Roma-Abschiebungen: EU vs Sarkozy

Die Offiziellen der EU finden endlich klare Worte zur skandalösen Roma-Deportationspolitik von Nicolas Sarkozy. Gut so! Frankreich hat alles Recht der Welt, rechtsstaatlich gegen Kriminelle vorzugehen. Frankreich hat aber nicht das geringste Recht, ganze Ethnien zu kriminalisieren und Sippenhaftung anzuwenden.

Roma deportieren, Israel kritisieren

„Gratuliere“, Herr Präsident Sarkozy, sie haben soeben die erste Zigeunerdeportation Frankreichs seit dem Vichy-Regime erfolgreich abgeschlossen. Aber bitte keinesfalls vergessen: Nächste Woche rasch wieder Israel bezüglich der Menschenrechte schulmeistern! Am besten im Chor mit all den großen Humanisten Europas, denen zur Lage der Sinti und Roma nichts einfällt außer brüllend laut zu schweigen…

Die Rechte der Frau sind relativ?

Feminismus hatte mal was damit zu tun, für die Befreiung der Frauen von den Zwängen einer patriachal dominierten Kultur einzutreten. Es ging um politische, wirtschaftliche und sexuelle Selbstbestimmung und um die Emanzipation von – vor allem durch Religionen tradierte – Rollenzuweisungen. Mittlerweile sind weite Teile der westlichen Frauenbewegung jedoch den Weg vieler ehemals emanzipatorischer Strömungen gegangen und haben sich geradezu lustvoll der Regression ergeben. So kann dann auch die Kulturwissenschafterin und Amerikanistin Gabriele Dietze in einem Interview mit dem „Standard“, in dem sie zum französischen Burka-Verbot Stellung bezieht, von „Islamophobie“ quasseln, gegen den „säkularen Universalismus“ wettern, mit dem das „krisengebeutelte und zerrüttete Frankreich“ sich seines „abendländischen Führungsanspruchs“ versichern wolle, und den westlichen Staat mit dem „imaginierten muslimischen Patriarch“ (sic) gleichsetzen. Was für ein Schlag ins Gesicht all jener Frauen, die von ihren streng muslimischen Vätern, Gatten und Brüdern unterdrückt, misshandelt, wie Vieh verschachert und immer wieder auch im Namen der „Ehre“  ermordet werden! Welch Verrat an den Frauen in der islamischen Welt und in den islamischen Communities im Westen, die oft genug unter Lebensgefahr für ihre Freiheit kämpfen! Ihnen allen unterstellt Dietze, quasi gegen ein Fantom anzutreten, da der „muslimische Patriarch“ ja nicht real, sondern nur ein „imaginierter“ sei.

Ganz im Stile der Delegitimationsstrategien, die auch in diversen linken Sekten seit jeher gegen „Abweichler“ zur Anwedung kommen, spricht Dietze Frauen, welche die Gefahr thematisieren, die vom radikalen Islam für die Frauenrechte ausgeht, das Recht ab, sich Feministinnen zu nennen und unterstellt ihnen frech und unbewiesen, sich nicht in gleichem Ausmaß gegen misogyne Auswüchse des Christentums zu engagieren. Und Dietze schreckt auch vor völlig unpassenden Vergleichen nicht zurück: Es verträgt sich nicht mit einem universalistischen Rechtsverständnis, Sondergesetze für Bevölkerungsgruppen zu machen. Der Gesetzgeber nimmt sich ja auch nicht heraus, kontemplative Nonnen in die Welt zu befreien oder Internate für Sportgymnastinnen zur Vermeidung von Anorexie und Übertraining von vorpubertären Mädchen zu schließen. Dass im Jahr 2010 nur die wenigsten Nonnen unfreiwillig im Kloster sitzen, dass diese Nonnen, wenn sie das Kloster verlassen wollen, in aller Regel nicht von ihren Vätern oder Brüdern verprügelt und/oder ermordet werden, dass der Besuch von Sportinternaten nur recht selten mit der Befolgung religiös fundierter Traditionen zusammenhängt und dass Sportinternate schon längst verboten wären, würde es einen nachweisbaren und nicht bloß als billiges Scheinargument herbeifantasierten Zusammenhang dieser Institutionen mit Magersucht geben – was kümmert das eine postmoderne, postkolonialistische Kulturrelativistin?

Ach ja, so wie es den „musilimischen Patriarch“ laut Dietze nur als Imagination gibt, so ist für diese große Feministin auch die systematische und strukturelle Unterdrückung der Frau in muslischen Staaten bloß eine „Erfindung“: Mit Okzidentalismus meine ich eine abendländische Ideologie, die sich ihrer Überlegenheit über die Stigmatisierung, und im weitesten Sinne auch über die Erfindung, eines rückständigen ‚orientalischen Anderen‘ versichert. Frauen werden in diesem Zusammenhang zu ‚Grenzobjekten‘, an denen die Fortschrittlichkeit des Abendlandes bewiesen wird. Der Kampf um Kopftuch und Schleier ist insofern kein altruistischer Versuch, unterdrückte Frauen zu retten, sondern ein Kampf um Leitkultur.

Und eine Leitkultur ist natürlich böse, denn allein schon das Wort klingt nach Schwanzvergleich und Hierarchie, und das ist ganz ganz schlimm, viel schlimmer, jedenfalls für Frau Dietze, als der ganz reale Status der Frau als Mensch zweiter Klasse in traditionell islamischen Gesellschaften. Aus dem geschwollenen Theoretikerinnensprech übersetzt ist Dietzes Position diese: Solange auch nur ein besoffener Europäer seine Frau schlägt, solange der weibliche Körper im Westen für Werbezwecke ausgebeutet wird, solange es sexistische Benachteiligungen in westlichen Gesellschaften gibt  ist Kritik am radikalen islamischen Patriachat unangebracht. Das ist selbstverständlich totaler antiemanzipatorischer Quatsch, da Frauenrechte Menschenrechte sind und daher deren Verletzung überall bekämpft werden muss. Aber das ist Leuten wie dieser Dietze wohl zu „universalistisch“ und daher auch „kulturimperialistisch“ und gar „kolonialistisch“…

Zoff zwischen Paris und Jerusalem

Jerusalem- Das israelische Außenministerium hat das „unmittelbare Einfrieren“ der umstrittenen Polizeiprogramme der französischen Regierung in den Banlieus und die Lieferung „regelmäßiger Benzin- und Motorenölkontingente“ gefordert, um den unterdrückten jungen Immigrantenkindern die Fertigung von Molotowcocktails zu erleichtern. Nach Angaben eines Sprechers des israelischen Außenministeriums wurden diese Forderungen am Donnerstag in einer Aussprache dem ins Jerusalemer Außenamt zitierten französischen Botschafter Gerard Araud notifiziert.

Die Aussstattung der Pariser Vorstadtjugendlichen mit besseren Molotowcocktails und auch mit Schusswaffen sei absolut notwendig, um in Frankreich eine defacto Zweistaatenlösung zu erreichen und die Wiederaufnahme der Verhandlungen über die Zahl der täglich abufackelnden Autos auf einer glaubwürdigen Basis zu ermöglichen, sagte der Sprecher und fügte hinzu: „Alle Seiten müssen die innerhalb des Fahrplans (plan de route) eingegangenen Verpflichtungen respektieren. Was die abgeschlossenen Türen der Wohnungen Pariser Bürger anlangt, so müsse man deren Öffnung garantieren, „um den marginalisierten Zuwandererkindern in Paris den Zugang zu einer Umverteilung der Güter zu ermöglichen“.

Bei der Aussprache wurde nach den Angaben des Jerusalemer Außenamtes auch auf die Behinderung der Bewegungsfreiheit islamistischer Terroristen in den Pariser Innenstadtbezirken hingewiesen. Es sei notwendig, dass Frankreich das Strafgesetz in Bezug auf Vertreter der Al Quaida anpasse. Israels Außenministerium hatte am Dienstag angekündigt, dass der französische Diplomat vorgeladen wurde. Zuvor hatten bereits die USA eine ähnliche Initiative ergriffen, um von Frankreich die Einführung der Sharia zu verlangen. Die Vorstöße von Jerusalem, Washington und Moskau sowie der EU zur Legalisierung des berechtigten Ausdruckes des Zorns junger muslimischer Migranten waren am Dienstag von der französischen Regierung abgelehnt worden. (APALAPAP)

Leider nur geträumt. Das Original findet ihr hier.