Zittern in Teheran und Peking

Den verbliebenen Diktatoren dieser Welt, vor allem den iranischen Mullahs, geht der Arsch auf Grundeis, und das ist gut so. Sogar Chinas rot lackierte Räuberbarone zittern schon, sehen sie doch in dieser Zeit des Aufruhrs: Keine Herrschaft, und sei sie noch so brutal (und dann fallweise wieder gönnerhaft), währt ewig, kein Regime ist unverwundbar. Ich habe keine Ahnung, was die Zukunft bringen wird, aber dass es ganz danach aussieht, dass die Einparteiensysteme, die absolutistischen Monarchien und die „gelenkten Demokratien“ allesamt ins Wanken geraten, das freut mich dann doch ein wenig.

Kairo: Blood on the streets

Hosni Mubarak möchte offenbar sein Leben vor einem Erschießungskommando aushauchen. Anders ist sein Entschluss, den Volksaufstand in Blut ersaufen zu lassen, nur schwer erklärbar. Aber vielleicht geht der perfide Plan der Mubarak-Bande, der Gewalt freien Lauf zu lassen, um sich dann als Retter der Ordnung aufzuspielen,  ja auf, und schon bald fließt wieder die westliche Militärhilfe für dieses Schweineregime, als wäre nichts gewesen? Man kann jetzt nur hoffen, dass es zu keinem Bürgerkrieg kommt, aber es sieht nicht gut aus.

Ägypten, Gaza und der ganze Rest

Jetzt ist es offiziell: Mubarak ist am Ende. Mit seiner Ankündigung im TV, er werde im September nicht erneut für das Präsidentenamt kandidieren, hat er den Weg frei gemacht. Für wen und für was, ist noch nicht klar. Wie auch immer, Israel sollte die Gelegenheit nutzen und endlich den blöden Gazastreifen loswerden! Also die Verantwortung für diesen, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Vielleicht als Freundschaftsgeschenk an die neue Regierung in Kairo, die dann beweisen kann, wie sehr ihr Herz wirklich für die „arabischen Brüder“ in Gaza schlägt? Natürlich mit der dezenten Warnung, dass terroristische Übergriffe an der neu gezogenen israelisch-ägyptischen Grenze bzw. an der Grenze zwischen Israel und dem ägyptischen Protektorat Gaza ein Kriegsgsgrund wären und man sich in diesem Fall gezwungen sehe, den Sinai zurückzuerobern. Das wäre doch die Gelegenheit, diese groteske Situation, in der Israel zwar Nahrung, Energie, Medikamente und andere Güter nach Gaza liefert, aber trotzdem als Buhmann dasteht, zu beenden! Sollen sich doch ENDLICH die Araber selbst mit Hamastan herumschlagen statt bloß kostenloses Solidaritätsgeblöke und Israelbashing von sich zu geben! Aber wer weiß, vielleicht tut es das Volk in Gaza den Tunesiern und Ägyptern gleich und wartet erst gar nicht darauf, dass andere seine Probleme lösen und über sein Schicksal bestimmen? Die Hamas wird schon einen Grund haben, warum sie derzeit jede noch so kleine öffentliche Kundgebung mit brutalster Gewalt niederknüppeln lässt. In der ursprünglichen Fassung des „Manifests der Jugend von Gaza“ hieß es „Fuck Hamas! Fuck Israel“! Erst auf Druck vor allem westlicher „Soli-Kreise“ wurde die Reihenfolge in „Fuck Israel! Fuck Hamas!“ geändert. Das ist ein feiner, aber nicht unwichtiger Unterschied, und zeigt, dass die jungen Leute in Gaza besser als die Würstchen von der ach so wohlmeinenden westlichen Wohnzimmerintifada wissen, wer an ihrer elenden Lage die Hauptschuld trägt. Behirnte junge Araber wissen genau, dass es zwar Scheiße ist, hinter Checkpoints und Zäunen leben zu müssen, dass dies aber gar nicht nötig wäre ohne die Wahnsinnigen, die außer Krieg und Terror gegen Israel nix im Schädel haben.

Aber zurück zu Ägypten und zum Ernst des Lebens: Zur Zeit melden sich allerorten die Schwarzmaler zu Wort, die in Kommentaren und „Analysen“ die paranoide Sicht verbreiten, ein Post-Mubarak-Ägypten hätte nichts dringenderes vor, als umgehend den Friedensvertrag mit Israel aufzukündigen, dass ein „islamistischer Dominoeffekt“ drohe und nach Ägypten auch der zweite Friedenspartner Jordanien bald in die Hände judenmordgieriger Fanatiker fallen werde. Das kann natürlich passieren, und das wäre unangenehm, aber selbst wenn man vom Schlimmsten ausgeht, sollte man doch nachprüfen, wie groß die Gafahr dann wirklich sein würde. Ägypten zum Beispiel verfügt über eine starke, mit westlichem High-Tech ausgerüstete Armee. Aber glaubt jemand ernsthaft, die USA oder andere westliche Staaten würden auch nur ein einziges Ersatzteil für die extrem wartungsbedürftige militärische Hochtechnologie liefern, falls in Ägypten antiwestliche, antiisraelische Hitzköpfe an die Macht kämen? Es wäre eine Frage von Monaten, bis diese völlig von amerikanischer Technik abhängige Kriegsmaschinerie auf einen Papiertiger zusammenschrumpfen würde. Außerdem gebe ich zu bedenken, dass die Ägypter nicht zu Millionen auf die Straße gegangen sind, weil ihnen die Politik gegenüber Israel, den USA und Europa nicht gepasst hat, sondern weil sie einfach genug hatten von der jämmerlichen wirtschaftlichen Inkompetenz des Regimes und den daraus folgenden ökonomischen, sozialen und politischen Ungerechtigkeiten. Eine neue ägyptische Regierung wäre extrem von den Spendierhosen des Westens abhängig, so sie nicht alsbald das Schicksal der Mubarak-Administration erleiden möchte. Ist es realistisch, dass es so eine neue Regierung wirklich wagen würde, sich Sanktionen und Isolation einzuhandeln? Würde eine Bevölkerung, die zu einem großen Teil vom Tourismus lebt, stillhalten, wenn eine islamistische Führung dafür sorgt, dass sich kaum jemand mehr traut, die Pyramiden zu besichtigen oder eine Nilkreuzfahrt zu unternehmen? Ich denke nicht. Noch bevor die Bärtigen „Allah ist groß“ brüllen könnten, würden sie sich neben Mubarak im Exil wiederfinden – oder an den Laternenmasten. Noch mal zum Mitschreiben: Möglich ist alles, auch das Schlechteste, aber wenn die derzeitigen Ereignisse in der arabischen Welt uns eine Lektion erteilen, dann die, dass es rassistischer Quatsch ist, zu meinen, die Araber seien nur dann in Wut zu bringen und zum Aufstand zu bewegen, wenn es gegen Mohammedkarikaturen, Israel oder Amerika geht. Araber sind, zur Überraschung der Rassisten, Menschen wie alle anderen, die aufbegehren, wenn die Herrschaft zu frech und das Brot zu teuer wird. Und weil sie Menschen wie alle anderen auf diesem Planeten sind, sind sie weder Engel, noch Dämonen. Sie sind für das Gute empfänglich und für das Böse, aber derzeit vor allem für Werte, die uns bekannt vorkommen müssten: Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit. Wenn wir den Arabern, den Ägyptern von vorneherein absprechen, es damit ernst zu meinen, dann sollten wir mal in den Spiegel schauen. Vermutlich erblicken wir darin dann die versteinerten Fratzen zynisch und faul gewordener alter Säcke, denen „Stabilität“ über alles geht, auch wenn diese „Stabilität“ auf Kosten hunderter Millionen Menschen geht.

Seht auf das, was nicht zu sehen ist!

Wer sich die Bilder und Videos von den Protesten in Tunesien, Ägypten, Jemen und Jordanien anguckt, der wird allerlei Beeindruckendes sehen: Soldaten, die vom Panzer herunter den Demonstranten das Peace-Zeichen zeigen; Frauen, die Polizisten, die nicht prügeln, küssen; Menschen, die Tränengas und Wasserwerfern trotzen; Mädchen in westlicher Kleidung, die gemeinsam mit verschleierten Geschlechtsgenossinnen Menschenketten bilden; Gesichter voller Hoffnung, andere voller Zorn, wieder andere voller Angst. Das alles ist extrem bemerkenswert, nötigt Respekt ab, macht deutlich, dass wir Zeugen von Umwälzungen historischen Ausmaßes sind. Aber am wichtigsten ist für mich das, was man nicht sieht auf all den Pressefotos, in all den Fernsehbeiträgen: Man sieht keine einzige Israel-Flagge brennen, keine Fahne der USA, keine eines europäischen Staates. Keine „Death to Israel“-Schilder werden in die Kameras gehalten, keine Puppen des US-Präsidenten verbrannt, keine „Tod-den Ungläubigen“-Chöre sind zu hören. Und da es sich bei diesen Protesten um echte Empörungsäußerungen der Bevölkerung handelt, macht das deutlich, was die Menschen dort wirklich bewegt: Nicht irgendwelche Karikaturenzeichner in Skandinavien, kein Streit um irgendwelche Siedlungen im Westjordanland, keine theologischen Fragen, sondern der Preis von Getreide, die Sehnsucht nach Freiheit, die Wut über den vorenthaltenen ökonomischen und politischen Fortschritt. Es wird klar, dass die medienwirksamen „spontanen“ Entladungen des angeblichen „Volkszorns“ gegen den Westen Inszenierungen der Regierungen waren, die verzweifelt darauf gesetzt hatten, die kochende Wut des Volkes auf Außenfeinde umzuleiten. Damit ist es nun vorbei. Jetzt fordern die arabischen Völker Rechenschaft von den eigenen Herrschern.

Nun will ich hier nicht, ohnehin ganz entgegen meiner Natur, den Berufsoptimisten geben, und mir ist schon klar, dass zB auf einen Mubarak noch etwas viel Schlechteres folgen könnte, dass das alles keine „g´mahde Wiesn“ für die echten Demokraten in diesen Ländern ist, dass es Muslimbrüder gibt und das mahnende Beispiel der verratenen iranischen Revolution. Dennoch traue ich den Arabern (und anderen islamisch dominierten Kulturkreisen) zu, dass sie, entgegen des im Grunde rassistischen Kulturrelatvismus von Teilen der westlichen Linken und des offenen Rassismus von Teilen der Rechten, sehr wohl in der Lage und willens sein werden, das Joch sowohl der autoritären Kleptokraten, als auch jenes der religösen Bevormunder abzuschütteln.

Demokratiebewegung bringt Ahmadinejads Magen durcheinander

„Speiübel“ werde es einem, wenn man die „von Amerikanern und Zionisten“ gesteuerte Demokratiebewegung im Iran betrachte, ließ Mahmoud Ahmadinejad verlautbaren. Der Mann, der, was man immer wieder mal erwähnen sollte, 1989 in Wien einen Mordanschlag auf Kurdenführer verübt hatte, zittert wohl schon, ganz so wie seine Komplizen: „Das Parlament will, dass Justiz und Geheimdienste jene festnehmen, die die Religion beleidigen, und ohne Zurückhaltung die Höchststrafe über sie verhängen“, hieß es in einer Erklärung, die Parlamentspräsident Ali Larijani im Fernsehen verlas. Dabei ließ er offen, ob damit die Todesstrafe gemeint ist. (Anmerkung: Natürlich ist die Todesstrafe gemeint. Unzählige Menschen wurden bereits durch den Gummiparagrphen „Beleidigung der Religion“ an den Galgen geschickt).

Wer sich zu solchen Drohungen hinreißen lässt, der steht mit dem Rücken zur Wand und ist bereit, ein Blutbad in Kauf zu nehmen, um seine erbärmliche Haut zu retten. Und es wird einen Tag des Zornes geben, sollten die Mullahs und ihre Hampelmänner nicht nachgeben, und ich freue mich darauf, diese Verbrecher im Kerker oder an der Laterne zu sehen. Klingt hart? Sorry, aber so denke und fühle ich derzeit. Ich hoffe, dass die Iranerinnen und Iraner ihre Unterdrücker aus den Ämtern jagen, dass sie die Schwerverbrecher, die Milliarden in Atomprogramme investieren statt in die Versorgung der Bevölkerung und die drauf und dran sind, einen großen Krieg zu provozieren, zur Rechenschaft ziehen, und dass Iran bald eine rechtsstaatliche Demokratie wird. Man darf es nicht vergessen: Sollte sich die Demokratiebewegung nicht durchsetzen, wird es krachen und vielleicht werden Millionen sterben. Israel, die sunnitischen arabischen Golfstaaten, Indien und der Westen können und werden keine iranischen Nuklearwaffen hinnehmen. Nicht mal China und Russland wollen ein Atomraketenarsenal in den Händen unberechenbarer Apokalyptiker sehen.

Iran und die Bombe (mal wieder)

In Iran, wo eine verabscheuungswürdige klerikalfaschistische Bande seit 30 Jahren das Volk knechtet, scheint sich das Regime gegen die Demokraten behaupten zu können. Die wahren Machthaber in Teheran haben deutlich gemacht, dass sie zum Äußersten bereit sind, um ihre Diktatur zu verteidigen, und es gibt keinen Grund, auch nur eine Sekunde lang daran zu zweifeln, dass diese Mörder, die überall auf der Welt Regimegegner durch Spezialkommandos umbringen ließen, das eigene Volk zusammenschießen lassen, wenn sie sich bedroht fühlen. Der Westen sollte gut hinsehen und daran denken, dass dieses Regime, diese halbwahnsinnige Gottesdiktatur, kurz davor steht, Atomwaffen zu besitzen. Preisfrage für Dummies: Wie werden sich wohl nuklear bewaffnete Leute, die nicht einmal vor der brutalsten Unterdrückung ihres eigenen Volkes  zurückschrecken, auf internationaler Bühne und gegenüber anderen Staaten benehmen?