zuletzt hörte ich sie so, als ich sie zum allerersten Mal hörte.

Richard Strauss, „Also sprach Zarathustra“, London Symphony Orchestra, LP. Die Definion bewältigt die enormen Dynamiksprünge mühelos. Ich schließe die Augen und sehe das gesamte Orchester vor mir, höre auch die hinteren Reihen ganz klar. Die Pauken fetzen mächtig, sind aber unter Kontrolle, und kein Instrument säuft im Mix ab.

War, „Smile Happy“, CD. Diese Aufnahme der Funk-Soul-Combo aus Kalifornien erstrahlt auf der Definion 5 in einem Glanz, wie ich ihn nicht mehr kannte, seit ich die Nummer einst in einer Diskothek gehört hatte. Von der Bassdrum zu den Snares, vom Bass zu den harmonierenden Saxophonen und Trompeten – das hat einen Körper, das ist massiv! Und wie bei anderen Stücken auch bedrängt einen die Teufel-Box nicht, sondern nimmt einen in den Arm, umschmeichelt einen von allen Seiten mit Klang. Ja, das ist ganz groß, das ist ein Erlebnis.

Und Filme? Ja, auch Filme!

Ich betreibe mit der Definion 5 ein 4.0-Surround-System für Filme und Multichannel-Musik. Die Firma Teufel wird das jetzt nicht gerne hören, aber die Stimmwiedergabe bei der Definion ist dermaßen gut, dass ich in meinem gut 20 Quadratmenter großen Zimmer keinen Center-Speaker vermisse. Stimmen sind sehr konturiert und klar gezeichnet. Und der Bass reicht mir persönlich völlig aus, so dass ich auch nicht dringend einen Subwoofer brauche. 5.1-Systeme oder 7.1, 9.1 oder gar Dolby Athmos machen ehrlich gesagt in einem relativ kleinen Raum nicht viel Sinn. Wer einen Raum extra für Heimkino hat, der braucht natürlich Center und Subwoofer, aber für den gelegentlichen Filmgenuss im Wohnzimmer? Nope, braucht man nicht. Da die Definion durch ihre Koaxial-Technik sehr breit strahlt, muss man auch nicht im exakten Sweetspot sitzen, um das volle Stereo- oder Surround-Erlebnis zu kriegen. Wer das bodenlose Grummeln eines Subs vermisst, sollte sich hier klar sein, dass er einen Woofer braucht, der mindestens 800 Euro kostet. Ansonsten riskiert man, dass die wunderbare Soundlandschaften, die die Definion erschließen, durch einen schlampigen Tiefton versaut werden.

Chinesische Wertarbeit

Die Definion 5 sind Made in China. Von deutschen Ingenieuren entworfen und patentiert, aber halt nicht in Deutschland zusammengebaut. Mich persönlich stört das nicht, denn ich finde es gut, dass auch Chinesen einen Job haben und ihre Familie ernähren können. Und dass sie sich irgendwann die gleichen Lautsprecher kaufen können wie wir Westler. Made in China ist außerdem schon lange kein Indiz für Qualitätsmängel mehr. Teufel gewährt nicht ohne Grund zwölf Jahre Garantie auf die Definion 5. Zu bedenken ist auch, dass durch den Direktvertrieb, den Teufel als Verkaufsmodell gewählt hat, und die Herstellung in Fernost Kosten wegfallen, die durchaus 100 Prozent des Endpreises ausmachen können. Für manchen Lautsprecher, der Made in Germany ist und den man im Laden nebenan kauft, zahlt man also das Doppelte. Das kann auch Vorteile haben. Neben allfälligem Wirtschafts-Partriotismus auch den, dass man dann halt einen Serviceberater in der Nachbarschaft hat. Allerdings ist der Teufel-Kundenservice ziemlich auf Zack.

Compared to what?

Ist die Definion 5 also die beste Box in ihrer Preisklasse? Das traue ich mich nicht zu sagen, weil ich zwar einige Konkurrenzprodukte gehört habe, aber nicht alle, und weil der Geschmack der Menschen sehr unterschiedlich ist. Was ich aber zu behaupten wage, ist dies: Teufels teuerster Lautsprecher geht ganz klar in Richtung High End und Audiophilie und ich kenne einige Speaker, die deutlich mehr kosten und deutlich weniger können. Wer wissen will, ob die Definion 5 was für ihn ist, sollte sie Probe hören, und zwar nicht eine halbe Stunde lang, sondern ein paar Wochen lang. Teufel bietet ja eine achtwöchige Probezeit an, während der man die Lautsprecher einfach zurückschicken kann. In der Preisklasse der Definion habe ich zum Beispiel die Nuvero 110 und 140 der Firma Nubert gehört. Das sind tolle Lautsprecher, aber für meinen Geschmack klangen die ein bisschen zu hell. Die Klipsch Palladium PF-37F hat auch ihre Stärken, zum Beispiel eine extreme „Brutalität“ der Darbietung vor allem bei elektrischen Gitarren, geht aber bei Klassik eher unter und es ist recht schwer, sie richtig im Hörraum zu positionieren. Am ähnlichsten und ähnlich angenehm klangen für mich noch die Tannoy, aber die kosten das Zehnfache der Teufel. Ein kleiner Geheimtipp sind die Teufel Definion 3. Die habe ich auch gehört und sie bringen in etwa 75 Prozent der Definion 5, kosten aber 1.000 Euro weniger. Die Definion 3 hat allerdings auch nicht die tollen massiven Standfüße, die die Definion 5 hat, und 25 Prozent Sound sind halt 25 Prozent Sound.

Teufel Definion 5, Preis: 2.799.99 Euro (Paar). Erhältlich bei https://www.teufel.de