King Abdullah Bin Abdulaziz International Centre

Es gibt viel Kritik am „King Abdullah Bin Abdulaziz International Centre“, dem Zentrum für interreligiösen Dialog, das von Saudi Arabien in Wien gegründet und finanziert wird. Ich aber sage euch: Es ist allemal besser, wenn die „Nutters of God“ (Roy Harper) miteinander reden, statt auf einander zu schießen. „Imagine no religion“, die Utopie von einer mit dem Menschsein ins Reine kommenden Menschheit, können wir uns wohl abschminken, denn die Zahl der bedrängten Kreaturen, die ihr spirituelles Opium wollen, wird nicht kleiner, auch wenn das bei oberflächlicher Betrachtung der Religiositätsentwicklung in manchen europäischen Staaten so aussieht. Nein, es gibt einen überaus vitalen Islam, ein in weiten Teilen der Welt, vor allem auch in den USA, Großbritannien, Russland und Südeuropa (von Lateinamerika und Afrika ganz zu schweigen), fast unvermindert einflussreiches Christentum, mehr Buddhisten und Hindus als je zuvor und einen ganzen Supermarkt voller neuer, wiederentdeckter oder gerade erst erfundener Religionen und Religionsersatzdrogen. Seit es in vielen Staaten als unschick gilt, Juden zu verfolgen und/oder zu ermorden, wächst sogar die Schar der Kinder Mose, wenn auch weniger rasant. Religion ist nicht tot, es kam uns bloß so vor. Ist halt so, trotz Bildung und Informationszeitalter. Was mich wieder an den Anfang dieses kleinen Beitrags zurückbringt: Wenn die bequatschen, wie man in Frieden miteinander auskommen könnte, soll mir das recht sein, auch deshalb, weil es vielleicht ein bisschen Energie, die die Religionen ansonsten darin investieren würden, Agnostikern und Atheisten auf den Sack zu gehen, bindet. Auch wenn die Initiative dazu von einem der furchtbarsten Gottesstaaten kommt und teilweise zu Recht als klerikalfaschistische Charmeoffensive bekrittelt wird, sollte man Dialogangebote nie rundweg ablehnen. Für saudi-arabische Verhältnisse ist so ein Dialog, der ja das Existenzrecht anderer Religionen eingesteht, schon ein Fortschritt. Man wird noch sehen, was im „King Abdullah Bin Abdulaziz International Centre“ besprochen werden wird, und es wird natürlich schon spannend sein zu beobachten, ob sich da bloß ein paar Pfaffen gegenseitig auf die Schulter klopfen und sich dann doch wieder nur in einem einigen, dass nämlich díe Nichtgläubigen verachtenswerter Abschaum seien, oder ob man da wirklich auch ein bisserl Tacheles darüber reden wird, warum zB Juden nicht nach Saudi Arabien reisen dürfen und Christen dort an der Religionsausübung gehindert werden. Dass die Leute in diesem „interreligiösen Dialog“ zu dem Schluss kommen, stets nur Unsinn verbreitet zu haben und dann einen mit einer Entschuldigung für all den blutigen Wahnsinn verbundenen Appell an die Weltbevölkerung veröffentlichen, doch bitte vom Gläubigsein abzusehen, darf man getrost als unwahrscheinlich voraussetzen, ohne damit rechnen zu müssen, von der Realität widerlegt zu werden. Aber wenn das Dialoggequastsche dazu führt, dass man ein wenig netter zueinander ist, wäre schon viel gewonnen.

Der Christ Mohammed, jüdische Christen, sumerische Arche Noah

Wenn der Wissenschaft keine Zügel und kein Maulkorb angelegt werden, dann fördert sie manchmal Forschungsergebnisse zutage, die vielen Menschen so sehr gegen den Strich gehen und all dem widersprechen, woran sie glauben, dass sie das Erforschte einfach ignorieren. Das Paradebeispiel dafür ist natürlich die seriöse Religionsforschung, die von den meisten konservativen Theologen, Priestern, Rabbinern, Imamen und anderen Berufsinterpreten der jeweiligen „heiligen“ Schrift geflissentlich totgeschwiegen, als Quatsch abgetan oder aggressiv bekämpft wird.  Derzeit flammt mal wieder die Diskussion darüber auf, wie das denn gewesen sein mag mit der Entwicklung des Islam zur Religionsgemeinschaft, und nicht wenige Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass Mohammed, so er denn überhaupt lebte, gar nicht die Gründung einer Religion im Sinn gehabt hatte, dass er möglicherweise Christ war und dass das, was wir heute unter Islam verstehen, sich erst im Laufe der Jahrhunderte herauszubilden begann. Nun ist das zwar diametral all dem entgegen gerichtet, was die meisten Muslime glauben, aber sie sollten sich nicht grämen, denn den anderen „Buchreligionen“ geht es da nicht besser. So wie der Islam wohl zunächst einfach nur eine Variante des Christentums war, war dieses wiederum lange eine innerjüdische Glaubensspielart, die sich auch erst geraume Zeit nach dem mutmaßlichen Tod Jesu` zu einer vollwertigen Religionsgemeinschaft auswuchs. Ja, es kommt noch dicker: Die Story vom Gott, der von einer Jungfrau als Mensch geboren wird und dann den Opfertod stirbt und wieder aufersteht, die gab es in vielen Versionen schon lange bevor Maria mit dem Heiligen Geist fremd ging. Und auch die Mutterreligion der Christen und Muslime, das Judentum, beruht nachgewiesenermaßen zum Teil auf älteren Texten und kulturell-religiösen Einflüssen, was man ja spätestens seit der Wiederentdeckung des Gilgamesch-Epos weiß, in dem die Geschichte von der Sintflut und der Arche schon gut tausend Jahre vor der Bibel erzählt wurde – und zwar teilweise wortident.

Macht all das nun Judentum, Christentum und Islam wertlos? Natürlich nicht. Der Wert oder Unwert einer Religion leitet sich ja nicht davon ab, wer wann welche Büchlein geschrieben hat, sondern von der Kraft der jeweiligen Glaubensrichtung, das Bedürfnis nach Spiritualität und religiös definierten moralischen Maßstäben, das nun einmal viele Menschen haben, zu befriedigen. Außer für religiöse Extremisten, die darauf bestehen, dass nur sie und niemand sonst das einzig wahre Wort Gottes verkünden, hat die wissenschaftlich erwiesene Tatsache, dass es kaum „Inselreligionen“ gibt, sondern dass die verschiedenen Glaubensgebäude mannigfach miteinander verflochten sind und sogar viel weiter in die Vergangenheit deuten, als es die Gläubigen bislang dachten, sogar etwas Tröstliches und Versöhnliches, zeigt es doch, wie sehr die Menschen einander ähneln und wie bescheuert es ist, jemanden aufgrund des Erscheinungsdatums des Buches, an das er glaubt, zu hassen und zu verfolgen. Es wird sicher noch lange dauern, bis die für viele erschreckende Wahrheit, dass nämlich Thora, Bibel und Koran voller älterer mythischer und religiöser  Traditionen und auch voller Übersetzungs- und Kopierfehler sind, im Mainstream ankommt. Wer aber als Agnostiker oder toleranter Glaubender dieses Forschungsfeld betrachtet, wird es sehr spannend und sehr lehrreich finden.

Religionsdebatte? Ja bitte!

So daneben und falsch das Geschwafel von Nicolas Sarkozy über die angebliche „Niederlage der multikulturellen Gesellschaft“ auch ist, so richtig ist das Vorhaben des französischen Präsidenten, eine Debatte über die Rolle des Islam in einer laizistischen Gesellschaft anzustoßen. Wer bildet die Imame aus? Was wird in den Moscheen gepredigt? In welcher Sprache wird gepredigt? Welche Spielart des Islam will man in Europa haben und welche nicht? Das sind lauter legitime Fragen, die diskutiert werden müssen, ohne dass sofort „Rassismus“ oder „Islamophobie“ als Kampfbegriffe in Anschlag gebracht werden. Natürlich wird man die Ernsthaftigkeit und Redlichkeit der Debatte vor allem daran messen, ob bloß über Muslime geredet wird, oder mit ihnen. Vernünftigerweise sollte man bei der anstehenden Grundsatzdiskussion Menschen islamischen Glaubens einbinden, denn Ausgrenzung führt zu Abschottung, und dann können sich die Radikalen als Anwälte muslimischer Interessen aufspielen. Mit Fundamentalisten braucht man aber nicht zu reden, das ist bekanntermaßen sinnlos.

Auch in Österreich wäre es höchste Zeit, über den Stellenwert der Religion intensiv nachzudenken. Österreich kann von sich ja noch nicht einmal behaupten, ein laizistischer Staat zu sein, so lange der Straftatbestand der „Herbwürdigung religiöser Lehren“ besteht und Menschen immer wieder deswegen verurteilt werden. Dieser Paragraph gehört ersatzlos gestrichen, denn die „Beleidigung“ von Göttern oder Propheten darf im Europa des 21. Jahrhunderts nicht mehr strafwürdig sein. Es reicht doch völlig aus, wenn die Hetze gegen Gesellschaftsgruppen oder die Verleumdung realer Menschen Straftatbestände sind. Und eine zivilisierte moderne Gesellschaft sollte es schaffen, sowohl die Religionsfreiheit zu garantieren, als auch die Möglichkeit, fundamentale Kritik an Religionen zu üben. Religiöse Menschen, die sich durch Kritik an oder Spott über ihre imaginären Freunde in ihren Gefühlen verletzt sehen, sollten nicht nur ihren Gefühlshaushalt überprüfen, sondern auch ihre Glaubensfestigkeit. Und areligiöse Menschen müssen es in ihren Kopf kriegen, dass es ein entscheidender Unterschied ist, ob ich Mohammed oder Jesus kritisiere oder verspotte, ob ich Aspekte der religiösen Gedankengebäude ablehne oder verhöhne, oder ob ich die Muslime, die Christen oder die Juden angreife. Ist das so schwer zu kapieren?

Von Marrakesch bis Teheran – Da wächst etwas völlig Neues heran

Noch kann kein Mensch seriös abschätzen, was aus der tunesischen Jasmin-Revolution werden wird. Von einer Wachablöse innerhalb der bislang herrschenden Kleptokratenclique über eine islamistische Machtergreifung bis hin zur Einführung einer Demokratie westlichen Zuschitts scheint alles möglich. Dennoch möchte ich ein paar Gedanken, die mir angesichts der aktuellen Eriegnisse durch den Kopf gehen, niederschreiben:

-Wenn ein Volk nicht mehr mitspielen will und zu Hundertausenden auf die Straße geht, haben die Herrscher ausgespielt. Da helfen weder Schießbefehl, noch Kreidefressen und auch keine süßen Versprechungen mehr.

-Die Jasmin-Revolution ist die erste ihrer Art im arabischen Raum, und sie lässt viele selbst ernannte „Experten“, die uns immer versichert haben, eine vom Volk ausgehende Demokratiebwegung hätte dort keine Chance, alt aussehen und entlarvt den rassistischen Kern solcher Einschätzungen.

-Islamisten sind bei dieser Revolution nicht die großen Wortführer und sie können sich nicht als einzige Alternative zur Diktatur inszenieren. Das werden die Bevölkerungen anderer arabischer Staaten mit mindestens ebenso großem Interesse wahrnehmen wie die erfreuliche Erkenntnis, dass die Tyrannei kein Naturgesetz, kein Schicksal in der arabischen Welt ist.

-Der Westen, allen voran die Obama-Administration, wurde vom Umsturz ebenso kalt erwischt wie Ben Ali. Gerade erst hatte man die so gerne verlachte (und von Europa ohnehin nie mitgetragene) Strategie von George W. Bush, die Demokratie in der islamischen Welt zu verbreiten, zu Grabe getragen und war wieder zur ranzigen alten Politik übergegangen, „gute“, also halbwegs strategisch brauchbare Diktaturen nicht nur gewähren zu lassen, sondern auch kräftig zu finanzieren, da kommt das freche tunesische Volk daher und jagt einen dieser „guten“ Diktatoren zum Shaitan. Daher auch das ohrenbetäubende Schweigen der europäischen Regierungen und der USA zu den historischen Ereignissen in Nordafrika.

-Vom Medienmainstream ignoriert und von allen Geheimdiensten und Analytikern unterschätzt ist eine neue Generation im arabischen Raum und auch im Iran herangewachsen, eine Generation, die gebildet ist und das haben will, was jedes Menschen Recht ist, nämlich ein Leben in Freiheit, eine Zukunft, Mitbestimmung. Diese Generation wird immer lauter und mutiger, und zwischen Marrakesch und Teheran wird es für die Unterdrücker immer schwieriger, den Ruf nach Veränderung niederzuknüppeln. Sogar im Gazastreifen wagt sich langsam eine Jugend ans Licht, die von nationalistischem Pathos ebenso die Schnauze voll hat wie von religiösen Opiaten. Noch wird diese Jugend aufgerieben zwischen islamistischen Fortschrittsverweigerern, absolutistischen Erbmonarchien und brutalen Militärdiktaturen, aber schon bald, schneller vielleicht als die meisten annehmen, könnte sie all die bösen alten Männer, die der Jugend die Zukunft stehlen, auf der Müllkippe der Geschichte entsorgen. Diese Jugend ist vielleicht die größte Hoffnung für einen grundlegenden Wandel zum Besseren, den es derzeit gibt, denn sie will Demokratie statt Dschihad, Sex statt Scharia, Facebook statt Faschismus, Disco statt Diktatur, Bikinis statt Burka. So eine Jugend wird es auch sein, die einmal den Nahostkonflikt beenden wird. Das haben die meisten Europäer und Amerikaner freilich noch nicht begriffen, ganz egal, ob von der Linken oder der Rechten. Gerade der Großteil der Linken steht vor einem neuerlichen historischen Großversagen, denn statt sich mit der propressiven Jugend zu solidarisieren, macht die sich lieber mit den Unterdrückern dieser Jugend gemein. Echte Linke müssten sich ohne Wenn und Aber auf die Seite jener jungen Menschen stellen, die von der Hamas zusammengeschlagen werden, bloß weil sie keinen Bock auf ewigen Krieg mehr haben, statt die Hamas zu unterstützen und damit die Frustration der unter ihr und dem Kriegszustand leidenden Menschen zu perpetuieren und die Chance auf Frieden und Freiheit zu minimieren.

-Grundsätzlich wäre es mal Zeit für ein wenig Optimismus. Das rassistische Klischee von der arabischen Welt als hoffnungslos reformunfähige Brutstätte für Dschihadisten und brutale Diktatoren gehört entsorgt. Vielleicht kommen die großen Veränderung hin zum Positiven nicht gleich morgen, vielleicht wird es in einigen Ländern auch schreckliche Rückschritte geben, aber auf Dauer wird die Sehnsucht nach Glück und Freiheit obsiegen. Tunesien hat gezeigt, dass jene Leute, die den Arabern grundsätzlich die Fähigkeit zur Reform absprechen, genauso flasch liegen könnten wie die Langsamdenker, die noch 1989 davon überzeugt waren, der Eiserne Vorhang würde ewigen Bestand haben und eine friedliche Änderung der politischen Verhältnisse in Osteuropa sei eine naive Utopie.

Sex and the muslim city

Der tschetschenische Schriftsteller German Sadulajew hat seinen Landsleuten attestiert, am Widerspruch zwischen Internetpornokonsum und islamischer Sexualrestriktion irre zu werden. Mehr hat er nicht gebraucht! Tschetscheniens Präsident, der Mörder und Islamist Ramsan Kadyrow, hat im Fernsehen verkündet, Sadulajew sei „kein Tschetschene, kein Muslim, ja nicht einmal ein Mensch“. Der Menschenrechtsbeauftragte der Republik, in der Menschenrechte nichts zählen, Nurdi Nuchaschijew, ließ dem Schriftsteller ausrichten, dass dieser „das Volk erniedrigt und sich selbst demütigt“. Dabei hat Sadulajew, wenn auch etwas bedenklich formuliert, nur das ausgesprochen, was fast in der gesamten islamischen Welt tatsächlich ein Riesenproblem ist: Das Aufeinanderprallen vormoderner Wertvorstellungen mit der Informationstechnologie, die es mittlerweile schon im hintersten jemenitischen Hirtendorf ermöglicht, das gesamte Sexualalphabet von Analsex bis Zoopohilie bildlich durchzugehen.

Natürlich verstärkt der Zugang zu Pornographie die Sehnsucht, Sexualität auch auszuleben, doch dem steht eine Kultur gegenüber, die jegliche sexuelle Aktivität außerhalb der Ehe tabuisiert und kriminalisiert. Und heiraten ist in vielen islamischen Gesellschaften gar nicht so einfach, denn sehr oft muss nicht nur die Liebe hinter strategisch geplanten Verbindungen zurückstehen, auch finanzielle Probleme führen dazu, dass viele Männer sich den „Brautpreis“ gar nicht oder erst sehr spät im Leben leisten können. Ehen ohne Liebe, einsame Jungesellen, zwangsverheiratete Mädchen – keine guten Voraussetzungen für ein erfülltes Sexualleben (einen bewegenden, intimen und keineswegs herablassenden Einblick in diese Problematik gewährt übrigens die hervorragende Dokumentation „Liebe im Palmenhain“ von Jérôme le Maire). Millionen Menschen in muslimischen Ländern, davon ein Großteil Männer, sind also sexuell frustriert und außerdem geplagt von Schuldgefühlen. Sie möchten gerne, dürfen aber nicht. Sie schauen sich Pornos an und schämen sich danach zutiefst. Und ganz besonders heikel wird es, wenn junge muslimische Männer entdecken, dass sie homo- oder bisexuell sind. Von Kindesbeinen an wird ihnen eingetrichtert, dass freie Sexualität ein Verbrechen gegen Allah sei, dass die Liebe hinter den Interessen der Familie oder des Clans hintanstehen müsse, dass Homosexualität ein todeswürdiges Vergehen sei.

Das Zeitalter von Internet und Satellitenfernsehen hat freilich ohnehin vorhandene Widersprüche nur verstärkt, nicht erschaffen. Es ist doch bemerkenswert, dass es kaum wo anders dermaßen viele Liebeslieder, schmachtende Liebeslyrik und, seit Verbreitung von Kino und Fernsehen, kitschige Telenovelas mit dramatischen Lovestories gibt wie in der arabischen und islamisch geprägten Welt. Sexueller Wunsch und sexuelle Wirklichkeit klafften im Islam von Beginn an weit auseinander. Freilich war das auch in der christlichen und jüdischen Kultur lange so, und auch heute noch ist Sexualität ein konfliktträchtiges Thema in streng religiösen Milieus. Und die sexuelle Befreiung ist im „Westen“ weder abgeschlossen, noch hat sie eine lange Tradition, und außer Gefahr sind ihre Errungenschaften noch lange nicht. Es gibt sogar Tendenzen, die Sexualrepression wieder zu verschärfen. Sehr viele Konservative möchten gerne zurück zu einem gesellschaftlichen Klima vor Pille und Schwulenbewegung, und manche „Linke“ und Feministinnen arbeiten mit einem von puritanischer Lustfeindlichkeit kaum noch unterscheidbaren Nachdruck daran, die „Sexualisierung“ der Gesellschaft zur Ausbeutung der Frau umzudeuten – was in manchen Fällen ja auch stimmt, vielfach aber überdramatsiert wird. Und natürlich ist die Einstellung der westlichen Gesellschaften zum Sex weder unverkrampft, noch völlig gesund, woran zu einem nicht geringen Teil der religiöse Background dieser Gesellschaften eine Mitschuld trägt. Aber es ist trotzdem nicht vermessen zu konstatieren, dass im Westen insgesamt schlicht freier mit Sexualität umgegangen wird als im arabischen/islamischen Raum und dass die Zahl der pathologischen Verformungen, die ein unterdrückender Umgang mit Sexualität nach sich zieht, langsam im Sinken begriffen ist.

Mohammeds Söhne und Töchter müssen damit klarkommen, dass ihnen eine sexuelle Revolution ins Haus steht, die auch durch harte Strafandrohungen nicht aufgehalten werden kann. Noch gibt es ja die perverse Situation, dass, zugespitzt formuliert, Hamas-Mitglieder nachts vor dem Computer sitzen und zu Bildern von Bikinischönheiten vom Tel Aviver Strand onanieren, während sie tagsüber die Ermordung genau dieser Schönheiten planen. Noch trägt die Verbreitung von offen gezeigter Sexualität dazu bei, dass viele Muslime zwischen heimlicher Begeisterung für westliche sexuelle Freiheiten und Neid auf diese hin- und hergerissen sind und sich, ausgelöst durch Schuldgefühle, in einen moralischen Überlegenheitswahn hineinsteigern. Noch lassen sich viele muslimische Frauen ihre soziale, sexuelle und rechtliche Schlechterstellung gefallen. Aber das muss nicht so bleiben, und das wird wohl auch nicht so bleiben. Und wenn sich die sexuelle Unterdrückung nicht mehr halten lässt, dann werden auch die religiösen Dogmatiker langsam ihrer dominierenden Stellung beraubt werden. Ganz so, wie es hier bei uns der Fall war.

Morphium für das Volk

Wie ich dem „Spiegel“ entnehme, liebe Frau Lauren Booth, ihres Zeichens Schwägerin des früheren britischen Premiers Tony Blair, sind zu zum Islam konvertiert. Nach einem Besuch in der shiitischen Pilgerabzockstadt Ghom im Iran hätten sie, so ihre eigenen Worte, „plötzlich pures Glück und Freude gespürt“, es sei wie „spirituelles Morphium“ gewesen. Und wissen sie was, Frau Blair-Schwägerin: Genau das ist das Problem mit Religionen. Aber ihrem Spatzenhirn das erklären zu versuchen, wäre wohl fruchtlos, denn Junkies hören bekanntermaßen nicht auf gute Ratschläge oder Vernuft. Die Burka möchten sie auch gerne tragen, haben sie verkündet. Nun, Frau Booth: Das ist allemal noch steigerungsfähig. Schalten sie ihren Restverstand, mit dessen schwacher Hilfe sie derzeit gerne gegen Israel wettern, einfach ab, schnallen sie sich einen Sprengstoffgürtel um und jagen sie sich und ein paare ungläubige Teufel in die Luft! Das wäre für sie dann wohl wie „spirituelles Heroin gemischt mit spirituellem Crack“…

Kulturkrieg kommt in Fahrt

Ein liebliches gesellschaftliches Klima haben Thilo Sarrazin, BILD und die rechte Blogosphäre da geschaffen: Nach Recherchen von „Report Mainz“ bekommen Wissenschafter, die sich kritisch zu den Thesen Sarrazins äußern, Morddrohungen und hunderte Hass- beziehungsweise Droh-E-Mails. Die Kulturkrieger haben es also geschafft, so etwas wie ein Gleichgewicht der Verrohung zu kreieren. Jetzt bekommen nicht mehr bloß jene Menschen Morddrohungen, die etwas sagen, zeichnen oder schreiben, was die Islamisten in ihrem religiösen Machtwahn für todeswürdig erachten, nein, auch wer gegen pauschalisierende „Islamkritiker“ auftritt, muss nun um sein Leben fürchten. Die BILD-Parole „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ wird ernst genommen, und gerade bei den Deutschen muss man, das hat dieses Volk bewiesen, damit rechnen, dass sie das, was sie sagen, auch so meinen und  dass den Worten Taten folgen.

„Report Mainz“ berichtet auch darüber, dass nach der Sarrazin-Debatte nun mehr als die Hälfte der Deutschen „islamfeindlichen Aussagen“ zustimme. Da wäre es freilich wichtig zu wissen, was unter „Islamfeindlichkeit“ zu verstehen ist. Streng religiöse Muslime betrachten ja so gut wie alles, was nicht in ihr korankleines Bild der Welt passt, als „islamfeindlich“. Wer gegen Frauenbenachteiligung, klerikale Allmachtsansprüche und Beschneidung der Meinungsfreiheit auftritt, also gegen die Positionen des politischen Islam, ist in meinen Augen noch lange nicht „islamfeindlich“, einmal ganz abgesehen davon, dass man in einer säkularen Gesellschaft natürlich auch „islamfeindlich“ sein dürfen muss, also den Islam als Religion ebenso in toto ablehnen können muss wie alle anderen Religionen. Da ich meine Pappenheimer aber kenne weiß ich sehr wohl, dass „Islamkritik“ bzw. „Islamfeindlichkeit“ nur allzu oft der respektabel erscheinende Vorwand ist, um muslimische Menschen hassen zu können. Wenn der typische BILD-Leser von Islamkritik redet, dann meint er: „Moslems raus“.

Nun mache ich mit keine übertrieben große Sorgen um die Muslime in Deutschland, die zum größten Teil türkischstämmig sind. Die wissen sich im Fall der Fälle zu wehren, und mit deren Schutzmacht Türkei ist weder diplomatisch, noch wirtschaftlich und schon gar nicht militärisch zu spaßen. Sorgen bereitet mit viel mehr die Gefahr, dass das zunehmend hysterische Gekreische der Radikalen auf beiden Seiten dazu beiträgt, dass politischer Abschaum in Machtpositionen gespült wird dieser und dann all das, was unsere Gesellschaften lebenswert macht, zerstört. Ich für meinen Teil möchte in einem freien Land leben, in dem die Toleranz ein ebenso wichtiger Grundsatz ist wie die Intoleranz gegenüber den Intoleranten. Wer an Allah, Gott, HaSchem oder das Fliegende Spaghettimonster glauben will, sollte das tun dürfen, aber er soll gefälligst die Finger von der Politik lassen und keine Morddrohungen ausstoßen!

Türkische Milchpackungen und verlogene „Israelfreunde“

Ha, mal wieder eine Wette mit mir selbst gewonnen, obwohl ich zugeben muss, dass das eine echte Safe Bet war: Die Freaks von „Politically Incorrect“ sind natürlich voll auf die Story von den türkisch beschrifteten Milchpackungen der Niederösterreichischen Molkerei (NÖM) angesprungen und sehen das Abendland einmal mehr untergehen, wobei das Abendland in den Beiträgen auf PI dermaßen oft untergeht, dass man sich wundert, wenn man vor die Tür geht und feststellt: es ist immer noch da. Im entsprechenden Artikel setzt PI gleich drei Links zum FPÖ-nahen Blog „SOS Österreich“, wo man vor allem am Chefideologen des österreichischen Rechtsextremismus, dem schlagenden Burschenschafter, Publizisten und FPÖ-Politiker Andreas Mölzer, einen Narren gefressen hat. Mölzer ist erst vor wenigen Tagen wieder unangenehm aufgefallen, als er zusammen mit Figuren wie Jean-Marie Le Pen und anderen Vertretern der extremen europäischen Rechten den japanischen Yasukuni-Schrein besuchte, um dort die Kriegsverbrecher der Achsenmächte hochleben zu lassen Blumen niederzulegen.

Ob da bei PI-Betreiber Stefan Herre ein Glöcklein klingelt? Er nimmt für seine Website ja in Anspruch, „proisraelisch“ und „proamerikanisch“ zu sein. Welcher Verrenkungen der Ganglien bedarf es, um sich selbst so zu definieren und gleichzeitig mit Leuten zu paktieren, die den ehemaligen Komplizen Nazi-Deutschlands die „Ehre“ erweisen? Komplizen, ohne deren taktische Beihilfe der Massenmord an den europäischen Juden so leicht nicht verübt werden hätte können? Komplizen, die mit einem Fanatismus ohne Gleichen einen Angriffskrieg gegen die USA führten? Aber was wundere ich mich eigentlich? „Politically Incorrect“ stimmt ja auch immer wieder Lobgesänge auf den verstorbenen Jörg Haider an, der wie sich wie kaum ein anderer europäischer Politiker bei den Todfeinden Israels eingeschleimt hatte. „Politically Incorrect“ findet die FPÖ ganz dufte, obwohl die federführend in so zutiefst israelfeindlichen Organisationen wie der „Österreichisch-Syrischen Gesellschaft“ und der „Österreichisch-Irakischen Gesellschaft“ aktiv war und ist. Man sollte den Tatsachen ins Auge blicken, und Tatsache ist, dass Israel von der Schreiber- und Leserschaft von PI nur aus einem einzigen Grund mit Sympathie bedacht wird: Man hasst die Muslime und sieht in Israel das „Geringere Übel“ und imaginiert sich Israel, um mal eine PI-gerechte Formulierung zu benutzen, als eine Art „Wehrbauernstaat“ gegen die islamischen Horden. Würde ein Magier über Nacht alle Muslime verschwinden lassen, Herre und seine Fans würden binnen Sekunden das Gratsibekenntnis „proisraelisch“ aus dem Header ihrer Website löschen und uns mit allerlei Gruselgeschichten über angebliche Untaten der unchristlichen Juden belästigen.

Man sieht: wer sich auch nur ein klein wenig mit der Politik und Gesinnung von PI-News und den Leuten, mit denen dieses Hetz-Portal sympathisiert, auskennt, der wird rasch feststellen, dass die „Israelfreundlichkeit“ von PI eine verlogene Fassade ist.

Moschee auf „Ground Zero“: Why not?

Seit Monaten wird in den USA und vor allem in New York teils sehr emotional darüber gestritten, ob es Muslimen erlaubt werden sollte, auf dem Gelände des Anschlags vom 11. September, „Ground Zero“ genannt, eine Moschee zu errichten. Nun hat sich US-Präsident Obama dazu zu Wort gemeldet„Muslime haben wie alle anderen Religionsgruppen auch in diesem Land dasselbe Recht, ihre Religion auszuüben. Das beinhaltet auch das Recht, auf Privatgrundstück einen Raum für den Gottesdienst und ein Gemeinschaftszentrum in Manhattan in Übereinstimmung mit den lokalen Gesetzen und Bestimmungen zu errichten.“

Recht hat er! Die Religionsfreiheit und das Recht auf Privatbesitz sind Eigenschaften einer modernen westlichen Demokratie, die sie von ihren Feinden unterscheidet. Würde man die Freiheit auf Religionsausübung einschränken, näherte man sich den Zuständen in größten Teilen der islamischen Welt an, wo der Bau von nicht-muslimischen Gebetshäusern untersagt ist, wo teilweise auf nicht-muslimische „Missionierung“ die Todesstrafe steht oder wo, wie zB in Afghanistan, Menschen einfach aus dem Grund ermordet werden, weil sie mit einer Bibel erwischt werden. Man darf zudem den US-amerikanischen Geheimdiensten und Strafverfolgungsbehörden mittlerweile zutrauen, dass sie islamistische Entwicklungen sehr genau beobachten und eventuelle Terrorzellen im eigenen Land gut im Griff haben. Und eine „Islamisierung“ der USA ist in etwa so wahrscheinlich wie der Übertritt des saudischen Königshauses zum Christentum. Islamkritik ist wichtig und richtig, doch blindwütige Emotionalisierung und das Verlagern der Diskussion auf die Ebene der Symbolik ist das Gegenteil von Kritik und nur der Ausdruck von Hass und Populismus. Wie ich hier schon mehrmals schrieb: Nicht die Moschee ist das Problem, sondern die Inhalte, die in ihr gepredigt werden.