Abschaum in Gummizellen sperren

Spiegel Online bringt eine reißerische Story über einen Konsumenten von allerlei Drogen, der in eine amerikanische Notaufnahme eingeliefert wird. Soweit, so uninteressanter Allerweltsjournalismus. Darunter krakeln dann aber deutsche Alltagsfaschisten das hin, was ihre engen Herzen bewegt, und das ist wirklich unheimlich. 

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Diese Augsteins!

Rudolf Augstein, Gründer des Nachrichtenmagazins „Spiegel“, aus dem Generationen von Deutschen ihre Weltsicht herauslasen, war bekanntlich ein unverbesserlicher Antisemit und leidenschaftlicher Feind Israels. Und er hat seine Ansichten zumindest in Teilen wohl erfolgreich an seine Kinder weitergegeben. So fiel Franziska Augstein in einer Rede, gehalten im Jahr 2003 bei der Eröffnung der Gmundner Festspiele, nichts Dringenderes zur Befreiung des Irak ein, als sarkastisch gegen Juden zu gifteln: „Die USA schicken einen 32 Jahre alten Juden nach Bagdad, um den schiitischen und sunnitischen Irakern eine neue Verfassung zu geben – eine brillante Idee“.  Und auch Jakob Augstein, leiblicher Sohn von Martin „Auschwitzkeule“ Walser und Stiefbruder von Franziska, kann wohl gar nicht anders, als in einer halblustigen Kolumne über den Unmut, den das E10-Desaster bei den deutschen Bürgern ausgelöst hat, den Nazi Konrad Lorenz zu zitieren. So eine weltanschaulich konsistente Familie wie diese Augsteins ist beinahe rührend in unserer kompliziert gewordenen Welt…

Teufelswerk: Offene Geschäfte an den Adventsonntagen

Der deutsche Verfassungsgerichtshof hat einer gemeinsamen Klage der evangelischen und der katholischen Kirche stattgegeben und die Öffnung der Berliner Verkaufsgeschäfte an den Adventsonntagen als verfassungwiedrig eingestuft. Der „Spiegel“ jubelt (nicht im Kommentarbereich, sondern im Bericht): „Das Verfassungsgericht stellt den Menschen vor das Profitinteresse.“ Hm, klingt ja gut, wer möchte, rein gefühlsmäßig, nicht den Menschen über das Profitinteresse stellen (wie es grammatikalisch und inhaltlich richtig wäre, lieber Spiegel)? Dass ohne Profit genau die Menschen, für deren Interessen man sich einzusetzen vorgibt, ihrer Arbeit und ihres Einkommens verlustig gehen können, das ist den Kirchenvertretern und dem Spiegel egal, wie es aussieht. Weiter im Text: Die Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Katrin Göring-Eckardt, begrüßte das Urteil. Dies sei ein eindeutiges Signal gegen den Kommerz und für den Sonntag als gemeinsamen Ruhetag für alle, sagte Göring-Eckardt am Dienstag im ZDF. Der böse böse Kommerz! Fast so böse wie das Zinswesen und das Geldwechseln, was? Wie schön wäre doch eine Non-Profit-Gesellschaft, in der es keinerlei Anreiz mehr gäbe, Arbeitsplätze zu schaffen, innovativ zu sein und Wohlstand zu schaffen! Ein Paradies auf Erden würde das sein. Die Suppenküchen der Kirchen könnten sich des Ansturms der Menschen, deren Wohl über den Profit gestellt wurde, kaum mehr erwehren, und die Kirchenbänke wären endlich wieder voll mit Leuten, die in ihrer ökonomisch verursachten Verzweiflung wieder Trost beim Allmächtigen suchen. Ganz interessant auch die Klagesbegründung der Kirchen: In ihren Verfassungsbeschwerden sprachen die Kirchen von einem Verstoß gegen den vom Grundgesetz garantierten Schutz der Arbeitsruhe und Erholung am Sonntag. In der mündlichen Verhandlung im Juni hatten sie zudem geltend gemacht, auch das Recht auf ungestörte Religionsausübung sei von den zahlreichen Sonntagsöffnungen tangiert. Dass die Verkäufer und Verkäuferinnen, die an den Adventsonntagen arbeiten, ihre Erholdung an einem anderen Wochentag nachholen können, dazu noch mit mehr Geld in der Brieftasche, ist den Kirchenfürsten wohl ebenso entgangen wie die Tatsache, dass ihre Forderung, religiöses Getue habe vor allem an Sonntagen stattzufinden, reichlich mittelalterlich wirkt und sich mit der modernen Zeit ebenso wenig verträgt, wie islamische Wünsche nach Geschlechtertrennung oder die Empörung orthodoxer Juden über samstägliche Autofahrer.

Nun ist es keinesfalls so, dass ich grundsätzlich und in jedem Fall dafür bin, den Profit über den Menschen zu stellen. Doch der Einzelhandel macht nun mal in den Wochen vor Weihnachten den größten Umsatz des Jahres, der es ihm auch ermöglicht, seine Belegschaft zu halten und eventuell sogar zu erweitern. In Österreich haben wir seit Jahren offene Geschäfte an den Adventsonntagen und am 8. Dezember (katholischer Feiertag), und es sind trotz aller Unkenrufe der Gewerkschaften und der Kirchen bislang deswegen keine menschlichen Katastrophen zu verzeichnen. Weder sind Familien wegen der vorweihnachtlichen Öffnung der Geschäfte zerbrochen, noch gab und gibt es Proteste der betroffenen Arbeitnehmer, die, wie schon erwähnt, ihre freien Tage ja samt finanzieller Entschädigung nachgereicht bekommen. Auch ist keine Glaubenskrise ausgebrochen. Nicht wegen der Sonntagsöffnungen der Geschäfte zumindest. Für die Krise des Glaubens sind doch hauptsächlich andere Faktoren verantwortlich, zum Beispiel der immer mehr Menschen auffallende Widerspruch, dass die Kirchenoberen zwar Bescheidenheit predigen und gegen die „Gewinnsucht“ poltern, selber aber mit Gold behangen sind wie Gansterrapper und ihre „Kritik“ am Profitdenken von Palästen aus üben, wie sie heutzutage nur mehr drei Kathegorien von Menschen bewohnen: Reicher Altadel, Neomilliardäre und eben Bischöfe und Päpste.

Natürlich sind die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Einzelhandels in der Vorweihnachtszeit nicht zu beneiden. Sie müssen von früh bis spät die immer gleichen abgedroschenen Weihnachtslieder ertragen und sich mit einem Ansturm teils nervtötender Kunden herumschlagen. Der Stresslevel ist für diese Arbeitnehmer also extrem hoch in der angeblich „Stillen Zeit“. Doch das gehört zum Jobprofil, und zum Glück leben wir ja immer noch in Sozialstaaten, in denen es einen Urlaubsanspruch gibt (etwas, wovon Freiberufler wie zB der Lindwurm nur träumen können – aber das interessiert die vorgeblichen Kämpfer für soziale Gerechtigkeit ebensowenig wie die Situation von Ein-Personen-Unternehmen. Wir sind schließlich böse Profitmacher, gelle?). Der echte, wirklich gefährliche Weihnachtsstress tritt in den meisten Familien übrigens nicht vor, sondern während der Feiertage auf. Da häufen sich dann die Enttäuschungen, unterdrückte Wut bricht plötzlich hervor und es wird gekeppelt und geschrien und machtgekämpft bis hin zum „erweiterten Selbstmord“. Daran sind, um falschen Interpretationen vorzubeugen, nicht die Feiertage schuld, sondern übertriebene Erwartungen an diese (die von den Kirchen ebenso geschürt werden wie von der „Weihnachtsindustrie“) sowie der Alkohol und die in vielen Familien übers Jahr herrschende Sprachlosigkeit, die Unfähigkeit oder Feigheit, Ärgernisse zu kommunizieren.

Nein, liebe Kirchenleute, Gewerkschafter und Spiegel-Redakteure: Es hat sich inzwischen herausgestellt, dass Liberalisierungen der Öffnungszeiten nicht grundsätzlich zu Ausbeutung und Familienzerstörung führen. Im Gegenteil, es wurden sogar zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Gerade deutsche Gewerkschafter und Kirchen sollten schön ruhig sein bezüglich der adventzeitlichen Sonntagsöffnung, solange sie ein Arbeitsrecht akzeptieren, dass es ermöglicht, jahre- und jahrzentelange Mitarbeiter wegen Bagatelldiebstählen fristlos zu entlassen, solange es Hartz IV gibt und echte Armut, solange die Kinderbetreuungsmöglichkeiten der gesellschaftlichen Realität hinterherhinken und Menschen in kniender Demutshaltung vor Supermärkten um ein paar Cent betteln. Ach, das sind ja echte soziale Missstände, noch dazu von Sozialdemokraten mitverantwortet, also halten wir unser Maul? Sehr „glaubwürdig“, liebe Kirchenvertreter und Gewerkschafter.