Viva Espana!

Mich persönlich freut es, dass Deutschland heute von Spanien aus der WM geschossen wurde. Obwohl ich ganz offen zugebe, dass die deutsche Elf in den meisten Spielen wirklich guten Fußball gespielt hat – schnell, originell, diszipliniert, hübsch anzusehen. Aber beim Gedanken an die blöden „Schland, Schland“-Chöre und die Autokorsi und Zehntausende in die Nationalfarben gehüllte, von Alkohol und Chauvinismus besoffene Fans bin ich sehr froh, dass aus dem Titel nichts geworden ist. Außerdem kann sich die deutsche Politik jetzt nicht mit der Leistung der Nationalelf schmücken und ihre erbärmliche Performance durch vorgetäuschten Sportenthusiasmus aufhübschen. Viva Espana!

Scheiß Vuvuzela, Teil 4

die Website http://www.laut.de beweist, dass sie weder von Musik, noch von Fußball Ahnung hat und vergleicht die Vuvuzelas mit Punkrock. Natürlich vergisst der Autor oder die Autorin nicht auf die im Bobo- und Möchtegernautonomenmilieu vorgeschriebenen Pflichtfloskeln wie „Kulturchauvinismus“, „kulturbeflissene Bildungsbürger“, „Spießbürger“ usw., um die Kritiker des Vuzuela-Getöses allesamt als engstirnige Fortschrittsfeinde und postkoloniale Gartenzwergherrenmenschen darzustellen, die mit „fremden Kulturen“ nix anfangen könnten. Garniert wird das aufgesetzte Rebellengehabe mit den Dämlichkeiten, die für die dummlinke Szene typisch sind. Kostprobe:  Viel lieber sähe (bzw. hörte) manch kulturbeflissener Bildungsbürger sein Hippie-Klischee vom trommelnden Afrikaner bestätigt. Aber die Vuvuzela ist nicht Hippie sondern Punkrock. Das demokratische, weil spotbillige Plastikinstrument erfordert keine Virtuosität, keine Musikschule. Selbst Berufstrompeter vermögen ihm kaum mehr als zwei Tonlagen zu entlocken. Nur: wer sich auf den WM-Tribünen umsieht, wird erkennen, dass man auch zu repetitivem Tröööt und Möööp tadellos tanzen kann. Wenn man tanzen kann. Hauptsache tanzen, tanzen ist ganz wichtig für Leute, die noch den derbsten Schwachsinn mit tapsigem Gehopse begrüßen, solange er nur irgendwie hübsch exotisch ist und/oder die bösen spießigen Eltern nervt. Das ist genau die unkritisch-begeisterte Schwärmerei  der Hippies, die zu kritisieren der laut.de-Text vorgibt. Da ist wohl jemand in den 70er Jahren stehengeblieben, als man den Strand unter dem Straßenpflaster vermutete und Punkrock für eine Sekunde lang musikalischer Ausdruck der Rebellion war. Kurz: Bei laut.de ist man zu blöd um zu realisieren, dass kritikloser Exotismus objektiv genauso bescheuert ist wie europäisches Überlegenheitsgehabe und bornierte Fortschrittsfeindlichkeit.

Scheiß Vuvuzela, Teil 3

Der Lindwurm hat einen Tipp für Vuvuzela geschädigte Fußballfans: Der ORF hat ein Einsehen mit den geplagten Ohren der WM-Gucker und sendet auf ORF1 (auch in HD erhältlich) eine zweite Tonspur, auf der das Getröte stark heruntergemischt wird. Dafür muss man eine Doppelconference zweier Kommentatoren in Kauf nehmen, was aber trotzdem im Vergleich zur ersten Tonspur, auf der die Vuvuzelas ohrenbetäubend und in ihrer vollen Widerwärtigkeit tröten, eine wahre Erholung ist und das Fußballschauen immerhin erträglich macht. Da könnten sich doch ARD und ZDF ein Beispiel dran nehmen? Wer den österreichischen ORF empfangen kann und wessen TV-Gerät über Zweikanaltechnik verfügt, der sollte da mal reinschauen. Es summt und dröhnt zwar immer noch, aber VIEL leiser als im Haupttonkanal oder bei ARD, ZDF und RTL.

Doch dieser ohrenschonende Tonkanal des ORF ist nur ein schwacher Trost, denn das Hauptproblem bleibt: Die Stimmung, die man sich von einem Ereignis wie einer WM erwartet, will sich nicht einstellen, weil jede Publikumsregung, jedes Anfeuern, jeder Fanchor, jeder kollektive Entsetzensschrei, jede Kommunikation zwischen Trainern und Spielern und zwischen den Spielern untereinander durch das zehntausendfache Plastiktrötenblasen übertönt wird.

Fußball vs Jörg Haider – 1:0

Heute wurde der bisherige Besucherrekord auf meinem Blog gebrochen. Bislang war der 11. Oktober 2008 der Tag mit den meisten Klicks, da in der Nacht zuvor der damalige kärntner Landeshauptmann Jörg Haider bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Es würde dem mit einem sehr großen Ego ausgestatteten Politiker wohl nicht gefallen, wüsste er,  dass ausgerechnet ein Artikel über eine südafrikanische Plastiktrompete weit mehr Leute zum Lindwurmblog führt als es die Berichterstattung über seinen Tod getan hat…

Scheiß Vuvuzela, Ergänzung

An den hohen Zugriffgszahlen und den vielen Kommentaren zu meinem Blogeintrag „Scheiß Vuvuzela“ merke ich, dass nicht nur ich ein Problem mit dem Ohrenfolter-Instrument habe. Leider gibt es auch viel Applaus von der falschen Seite, also von Rassisten, daher noch mal zum Mitmeißeln: Mein Hass auf die nervtötenden Tröten rührt nicht daher, dass diese von Afrikanern geblasen werden. Ich würde die Teile auch verabscheuen, wenn es deutsche, chinesische oder israelische Fußballfans wären, die damit eine WM-Stimmung ruinierten. Ich bemühe mich, eindeutig rassistische Leserkommentare rauszufischen und dorthin zu befördern, wo sie hingehören, nämlich in den virtuellen Papierkorb.

Eher belustigend finde ich die Reaktionen von Lesern, die mir mehr oder weniger direkt Rassismus und/oder mangelnden Respekt vor fremden Kulturen unterstellen. Liebe rasch erregte Obergutmenschen:  Die Vuvuzela ist kein traditionelles südafrikanisches Musikinstrument. Erst in den den späten 90er Jahren tauchten erste Exemplare aus Blech in den Fußballstadien von Kapstadt, Johannesburg und Durban auf, und die erste jener Plastiktrompeten, mit denen die WM derzeit akustisch versaut wird, erblickte im Jahr 2001 das Licht der Welt. Da ist also nix mit „Tradition“ und „Kulturerbe“. Fußballspiele mit Vuvuzelas totzublasen, ist eine relativ junge Modeerscheinung und kein liebens- und schützenswerter alter Brauch. Leider sitzen viele Menschen inklusive der FIFA-Entscheidungsträger dem Missverständnis auf, dass alles, was irgendjemand zur „Kultur“ erklärt, automatisch Respekt und Schutz verdiene, weshalb die Internationale Föderation des Verbandsfußballs auch nicht die Eier hatte, die beknackten Tröten zu verbieten.

Mal was Grundsätzliches: Wenn alles Kultur ist, ist nichts mehr Kultur. Die Verklärung jeder noch so barbarischen Unsitte zu „Kultur“ ist eines der hässlichen Ergebnisse des postmodernen Relativismus, dessen dümmste Vertreter jene Naivlinge sind, für die letztlich eine Mozartsonate und die Ermordung weiblicher Säuglinge in manchen Weltgegenden dasselbe ist, schließlich sei ja beides „Kultur“. Mit so einer Einstellung lässt sich jede Barbarei rechtfertigen und jede Kritik an der Barbarei als „Rassismus“ oder „Kulturchauvinismus“ denunzieren.

Zurück zu den Tröten des Grauens: Ich hätte überhaupt nichts gegen Vuvuzelas einzuwenden, würden diese tatsächlich sowas wie Stimmung erzeugen. Da sie aber UNUNTERBROCHEN dröhnen und mit ihren 120 Dezibel fast alles andere übertönen, tun sie das genaue Gegenteil – sie zerstören jegliche Fußballstimmung, irritieren die Spieler und verärgern die Fans, die auf eine schöne und spannende WM gehofft hatten. Es ist auch ein Ausdruck von Gastunfreundlichkeit und Respektlosigkeit, wenn die südafrikanischen Stadionbesucher dem Rest der Welt sozusagen akustisch den Stinkefinger zeigen.

Scheiß Vuvuzela

Na toll, liebe südafrikanische Fußballfans: „Dank“ eurer beschissenen Vuvuzela, die ihr und viele verblödete WM-Bummler während der Spiele ohne Unterbrechung im Dauereinsatz habt, wird diese WM zur akustischen Folter. Die blöden Tröten übertönen einfach alles: Fanchöre, Klatschen, Jubel, verbale Kommunikation der Spieler – alles. Und ihr blast die Dinger un-unter-brochen, ganz egal, wer am Ball ist, egal, was gerade am Rasen geschieht. Die Folge ist, dass die Spiele wirken, als gucke man mit einem Extrem-Tinitus im Ohr einer Parade von tollwütigen Elefanten zu und alles, was man hört, sind die Stimmen der Sportkommentatoren. Obwohl diese WM dank High Def so gut aussieht, wie keine zuvor, verleidet mir die kakophonische Trompeterei die Freude daran. Ganz toll gemacht, danke dafür, ihr ARSCHLÖCHER.

Der Beweis: Fußballfans klüger als Gewerkschaftsfunktionäre

Der Scottish Tade Union Congress (STUC), die Dachorganisation der schottischen Gewerkschaften und damit vergleichbar dem  ÖGB oder dem DGB, wollte am vergangenen Mittwoch das Spiel von Celtic Glasgow gegen Hapoel Tel Aviv für eine politische Demonstration gegen Israel missbrauchen und hatte dazu einen „cunnig plan“, wie es Black Adder ausdrücken würde (und auch von der gleichen Blödheit, wie dessen „cunning plans“), geschmiedet: Man wandte sich, wie ich der „Zeit“ entnahm,  an die Glasgower Fans und fordert sie auf, als „Akt der Solidarität“ während des Spiels jene zehntausend „Palästina“-Fahnen zu schwingen, die die STUCler kurzerhand mit den Beiträgen der Gewerkschaftsmitglieder gekauft hatten – selbstverständlich ohne diese zu fragen, ob die Investition denn sinnvoll und erwünscht sei (alter Gewerkschafterbrauch). Das Pech der Weltpolitik spielen wollenden Arbeitnehmervertreter: Die Celtic-Fans erwiesen sich als klüger als die STUC-Leute und benahmen sich als sportlich-faire Gastgeber, weigerten sich also schlicht, die Spieler von Hapoel zu brüskieren. Ordner von Celtic warfen die agitierenden und Fähnchen verteilenden Gewerkschafter und deren Komplizen von der „Scottish Palestine Solidarity Campaign“ einfach aus dem Stadion. Dass die Reaktion der Glasgower Fans ehrlich war und von Herzen kam, beweisen auch hunderte zumeist zustimmende Reaktionen in dem Fan-Blog „Celtic Quick News“  auf einen dort geposteten Artikel, in dem es heißt: Hapoel Tel-Aviv fans are part of the international Alerta anti-fascist movement, which reaches around two dozen clubs, including Celtic and St Pauli . They bear „Say No to Racism“ banners at games, in both Hebrew and Arabic and were formed by trade unionists in the 1920s. They will receive the warm welcome all visiting fans get (first time around anyway) at Celtic Park. I am sure they will not bring Iraq or Afghanistan flags to Glasgow in some misguided protest; their geo-political awareness is far too well informed for that.(…) A warm welcome to the Hapoel fans, I hope you enjoy your stay in Glasgow and your team get a good hiding tomorrow night.

Hier ein paar wenige der vielen Userkommentare:

Where was the STUC when Celtic players are continually racially abused in Scotland? Exactly no where to be seen!

It would be impossible to summarise the complexities of the Israeli-Arab conflict in a few short sentences, but I feel deep anger at the STUC’s contemptible behaviour in attempting to hijack this match, and reducing such a complex issue into a tokenistic flag-waving exercise.(…) The team that we are hosting, Hapoel Tel Aviv, come from a heritage of left wing activism – many of their fans will come from the same political position as me, highly critical of many of their government’s actions, and supporters of a two state solution. Those who genuinely care about Israeli-Palestinian relations ought to be reaching out to them rather than using their presence as an excuse for a simple-minded protest against their country. The STUC, of course, have no interest in bridge building.

I am outing myself today as a former STUC Youth Committee (…) I am really saddened they’ve asked us to do this. It makes them look blundering and stupid, it makes them look politically naive and it will encourage people to disengage from joining them on any number of important issues

Life expectancy is higher in the Gaza strip than it is in Parkhead and the surrounding area.

Anyone who thinks that Celtic Park for a Europa League game is the time and place to display their views on the troubles in the Middle East should be forced to have a permanent carer and their shoes replaced with velcro only versions.

So geht das über hunderte Postings weiter. Natürlich werden auch anti-israelische Positionen bezogen (allerdings keine antisemitischen), und selbstverständlich waren und sind die Celtic-Fans keine Heiligen. Der Tenor der meisten Userkommentare geht in die Richtung, dass man sich 1. nicht von Gewerkschaftsbonzen instrumentalisieren lassen wolle, dass man 2. ein Fußballspiel als ungeeigneten Ort für politische Statements zum Nahostkonflikt erachtet und man 3. „selber genug Probleme“ habe. Ja, auch Celtic-Fans sind immer wieder durch grenz-rassistische Gesänge aufgefallen. Ja, auch Celtic-Fans machten und machen Fußballspiele und das Drumherum zu Schauplätzen, an denen die für uns seltsam wirkenden und sehr komplizierten Konflikte zwischen Katholiken, Anglikanern, Schotten, Engländern und auch Iren ausgetragen werden. Auch unter den Fans von Celtic Glasgow gibt es viele Idioten und Rassisten, und zum Nahostkonflikt natürlich alle möglichen verschiedenen Meinungen. Aber die große Mehrheit der Fans hat in diesem Fall eindeutig mehr Anstand und auch Intelligenz bewiesen als der Dachverband der schottischen Gewerkschaften.

Leider verhält es sich so,  dass die STUC -Funktionäre nicht die einzigen Gewerkschafter in Europa und auch außerhalb Europas sind, die ihr Hauptgeschäft, nämlich den Kampf um Arbeitnehmerrechte, vernachlässigen, um sich in Dinge einzumischen, die vielleicht einzelne Mitglieder etwas angehen, nicht aber die Gewerkschaft. Welchen Vorteil hätte es für schottische Arbeiter gebracht, wenn die Celtic-Fans einen israelischen Fußballverein provoziert hätten? Welchen Vorteil bringt es skandinavischen Arbeitnehmern, wenn ihre Gewerkschaften und Linksparteien zum Boykott israelischer Waren aufrufen? Was haben britische Studenten davon, wenn die Gewerkschaft der Universitätsangestellten keine israelischen Gastvortragenden dulden will und ebenfalls zum Boykott israelischer Waren aufruft? Inwiefern profitieren südafrikanische Dockarbeiter davon, wenn sie von der Gewerkschaft dazu verdonnert werden, keine israelischen Warenlieferungen auszuladen? Mir erscheinen diese anti-israelischen (und de facto antisemitischen) Aktivitäten der Gewerkschaften wie eine Perversion des Gedankens der Internationalen Solidarität. Da die Arbeitnehmervertreter es bislang nicht einmal in der EU geschafft haben, einen wirksamen  Gegenblock zu der längst perfekt international zusammenarbeitenden Lobby der Industrie und anderer Arbeitgeber zu bilden, weichen sie auf Nebenschauplätze aus, auf denen sie nichts zu suchen haben. Entweder aus Verzweiflung über ihren immer schwächer werdenden Einfluss, oder aus echter dummlinker Überzeugung. Nun kenne ich ja das Innenleben von Gewerkschaften aus eigener Erfahrung und habe dort einiges gesehen, was mich, freundlich ausgedrückt, verwundert hat. Da gab es Frauenbeauftragte, die wie die Löwinnen um eine geschlechtsneutrale Sprache in den Publikationen der Gewerkschaft kämpften, dem harten Leben von weiblichen Teilzeitkräften, die ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, aber nur geringes Interesse entgegen brachten. Und ich habe dort unter den Mitarbeitern viele Linksextreme und Kommunisten angetroffen, was zum Teil erklären mag, warum (zB östrerreichische) Gewerkschaften wirtschaften wie der dümmste Sowjet-Apparatschik (siehe Konsum, siehe BAWAG) und weshalb sich die Arbeitnmehmervertreter ungeschickt in interantionale Belange einmischen. Man kann es auch so ausdrücken: Der Nahostkonflikt geht europäische Gewerkschaften nix an, es sei denn, man engagiert sich für die Rechte der dort lebenden Arbeitnehmer. Selbstverständlich dürfen Gewerkschafter eine Meinung zu zB Israel haben und äußern, doch einen Apparat, der dazu geschaffen wurde, lohnabhängigen Menschen ein besseres Leben zu erkämpfen, für politische Agitation weitab von arbeitsrechtlichen Fragen zu instrumentalisieren, ist ein Missbrauch der Organisation und auch ein Verrat an den gewerkschaftlichen Traditionen.

So, bevor jetzt Gewerkschafter wütend in die Tasten klopfen und meinen Kommentarbereich zuspammen: Ich bin NICHT gegen Gewerkschaften, ich halte sie im Gegenteil für höchst wichtige zivilisatorische Errungenschaften, für unverzichtbare Gegengewichte zur beileibe nicht nur aus Engeln bestehenden Arbeitgeberschaft. Ohne Gewerkschaften wäre der soziale Fortschritt wohl nicht oder sehr viel langsamer vonstatten gegangen, ohne Gewerkschaften wären Arbeitnehmer wehrlos, bzw. noch wehrloser. Und da ich, wie erwähnt, zumindest die österreichischen Gewerkschaften ein wenig intimer kenne, weiß ich, dass es zahllose Betriebsräte, Funktionäre und Angestellte bei denen und bei ihrer „Schwester“, der Arbeiterkammer, gibt, die Tag für Tag für die Rechte der Arbeitnehmer kämpfen, die um ihren Lohn oder ihre freien Tage betrogene oder ungerechtfertigt entlassene Arbeiter vor Gericht vertreten, die bei den Lohnrunden für halbwegs gerechte Gehaltserhöhungen streiten, die gegen Sexismus und Rassismus am Arbeitsplatz auftreten, die sich konsequent, also auch durch Musterprozesse, für den Konsumentenschutz stark machen, die die Arbeitnehmerschaft durch persönliche Beratung oder mit Broschüren über ihre Rechte aufklären und sich, verzeihen sie die rüde Sprache, täglich für ihre Mitglieder den Arsch aufreißen. Dieser Teil der Gewerkschaften ist es, der ihre Existenz nicht nur rechtfertigt, sondern notwendig macht. Wenn sich aber die Arbeitnehmervertretungen in die internationale Politik einmischen, und zwar in Fällen, die gar nichts mit Arbeitnehmerrechten zu tun haben, dann verwirrt das potenzielle Mitglieder und wirkt eher abschreckend. Es ist nichts, überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn „Trade Unions“ auf die teils katastrophalen Arbeitsbedingungen in anderen Weltgegenden hinweisen. Ja auch eine – faire – Auseinandersetzung mit der Lage der israelischen Araber auf dem Arbeitsmarkt oder der Arbeitssituation in Gaza und dem Westjordanland wäre völlig in Ordnung. Die ideologische Schlichtheit aber, mit der manche Gewerkschaften in das historisch überholte Geblöke  der „Antiimperialisten“ einstimmen, ist abzulehnen, weil politisch falsch und praktisch kontraproduktiv. Keinem Arbeitnehmer in Israel und Umgebung oder in den USA geht es besser, wenn sich europäische Gewerkschaften benehmen wie nie aus der Pubertät herausgekommene „Anti-Imps“ und den Denkmustern des längst geschichtlich entsorgten Kalten Krieges verhaftet bleiben.