Solidarität mit Gert Eggenberger

Die Kärntner Freiheitlichen versuchen, den Pressefotografen Gert Eggenberger fertigzumachen, indem sie ihn an der Ausübung seines Berufs hindern. Die „Kleine Zeitung“ berichtet:  Die Abgeordneten debattierten über Wahlkampfkosten und Neuwahltermine, als Lobnig plötzlich – ohne ersichtlichen Grund – Landtagsamtsdirektor Robert Weiß den APA-Fotografen entfernen ließ. Weiß bat Eggenberger, doch von der Pressetribüne im zweiten Stock des Hauses Fotos zu machen. Als dieser das dann auch tat, wollte ihn ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes auch dort hinauswerfen, weil er angeblich die Zuseher störe. Wenig später kam es zu einem weiteren Eklat. Eggenberger stand vor dem Plenarsaal im Vorraum, als Kurt Scheuch das Plenum verließ. Der Fotograf machte ein paar Bilder, Scheuch marschierte direkt auf ihn zu, bis sich die beiden knapp gegenüberstanden. Danach ließ sich Scheuch von Eggenberger noch mehrmals fotografieren, bevor er sich dann vor dem Landhaus darüber alterierte, dass Eggenberger ihn „bedrängt“ hätte. Zuerst sprach er von einer Distanz von 20 Zentimetern, die zwischen seinem Gesicht und dem Kameraobjektiv gelegen sei, wenig später waren es nur noch zehn Zentimeter. Mehrere Zeugen, die den Vorfall beobachtet hatten, bestätigten, dass nicht Eggenberger auf den FPK-Obmann zugegangen sei, sondern genau umgekehrt. „Der Fotograf ist hier gestanden, als Scheuch auf ihn zumarschiert ist“, erklärten mehrere Journalisten übereinstimmend. Scheuch beharrte auch der APA gegenüber auf seiner Version, obwohl es eine Videoaufnahme von dem Zwischenfall gibt, die das Gegenteil belegt.

Kenner der Kärntner Politik- und Journalistenszene rätseln nun, warum sich die Blauen ausgerechnet auf Eggenberger einschießen. Der Mann hat jahrzehntelang seine Professionalität und Unabhängigkeit unter Beweis gestellt, hat zu den politischen Parteien im Land stets Äquidistanz gehalten, hat sich nie als großer Kritiker der Freiheitlichen hervorgetan, auch im privaten Kreis nicht. Aber genau da liegt der blaue Hund wohl begraben. Indem sich die Freiheitlichen auf einen in bester Manier unabhängigen Fotojournalisten einschießen wollen sie signalisieren, dass man sie immer noch zu fürchten habe, dass ihr Zorn jederzeit jeden treffen kann, dass sie nach Gutdünken Existenzen vernichten können. Und nein, das ist keine Übertreibung. Wer einem Pressefotografen das Fotografieren verunmöglicht, gefährdet dessen wirtschaftliche Existenz. Dass die Freiheitlichen das einem Mann antun, der erst vor kurzem einen harten persönlichen Schicksalsschlag verkraften musste, sei zusätzlich erwähnt, zeigt es doch die Brutalität dieser Herrschaften.

Kärntens Journalistinnen und Journalisten sollten das nicht einfach hinnehmen, sondern sich mit Eggenberger solidarisieren. Kein Journalist sollte mehr eine blaue Pressekonferenz besuchen, solange sich die FPK nicht offiziell bei Eggenberger entschuldigt hat und ihn wieder ungehindert seiner Arbeit nachgehen lässt. Sollen die Scheuchs und Dörflers und Dobernigs und Lobnigs doch vor leeren Stühlen quatschen und OTS-Aussendungen schreiben! Ein Boykott freiheitlicher Presseveranstaltungen wäre nicht nur ein Gebot der Solidarität, sondern auch Selbstschutz, denn was heute Eggenberger widerfährt, kann schon morgen den nächsten Journalisten treffen.