Mit Unterberger im Knast

Schon wieder wurde ein Jugendlicher in einer österreichischen Strafanstalt vergewaltigt, berichtet der „Falter„. Und wieder mit einem Besenstiel. Tatort war die Justizvollzugsanstalt Gerasdorf. Und mittlerweile wird eine ganze Serie ähnlicher Fälle bekannt. So entsetzlich das ist, Überraschung ist es keine, denn dass in unseren Gefängnissen Menschen zu Opfern sexueller Gewalt werden, konnte jeder wissen, der sich nur einmal mit Gefängnisseelsorgern, Knastpsychologen oder ehemaligen Insassen unterhalten hat. Ein Bekannter, der mehrere Jahre in diversen Menschenkäfigen verbrachte, drückte es mir gegenüber so aus: „Im Knast wird immer der Schwächste gefickt, im übertragenen Sinn und wortwörtlich“. Das ist das wirklich Schreckliche an diesem Zustand, dass wir nämlich alle davon wissen, seit jeher davon wussten, und dass es uns egal war. Unsere Gesellschaft teilte mehrheitlich immer schon den Standpunkt der österreichischen Justizministerin, wonach das Gefängnis halt „kein Paradies“ sei und man sexuelle Übergriffe dort leider nie ganz verhindern können würde, wobei man sich zum letzten Satzteil ein lautes „hihihi“ dazu denken muss. Im österreichischen Strafrecht ist nicht vorgesehen, jemanden dazu zu verurteilen, vergewaltigt zu werden, aber unausgesprochen ist das dann real ein Teil der Strafe, und all die seelisch deformierten Menschen, die für sich Normalität reklamieren, weil sie sich halbwegs geschickt den Autoritäten unterwerfen, finden das nicht nur in Ordnung, sondern erfreuen sich am Gedanken, Strafgefangenen würde sexuelle Gewalt angetan, denn ihre eigene psychische Verfassung giert danach, Schwächeren Leid zuzufügen, und Häftlinge eignen sich als Gruppe, die man foltern kann, besonders gut, da die vermeintlich Rechtschaffenen sich dieser Gruppe in jeder Hinsicht überlegen fühlen.

Wer die Leserbriefe zu Fällen wie diesem liest oder am Stammtisch dazu nachfragt, blickt in einen Abgrund aus Sadismus und Hass, der einen schaudern lässt, weil man da das Böse murmeln hört, die Lust, gesetzlich gedeckt foltern, vergewaltigen und oft genug auch morden zu dürfen. Wie gefährlich die angeblich Braven und Normalen sind, zeigt auch Andreas Unterberger. Der Mann war immerhin lange Chefredakteur von zwei angesehen österreichischen Tageszeitungen, also keiner, der nur besoffen im Wirtshaus krakeelt, aber das hält ihn nicht davon ab, sich in seinem Blog „sehr zu freuen“, wenn ein Mensch einen anderen erschießt. Der Totschießer war ein Juwelier, der Totgeschossene einer, der den Juwelier ausrauben wollte. Noch untersucht die Polizei, ob hier Notwehr vorlag, aber ein Mensch ist tot. Darüber in Jubel auszubrechen zeugt von einem seelischen Notstand und einer Gewaltbereitschaft, die mich dazu veranlassen würde, alle Besenstiele zu verstecken, sollte ich je in die ungünstige Lage geraten, zusammen mit Herrn Unterberger in eine Zelle gesperrt zu werden. Leuten, die Gewalt gut finden, kann man nur schwer begreiflich machen, dass das an ihren eigenen psychischen Defiziten liegt. Der einzige Weg, die dazu zu bringen, beispielsweise Gefängnisvergewaltigung abzulehnen, ist, an deren Egoismus zu appellieren. Man muss ihre Vorstellungskraft darauf lenken wie es wäre, wenn sie selbst unschuldig im Knast säßen und dann einen Besen in den Arsch geschoben kriegten. Da solche Leute zur Empathie unfähig sind, bleibt nur, ihren Eigennutz anzusprechen.