Völkische Beobachter

Tagelang spielten Europas Medien ohne Hemmungen Völkischer Beobachter, schrieben vom „blonden, blauäugigen Kind“, das „bei Roma gefunden“ worden sei, und wärmten die alten Hetzmärchen von den „Kinder entführenden Zigeunern“ auf. Erwartungsgemäß ist nun klar: Alles Blödsinn. Das Mädchen wurde nicht „gestohlen“, es wurde von seiner bitter armen bulgarischen Mutter gegen eine kleine Geldleistung einem befreundeten Paar überlassen. Eine Sache, die  tausende Male pro Jahr passiert. Kinderlose Griechen fahren nach Bulgarien und „adoptieren“ dort an der Bürokratie vorbei Kinder, und niemanden hat das bislang interessiert, waren es doch in aller Regel Nicht-Roma, die das machten. Aber ein Kind, das äußerlich dem Stereotyp der Nordländerin entsprach bei „schwarzen“ Eltern? Das konnte nur Entführung sein, Kindesdiebstahl, letztlich eine Art „Rassenschande“. Als die irischen Behörden durchdrehten und aus rassistischen Motiven zwei Kinder ihren Eltern wegnahmen, weil auch diese Kinder blond waren, dröhnte es im Boulevard von „Fällen in ganz Europa“ und von „Babymafia“. DNA-Tests widerlegten das zwar, aber der Schaden war schon angerichtet. Und auch wenn all die reißerischen Schlagzeilen nun Lügen gestraft sind bedeutet das für die werten Kolleginnen in den Redaktionen nicht, dass man nicht weiterhin Stories einfach erfinden könnte…

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