Frauenrechte sind Menschenrechte

In den vergangenen paar Jahrtausenden ist es für die Frauen dieser Welt nicht so gut gelaufen. In praktische allen Kulturen waren sie Menschen zweiter Klasse, Sexualobjekte, verschacherbares Eigentum ihrer Väter, Brüder und Gatten, entmündigt, vom politischen und wirtschaftlichen Leben weitgehend ausgeschlossen, reduziert auf die Rolle als Gebärerinnen von Erben, Soldaten und Arbeitern. Dies änderte sich erst mit dem Zurückdrängen des patriachalen Ideologieträgers Nummer eins, der Religion, in den modernen westlichen Demokratien sowie im „Realsozialismus“. Faschisten und Nazis versuchten zwar, die Frau wieder auf Küche, Kirche und Kinderkriegen zu beschränken, doch nach dem Untergang des Zwölfjährigen Reiches, dem schrittweisen Verschwinden auch der letzten europäischen und amerikanischen Rechtsdikaturen, mit dem langsamen Durchsickern feministischer Gedanken auch in konservative Parteien und vor allem der Erkenntnis, dass es ökonomischer Unsinn ist, in Wirtschaft und Forschung auf mehr als die Hälfte des menschlichen Potenzials zu verzichten, schien es ausgemachte Sache zu sein: Der lange und mühselige Kampf der Frauen um Gleichberechtigung wird am Ende siegreich sein. Es gab Anlass genug für Optimismus. Skandinavien gewöhnte die Welt an den Anblick weiblicher Regierungschefs und Ministerinnen, kaum eine westeuropäische Partei traute sich mehr, offen frauenfeindliche Positionen zu vertreten, der Ostblock brachte, wenn auch sonst nicht viel, ganze Generationen bestens ausgebildeter und voll im Berufsleben aktiver (Geistes-)Arbeiterinnen hervor* und sogar im äußerst rückständigen Nahen Osten, wo Mädchen nicht viel mehr zählten als Vieh, war mit Israel eine Demokratie entstanden, in der Frauen ganz selbstverständlich in der Politik mitredeten und mit der Waffe in der Hand ihr Land beschützten. Soviel zum Stand der Dinge Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Und heute? Zu Beginn des Jahres 2012 ist noch lange nicht alles erreicht und viel Erreichtes wieder in Gefahr. In Westeuropa müssen Frauen noch immer damit leben, für gleiche Arbeit nicht den gleichen Lohn wie Männer zu verdienen.  Maßnahmen, die Frauen die Teilnahme am Wirtschaftsleben erleichtern, wie Ganztagsschulen und flächendeckende flexible Kinderbetreuung, setzen sich nur schleppend durch. Fortschrittsfeindschaft, die, auch wenn sie sich „grün“ maskiert,  ja immer auch frauenfeindlich ist, erlebt einen unheimlichen Boom. In Russland gehört „Edelnutte“ mittlerweile zu den begehrenswertesten Berufswünschen junger Frauen. Ganz Osteuropa ist seit ca. 1990 Jagdgebiet für Sextouristen und Pornofilmer. Am beunruhigendsten ist aber das Comeback der Religionen, das dazu führt, dass zB der Arabische Frühling zu einem islamistischen Winter zu werden droht und dass selbst Israel inzwischen Gefahr läuft, von ultrakonservativen Betbrüdern langsam in ein Land verwandelt zu werden, in dem eine Frau zu sein fast genauso gleichbedeutend mit Zurücksetzung ist, wie bei den islamischen Nachbarn. Immerhin wehrt sich die Mehrheit der Israelis entschieden gegen die Anmaßungen der Ultras. Dasselbe kann von den nordafrikanischen Staaten nicht behauptet werden. Dort sind die weltlichen und progressiven Kräfte nach wie vor schlecht vernetzt und können dem hohen Organisationsgrad der Muslimbrüder und Salafisten wenig entgegensetzen außer ihren Mut. Von der barbarischen Frauenfeindlichkeit, die auf der arabischen Halbinsel, in Afghanistan, im Iran und in Teilen Schwarzafrikas herrscht, muss jedem halbwegs aufgeklärten Menschen übel werden, vor allem wenn man bedenkt, dass viele dieser Höllen auf Erden beste Beziehungen wirtschaftlicher und politischer Natur zu westlichen Regierungen haben.

Solange wir alle nicht endlich verstehen, dass Frauenrechte Menschenrechte sind und ebenso wenig wie diese verhandelbar sind, wird die Misogynie auf dieser Welt nicht aussterben, wird es weiterhin legale und ökonomische Benachteiligungen sowie Genitalverstümmelungen und Massenmord an Frauen geben. Es gibt also allen Grund für eine kämpferische Politik mit und für die Frauen dieser Erde. Das sollten wir Männer schon aus Eigennutz kapieren, denn Frauenfeindlichkeit ist Menschenfeindlichkeit, und entgegen aller Irrmeinungen sind rückständig patriachale Gesellschaften auch für Männer keine sonderlich angenehmen Orte.

*auf die wahnwitzige Politik des rumänischen Diktators Ceaușescu, der, um „sein“ Volk zu mehren, unter anderem Verhütungsmittel verbieten ließ, gehe ich vielleicht ein anderes Mal näher ein.

Schluck: Islamophobie in Kairo!

Die rechtsradikalen kulturimperialistischen Faschistennazis, die Frauen das gottgegebene Recht absprechen wollen, sich den lüsternen Blicken der dauergeilen Männer durch das Tragen einer Burka oder eines undurchsichtigen Gesichtsschleiers zu entziehen, schrecken echt vor gar nichts mehr zurück. Jetzt haben sie schon wieder an einer Universität ein Schleierverbot durchgesetzt, diese Macho-Schweine, die, anders als vernünftige Linke wie Naomi Klein, das feministische Statement der weiblichen Gesichtseinpackung und Gesichtsfeldeinschränkung einfach nicht kapieren wollen. Auf die Barrikaden, KämpferInnen für die Freiheit der Frau, sich unterdrücken zu lassen!

Moment mal, so ein Pech aber auch. Es ist weder eine französische, noch eine deutsche und schon gar keine amerikanische Uni, an der das Verschleierungsverbot jetzt gelten soll. Und es wurde auch nicht von westlichen „Kreuzzüglern“ verhängt. Für die islamophobe Schurkerei ist…die wichtigste theologische Instanz im sunnitischen Islam verantwortlich:  Die höchste theologische Autorität im sunnitischen Islam, der Großscheich der Kairoer Universität und Moschee Al-Azhar, Mohammed Sayed al-Tantawi, hat das Tragen von Gesichtsschleiern an der Universität verboten. Nach Auffassung der meisten Religionsgelehrten sei „das Gesicht einer Frau keine Schande“, sagte Tantawi am Donnerstag in Kairo. Bereits vergangene Woche hatte er mit seiner Meinung, der Gesichtsschleier habe mit dem Islam nichts zu tun, und eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Frauen als Sexualverbrecherinnen

Schwerer Rückschlag für die „Männer-sind-Monster“-Fraktion in der Sexualverbrecherdiskussion: Immer mehr Frauen werden des sexuellen Kindesmissbrauchs angeklagt. Mich überrascht das überhaupt nicht, denn ich habe Frauen nie als die „besseren Menschen“ gesehen, wie das vor allem durch den Dumm-Flügel des US-amerikanischen Feminismus transportiert wurde. Frauen haben dasselbe Potenzial, Verbrechen, auch Sexualverbrechen zu begehen wie Männer, bloß wollte dies bis vor kurzem aus rechten und pseudolinken ideologischen Gründen kaum jemand wahr haben. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis der konservative und der feministische Sexismus überwunden sein wird.

Dörflers Brennesselsuppe

„Frauen sind zu schade für die Politik, sie sind viel sensibler als Männer – zu sensibel. Am Herd  kann Mann wie Frau stehen. Wenn aber eine Familie da ist, sollte nur ein Partner Karriere machen. Ich freue mich unglaublich, wenn mir meine Frau um zehn Uhr abends noch eine frische Brennnesselsuppe machen kann und sie nicht abgehetzt und müde ist.“

Das Frauenbild des Kärntner Landeshauptmanns Gerhard Dörfler im Jahr 2009.

Sag mir wo die Frauen sind…

Mit dem Rechtsrutsch in Kärnten geht auch eine fast völlige Verdrängung der Frauen aus der Politik einher. In der neuen Landesregierung wird keine einzige Frau mehr sitzen, im Landtag sind nur mehr zwei Frauen vertreten und in ganz Kärnten gibt es gerade noch drei Bürgermeisterinnen. Das ist kein Zufall. Fast alle Faschismustheorien benennen den Männlichkeits- und Jugendkult sowie das Zurückdrängen der Frau aus dem politischen und wirtschaftlichen Leben und ihre Reduzierung auf die Mutterrolle als einen zentralen Vorgang im Zuge der Faschisierung einer Gesellschaft.