Snowden, der Konsens-Spitzel

Ist euch, liebe Leserinnen und Leser, in der Sache Edward Snowden auch aufgefallen, dass nach Flutkatastrophe und Türkei-Demonstrationen schon wieder Volksgemeinschaft ist? Ein ganz großer Konsens einmal mehr, der von  unorthodoxen Linken zu den Rest-KPs, von Flüchtlingshelfern zu Polizeigewerkschaften, von den Grünen zu H.C. Strache, von Sozialdemokraten zu Katholiken, von Freigeistern zu den Kirchen, von jungen Bobo-Bürgerlichen zu deren rechtskonservativen Eltern, von Leitartikvollkotzern zu Feuilletonschönschreibern, von Facebookuserinnen zu den Piraten, von Unterschriftstellern zu Kulturschaffenden, von Muslimen zu Islamophobikern, von der Tea-Party zu manchen Demokraten, von CSU-Wählerinnen zu den Nazis und von den Nazis zu Jürgen Elsässer reicht.

Da stimmt doch was nicht.

Ein Berufsspitzel, der seinen Lebensunterhalt mit dem Ausspionieren anderer Leute verdient hat, bis er angeblich ein Damaskuserlebnis erleidet, wird zum Helden aller. Er hat nicht den Krebs besiegt, er hat keinen Welpen vor dem Ertrinken gerettet, er hat nicht einmal den Friedensnobelpreis gekriegt, aber alle lieben den Kerl und reichen kitschige Snowden-Parolenbildchen auf Facebook und Twitter aneinander weiter. Nun mag man sagen, dass dies kein Wunder ist in einer Welt, in der auch fast alle den Dalai Lama mögen, obwohl es sehr gute Gründe gibt, das nicht zu tun, und in der „Mutter Teresa“, die Todkranken Schmerzmittel verweigerte, zu einer sprichwörtlichen Heiligen avancieren konnte. Es ist wohl irgendwie Pop, seine eigene Ahnungslosigkeit Gassi zu führen, indem man ganz entsetzt und überrascht tut, wenn einer sagt, auch im Internet würde behördlich abgehört und spioniert, obwohl das wirklich jeder wusste, der sich in den vergangenen 20 Jahren nur ein klein wenig und ganz oberflächlich mit dem Netz und mit den Geheimdiensten befasste, und dann den Verkünder dieser seit langem bekannten Tatsache als größten Aufklärer seit Jahrzehnten abzufeiern. 

Seit vielen Jahren rüsten die Dienste großer und mittelgroßer Mächte ihre Cyberabteilungen massiv auf. Die machen das gleiche, das mit anderen Mittel immer schon gemacht wurde: Freund und Feind aushorchen, Industriegeheimnissen hinterherschnüffeln, mit gefälschten oder auch richtigen Informationen und durch deren gezielte Veröffentlichung Einfluss nehmen, Handelsabkommen befördern oder hintertreiben, reale Kriege  vorbereiteten oder verhindern und so weiter und so fort. Spionagekram as usual. Weshalb also die große Aufregung? Weil sich jeder ein bisserl zu wichtig nimmt und befürchtet, die NSA würde es gerade auf ihn abgesehen haben und ihm durch die Webcam beim Wichsen zuschauen? Weil das von Angela Merkel so putzig benamste „Neuland“ vielen doch neuer und daher unheimlicher ist, als man dachte? Weil wir mit den Füßen aufstampfen und schreien: „Wanzen sind ja okay, aber beim E-mail hört der Spaß auf“? Oder geht es, einmal mehr, bloß darum, dass wir es nicht mögen, wenn sich der mächtigste Staat dieser Welt auch als solcher aufführt? Mir persönlich ist die NSA nicht unangenehmer als ihr russischer/chinesischer/deutscher/französischer Gegenpart. Sie alle spielen ihre Machtspiele und sie alle möchten dabei im Dunkeln bleiben. Wir wollten das ja, sonst hätten wir die entsprechenden Politikerinnen nicht gewählt. Wir verlangten ja, dass unsere Herren und Meisterinnen gewählten Volksvertreter uns vor dem terroristischen Bi-Ba-Butzeman beschützen, und dafür haben wir mehrheitlich begeistert Freiheiten und Rechte ebenso geopfert wie zivilisatorische Standards. Wer nicht völlig dämlich war, musste wissen, dass der War on Terror ohne Grundrechtseingriffe, Totschießen per Joystickdrohnen und Folter nicht zu haben ist. Das war uns aber mehrheitlich egal, denn Angst ist menschlich, und da draußen schleicht ja tatsächlich ein Bi-Ba-Butzemann ums Haus herum, der schon mal Flugzeuge in Hochhäuser schmeißt, wenn die, die im Hochhaus wohnen oder arbeiten, nicht dasselbe glauben wie er.

Ich weiß auch nicht, was den Herrn Snowden antreibt. Ehrliche Empörung über seinen bisherigen Lebensunterhalt? Der Drang nach Ruhm? Zahlungen aus Moskau oder Peking? Es ist letztlich egal. Er hat öffentlich gemacht, was nie wirklich ein Geheimnis war, und wird dafür von den einen mit Strafe bedroht und von den anderen als Hero gefeiert. Das ist das eigentlich Seltsame am ganzen Zirkus, dass wir nämlich sehen: Die  Geheimdienstwelt ist genau so schäbig und kindisch, wie man sie sich immer vorgestellt hat, und die Staaten verhalten sich wie pubertierende Rotzbuben zueinander. Wenn keine Menschen Schaden nehmen würden, könnte man herzlich darüber lachen.

 

Ein St.Veiter FP-Gemeinderat, eine Knarre und ein seltsames Motto

Da FPÖ-Chef Strache offenbar gerne Menschen an den Internetpranger stellt, will der Lindwurm nicht päpstlicher als der Papst sein und auch was in den großen weiten Cyberspace schießen, was vielleicht sogar ein bisserl mehr Berechtigung zur Veröffentlichung hat als das Foto eines unbescholtenen und unschuldigen Nicht-Politikers. In St.Veit an der Glan gibt es einen FP-Gemeinderat namens Arno Kampl, der schon ein Mal auffällig geworden ist,  mit der Ankündigung, er würde „mit Gesindel gnadenlos aufräumen“ (mit „Gesindel“ war eine Menschengruppe gemeint, die von einem Facebook-Freund Kampls als „Jugos“ tituliert worden war). Dieses Prachtexemplar von Lokalpolitiker hat auch ein hübsches Pinnwandfoto auf seiner Facebookseite:

„Allzeitige Bereitschaft – numquam retrorsum“, hmm, da war doch was? Ja, in der Tat, als die Austrofaschisten 1933 das Parlament ausschalteten, wurde dies vom Wiener Kardinal Theodor Innitzer als „Anbruch einer neuen Zeit“ begrüßt, weswegen er den Katholikentag im selben Jahr unter eben dieses Motto stellte: numquam retrorsum, also „niemals zurück“ zur bösen Demokratie. Organisiert wurde dieser Katholikentag, das sei auch noch erwähnt, von Taras Borodajkewycz, einem fanatischen Antisemiten und überzeugten Nazi, der auch nach dem Ende des Zwölfjährigen Reichs seinen finsteren Ansichten treu bleiben sollte.

Was also will uns Herr Kampl mitteilen? Dass er sich auf das Ende der Demokratie freut und sich ideologisch irgendwo zwischen Klerikalfaschismus und Nationalsozialismus positioniert? Falls nicht, würde ich mich über eine nachvollziehbare Erklärung für die sonderbare Wahl dieses Mottos freuen, welches Kampl noch dazu unter ein Bild stellt, auf dem man ihn mit einer Knarre hantieren sieht. Vielleicht bezieht sich Kampl aber ja auch ausgerechnet auf eine deutsche Reservistenkameradschaft aus der tiefsten Provinz? Oder er ist World of Warcraft-Gamer? Oder Fan des FC-Steyr?

Bye bye, Alpendodeln

Die wohl widerwärtigste deutschsprachige Neonazi-Website wird abgedreht. Das ist eine kleine Genugtuung für alle, die von den anonymen Feiglingen, die diese Hassplattform betrieben haben, bedroht, beleidigt und verleumdet wurden. Endlich, nach viel zu langen Jahren, ist die Republik Österreich aktiv geworden und hat in den USA durchgesetzt, dass die Page nicht mehr bei einem amerikanischen Server unterschlüpfen darf. Doch dies kann nur der erste Schritt gewesen sein. Jetzt wartet das demokratische Österreich darauf, dass die Betreiber der Seite und deren Komplizen und Zuarbeiter ausgeforscht, verhaftet und vor Gericht gestellt werden. Zu viele Menschen wurden Opfer dieser neonazistischen Cyberkriminellen, und diese Opfer hoffen auf Gerechtigkeit.

Wikileaks-Appell der „taz“: Warum ich ihn nicht unterzeichnen werde

Die „tageszeitung“, der „Freitag“, die „Frankfurter Rundschau“, der „Tagesspiegel“, das „European Center for Constitutionel and Human Rights“, die „Berliner Zeitung“, „Perlentaucher.de“ und „netzpolitik.org“ haben einen gemeinsamen Appell gegen „Angriffe auf Wikileaks“ veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem: „Die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verbriefte Publikationsfreiheit ist eine Grundlage der demokratischen Gesellschaften. Sie gilt nicht nur für klassische Medien wie Zeitungen oder Fernsehanstalten. Das Internet ist eine neue Form der Informationsverbreitung. Es muss den gleichen Schutz genießen wie die klassischen Medien.“ Ja eh, das sehe ich auch so. Unterzeichnen werde ich den Appell trotzdem nicht, denn der ist mir nicht nur zu pathetisch formuliert, sondern auch zu ungenau. Wenn man schon, wie es dieser Appell tut, Internetpublikationen ganz generell mit Printmedien und Rundfunk gleichstellt, dann müsste man meiner Meinung nach auch fordern, dass sich Webmedien an dieselben Spielregeln halten sollten wie Zeitungen und TV-Stationen. Das bedeutet vor allem einmal, dass Betreiber von Websites mit Klarnamen und Impressum für ihre Ergüsse geradestehen. Wie könnte ich den „taz“-Appell unterschreiben, wenn derzeit das Netz von abertausenden anonym betriebenen Hassseiten verseucht ist? Gerade dieser Tage fährt zB eine der aggressivsten Neonazi-Websites im deutschen Sprachraum eine regelrechte Kampagne zur „Lösung der Judenfrage“. Wie kann ich angesichts der schwammigen Formulierungen im Appell sicher sein, dass, sollte ich unterzeichnen, meine Unterschrift nicht auch diesen Dreck unbeabsichtigt legitimiert? Publikationsfreiheit bedeutet nicht Narrenfreiheit, meine Herren und Damen von der „taz“.

Eine klitzekleine Schieflage

Elf russische Journalisten haben allein in diesem Jahr bereits gewaltsam ihr Leben verloren, zuletzt Jewgenij Fedotow am 23. Oktober in der Region Baikal. Mindestens 312 Journalistinnen und Journalisten wurden seit 1993 in der Russischen Föderation ermordet. Kaum ein Fall, der aufgeklärt wurde, selten ein Fall, der nicht politisch motiviert war, so die Stiftung zur Verteidigung von Glasnost. Jetzt dürfte es doch nur mehr eine Frage der Zeit sein, bis „Anonymous“ Putin und Medwedew die Hölle heiß macht und die Webauftritte russischer Konzerne, die mit diesen Mördern paktieren, lahmlegt, oder? Ach, ich vergaß: Die sozial gestörten und paranoiden Nerds werden ja nur dann aktiv, wenn ein anderer sozial gestörter und paranoider Nerd mit Messiaskomplex wegen sexueller Belästigung belangt wird. Dadurch wird die Meinungs- und Informationsfreiheit ja auch viel stärker gefährdet als durch Massenmord an kritischen Journalisten, nicht wahr?

Wirklichkeit ist langweilig

Die Wiklichkeit ist ja so öde. Realität ist nämlich, dass Wikileaks-Gründer Julian Assange in britischer Auslieferungshaft sitzt, weil er bei einem One-Night-Stand in Schweden keinen Gummi benutzt hat, seiner 20-jährigen Sexbekanntschaft dann dämmerte, dass einer, der so rasch mit ihr ins Bett steigt, das vermutlich öfters mal und mit rasch wechselnden Partnern macht, woraufhin sie einen Aids-Test von ihm wollte, ihn aber nicht telefonisch erreichen konnte, was sie dazu bewegte, zur Polizei zu laufen, um Assanges Aufenthaltsort eruieren zu lassen, die Polizei dann wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch die Staatsanwaltschaft einschaltete und eine ultra-feministische Staatsanwältin einen Haftbefehl wegen „sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung“ ausstellte, da in Schweden bereits Vergewaltigungsverdacht besteht, wenn sich eine Frau „nach dem Geschlechtsakt unwohl oder unsicher fühlt“. Eine weitere aktive Rolle spielte dabei eine schwedische Sozialdemokratin, Verfasserin eines Leitfadens für Frauen, wie man sich an Männern „legal rächen“ könne, die Assange nach einem Vortrag, den dieser auf ihre Einladung hin gehalten hatte, seinen Schlaf- und Vögelplatz vermittelte, dann aber sehr empört war, dass der Australier, den sie eben noch als neuen Helden der antiamerikanischen Linken angehimmelt hatte, so „sexistisch“ war, ein Beischlafangebot einer jungen Frau auch anzunehmen. Das ist alles ein bisserl widerlich und klebrig und banal, und sagt viel über den psychischen Zustand der skandinavischen Linken aus, liefert aber leider gar keinen Hinweis auf weltpolitische Hintergründe. Die Realität ist der Assange-Fangemeinschaft freilich Powidl, also mutiert die von ihrem Idol beschlafene 20-Jährige in Internetforen zur „Nutte“, zur „Schlampe“, und man unterstellt ihr und der Staatsanwaltschaft, auf Geheiß der CIA gehandelt zu haben. Die extreme Unwahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet schwedische Linke an einer Verschwörung des amerikanischen Geheimdiensts beteiligt sein sollten und dass der CIA nix Besseres einfällt, um einen angeblich so gefährlichen „Feind“ kalt zu stellen, als ihm schlimmsten Falles eine teilbedingte Verurteilung mit anschließendem Landesverweis einzubrocken, stört Verschwörungstheoretiker nicht in ihrem Wahn.

Ich gehöre nun nicht zu denjenigen, die Assange den Knast an den Hals wünschen. Ich finde auch Protestaktionen und Kampagnen seiner Fans in Ordnung, solange die sich im Rahmen der Legalität bewegen. Das tun sie aber nicht. Stattdessen bläst „Anonymous“, dieser lose Haufen von Script-Kiddies und Hackern und Nerds, zur Jagd und schreckt auch vor Cyberterrorismus nicht zurück. Und in den Internetforen hallt das hysterische Gekreische von Komplettverblödeten wider, die demokratische Rechtsstaaten nicht von Diktaturen unterscheiden können. Aber was mich so richtig ankotzt ist, dass „Anonymous“ & Co keinen Mausklick daran verschwenden, sich mit ähnlicher Energie mal für die wirklich Verfolgten einzusetzen, die von wirklichen Unterdrückerregierungen eingesperrt, gefoltert und ermordet werden, nur weil sie etwas publizieren, was den Herrschenden nicht passt. Und es ist mir auch nichts davon zu Ohren gekommen, dass die Wikileak-Fans, die derzeit einen Cyber-Krieg gegen die USA und Schweden führen, es auch nur in Betracht gezogen hätten, mal etwas gegen Neonazi-Websites zu unternehmen, auf denen Antifaschisten bedroht werden. Im Gegenteil. Sowas gehört in den Augen von „Anonymous“ zur „Netzfreiheit“, die eine absolute sein müsse, unter derem Schutz also auch Nazidreck und Kinderpornographie stehen sollten.

Wo wir gerade bei den Reizwörten Nazis und Pädopornos sind: Es ist schon wahr, dass westliche Regierungen sich diese abstoßenden Erscheinungen im Internet als Argumentationskrücken unter die Arme klemmen, um ihre teils bizarren Vorstellungen eines „sauberen“ Cyberspace durchzusetzen. Als Beispiel sei hier das neue deutsche Jugendschutzgesetz genannt, das Betreibern von Websites ab Anfang 2011 vorschreibt, „jugendgefährdende“ Inhalte mit einem Warnhinweis zu versehen, und zwar auf jeder Page der Website.  Und was nun „jugendgefährdend“ sein soll, wird nicht einmal eindeutig definiert. Dadurch wird zwar keine einzige Kipo- oder Naziseite verschwinden, aber zB Betreibern von Blogs wird das Leben erschwert und Abmahnanwälten ein neuer Geschäftszweig eröffnet. Das ist hilfloser Aktionismus von Politikern, die keine Ahnung haben, wie das Internet funktioniert, die aber der Öffentlichkeit dennoch Betriebsamkeit vorgaukeln wollen. Leidtragende werden die ehrlichen Websitebetreiber sein, die mit Name und Impressum für ihre Inhalte gerade stehen. Irgendwelchen Kriminellen, die ihre Server ohnehin im Ausland haben, wird das nicht einmal ein müdes Grinsen abringen. Die Proteste gegen diese tatsächlichen Eingriffe in die Webfreiheit bleiben aus. Denn es betrifft ja schließlich bloß uns alle und nicht nur einen Star der Hackerszene…

ps: Zur antiamerikanischen Hysterie, die sich nun wieder besonders stark austobt, hat Christian Ortner einen lesenwerten Kommentar in der „Presse“ geschreiben.

„Goyim Pracht“ hört endlich auf

Gute Nachrichten aus dem Cyberspace: Der vielleicht abscheulichste, wahnsinnigste und verhetzendste antisemitische Blog im deutsachen Sprachraum, „Goyim Pracht“, gibt auf. Beinahe ist das ja schade, denn dieser Internetauftritt war dermaßen rasend irrsinnig, dass er die gesamte verrückte Weltsicht pathologischer Antisemiten auf den Punkt gebracht hat. „Goyim Pracht“ war auch insoferne aufschlussreich, da er ein die bizarre Querfront zwischen Nazis, Islamisten, Verschwörungstheoretikern, Ökofaschisten und schlichtweg Geistesgestörten in einem einzigen Blog nachlesbar machte. Trotzdem ist es natürlich gut, dass dieser Dreck (hoffentlich samt seines offenbar schwer gestörten Machers) aus dem Internet verschwindet…

Bärendienstjuden

Wie der eine Leser oder die andere Leserin vielleicht schon bemerkt hat, ist dieser Blog israelfreundlich. Das bedeutet noch lange nicht, dass ich jede Aktion Israels befürworten würde, und schon gar nicht, dass ich der israelischen Politik und manchen Tendenzen in der israelischen Gesellschaft unkritisch gegenüberstünde. Es ist halt bloß so, dass man angesichts des anschwellenden Stroms ungerechter und antisemitisch motivierter israelfeindlicher Wortmeldungen fast keine Zeit mehr hat, neben dem Richtigstellen und Zurückweisen dieser antiisraelischen Propaganda auch mal die proisraelische Szene (oder was sich dafür hält) zu kritisieren. Heute hab ich aber ein wenig Luft…

Kürzlich flatterte mir eine E-Mail in den Postkasten, die mein Interesse weckte, da sie (in hebräischer Schreibweise) mit Gabi Ashkenazi unterschrieben war. „Da schau her“, dachte ich mir, „der Generalstabschef der Israelischen Streitkräfte höchstpersönlich schreibt mir. Noch dazu in perfektem Deutsch“. Der anonyme Verfasser, der sich mit Ashkanazis Namen schmückte, lobte die pro-israelische Ausrichtung meines Blogs, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass „noch einiges verbesserungswürdig“ sei, obwohl die „Grundrichtung stimmt“. Tja, danke auch, Lob liest man doch immer gerne. Dann freilich wurde es rasch unangenehm, verdächtig und eigenartig, denn Herr oder Frau „Ashkenazi“ legte mir nicht nur nahe, doch bitte am Sar-El-Programm teilzunehmen, um meine „ideologische Ausrichtung zu festigen“, nein, er und seine nicht näher bezeichneten „Leute“ seien auch dazu „befugt“, mich für „nachweislich proisraelische Arbeit wie das Führen eines Blogs oder proisraelische Leserbriefe oder Userkommentare in Tageszeitungen zu belohnen“. Ich als freiberuflicher Journalist sei doch sicherlich daran interessiert, „lukrative Aufträge von bekannten nationalen wie internationalen Zeitungen zu erhalten“. Spätestens jetzt hatte Herr/Frau „Ashkenazi“ bei mir verschissen, denn auf Bestechungsversuche reagiere ich allergisch. Außerdem roch die Sache seltsam, es kam mir vor wie der Versuch einer antisemitischen Organisation, den Beweis zu erbringen, dass pro-israelische Blogger gar nichts anderes sein könnten als bezahlte Auftragsschreiberlinge. Ich verfassste also eine Antwort-Mail, in der ich die Unterbreiter des unmoralischen Angebots aufforderte, sich mit Klarnamen zu erkennen zu geben, anderenfalls ich sie als antiisraelische agents provocateurs einstufen würde. Da wurde Herr/Frau „Ashkenazi“ richtig pampig und schrieb zurück: „Da sie auf unseren Erstkontakt mit Paranoia reagieren, betrachte ich unsere Unterhaltung für beendet“. Na bumm. Wenn man Zweifel an der Authenzität einer anonymen E-Mail hat, in der unverholen mit Bestechung gelockt wird, ist man also paranoid? So schnell kann´s gehen, lol.

Ich hätte die Sache ja auf sich beruhen lassen, hätten mir meine Quellen nicht bestätigt, dass die Mail nicht von Nazis/Palästinensern/Antiimperialisten stammte, sondern tatsächlich von einer weit rechts stehenden pro-israelischen Lobbygruppe. Und genau das macht die Sache so schlimm und berichtenswert. Wie dumm muss jemand sein, der einerseits im pseudo-militärisch-geheimdientlichen Jargon von „Erstkontakten“ schwafelt, einen als „Internetkrieger“ gewinnen möchte und dann in einer unverschlüsselten E-Mail „Belohnungen“ aka Bestechung in Aussicht stellt? Und dann noch dieser widerliche militaristische Tonfall in Sachen Sar-El, der an das altbekannte „Ham se überhaupt jedient, junger Mann?“ erinnert! Der Tiefpunkt ist freilich, dass ich, der ich seit 20 Jahren publizistisch Israel immer wieder verteidige, mir von ein paar Möchtegerns „Paranoia“ vorwerfen lassen muss, bloß weil ich offensichtlich ein bisschen besser als sie weiß, wie die antisemitische Szene tickt und welcher Taktiken die sich zuweilen bedient, und dass man, sofern man über halbwegs geschärfte Sinne verfügt, weder sensible Informationen per E-Mail teilt, noch auf diesem Wege Mitstreiter rekrutieren sollte.

Den Flaschenköpfen, die sich hinter dem großen Namen „Gabi Ashkanazi“ verstecken und einen auf martialisch und Superhardliner machen (Zitat aus der Mail: „Vermieden werden sollte alles, was Araber in einem positiven Licht erscheinen lässt“), ins Stammbuch geschrieben: Ihr erweist der pro-israelischen Sache einen Bärendienst mit dieser hilflos-peinlichen Art von „Hasbara“, mit eurer kindischen Radikalität, eurem extremen Araberhass und euren PR-Tipps für Debile. Glücklicherweise ist die überwältigende Mehrheit der Israel freundlich gesinnten Menschen dies nicht, weil sie auf „Belohungen“ seitens  dubioser Vereinigungen hofft, sondern aus moralischen, intellektuellen, politischen und persönlichen Gründen. Ihr hingegen tut euer Schlimmstes, um die leider ohnehin überschaubare Zahl proisraelischer Aktivisten zu diskreditieren, was wiederum für eure „Echtheit“ spricht, denn in Sachen Public Relations reiht sich ja leider von den IDF über das israelische Außenministerium bis hin zu manchen Lobbygruppen in der Diaspora ein Disaster an das andere. Ihr, die ihr mir die E-Mail geschickt habt, seid ungeschickt, allzu selbstsicher und wohl auch nicht die Klügsten.

Ach ja, für Sar-El war ich bereits eingeschrieben, bevor mir der Krebs dazwischen kam (und lange bevor ich Post von „Gabi Ashkenazi“ bekam) . Doch nicht, weil ich irgendeiner Art von „ideologischer Festigung“ bedurft hätte, sondern aus Solidarität und weil ich den Gedanken interessant fand, Israel mal aus der Perspektive jener Männer und Frauen kennenzulernen, die ihr Leben für den Judenstaat aufs Spiel setzen. Das nennt man Idealismus, nur für den Fall, dass das Leute, die einem „lukrative Aufträge“ versprechen, nicht buchstabieren können…

p.s.  Bloggerkollegen rate ich, E-Mails von diesen Leuten zu ignorieren. Ernsthafte Kontakte werden, falls erwünscht, nicht auf diesem Wege angebahnt, sondern durch persönliche Gespräche.

Einfach bescheuert, einfach grün

Die österreichischen Grünen haben sich eine Deluxe-Schnapsidee einfallen lassen: Sie möchten gerne auf jeden Internetanschluss eine Zusatzgebühr von zehn Euro draufpacken, die sie dann der armen Contentindustrie schenken wollen. Wer denkt sich sowas aus? Der interne grüne Arbeitskreis „Wir wollen niemals an die Macht“?

Zeig mir deine Wahlhelfer

Ein Herr Erich Reder aus Wien gefällt sich darin, mich und weitere Bloggerkollegen mit vollem Namen an den Internetpranger zu stellen, da wir es gewagt haben, die Kandidatur von Barabara Rosenkranz als skandalös zu kritisieren und weil wir auf die neonazistischen Unterstützerszene der Dame hingewiesen haben. Ganz empört gibt sich das Kerlchen und schreibt, nachdem er kritische Stimmen als „primitiv und unqualifiziert“ abgekanzelt hat, eine Lobeshymne auf die Frau, die man laut Spruch des EuGH als „Kellernazi“ bezeichnen darf. Eine Lobehuddelei, die vor Auslassungen und Schönfärberei nur so strotzt.

Lustig wird die Sache aber, wenn wir uns mal ansehen, wer dieser Herr Reder ist. Bei Erich Reder, dem Betreiber der Webseite erstaunlich.at, handelt es sich um einen Wiener, der mehrere Stripclubs bzw. Peepshows betreibt. Ein kleiner Milieukaiser aus dem „Zehnten Hieb“ ist er also , der edle Verteidiger der armen Frau Rosenkranz, und er bezeichnet seine Betriebe auch ganz offen als „Rotlichtlokale“. Schon amüsant, wenn so eine Figur, die von der Ausbeutung weiblicher Körper lebt, sich als moralische Instanz aufzuspielen versucht. Und bezeichnend, dass der Herr der FPÖ, also der Partei der „Ehrlichen und Anständigen“,  nahesteht. Wenn er nicht gerade die „Ehre“ von Kellernazis verteidigt, hetzt Herr Reder gegen Arbeitslose, Homosexuelle, Kunst und BDSM,  Schwulenehe, Abtreibung und was immer sonst noch als Zielscheibe für die Aggressionen einer politisierenden Halbweltfigur herhalten kann.

Die diversen Wahlhelfer und Unterstützer für Frau Rosenkranz, die sich bislang zu Wort gemeldet haben, sollten sich zusammenschließen und ein Personenkomitee bilden, vielleicht mit dem Namen „Nazis und Zuhälter für Babsi“?